Haarfärbemittel, insbesondere chemische, haben einen schlechten Ruf. Es wird behauptet, dass sie Krebs auslösen und allergische Reaktionen, Leber- und Nierenschäden verursachen können. Schwangeren Frauen wird sogar vollständig vom Haarefärben abgeraten, da es der Gesundheit schaden soll. Doch was ist dran an diesen Behauptungen und worauf sollten Sie beim Haarefärben achten? Und wie sind eigentlich natürliche Haarfärbemittel zu bewerten?
Die Risiken chemischer Haarfärbemittel
Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Studien, die Haarfärbemittel mit der Entstehung von Krebs in Verbindung bringen. Demnach hätten Menschen, die sich regelmäßig die Haare färben (lassen), vor allem aber Friseurinnen und Friseure, ein erheblich höheres Krebsrisiko als der Rest der Bevölkerung. Auf diese Studien wird immer wieder verwiesen und daraus abgeleitet, dass Haarfärbemittel in höchstem Maße gefährlich seien. Allerdings wird nur selten erwähnt, dass die Studienergebnisse für moderne Haarfärbemittel keine Gültigkeit besitzen. Denn: Die Studien und damit auch die untersuchten Produkte sind mehrere Jahrzehnte alt.
Aktueller Stand der Forschung
Die Stoffe, die damals in Haarfärbemitteln enthalten waren, sind heute von den Zutatenlisten verbannt. Seit dem Jahr 2006 gilt eine neue EU-Vorschrift: Jetzt sind nur noch Inhaltsstoffe erlaubt, für die Sicherheitsdossiers vorliegen. Die Europäische Kommission bezeichnet die in der EU erhältlichen Haarfärbemittel als sehr sicher.
Ein bedenklicher Stoff ist jedoch zu nennen: aromatische Amine, die häufig in Haarfärbemitteln enthalten sind. Zu ihnen besteht noch Forschungsbedarf, denn sie werden ebenfalls mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht.
In der Forschung werden dauernd neue Erkenntnisse gewonnen. Auch wenn das Krebsrisiko durch eine Haarfärbung gemäß den aktuellen Erkenntnissen nicht erhöht wird, sind Haarfärbemittel auch nach heutigem Wissensstand nicht ganz ungefährlich. Viele von ihnen enthalten Chemikalien, die zum Teil schwere allergische Reaktionen - bis hin zu einem anaphylaktischen Schock - auslösen können.
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Zu den Stoffen, die besonders häufig Allergien auslösen, gehören unter anderem:
- Toluene-2,5-Diamine Sulfate
- Paraphenylendiamin (PPD)
- Resorcin
Manche von ihnen sollen auch die Leber und die Nieren schädigen können. Dass diese Auswirkungen beim Haarefärben auftreten könnten, ist nicht ausgeschlossen. Die meisten Hersteller von Mitteln, mit denen man die Haare selbst färben oder tönen kann, raten in der Gebrauchsanweisung zu einem Verträglichkeitstest. Dazu soll das Mittel zunächst in der Ellenbeuge aufgetragen und dann die Reaktion beobachtet werden. Erst wenn vierundzwanzig Stunden lang keine Allergiesymptome auftreten, sollte man die Haare tönen oder färben.
Diese Empfehlung ist jedoch umstritten. Der Organismus kann nur allergisch auf einen Stoff reagieren, den er bereits kennt. So ist es möglich, dass durch den Test am Arm die Sensibilisierung zwar stattfindet, aber sich noch keine Reaktion zeigt. Je weniger Kontakt das Haarfärbemittel mit der Haut hat, desto geringer ist auch das Allergierisiko. Daher sollten beim Selbstfärben unbedingt Handschuhe getragen werden. Diese liegen den Packungen in der Regel bei. Achten Sie darauf, die angegebene Einwirkzeit nicht zu überschreiten, damit die Kopfhaut nicht länger als nötig mit der Haarfärbung in Berührung kommt.
Färbemethoden, bei denen das Produkt gar nicht mit der Kopfhaut in Berührung kommt, sind zu bevorzugen, um Kontaktallergien zu vermeiden. Dazu gehören zum Beispiel Strähnchen oder der sogenannte Ombre-Stil, bei dem nur die Längen und Spitzen gefärbt werden.
Einige Chemikalien, die in Haarfärbemitteln vorkommen, wirken hautreizend. So kann es beim Färben zum Beispiel zu brennender und juckender Kopfhaut und Rötungen kommen. Häufig wird davon abgeraten, die Haare in der Schwangerschaft zu färben oder zu tönen. Die Färbemittel, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind, enthalten keine Stoffe, die nach heutigem Wissensstand erwiesenermaßen gesundheitsschädlich sind.
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Wie chemische Haarfarben wirken
Sogenannte Oxidationshaarfarben, besser bekannt als Haarfärbungen (im Gegensatz zu Tönungen), bestehen aus zwei Komponenten: Die eine Komponente (zum Beispiel Wasserstoffperoxid) zerstört die natürlichen Farbpigmente des Haares. Auch Farbpigmente aus vorhergegangenen Färbevorgängen kann sie zumindest teilweise angreifen.
Die zweite Komponente schleust diejenigen Bestandteile des Mittels ins Haar ein, die für die Farbbildung zuständig sind. Durch chemische Reaktionen werden die Farbmoleküle so groß, dass sie das Haar nicht mehr verlassen können.
Nur solche Haarfärbemittel wirken dauerhaft und können auch verwendet werden, um graue Haare zu färben. Solche Produkte greifen das Haar jedoch an, weil sie dessen Schutzschicht durchlässig machen. Die Schwere der Schädigung hängt davon ab, wie viel Abstand zwischen dem Haarefärben liegt. Häufiges Färben und vor allem starkes Aufhellen sind besonders strapaziös für das Haar. Wesentlich schonender ist eine Haartönung. Hier lagern sich die Färbepartikel außen am Haar an. Dadurch sind sie weniger haltbar und das Färbeergebnis ist nicht von Dauer. Da sich die Farbe mit der Zeit rauswaschen lässt, spricht man von einer temporären oder semipermanenten Haarfarbe.
Natürliche Haarfärbemittel als Alternative
In den letzten Jahren wurde viel über die Risiken bei der Anwendung von Haarfärbemitteln diskutiert. Infolgedessen sind zahlreiche natürliche Produkte auf den Markt gekommen. Inzwischen gibt es eine große Auswahl an pflanzlichen Haarfärbemitteln, die ohne bedenkliche Stoffe auskommen und mit denen man die Haare natürlich färben kann.
Aus gesundheitlicher Sicht sind diese Mittel zu begrüßen. Sie enthalten natürliche Stoffe wie Henna, Indigo und Kamille. Die Gefahr einer allergischen Reaktion ist hier wesentlich geringer. Allerdings lassen sich mit natürlichen Haarfärbemitteln nicht die gleichen Ergebnisse erzielen wie mit konventionellen Produkten. Aufhellungen sind nicht möglich und graues Haar wird nicht vollständig abgedeckt. Wie bei Tönungen verblasst die Farbe mit jeder Haarwäsche. Noch mehr als bei konventionellen Färbemitteln hängt das Farbergebnis von der Ausgangshaarfarbe ab. Auch ist die Anwendung natürlicher Färbemittel um einiges komplizierter als die von konventionellen. So ist die Einwirkzeit oft deutlich länger. Mitunter müssen mehrere Färbedurchgänge durchgeführt werden, bis die gewünschte Intensität erreicht ist.
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Zudem kann die Konsistenz problematisch sein, gerade wenn Laien das Produkt allein zu Hause anwenden. So kann es auch schnell zu Verunreinigungen an der Kleidung oder im Badezimmer kommen.
Tipps für ein schonendes Haarefärben
Damit Ihre Gesundheit und Ihre Haare beim Haarefärben nicht übermäßig belastet werden, sollten Sie folgende Tipps beachten:
- Wenn Sie Ihre Haare selbst färben, halten Sie sich genau an die Anweisungen des Herstellers.
- Vermeiden Sie, wenn möglich, Hautkontakt: Verwenden Sie Schutzhandschuhe und bevorzugen Sie Färbemethoden, bei denen das Färbemittel nicht mit der Kopfhaut in Kontakt kommt. Atmen Sie das Färbemittel nach Möglichkeit nicht ein. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie Haarfärbemittel ins Auge bekommen oder verschluckt haben.
- Von einem vorherigen Verträglichkeitstest auf der Haut wird beim Selbstfärben abgeraten, da dadurch das Risiko einer Allergie erhöht werden kann.
- Verzichten Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit sicherheitshalber auf das Färben der Haare. Auch bei Kopfhautproblemen wie Schuppenflechte sollten Sie aufs Haarefärben verzichten.
- Färbungen ohne Ammoniak sind nicht unbedingt besser für die Haare: Alternative Alkalisierungsmittel verflüchtigen sich nicht so schnell und können deshalb die Haare stärker schädigen.
- Färben Sie Ihre Haare nicht zu oft und wenn, dann greifen Sie lieber zu natürlichen Haarfärbemitteln ohne Chemie.
- Auf bereits gefärbtem oder blondiertem Haar können Haarfärbemittel anders als erwartet wirken. Gehen Sie in solchem Fall lieber zum Friseur, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.
- Spezielles Shampoo und Pflegeprodukte für coloriertes Haar können dabei helfen, das Farbergebnis zu erhalten (zum Beispiel Silbershampoo gegen Gelbstich). Zudem können Haarkuren helfen, das strapazierte Haar und die gereizte Kopfhaut zu pflegen.
- UV-Strahlung, Chlor- und Salzwasser bleichen das Haar aus. Das gilt auch für coloriertes Haar.
Erfahrungen und Vorsichtsmaßnahmen nach einer Kopf-OP
Nach einer Kopf-OP ist besondere Vorsicht geboten. Viele Betroffene fragen sich, wann sie ihre Haare wieder färben dürfen. Die Meinungen von Ärzten und Friseuren können hier auseinandergehen. Einige Ärzte empfehlen, bereits nach wenigen Wochen wieder zu färben, während Friseure eher zu längerer Wartezeit raten.
Empfehlungen von Ärzten und Friseuren
Ein Assistenzarzt im Krankenhaus meinte nach einer Kopf-OP, dass man nach 2 Wochen die Haare wieder färben kann. Eine Friseurmeisterin riet jedoch, unbedingt noch zu warten. Es ist ratsam, sich an die Empfehlung des Friseurs zu halten, da dieser die spezifischen Risiken und Auswirkungen auf die Kopfhaut besser einschätzen kann.
Ein Neurochirurg äußerte sich dahingehend, dass es möglicherweise nach 4 Wochen möglich sei, wenn man sehr darauf achtet, die Wunde auszusparen. Es wurde jedoch betont, dass dies schwierig sei und es ratsam ist, lieber noch zu warten. Eine weitere Ärztin meinte, dass es mit Vorsicht schon nach 3/4 Wochen möglich sei, es aber nicht selbst versucht werden sollte.
Persönliche Erfahrungen und Ratschläge
Viele Betroffene haben nach einer Kopf-OP mindestens ein Dreivierteljahr mit dem Färben gewartet, da die grauen Haare so aufdringlich durchkamen. Einige haben Henna-Haarfarbe verwendet, da diese als schonender gilt. Es ist wichtig, die Vernarbungen komplett verheilen zu lassen, bevor man wieder mit dem Färben beginnt.
Es ist ratsam, die Entscheidung, ob und wann man die Haare wieder färbt, in Absprache mit den behandelnden Ärzten zu treffen. Diese können die individuellen Risiken und den Heilungsprozess am besten beurteilen.
Weitere Aspekte nach einer Kopf-OP
Nach einer Kopf-OP ist es wichtig, auf den Körper zu hören und sich nicht zu überlasten. Viele Betroffene benötigen eine längere Auszeit, um sich vollständig zu erholen. Es ist ratsam, sich nicht von den Erwartungen anderer unter Druck setzen zu lassen und sich die Zeit zu nehmen, die man benötigt.
Einige Betroffene haben nach einer Kopf-OP mit epileptischen Anfällen zu kämpfen und dürfen daher ein halbes Jahr kein Auto fahren. Es ist wichtig, sich über die individuellen Einschränkungen und Risiken zu informieren und sich entsprechend zu verhalten.
Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln im Detail
Haarfärbemittel enthalten oft schädliche Chemikalien wie Ammoniak, Wasserstoffperoxid, P-Phenylendiamin (PPD), Resorcin, Phthalate und Formaldehyd-freisetzende Stoffe. Marken, die häufig schädliche Chemikalien verwenden, sind oft die günstigeren Drogerieprodukte. Die sichersten Haarfarben sind die, die natürlich und frei von aggressiven Chemikalien sind.
Bedenkliche Inhaltsstoffe und ihre Auswirkungen
- Ammoniak: Ein beißend riechender chemischer Stoff, der bei permanenten Haarfärbemitteln kaum zu übersehen ist. Er öffnet die Schuppenschicht des Haares, damit die Farbe besser eindringen kann. Wenn dir beim Färben schon einmal die Augen getränt haben oder deine Kopfhaut gebrannt hat, war das der Ammoniak.
- PPD (Paraphenylendiamin): PPD ist ein häufiger Bestandteil in dunklen Haarfarben und wird oft für tiefe, natürlich aussehende Farbtöne verwendet. PPD reagiert mit Wasserstoffperoxid, um langanhaltende Farbtöne bei brünetten Haaren zu erzeugen.
- Resorcin: Resorcin ist in Haarfärbemitteln für zu Hause weniger bekannt. Resorcin ist als hormonell wirksamer Stoff bekannt und kann die Funktion deiner Schilddrüse beeinträchtigen, was zu Hormonstörungen führt.
- Formaldehyd: Formaldehyd ist als krebserregend bekannt, erhöht dein Krebsrisiko und wurde mit Haut- und Lungenreizungen in Verbindung gebracht.
- Phthalate: Phthalate sind heimtückische Chemikalien, die sich in der Zutatenliste unter dem Begriff "Duftstoffe" verstecken.
- Ethanolamine: Ethanolamine sind Emulgatoren, die Öl und Wasser verbinden und am häufigsten in "ammoniakfreien" Haarfarben zu finden sind. Ethanolamine können trotzdem deine Kopfhaut und Haut reizen und mit der Zeit zu Organschäden oder sogar erhöhtem Krebsrisiko führen.
- Bleiacetat: Bleiacetat ist eine metallbasierte Chemikalie, die oft in Produkten zur schrittweisen Haarverdunklung zu finden ist, besonders in Produkten gegen graue Haare! Dieser Inhaltsstoff bindet sich an ein Protein in deinem Haar und verdunkelt es bei mehrmaliger Anwendung. Bei wiederholter Anwendung kann es im Laufe der Zeit zu Bleivergiftungen führen.
Regulierungen und Innovationen
EU - Die EU hat einige der strengsten Richtlinien und hat bisher über 1.300 potenziell schädliche Chemikalien in Kosmetika verboten, einschließlich bestimmter Inhaltsstoffe in Haarfärbemitteln. Als Verbraucher in der EU bist du durch die strengeren Regularien besser geschützt.
In den letzten Jahren wurde Bleiacetat auch in den USA in frei verkäuflichen Haarfärbemitteln verboten, und immer mehr Marken verzichten auf Haarfarben, die Formaldehyd und Ammoniak enthalten.
Die Innovationen im Bereich der Clean Beauty sind regelrecht explodiert und haben die Welt der Haarfärbemittel revolutioniert.
- Pflanzenbasierte Biotech-Farben: Laboratorien haben kürzlich damit begonnen, im Labor gezüchtete Pigmente aus natürlichen Quellen herzustellen.
- Nanotechnologie: Diese Technologie verbessert die Art und Weise, wie Farbpigmente in die Kopfhaut eingebracht werden. Sie ermöglicht eine bessere Farbaufnahme, wodurch die Hersteller geringere Konzentrationen giftiger Chemikalien wie PPD oder Ammoniak verwenden können.
- Ammoniakfreie Formeln: Neuere Haarfarben verzichten auf Ammoniak und ersetzen es oft durch Ethanolamine (MEA, DEA, TEA). Diese Verbindungen wirken ähnlich wie Ammoniak, aber mit weniger Geruch und geringerer anfänglicher Reizung.
Tipps für gesunde Haare und Kopfhaut beim Färben
- Wählen Sie hochwertige Produkte: Investieren Sie in Haarfärbemittel von renommierten Marken, die auf Qualität und Sicherheit achten.
- Beachten Sie die Inhaltsstoffe: Achten Sie auf Produkte, die frei von Ammoniak, PPD, Resorcin, Phthalaten und Formaldehyd sind.
- Führen Sie einen Allergietest durch: Testen Sie das Produkt vor der Anwendung auf einer kleinen Hautstelle, um allergische Reaktionen auszuschließen.
- Schützen Sie Ihre Haut: Tragen Sie beim Färben Handschuhe, um Hautkontakt zu vermeiden.
- Verwenden Sie spezielle Pflegeprodukte: Verwenden Sie Shampoos und Conditioner, die speziell für coloriertes Haar entwickelt wurden, um die Farbe zu erhalten und das Haar zu pflegen.
- Vermeiden Sie häufiges Färben: Färben Sie Ihre Haare nicht zu oft, um das Haar nicht unnötig zu strapazieren.
- Pflegen Sie Ihre Kopfhaut: Verwenden Sie regelmäßig eine Kopfhautkur, um die Kopfhaut gesund zu halten.
- Schützen Sie Ihr Haar vor UV-Strahlung: Tragen Sie im Sommer einen Hut oder verwenden Sie spezielle Haarpflegeprodukte mit UV-Schutz.