Rauchen ist ein weit verbreitetes Problem, das oft unterschätzt wird. Viele Menschen betrachten es lediglich als eine schlechte Angewohnheit, während es sich in Wirklichkeit um eine ernsthafte Abhängigkeitserkrankung handelt. Diese Abhängigkeit ist tief in den Verhaltensmustern und im Gehirn der Betroffenen verankert, was es schwierig macht, mit dem Rauchen aufzuhören. Hinzu kommen mögliche Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder der Wunsch nach Unabhängigkeit, die den Rauchstopp zusätzlich erschweren.
Gleichzeitig gibt es Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) oder Schlaganfall, die mit Spastiken einhergehen können. Hier rückt Cannabis als mögliche Therapieoption in den Fokus, um Symptome wie Muskelspastiken, Schmerzen oder Schlafstörungen zu lindern.
Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte des Rauchens, die Ursachen und Auswirkungen von Spastiken und die potenziellen Einsatzmöglichkeiten von Cannabis in der medizinischen Behandlung.
Die Komplexität der Raucherentwöhnung
Warum es so schwerfällt, mit dem Rauchen aufzuhören
Dr. Bernd Schneider betont, dass Rauchen eine schwere Abhängigkeitserkrankung ist, die tief im Gehirn verankert ist. Die Umstellung von Verhaltensweisen und die Gewöhnung des Gehirns an das Nichtrauchen sind große Herausforderungen. Wiederholte Rückfälle entmutigen viele Menschen und hindern sie daran, es erneut zu versuchen.
Ein weiterer Faktor ist die Angst vor Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp. Diese Nebenwirkung kann das Durchhalten erschweren und zu einem erneuten Griff zur Zigarette führen.
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Manche Raucher sehen im Nichtaufhören eine Demonstration ihrer Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Sie wollen sich von anderen Menschen oder der Gesellschaft nichts vorschreiben lassen. In diesem Fall wird abhängiges Verhalten fälschlicherweise als Ausdruck von Autonomie interpretiert.
Oft genannte Gründe wie "Ich rauche gerne" oder "Rauchen schadet mir nicht" sind Ausdruck einer tiefen Irrationalität, die mit dem Rauchen verbunden ist. Diese emotional verankerte Abhängigkeit kann nicht durch rationale Erklärungen allein erfasst werden. Daher müssen bei der Raucherentwöhnung auch die emotionalen Aspekte berücksichtigt werden.
Top-Argumente gegen das Rauchen
Dr. Bernd Schneider nennt drei Hauptargumente gegen das Rauchen:
- Geld: Rauchen ist teuer und kann langfristig ein Vermögen kosten.
- Gesundheit: Rauchen ist ein großer Risikofaktor für viele Erkrankungen, insbesondere Krebserkrankungen, und schadet auch Passivrauchern.
- Unabhängigkeit: Raucher sind von ihrer Sucht abhängig und können ihr Verhalten nicht frei bestimmen.
Es ist nie zu spät, aufzuhören
Auch in fortgeschrittenem Stadium der Tabakabhängigkeit und bei bereits bestehenden Schädigungen hat ein Rauchstopp positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Daher sollte man sich nicht von der Vergangenheit entmutigen lassen, sondern die positiven Effekte des Nichtrauchens in der Zukunft in den Blick nehmen.
Wege aus der Sucht
Obwohl die medizinische Infrastruktur zur Behandlung von Rauchern noch verbessert werden muss, gibt es viele Möglichkeiten, das Rauchverhalten zu ändern. Raucherentwöhnungsprogramme, die von Krankenkassen finanziell unterstützt werden, können dabei helfen. Diese Programme setzen auf die Entwicklung eigener Motivation und die kritische Auseinandersetzung mit dem Rauchverhalten.
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Spastik: Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten
Was ist Spastik?
Spastik, auch Spastizität genannt, leitet sich vom griechischen Wort "spasmos" ab, was Krampf bedeutet. Sie ist eine reflexartige, spastische Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur, die einen teilweisen oder vollständigen Verschluss der Stimmritze verursacht. Prinzipiell können alle Muskeln von einer Spastik betroffen sein, bei Menschen mit MS sind es häufig die Muskeln der Beine.
MS-bedingte Spastik kann sich individuell sehr unterschiedlich bemerkbar machen und in ihrer Intensität, Stärke oder ihren Auswirkungen auf diverse Lebensbereiche variieren.
Ursachen von Spastik
Die Ursachen von Spastik sind vielfältig. Bei MS ist sie eine Folge der Schädigung des zentralen Nervensystems. Nach einem Schlaganfall entsteht Spastik durch den Verlust von Signalen aus dem Gehirn zu den Muskeln, was zu einer dauerhaften Muskelanspannung führt.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Inhalation von Reizgasen
- Reizung des Vagusnervs
- Lungenerkrankungen
- Aspiration
- Reizung durch starke Gerüche oder Chemikalien
Auslöser und Umgang mit Spastik
Bekannte Auslöser für Spastik sind Kälte, Müdigkeit, Stress und Angst. Es ist wichtig, die persönlichen Auslöser zu kennen und zu lernen, diese zu vermeiden oder anders damit umzugehen. Meditations- und Achtsamkeitsübungen können helfen, das Gedankenkarussell zu stoppen und Stress abzubauen.
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Konsequenzen von Spastik
Spastik kann den Alltag stark beeinflussen und die Lebensqualität vermindern. Sie kann zu Schmerzen, Schlafstörungen, Bewegungseinschränkungen und Frustration führen. Es ist daher wichtig, spastische Verkrampfungen nicht einfach hinzunehmen, sondern sie mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.
Therapieansätze bei Spastik
In der klassischen Therapie der Schlaganfall Behandlung stehen Akutbehandlung, Rehabilitation und medikamentöse Sekundärprophylaxe im Vordergrund. Bei MS existiert mit Nabiximols (Sativex®) ein zugelassenes Cannabis-Medikament zur Behandlung von Spastik.
Zunehmend rückt auch medizinisches Cannabis als ergänzende Therapieoption in den Fokus, insbesondere in der Phase der Rehabilitation nach einem Schlaganfall.
Cannabis in der medizinischen Supportivtherapie
Das Endocannabinoid-System und Spastik
Endocannabinoide spielen eine wichtige Rolle in der Regulation von Muskeltonus und Bewegungssteuerung. Bei Spastik zeigt sich häufig ein gestörtes Gleichgewicht in diesen Regelkreisen. Das Endocannabinoid-System wirkt über CB1-Rezeptoren hemmend auf überaktive Reflexbögen im Rückenmark. Dadurch kann die übersteigerte Muskelspannung gesenkt werden.
Cannabinoide und ihre potenziellen Vorteile
Studien zeigen, dass Cannabinoide wie THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) viele Vorteile haben könnten. Auch Terpene, Cannaflavoline und Ester aus Cannabis könnten helfen. Sie könnten neuroprotektive, entzündungshemmende und muskelentspannende Effekte haben. Gerade nach einem Schlaganfall könnten diese Eigenschaften genutzt werden, um Spastiken zu lindern, Schmerzen zu reduzieren und eventuell die Regeneration zu unterstützen.
Anwendungsgebiete von Cannabis
Medizinisches Cannabis kann bei verschiedenen Symptomen positiv wirken, darunter:
- Muskelspastiken
- Chronische Schmerzen
- Schlafstörungen
- Angstzustände und Depressionen
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Kognitive Störungen
Verabreichungsformen von Cannabis
Medizinisches Cannabis ist in Deutschland verschreibungsfähig und kann in verschiedenen Formen verabreicht werden:
- Cannabisblüten (über Vaporizer inhaliert)
- Cannabisextrakte (z. B. Tropfen, Öle, Tinkturen) mit allen Inhaltsstoffen der Cannabispflanze
- Fertigarzneimittel (wie Sativex® bei Spastik)
- Reines THC oder CBD Isolat (nicht empfohlen!)
Vorteile von Cannabis
- Muskelentspannung: Cannabinoide wirken direkt auf das Endocannabinoidsystem, das an der Muskelsteuerung beteiligt ist.
- Schmerzlinderung: Besonders neuropathische Schmerzen, die oft schwer behandelbar sind, können durch Cannabis gebessert werden.
- Verbesserter Schlaf: Viele Betroffene berichten von erholsamerem Schlaf.
- Stimmungsaufhellung: Cannabis kann Ängste und depressive Verstimmungen lindern.
- Appetitanregung: Gerade bei Untergewicht und Appetitlosigkeit hilfreich.
- Mögliche Neuroprotektion: Tierstudien zeigen, dass Cannabis das Gehirn vor Schäden schützen kann.
Risiken und Nebenwirkungen von Cannabis
- Psychoaktive Effekte: THC kann in seltenen Fällen Verwirrtheit oder Angst auslösen.
- Herz-Kreislauf-Belastung: Cannabis kann den Blutdruck senken oder den Puls erhöhen.
- Rechtliche Einschränkungen: Auch wenn medizinisches Cannabis erlaubt ist, können Autofahren oder Arbeiten unter Einfluss subjektiv erschwert sein.
Dosierung und Einnahme von Cannabis
Alle Cannabis-basierten Medikamente sollten einschleichend dosiert werden. Die genaue Dosierung hängt vom Wirkstoffgehalt des Extrakts und der Symptomatik des Patienten ab. Für die individuelle Dosierung ist stets eine enge Absprache mit dem Arzt erforderlich.
Cannabis kann inhaliert (mittels Vaporisator) oder oral aufgenommen werden. Die Pharmakokinetik von THC und anderen Cannabinoiden ist bei inhalativer Aufnahme sehr verschieden von der bei oraler Aufnahme hinsichtlich Wirkeintritt, -stärke und -dauer.
Rechtliche Aspekte von Cannabis
Seit dem 1. März ist medizinisches Cannabis in Deutschland erstmals verschreibungsfähig. Ärztinnen und Ärzte jeder Fachrichtung können Cannabisblüten und Extrakte aus Cannabis mittels Betäubungsmittel-(BtM-)Rezept verordnen. Vor Behandlungsbeginn muss eine Genehmigung der Krankenkasse erteilt werden, sofern die Behandlung zu ihren Lasten erfolgen soll.
Kontraindikationen für Cannabis
Cannabis sollte bei Bestehen einer schweren Persönlichkeitsstörung, Psychose und schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schwangeren und stillenden Müttern nicht verordnet werden. Wegen fehlender Daten sollte die Behandlung von Kindern und Jugendlichen (vor der Pubertät) sehr sorgfältig abgewogen werden.
Cannabis und Psychosen
Bei einer substanz- beziehungsweise drogeninduzierten Psychose handelt es sich um eine Gruppe psychischer Erkrankungen, die in direktem Zusammenhang mit dem Konsum von Drogen stehen. Auslöser können verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente, Alkohol oder Drogen wie Kokain, Cannabinoide, Ecstasy und Amphetamine sein.
Gerade in der Anfangsphase psychotischer Erkrankungen (wie der paranoiden Schizophrenie) konsumieren Betroffene häufig Substanzen wie Cannabis, um die Symptome zu lindern. In vielen Fällen löst dieses Verhalten allerdings die Psychose vollständig aus, was zunächst zum Befund der drogeninduzierten Psychose führen kann.
Cannabis und Rhabdomyolyse
Ein Forschungsteam aus dem Iran und den USA weist in einer Meta-Analyse darauf hin, dass auch Drogenkonsum eine Rhabdomyolyse verursachen kann. Den Ergebnissen zufolge treten die Muskelschäden am häufigsten bei Personen auf, die aufgrund einer Heroinvergiftung behandelt werden mussten. Am zweithäufigsten standen Amphetamine mit einem Zerfall von Muskelfasern in Zusammenhang. Auch Kokain spielte eine bedeutsame Rolle.
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