Gehirnerschütterung: Hausmittel, Behandlung und was Sie wissen sollten

Eine Gehirnerschütterung, auch Commotio cerebri genannt, ist die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT). Sie entsteht meist durch einen Sturz, einen Unfall oder beim Sport, bei dem der Kopf einen Schlag abbekommt oder ruckartig bewegt wird. Typische Anzeichen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit und Gedächtnislücken. In der Regel verursacht eine Gehirnerschütterung keine bleibenden Schäden, doch eine angemessene Behandlung und Ruhe sind wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Das Gehirn ist die "Schaltzentrale" des Körpers und ein besonders empfindliches Organ. Es liegt gut geschützt im Schädel, umgeben von einer Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis), die als Puffer dient. Bei einem stumpfen Schlag auf den Kopf oder einem Aufprall kann das Gehirn von innen an die Schädelwand stoßen, was zu einer vorübergehenden Störung der Hirnfunktion führt. Manchmal sind äußere Verletzungen auf der Haut sichtbar, dies muss aber nicht der Fall sein.

Medizinisch gesehen gehört die Gehirnerschütterung zu den Schädel-Hirn-Verletzungen, die anhand der Glasgow-Koma-Skala in drei Schweregrade eingeteilt werden. Die Gehirnerschütterung entspricht dabei dem SHT Grad 1. Früher galt eine kurze Bewusstlosigkeit als Diagnosekriterium, heute weiß man, dass auch ohne Bewusstlosigkeit eine Gehirnerschütterung vorliegen kann.

Symptome einer Gehirnerschütterung

Die Symptome einer Gehirnerschütterung können vielfältig sein und sofort nach dem Unfall oder erst Stunden bis Tage später auftreten. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen: Ein sehr häufiges Symptom, bei Babys äußern sich Kopfschmerzen z. B. durch Reizbarkeit oder Weinen.
  • Schwindel: Das Gefühl, sich zu drehen oder unsicher auf den Beinen zu sein.
  • Benommenheit: Ein Gefühl der Verwirrung oder Desorientierung.
  • Übelkeit und Erbrechen: Können auftreten, sind aber nicht immer vorhanden.
  • Gedächtnislücken (Amnesien): Betroffene können sich nicht an den Unfall oder die Geschehnisse kurz davor oder danach erinnern.
  • Bewusstseinsstörungen: Eine kurze Bewusstlosigkeit oder eine Bewusstseinstrübung, bei der Menschen orientierungslos, schläfrig und verwirrt erscheinen.
  • Konzentrationsstörungen: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder Aufgaben zu erledigen.
  • Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen.
  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen oder andere Probleme mit dem Sehvermögen.
  • Verändertes Geruchs- oder Geschmackssinn.
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
  • Empfindlichkeit gegenüber Licht oder Geräuschen.

Bei Kindern können die Symptome einer Gehirnerschütterung anders sein als bei Erwachsenen. Sie können reizbarer sein, mehr weinen oder sich ungewöhnlich verhalten.

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Ursachen und Risikofaktoren

Eine Gehirnerschütterung entsteht durch einen Schlag auf den Kopf oder einen Aufprall, der das Gehirn im Schädelinneren bewegt. Häufige Ursachen sind:

  • Unfälle: Zum Beispiel im Straßenverkehr, bei der Arbeit oder im Haushalt.
  • Stürze: Besonders bei Kindern und älteren Menschen.
  • Sportunfälle: Vor allem bei Sportarten mit hohem Körperkontakt wie Eishockey, Fußball oder Boxen.
  • Gewalteinwirkung: Zum Beispiel durch Schläge oder Tritte.

Bestimmte Sportarten bergen ein höheres Risiko für Gehirnerschütterungen, darunter Eishockey, Fußball, Rugby, Boxen und Skifahren. Auch das Alter spielt eine Rolle: Kinder und Jugendliche sind aufgrund ihrer noch nicht vollständig entwickelten Nackenmuskulatur und ihres größeren Kopfes im Verhältnis zum Körper anfälliger für Gehirnerschütterungen.

Diagnose einer Gehirnerschütterung

Die Diagnose einer Gehirnerschütterung basiert in erster Linie auf den berichteten Symptomen und einer körperlichen Untersuchung. Der Arzt wird Fragen zum Unfallhergang stellen und neurologische Tests durchführen, um die Hirnfunktion zu überprüfen. Dazu gehören Tests des Gedächtnisses, der Konzentration, des Gleichgewichts, der Koordination und der Reflexe.

In einigen Fällen kann eine Bildgebung des Gehirns, wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT), erforderlich sein, um andere Verletzungen auszuschließen. Ein CT des Gehirns ist notwendig, wenn der Patient Medikamente zur Herabsetzung der Blutgerinnung einnimmt oder unter Blutgerinnungsstörungen leidet, weil es in diesen Fällen schon durch eine leichte Schädelprellung zu einer Hirnblutung kommen kann.

Behandlung und Hausmittel bei Gehirnerschütterung

In der Regel muss eine leichte Gehirnerschütterung ohne größere Funktionsstörungen nicht behandelt werden. Wesentlich ist es, sich für 1 bis 2 Tage auszuruhen, sowohl körperlich als auch geistig. Manchmal können Lesen oder anregende Gespräche die Symptome verschlimmern. Auch Bettruhe kann sinnvoll sein. Nach der Ruhezeit sollte man schrittweise wieder mit leichten Aktivitäten beginnen, die keine weiteren Symptome auslösen.

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Hier sind einige Hausmittel und Tipps, die helfen können, die Symptome einer Gehirnerschütterung zu lindern und die Genesung zu fördern:

  • Ruhe und Schonung: Vermeiden Sie körperliche und geistige Anstrengung. Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf und Ruhepausen.
  • Kühlen: Legen Sie ein Kühlpack auf die betroffene Stelle, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Schmerzmittel: Gegen Kopfschmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol eingenommen werden. Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) sollte vermieden werden, da sie die Blutgerinnung beeinträchtigen kann.
  • Übelkeit lindern: Bei Übelkeit können Antiemetika helfen, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.
  • Vermeiden von Reizen: Reduzieren Sie die Stimulation durch Fernsehen, Computer, Smartphones und laute Geräusche.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Grünkohl eignet sich z.B., weil er viele B-Vitamine enthält, die für die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen wichtig sind. Dunkle Schokolade beinhaltet viel Magnesium und viele Antioxidantien.
  • Alkohol und Drogen meiden: Diese Substanzen können den Heilungsverlauf verzögern.
  • Stress reduzieren: Bringen Sie Ruhe in Ihr Leben, achten Sie auf ausreichend Schlaf. Trinken Sie weniger koffeinhaltige Getränke und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung. Erlernen Sie Mind-Body-Therapien wie Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen.
  • Gezielt konzentrieren: Bei Konzentrationsschwierigkeiten hilft es, sich auf einzelne Dinge zu konzentrieren, verzichten Sie auf Multi-Tasking, also z. B. Halten Sie Notizzettel und Stift bereit, um Ihre Einfälle gleich zu notieren, nutzen Sie Listen, Pläne und Terminkalender.
  • In Bewegung kommen: Leichte Bewegung ist auch nach einer Gehirnerschütterung gut. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie sich belasten dürfen.
  • Keine Lebensentscheidungen treffen: Stimmungsschwankungen können Ihre rationale Entscheidungsfähigkeit schwächen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In folgenden Fällen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht oder der Notruf 112 gewählt werden:

  • Bewusstlosigkeit: Auch wenn sie nur kurz andauert.
  • Wiederholtes Erbrechen.
  • Zunehmende oder starke Kopfschmerzen.
  • Neu auftretende oder sich verschlimmernde Symptome.
  • Verwirrtheit oder Desorientierung.
  • Sprach- oder Sehstörungen.
  • Krampfanfälle.
  • Austritt von Flüssigkeit oder Blut aus Ohr oder Nase.
  • Schwierigkeiten beim Aufwachen.
  • Ungeschicklichkeit oder verändertes Verhalten (bei Kindern).
  • Unaufhaltsames Weinen (bei Kindern).
  • Verdacht auf eine schwerere Kopfverletzung.

Auch wenn sich die Symptome nach einigen Tagen nicht bessern oder sogar verschlimmern, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Komplikationen und Langzeitfolgen

In den meisten Fällen heilt eine Gehirnerschütterung ohne bleibende Schäden aus. Bei manchen Menschen können jedoch Komplikationen oder Langzeitfolgen auftreten. Dazu gehören:

  • Postkommotionelles Syndrom (PCS): Ein Zustand, bei dem Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Müdigkeit über Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Gehirnerschütterung anhalten.
  • Second Impact Syndrom: Eine seltene, aber potenziell tödliche Komplikation, die auftritt, wenn eine zweite Gehirnerschütterung erlitten wird, bevor sich die erste vollständig erholt hat.
  • Malignes Hirnödem: Eine seltene Komplikation, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen auftritt und zu einer lebensbedrohlichen Hirnschwellung führen kann.
  • Chronische traumatische Enzephalopathie (CTE): Eine degenerative Hirnerkrankung, die mit wiederholten Kopfverletzungen in Verbindung gebracht wird, insbesondere bei Sportlern.

Um Komplikationen und Langzeitfolgen vorzubeugen, ist es wichtig, eine Gehirnerschütterung ernst zu nehmen, sich ausreichend zu schonen und den Anweisungen des Arztes zu folgen.

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Vorbeugung von Gehirnerschütterungen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die dazu beitragen können, Gehirnerschütterungen vorzubeugen:

  • Tragen eines Helms: Beim Fahrradfahren, Skifahren, Inlineskaten, Reiten und anderen Sportarten mit erhöhtem Risiko für Kopfverletzungen sollte immer ein passender Helm getragen werden.
  • Anschnallen im Auto: Im Auto sollte sich jeder anschnallen, kleine Kinder benötigen einen geeigneten Kindersitz.
  • Stolperfallen beseitigen: Ältere Menschen können Stürzen vorbeugen, indem sie Stolperfallen (wie z. B. Teppiche) aus der Wohnung entfernen.
  • Bewegungs- und Koordinationsübungen: Diese Übungen stärken die Muskulatur und das Gleichgewicht und können so Stürzen vorbeugen.
  • Sichere Umgebung für Kinder: Babys sollten auf dem Wickeltisch nicht allein gelassen werden. Fenster-, Treppen- und Balkonbereiche sollten auf mögliche Gefahrenquellen überprüft werden.
  • Sportunfälle ernst nehmen: Bei einem Sportunfall sollte das Training oder Spiel abgebrochen werden. Wer trotz Gehirnerschütterung weitermacht, riskiert Folgeerkrankungen.

Gehirnerschütterung bei Kindern

Kinder sind besonders anfällig für Gehirnerschütterungen, da ihr Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist und ihre Nackenmuskulatur schwächer ist. Typische Ursachen für Gehirnerschütterungen bei Kindern sind Stürze vom Wickeltisch, aus dem Bett oder von der Treppe, sowie Sportunfälle.

Die Symptome einer Gehirnerschütterung können bei Kindern anders sein als bei Erwachsenen. Sie können reizbarer sein, mehr weinen, sich ungewöhnlich verhalten oder Schwierigkeiten beim Essen oder Schlafen haben.

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollte ein Kind immer von einem Arzt untersucht werden. Es ist wichtig, das Kind in den ersten 24 Stunden nach dem Unfall genau zu beobachten und auf Veränderungen im Verhalten oder neue Symptome zu achten. In manchen Fällen kann es notwendig sein, das Kind nachts regelmäßig zu wecken, um sicherzustellen, dass es ansprechbar ist und keine Anzeichen einer Verschlechterung zeigt.

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