Neuropathische Schmerzen sind ein weit verbreitetes und oft schwer zu behandelndes Problem. Schätzungsweise leiden zwischen 6 und 10 Prozent der Gesamtbevölkerung an dieser Art von Schmerzen, wobei die Dunkelziffer hoch und die Tendenz steigend ist. Besonders alarmierend ist der Anstieg der diabetischen (Poly-)Neuropathie, deren Prävalenz seit 1990 um 310,5 Prozent gestiegen ist. Dies macht die Erkrankung zur dritthäufigsten neurologischen Erkrankung ab dem 20. Lebensjahr mit der zweithöchsten Zuwachsrate bei Erkrankungen des Nervensystems.
Ursachen und Symptome neuropathischer Schmerzen
Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigungen oder Funktionsstörungen des Nervensystems. Die Auslöser dafür sind vielfältig:
- Gewebeverletzungen: Wie beim Karpaltunnelsyndrom.
- Stoffwechselstörungen: Zum Beispiel Vitamin-B12-Mangel oder Diabetes.
- Mechanische Einwirkungen: Auf Nervenwurzeln, etwa beim Bandscheibenvorfall.
- Virale Infekte: Wie Herpes Zoster.
Erkrankungen des peripheren Nervensystems können zu starken, bewegungsunabhängigen Schmerzen führen. Begleiterscheinungen wie Taubheit, Kribbeln, Sensibilitätsstörungen mit erhöhter oder herabgesetzter Berührungsempfindlichkeit sowie gesteigertes Schmerzempfinden können auftreten. Diese Symptome können für Betroffene sehr belastend sein und die Lebensqualität beeinträchtigen - bis hin zu Depressionen, Schlafstörungen und starken Funktionseinschränkungen.
Typische Symptome der Polyneuropathie sind Taubheitsgefühle an den Füßen und Händen. Polyneuropathie hat über 500 verschiedene Ursachen: Bestimmte Medikamente, nachteiliger Lebensstil, ungesunde Ernährungsgewohnheiten, Operationen, Alkoholkrankheit oder Diabetes fallen beispielsweise darunter.
Die Rolle von Mikronährstoffen bei der Nervenregeneration
Einige Mikronährstoffe können die Regeneration von Nervenzellen positiv beeinflussen. Dazu zählen die Vitamine B1, B6, B12 und Folsäure sowie Magnesium und Nukleotide wie Uridinmonophosphat und Cytidinmonophosphat. Für einige dieser Nährstoffe konnten in wissenschaftlichen Studien positive Effekte auf das Schmerzempfinden und auf schmerzbedingte Einschränkungen nachgewiesen werden.
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Produkte, die der Unterstützung der Nervenregeneration dienen, enthalten Vitamine und Mineralstoffe. Das Nervensystem benötigt für die Signalübertragung zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. In der Regel werden die notwendigen Nährstoffe dem Körper über die Nahrung zugeführt. Bei einem Vitaminmangel oder einer nicht ausreichenden Mineralstoffzufuhr kann das Nervensystem geschädigt werden. Vielfach kommt es dann zu Nervenschmerzen oder der sogenannten Neuropathie. Damit sich die Nerven besser regenerieren können, ist die Zufuhr von Vitaminen des B-Komplexes wichtig. Ferner spielt bei der Regeneration auch die Nukleotidverbindung Uridinmonophosphat eine wichtige Rolle. Die meisten Präparate zur Unterstützung der Nervenregeneration enthalten daher die Vitamine B12, B6, B1 und B9. Das Vitamin B9 ist auch als Folsäure bekannt und fördert das Wachstum und die Teilung von Nervenzellen - ähnlich wie auch das Vitamin B12. Produkte, die der Behandlung von Nervenschädigungen aufgrund von Diabetes dienen, enthalten daneben Natrium, Magnesium und mikrokristalline Cellulose. Ein klinischer Vitamin-B1-Mangel kann ebenfalls zu Nervenschädigungen führen. Zur regenerativen Unterstützung der Behandlung stehen Präparate mit Thiamin als Injektionslösungen zur Verfügung. Alternativ existieren Kapseln mit Thiamin-Vitamin B1.
Wichtige Mikronährstoffe im Detail
- B-Vitamine: Sie spielen eine entscheidende Rolle für die Funktion des Nervensystems. Ein Mangel an Vitamin B1 kann beispielsweise zu Neuropathien führen, die sich durch Kribbeln, Brennen, Taubheit und Schmerzen in den Füßen äußern können. Vitamin B12 und Folsäure sind ebenfalls wichtig für die Nervenregeneration.
- Uridinmonophosphat (UMP) und Cytidinmonophosphat (CMP): Diese Nukleotide sind wichtige Bausteine für die Reparatur und Regeneration von Nervenzellen. Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von UMP und CMP in Kombination mit B-Vitaminen Schmerzen im unteren Rücken, in der Hüfte und allgemeine Nervenschmerzen reduzieren kann.
- Alpha-Liponsäure: Wirkt als Antioxidans, reduziert oxidativen Stress und schützt die Nervenzellen. Sie wird häufig bei diabetischer Polyneuropathie eingesetzt, um Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle zu lindern.
- Magnesium und Zink: Spielen eine wesentliche Rolle bei der Therapie der PNP. Isoliert verabreicht bleibt die Supplementation mit Zink oder Magnesium meist ohne Effekt, eine Kombination mit Antioxidanzien sei deutlich effektiver. Die Höhe der Dosis – speziell bei Magnesium – sei dabei abhängig von der Symptomausprägung
Studienergebnisse
Eine Studie mit 40 Patienten, die unter einem Karpaltunnelsyndrom litten, zeigte, dass sich die Intensität der Beschwerden nach einem halben Jahr zusätzlicher Einnahme von Uridinmonophosphat und Cytidinmonophosphat halbierte. Eine andere Studie mit 212 Teilnehmenden zeigte, dass die Einnahme einer Nährstoffkombination in Form spezieller Mikropellets (Vitamin B12, Folsäure, UMP) über einen Zeitraum von 60 Tagen zusätzlich zur üblichen Therapie die Beschwerden signifikant reduzierte. Die Studienteilnehmenden berichteten von einer deutlichen Reduktion in der Häufigkeit von einschießenden Schmerzen (von 38,4 % auf 3 %) und einem Rückgang neuropathischer Begleitsymptome wie Brennen, Kribbeln oder Taubheit.
Nahrungsergänzungsmittel als Teil eines multimodalen Therapieansatzes
Neben einer ausgewogenen Ernährung lassen sich diese Mikronährstoffe auch über Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke zuführen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht als alleinige Therapie bei neuropathischen Schmerzen geeignet sind. Vielmehr sollten sie als Teil eines umfassenden, multimodalen Therapieansatzes betrachtet werden, der auch andere Maßnahmen wie Schmerzmittel, Physiotherapie und psychologische Betreuung umfasst.
Da die Gründe neuropathischer Schmerzen vielfältig sind, erfordert ihre Behandlung einen individuellen, multimodalen Ansatz. Ein wichtiger Bestandteil des Behandlungsschemas ist die gezielte Supplementierung von neurotropen Nährstoffen (wie die Kombination von Vitamin B12, Folsäure und Uridinmonophosphat (UMP).
Warnung vor unselektiver Supplementierung
Auch wenn NEM in der heutigen Zeit häufig und gerne eingesetzt werden, um dem Körper Vitalstoffe zuzuführen, sind sie für einen gesunden Menschen bei abwechslungsreicher, obst- und gemüsereicher Mischkost aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht notwendig. NEM seien in erster Linie sinnvoll, wenn nachweislich Nährstoffdefizite bestünden, bzw. bei Risikogruppen und in bestimmten Lebensphasen mit erhöhtem Nährstoffbedarf (Schwangerschaft und Stillzeit, ältere Personen, chronische Erkrankungen etc.). Von einer Selbstmedikation – die auch bei älteren Personen weit verbreitet ist – und unselektiven Supplementierung ohne detaillierte Diagnostik sei auf jeden Fall abzuraten. Eine Langzeitstudie aus dem Jahr 2011 zeigte, dass eine Supplementierung nicht immer nur positive Auswirkungen hat und es damit verbunden auch zu einer Erhöhung der Gesamtmortalität kommen kann.
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Spezielle Situationen und Risikogruppen
Bestimmte Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für Nährstoffmängel und könnten daher von einer Supplementierung profitieren:
- Diabetiker: Sie haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-B1-Mangel, da sie das wichtige "Nervenvitamin" vermehrt über die Nieren ausscheiden.
- Ältere Menschen: Mit zunehmendem Alter verliert der Mensch die Fähigkeit, Vitalstoffe aus der täglichen Nahrung ausreichend aufzunehmen.
- Personen mit Magen-Darm-Erkrankungen: Erkrankungen wie chronische Magenerkrankungen, Dünndarmerkrankungen oder das Kurzdarmsyndrom können die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen.
- Alkoholiker: Alkoholmissbrauch kann zu einer Unterversorgung mit verschiedenen Vitaminen führen, insbesondere mit B-Vitaminen.
- Vegetarier und Veganer: Sie haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel, da dieses Vitamin hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommt.
Produkte auf dem Markt
Es gibt eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln auf dem Markt, die speziell für die Unterstützung der Nervenfunktion entwickelt wurden. Einige Beispiele sind:
- Keltican® forte: Enthält den körpereigenen Nervenbaustein Uridinmonophosphat (UMP) sowie die Vitamine B12 und Folsäure, die die körpereigene Regeneration peripherer Nerven unterstützen können.
- Alpha Lipon Aristo® 600 mg Filmtabletten: Unterstützen gezielt bei Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühlen an Händen und Füßen in Zusammenhang mit diabetischer Polyneuropathie. Der bewährte Wirkstoff Alpha-Liponsäure wirkt als Antioxidans, reduziert dadurch oxidativen Stress und schützt die Nervenzellen.
- Milgamma® protekt: Enthält Benfotiamin, eine Vorstufe des Vitamins B1, die vom Körper fünf Mal besser aufgenommen werden kann als "einfaches" Vitamin B1.
Es ist wichtig, sich vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln von einem Arzt oder Apotheker beraten zu lassen, um die richtige Dosierung und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten abzuklären.
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