Migräne und das weibliche Geschlecht: Ursachen, Zusammenhänge und Behandlungsansätze

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Weltweit sind ca. 20 % aller Frauen von Migräne betroffen. Obwohl sowohl Mädchen als auch Jungen von Migräne betroffen sein können, entwickeln sich ab der Pubertät geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Migräneprävalenz, welche in den reproduktiven Jahren am stärksten ausgeprägt sind. Fast neun Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne. 70 Prozent, also rund 6,3 Millionen, sind Frauen. Zeitweilige Kopfschmerzen kennen sogar 54 Millionen Frauen, Männer - und auch immer mehr Kinder - in Deutschland. Migräne tritt zwei- bis dreimal mehr bei Frauen als bei Männern auf. Migräne ist die häufigste Ursache für Behinderungen bei Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Sie hat wesentlich deutlichere Auswirkungen auf die berufliche Laufbahn von Frauen als auf die von von Männern. Keine andere Krankheit ist bei Frauen während der aktiven beruflichen Jahre für mehr verlorene gesunde Lebensjahre verantwortlich. Migräne ist bei Frauen nicht nur häufiger, sondern auch die Anfälle sind schwerer. Sie dauern länger an, die Begleitsymptome sind stärker. Und sie sprechen weniger gut auf die Therapie an.

Hormonelle Einflüsse auf Migräne bei Frauen

Ein wesentlicher Faktor für die höhere Prävalenz von Migräne bei Frauen sind die hormonellen Veränderungen, die im Laufe ihres Lebens auftreten. Diese Veränderungen können Migräneanfälle auslösen oder verstärken. Der folgende Artikel fasst den Zusammenhang zwischen Migräne und Sexualhormonen am Beispiel unterschiedlicher hormoneller Konstellationen zusammen.

Menstruationszyklus und Migräne

Während des Menstruationszyklus kommt es zu Schwankungen der Sexualhormone, insbesondere des Estrogens. Sinkende Estrogenspiegel, die vor dem Einsetzen der Menstruation auftreten, werden nachweislich mit einer erhöhten Häufigkeit von Migräneanfällen in Verbindung gebracht. Dieser Zusammenhang wurde erstmals in den 70er-Jahren als „Estrogenentzugshypothese“ beschrieben. Auch im tierexperimentellen Setting konnte gezeigt werden, dass der Estrogenabfall zu einer vermehrten Aktivierung des trigeminovaskulären Systems führt. Darüber hinaus sind perimenstruelle Migräneattacken schwerer, länger anhaltend und therapierefraktärer als Attacken in anderen Phasen des Menstruationszyklus.

Die Internationale Kopfschmerzklassifikation unterscheidet dabei zwischen einer rein menstruellen Migräne und einer menstruationsassoziierten Migräne. Bei der rein menstruellen Migräne treten Migräneattacken ausschließlich am Tag 1 ± 2 des Menstruationszyklus auf. Diese ist eine seltene Migräneunterform, die nur ca. Viel häufiger ist hingegen die menstruationsassoziierte Migräne, bei der Attacken häufig perimenstruell, aber auch zu anderen Zeiten des Zyklus auftreten. Entsprechend gilt die Menstruation im reproduktiven Alter als einer der wichtigsten Triggerfaktoren für die Entwicklung einer Migräneattacke. Therapeutisch kommt bei diesen Patientinnen eine perimenstruelle Kurzzeitprophylaxe mit Naproxen oder einem lang wirksamen Triptan in Betracht.

Der Begriff einer menstruellen Migräne wäre nur dann sinnvoll, wenn man damit Migräneattacken, die ausschließlich in Verbindung mit der Menstruation auftreten, bezeichnen würde. Rechnet man zum Menstruationszeitraum noch die drei Tage vor und nach der Menstruation, zeigt sich, dass maximal eine von 20 Frauen, die die Kriterien der Migräne erfüllen, in diese Gruppe gehört. Ebenso ist ein Zusammenhang mit dem sog. prämenstruellen Syndrom bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Migräneattacken im zeitlichen Zusammenhang mit der Menstruation unterscheiden sich nicht von sonstigen Migräneattacken, auch wenn unter einer menstruellen Migräne häufig eine besonders schwere und lang andauernde Attacke verstanden wird, die mit sehr starker Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Allerdings kann jede Form der Migräne mit oder ohne Aura während der Menstruation auftreten. Bei den Patientinnen, bei denen ausschließlich während der Menstruation Migräneattacken auftreten, findet sich oft ein festes zeitliches Verhältnis zwischen den Attacken und der Menstruation. Aus klinischen und experimentellen Studien ist bekannt, dass im Zusammenhang mit der Menstruation die Migräne durch einen Abfall des Östrogen- und des Progesteronspiegels ausgelöst wird. Entsprechend kann vermutlich der Abfall des Plasmaöstradiolspiegels für die Auslösung der Migräneattacke verantwortlich gemacht werden. Die absoluten Hormonspiegel scheinen dagegen nicht von Bedeutung zu sein. Als mögliche Ursache der Kopfschmerzauslösung während des Östradiolabfalls wird ein Effekt des Hormons auf die Gefäße angenommen, wobei eine Gefäßerweiterung aufgrund der geringeren Hormonkonzentration vermutet wurde. Weitergehende Analysen der Hormonkonzentrationen ergaben bisher keine einheitliche Meinung zur Bedeutung der verschiedenen Hormone für die Auslösung der Migräneattacken.

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Hormonelle Kontrazeption und Migräne

Im reproduktiven Alter verwenden viele Migränepatientinnen eine hormonelle Kontrazeption und nehmen damit Einfluss auf ihren Hormonhaushalt. Die Einnahme einer hormonellen Kontrazeption kann einen variablen Einfluss auf den Migräneverlauf nehmen. Ungefähr ein Drittel der Patientinnen mit Migräne erfahren eine Besserung, ein Drittel eine Verschlechterung und ein Drittel keine Veränderung. Eine Verschlechterung scheint häufiger bei Verwendung einer kombinierten oralen Kontrazeption im klassischen 21-7-Zyklus (d. h. drei Wochen Einnahme gefolgt von einer Woche Pause) aufzutreten. Kombinierte Präparate im Langzyklus und insbesondere eine Gestagen-Monotherapie sind hingegen häufiger mit einer Besserung der Migräne assoziiert.

Wichtig zu beachten ist weiterhin, dass sowohl estrogenhaltige Präparate als auch Migräne mit Aura mit einem leicht erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert sind, wobei das Risiko durch estrogenhaltige Kontrazeptiva maßgeblich von der Dosierung des Estrogens abhängig ist. Dementsprechend sollten bei Patientinnen mit Migräne plus Aura vor allem estrogenfreie kontrazeptive Strategien eingesetzt werden. Bei Frauen ohne weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren gibt es jedoch nach den Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft und entsprechender Aufklärung keine zwingenden Gründe gegen eine kombinierte hormonelle Kontrazeption.

Ob die Pille als Hormonpräparat als Migräneauslöser in Frage kommt, ist umstritten. Es gibt Hinweise in beide Richtungen: Dass die Pille, insbesondere bei einem östrogenhaltigen Präparat, Anfälle auslöst ebenso wie dass die Pille Anfälle reduziert oder abmildert. Klärung kann nur eine individuelle Beobachtung unter fachärztlicher Anleitung bringen. Beachtet werden sollte auch, dass die Einnahme der Pille bei einer Migräne mit Aura das Schlaganfallrisiko erhöhen kann. Dies gilt besonders für Frauen, die zusätzliche Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen und rauchen. Frauen sollten beim Arzt grundsätzlich ansprechen, dass sie unter Migräne leiden, bevor sie sich die Pille verschreiben lassen.

Schwangerschaft und Migräne

Über die Hälfte der Frauen mit Migräne erleben eine Besserung in der Schwangerschaft, bis hin zum vollständigen Sistieren der Attacken. Wenn Attacken verbleiben, sind diese in der Regel kürzer und weniger stark. Umgekehrt beginnt eine Migräneerkrankung bei 1-10 % aller Frauen während der Schwangerschaft und bei bestehender Migräne kommt es in ca. 10 % der Fälle zu einer Verschlechterung. Die Entwicklung einer Migräne bzw. Erfreulicherweise zeigt sich, dass ein sehr günstiger Einfluss auf den Migräneverlauf durch die Schwangerschaft zu beobachten ist. Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass bei fast 70% der betroffenen Patientinnen eine deutliche Verbesserung oder sogar ein völliges Ausbleiben der Migräneattacken während der Schwangerschaft zu beobachten ist. Der Effekt auf den Migräneverlauf zeigt sich insbesondere in den letzten zwei Dritteln der Schwangerschaft. Nur bei einem geringen Teil der Patientinnen findet sich ein konstanter Verlauf oder gar eine Verschlechterung der Migräne während der Schwangerschaft. Dies scheint insbesondere für Patientinnen zu gelten, die an einer Migräne mit Aura leiden. Treten Migräneattacken erstmalig während der Schwangerschaft auf, handelt es sich vorwiegend um eine Migräne mit Aura. Allerdings ist dies nur bei einer Minderzahl der Betroffenen der Fall; nach einer französischen Studie bei 13% der untersuchten Patientinnen. Die Ursache für die zum Teil spektakuläre Verbesserung während der Schwangerschaft ist bisher völlig offen. Andere Erklärungen gehen davon aus, dass ein veränderter Serotoninstoffwechsel während der Schwangerschaft und eine erhöhte Konzentration von endogenen Opioiden, d.h. Eine entscheidende Bedeutung scheint jedenfalls die veränderte Lebensweise während der Schwangerschaft zu haben. Schwangere Frauen ernähren sich bewusster, haben einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, vermeiden Alkohol und Nikotin, versuchen stressfreier zu leben und sind im Arbeitsprozess weniger beansprucht. Es besteht eine schwangerschaftsbedingte Kontrolle von Auslösefaktoren und entsprechend werden weniger Migräneattacken ausgelöst. Generell gilt, dass eine medikamentöse Therapie während der Schwangerschaft, wenn irgendwie möglich, zu vermeiden ist. Ganz besonders gilt dies natürlich für prophylaktische Maßnahmen, bei denen täglich Medikamente eingenommen werden müssen. Die Migräneprophylaktika, die sich als besonders wirksam erwiesen haben, sind während der Schwangerschaft kontraindiziert. Dies gilt für die Beta-Rezeptorenblocker, Flunarizin, Serotoninantagonisten, trizyklische Antidepressiva und besonders für Antiepileptika. Dies ist insbesondere von Bedeutung, wenn eine Schwangerschaft geplant ist oder auch nur vermutet wird. Bei schweren Migräneverläufen während der Schwangerschaft, insbesondere bei der Migräne mit Aura, kann zunächst die Gabe von Magnesium zur Migräneprophylaxe erwogen werden. Zur Therapie des arteriellen Bluthochdruckes wird während der Schwangerschaft Propranolol Es gibt dabei keinen Hinweis auf eine Fruchtstörung. Es gibt nur sehr wenig Literatur zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Medikamenten für die Therapie der Migräneattacke während der Schwangerschaft. Nichtsteroidale Antiphlogistika wie Ibuprofen oder Diclofenac sollten nur im Ausnahmefall und ausschließlich im 2. Paracetamol galt lange als Analgetikum der 1. Wahl in der Schwangerschaft, wird jedoch zunehmend mit späteren Gesundheitsstörungen des Kindes in Verbindung gebracht (erhöhtes Asthma-bronchiale-Risiko, Störung der psychomotorischen Entwicklung des Kindes oder Kryptorchismus bei Jungen). Die Datenlage erlaubt zurzeit jedoch noch keine abschließende Beurteilung der Risiken. In Hinblick auf die geringe Wirkung von Paracetamol bei Migräne ist der Einsatz der Substanz in der Schwangerschaft derzeit nicht mehr empfehlenswert (s. Die neueren nichtsteroidalen Antirheumatika sollten während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. Einerseits liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor, andererseits ist auch nicht nachgewiesen, dass sie die Migräneattacke wirkungsvoller beenden als die seit vielen Jahrzehnten eingesetzten o.g. Substanzen. Besonders muss darauf geachtet werden, dass nichtsteroidale Antirheumatika nicht kontinuierlich eingesetzt werden. Paracetamol galt bisher als das sicherste Schmerzmittel in der Schwangerschaft. Aufgrund der früheren Datenlagen schien die Sicherheit außer Zweifel zu sein. Schwangeren wurde die nahezu bedenkenlose Einnahme dieses Schmerzmittels bei Schmerzen in der Schwangerschaft empfohlen. Aufgrund aktueller Studien ist jedoch ein sorgfältiges Umdenken bezüglich dieser Empfehlung erforderlich. Neue Studien beschreiben einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit Paracetamol vor der Geburt und erhöhtem Risiko für Asthma, anderen Atemwegserkrankungen und gestörter Hodenentwicklung. Ebenso werden Störungen der psychomotorischen Entwicklung des Kindes diskutiert. Die Einnahme von Paracetamol durch die Schwangere und der Kontakt des Ungeboren mit dem Arzneimittel scheint später bei den Kindern zu einem bedeutsam erhöhten Risiko für die Entwicklung von Asthma und Atemwegserkrankungen sowie möglicher Unfruchtbarkeit bei Jungen zu führen. In den letzten Jahren hat sich global ein deutlicher Anstieg der Häufigkeit von Asthma eingestellt. Paracetamol ist eines der am häufigsten verwendeten Arzneimittel in Deutschland. Paracetamol kann zu einer Reduktion von Glutathion in der Lunge führen. Besonders bedenklich ist nach neuen Studienergebnissen der begründete Verdacht eines signifikant erhöhten Risikos für die Entwicklung der Lageanomalie des Hodens bei Jungen (Kryptorchismus). Bei den Betroffenen kann dies später zu einer verminderten Zeugungsfähigkeit und erhöhtem Risiko für das Auftreten von bösartigen Hodentumoren führen. Die Spermienanzahl und Spermienvitalität im späteren Leben können reduziert sein. Die kombinierte Einnahme von zwei Schmerzmitteln bei Schwangeren war mit einer 7-fach erhöhten Rate eines Kryptorchismus der neugeborenen Jungen verbunden. Es wird der Verdacht geäußert, dass die Auswirkungen von einer Tablette Paracetamol zu 500 mg für das ungeborene Kind schädlicher sein könnte als die zehn häufigsten Umweltschadstoffe. Die Gefahr, dass bei Überdosierung über 150 mg pro kg Körpergewicht irreversible Leberzellschädigungen bis zum Leberversagen ausgelöst werden können, führte bereits zu einer Limitierung der Packungsgröße im Rahmen der Selbstmedikation. Grundsätzlich sollte auf die Einnahme von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft und Stillzeit verzichtet werden. Im Einzelfall kann bei besonders schweren Schmerzen nach ärztlicher Beratung eine Akutmedikation erwogen werden. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass insbesondere sog. Für die übrigen Triptane ist die Datenlage zur Beurteilung der Sicherheit in der Schwangerschaft nicht ausreichend. Streng kontraindiziert sind Ergotalkaloide, wie Ergotamintartrat und Dihydroergotamin. Die Substanzen haben während der Schwangerschaft einen uterotonischen Effekt. Analgetikum der Wahl in der Stillzeit ist Ibuprofen. Triptane gehen in die Muttermilch über. Eine bestehende Schwangerschaft kann mit neueren Schwangers…

Während der Schwangerschaft haben viele Migränepatientinnen weniger, leichtere oder keine Migräneattacken. Dies gilt vor allem bei Migräne ohne Aura, bei der die Attacken im Zusammenhang mit der Menstruation einsetzen. Zudem kann sich die Migräneform ändern, z.B. dass sich eine Migräne mit Aura zu einer Migräne ohne Aura entwickelt. In der Schwangerschaft sollten alle Möglichkeiten zur Vorbeugung ohne Medikamente ausgenutzt werden, da die Einnahme von Medikamenten eventuell die vorgeburtliche Entwicklung beeinträchtigen kann. Auch in der Stillzeit können Medikamente ein Risiko für das Kind bedeuten. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie während der Schwangerschaft oder Stillzeit z.B. ein bestimmtes Schmerzmedikament einnehmen können, können Sie sich beim Institut Embryotox unter www.embryotox.de > Arzneimittel informieren.

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Perimenopause und Menopause

Durch den progredienten Verlust der ovariellen Follikelfunktion ist die perimenopausale Phase durch stark schwankende Estrogenkonzentrationen gekennzeichnet. In der Folge kann es insbesondere bei Frauen mit einer menstruationsassoziierten Migräne zu einer Verschlechterung der Migräne kommen. Auch eine Hormonersatztherapie zur Behandlung klimakterischer Beschwerden kann zu einer Zunahme der Migräne führen und sollte, insbesondere bei Vorliegen kardiovaskulärer Risikofaktoren, bei Patientinnen mit Migräne mit Vorsicht eingesetzt werden. Nach der postmenopausalen hormonellen Stabilisierung berichten ca. 70 % der Patientinnen über eine Besserung der Migräne. Eine Verschlechterung ist allerdings auch möglich und tritt bei ca.

In der Übergangsphase in die Wechseljahre, in der Frauen ihre Periode unregelmäßiger bekommen, steigt zunächst das Risiko für häufige Migräneattacken. Eine operative Entfernung der Gebärmutter oder der Eierstöcke ist nicht zu empfehlen. Im Durchschnitt leiden Frauen nach den Wechseljahren seltener an Migräne als während und davor. Oft verschwinden die Migräneattacken oder sie werden seltener, leichter oder klingen schneller ab. Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen mit Migräne nach den Wechseljahren ein höheres Risiko für Bluthochdruck haben als Frauen ohne Migräne. Das gilt auch, wenn die Migräne nach den Wechseljahren abgeklungen ist. Betroffene Frauen sollten ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren lassen, um ggf.

Weitere Faktoren, die Migräne bei Frauen beeinflussen können

Neben den hormonellen Einflüssen gibt es noch weitere Faktoren, die Migräne bei Frauen beeinflussen können. Dazu gehören:

  • Genetische Veranlagung: Migräne tritt familiär gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet.
  • Stress: Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräneattacken.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke, wie z. B. Alkohol, Käse oder Schokolade, können bei manchen Frauen Migräne auslösen.
  • Schlafstörungen: Ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus oder Schlafmangel können Migräneattacken begünstigen.
  • Umweltfaktoren: Helles Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können bei manchen Frauen Migräne auslösen.

Frauen scheinen auch häufiger und sensibler als Männer auf auslösende Reize zu reagieren. Als am stärksten dominierenden Triggerfaktor gaben 77 Prozent der befragten Frauen - neben der Menstruation - Stress an. Weiterhin häufig genannt wurden helles Licht (Frauen: 69 Prozent, Männer: 63 Prozent), Schlafmangel (Frauen: 68 Prozent, Männer: 60 Prozent) und ausgelassene Mahlzeiten (Frauen: 48 Prozent, Männer: 42 Prozent). Dabei könne die Angst vor Triggerfaktoren in einen Teufelskreis der Triggervermeidung führen, führte Guth weiter aus. Dies erhöhe die Empfindlichkeit für entsprechende Reize, was in der Folge auch etwa zu Medikamentenübergebrauch führen könne.

Unterschiede in der Schmerzwahrnehmung

Zugleich verarbeitet das weibliche Gehirn Schmerz anders als das männliche. Der Kieler Schmerzforscher Professor Dr. Hartmut Göbel: "Das weibliche Gehirn färbt Schmerzen mit mehr Gefühl. Bei Frauen wird das Zentrum im Gehirn stärker angesprochen, das für die gefühlsmäßige Tönung von Schmerzen verantwortlich ist. Nicht nur das Gehirn, auch die Hormone können die Schmerzwahrnehmung und die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Testosteron scheint die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren, dagegen scheinen Östrogene die Schmerzempfindlichkeit ansteigen zu lassen.

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Diagnose von Migräne

Die Diagnose von Migräne basiert in der Regel auf den Angaben der Patientin zu ihren Kopfschmerzen und Begleitsymptomen. Der Arzt wird Fragen stellen wie:

  • An wie vielen Tagen pro Monat haben Sie Kopfschmerzen?
  • Wo und wie tritt der Schmerz auf (einseitig oder beidseitig, klopfend, pochend, stechend oder dumpf-drückend)?
  • Zu welcher Tageszeit tritt der Schmerz auf?
  • Wie stark ist der Schmerz auf einer Skala von 1 bis 10 (1 = leicht, 10 = höchster vorstellbarer Schmerz)?
  • Seit wann haben Sie die Kopfschmerzen?
  • Haben sich die Schmerzen im Verlauf der Zeit geändert (sind sie beispielsweise intensiver geworden)?
  • Nehmen Sie Schmerzmittel ein? Wenn ja, welche und wie häufig?
  • Treten andere Beschwerden wie Übelkeit oder Schwindel im Vorfeld oder begleitend zum Schmerz auf?
  • Leiden sie vor den Schmerzattacken unter sogenannten Aura-Symptomen wie zum Beispiel Störungen von Motorik, Sinnen, Sprache und Bewusstsein, Koordinationsstörungen, Schwindel oder Gefühlsstörungen bis hin zu einseitigen Lähmungen?

Behandlung von Migräne bei Frauen

Die Behandlung von Migräne bei Frauen umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen.

Medikamentöse Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung von Migräne stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung:

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder ASS können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen.
  • Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die bei mittelschweren bis schweren Attacken eingesetzt werden.
  • Migräneprophylaxe: Bei häufigen Migräneattacken kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten wie Betablockern, Antidepressiva oder Antiepileptika sinnvoll sein.

Die Therapie von menstrueller Migräne unterscheidet sich prinzipiell nicht von der Standardtherapie bei Migräneattacken. In bestimmten Fällen kann die vorbeugende Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein, um die Attacken abzuschwächen oder ihnen vorzubeugen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben der medikamentösen Behandlung können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen, Migräneattacken zu reduzieren:

  • Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann helfen, Migräneattacken zu reduzieren.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von Trigger-Nahrungsmitteln können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann helfen, Migräneattacken zu reduzieren.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei manchen Frauen Migräneattacken reduzieren.

Migräne als Stigma

Ein Grund für die geringere Zahl der Diagnosen ist der Untersuchung zufolge: Migräne gilt noch immer als reine Frauenkrankheit und Männer werden so seltener dahingehend untersucht. Der Studie zufolge suchen sie auch seltener als Frauen ärztlichen Rat und halten die Migräne lieber aus. Denn viele empfinden die Diagnose als Stigma, das ihre Männlichkeit in Frage stellt.

Spezialisierte Behandlungskonzepte

Um die Versorgung von Kopfschmerz- und Migränepatienten zu verbessern, haben die TK und die Schmerzklinik Kiel 2007 das erste bundesweite koordinierte Kopfschmerzbehandlungsnetz ins Leben gerufen. Seitdem sind fast 6.000 Menschen mit schweren chronischen Kopfschmerzen nach dem ganzheitlichen Kieler Konzept behandelt worden. Es besteht aus drei Phasen: Die Schmerzerkrankung wird durch einen Schmerztherapeuten diagnostiziert und in Schweregrade eingestuft. In schweren Fällen erfolgt eine vollstationäre neurologisch-verhaltensmedizinische Behandlung in der Schmerzklinik. "Für die Betroffenen ist dieses Versorgungskonzept ein Meilenstein - viele erleben zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Leben ohne Kopfschmerzen", sagt der Direktor der Schmerzklinik Kiel Göbel. Das Konzept wurde von der Schmerzklinik Kiel und der TK gemeinsam entwickelt. "Es ermöglicht erstmals eine bundesweite sektorenübergreifende Vernetzung der ambulanten und stationären Kopfschmerztherapie", erklärt Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein.

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