Pilze, ein eigenes Reich zwischen Pflanzen und Tieren, sind seit Urzeiten für ihre vielfältigen Eigenschaften bekannt. Die Mykotherapie, die Anwendung von Vitalpilzen zur Förderung der Gesundheit, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Insbesondere bei hormonell bedingter Migräne können Heilpilze eine wertvolle Unterstützung bieten.
Was sind Vitalpilze?
Vitalpilze sind Pilze mit besonderen Inhaltsstoffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken können. Sie sind reich an:
- Spurenelementen und Mineralien: Wichtige Bestandteile für zahlreiche Stoffwechselprozesse.
- Vitaminen: Organische Verbindungen, die für lebenswichtige Körperfunktionen benötigt werden und vom Körper nicht selbst hergestellt werden können.
- Aminosäuren: Organische Verbindungen, die unter anderem für den Aufbau von Proteinen benötigt werden.
- Enzymen: Biokatalysatoren, die chemische Reaktionen im Körper beschleunigen.
- Polysacchariden: Vielfachzuckermoleküle, die eine wichtige Rolle als Reservestoffe spielen und immunmodulierende Eigenschaften besitzen.
- Antioxidantien: Substanzen, die die Oxidation empfindlicher Moleküle verhindern und somit Zellen vor Schäden schützen.
- Polyphenolen: Aromatische Verbindungen mit bioaktiven Eigenschaften, die Pflanzen vor Schädlingen schützen und im menschlichen Körper antioxidativ wirken können.
- Proteinen (Eiweißen): Riesenmoleküle, die aus Aminosäuren aufgebaut sind und vielfältige Funktionen im Körper erfüllen.
Diese Inhaltsstoffe können den Stoffwechsel beeinflussen, die Entgiftungsorgane unterstützen, das Immunsystem stärken und bei erregerbedingten Erkrankungen helfen.
Die Mykotherapie: Ein Blick in die Geschichte
Das Wissen um die Heilkraft der Pilze ist seit Jahrtausenden in den Kulturschätzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und in Osteuropa verankert. Dort werden einige Medizinalpilze selbstverständlich im klinischen Gebrauch eingesetzt. Auch in Europa verbreitete sich das Wissen über die Wirkung dieser Pilze zunächst über die Klöster. Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) sah den gesundheitlichen Wert der Pilze schon lange vor ihren Zeitgenossen. In den 70-iger Jahren des 20. Jahrhundert begannen die intensiven Forschungen über den Nutzen der Pilze für die Gesundheit.
Hormonelle Migräne: Eine besondere Herausforderung
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit. Bei einem Teil der Patienten treten Wahrnehmungsstörungen oder Missempfindungen (Aura) auf. Hormonelle Schwankungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren, können Migräneattacken auslösen oder verstärken.
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Heilpilze bei hormoneller Migräne: Eine Übersicht
Einige Vitalpilze können bei hormoneller Migräne eine unterstützende Rolle spielen, indem sie auf verschiedene Weise wirken:
- Regulation des Hormonsystems: Einige Pilze, wie Cordyceps, können das neuroendokrine System beeinflussen und die Hormonfreisetzung aus der Nebennierenrinde stimulieren, was bei Stress und Depressionen helfen kann.
- Entzündungshemmung: Entzündliche Prozesse können bei Migräne eine Rolle spielen. Heilpilze wie Reishi und Chaga besitzen entzündungshemmende Eigenschaften.
- Verbesserung der Durchblutung: Eine gestörte Durchblutung im Gehirn kann Migräneattacken begünstigen. Pilze wie Reishi und Shiitake können die Durchblutung in den kleinsten Blutgefäßen verbessern.
- Stressreduktion: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräne. Einige Heilpilze, wie Cordyceps und Reishi, können beruhigend wirken und Stress abbauen.
- Leberstärkung: Die Leber spielt eine wichtige Rolle bei der Entgiftung und dem Hormonstoffwechsel. Heilpilze wie Reishi können die Leberfunktion unterstützen.
- Anregung des Gallenflusses: Ein gestörter Gallenfluss kann die Entgiftung beeinträchtigen. Bitterstoffe in Heilpilzen können die Bildung von Verdauungssäften anregen und den Gallensaft flüssig halten.
Im Folgenden werden einige spezifische Heilpilze und ihre potenziellen Vorteile bei Migräne näher betrachtet:
Reishi (Ganoderma lucidum)
Der Reishi, auch Glänzender Lackporling genannt, ist einer der bekanntesten Heilpilze in der TCM. Er wird traditionell bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zur Stärkung des Herzens und zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt. Zudem soll er den Sauerstoffgehalt im Blut verbessern und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Aufgrund seiner antioxidativen Eigenschaften gilt er auch als "Anti-Aging-Pilz". Bei Migräne kann Reishi helfen, die Durchblutung im Gehirn zu verbessern, Stress zu reduzieren und die Leber zu stärken.
Shiitake (Lentinula edodes)
Der Shiitake, auch chinesischer Champignon genannt, ist ein beliebter Speisepilz mit vielfältigen gesundheitlichen Vorteilen. Er enthält Lentinan, einen starken Immunmodulator mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Shiitake kann bei erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck, Immunschwäche und bakteriellen Infekten helfen. In Kombination mit Reishi kann Shiitake die Durchblutung im Gehirn verbessern und somit bei der Prophylaxe von Migräneattacken unterstützen.
Cordyceps (Cordyceps sinensis)
Cordyceps ist ein in der TCM traditionell verwendeter Pilz zur Leistungssteigerung und zur Behandlung von Schwäche, Energie- und Antriebslosigkeit. Er kann die Hormonfreisetzung aus der Nebennierenrinde stimulieren und somit bei Stress und Depressionen helfen. Bei Migräne kann Cordyceps dazu beitragen, den Hormonhaushalt im Gehirn auszugleichen und Stress abzubauen.
Auricularia (Auricularia polytricha)
Der Auricularia, auch Judasohr oder Mu-Err genannt, ist ein Vitalpilz, der vor allem wegen seiner blutverdünnenden Wirkung geschätzt wird. Er kann die Fließeigenschaften des Blutes verbessern und somit die Durchblutung fördern. Bei Migräne kann Auricularia dazu beitragen, Durchblutungsstörungen im Gehirn zu beheben.
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Hericium (Hericium erinaceus)
Der Hericium, auch Igelstachelbart oder Affenkopfpilz genannt, ist ein Vitalpilz, der traditionell bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und des Nervensystems eingesetzt wird. Er kann das Wachstum neuer Nervenzellen anregen und die Konzentration steigern. Bei Migräne kann Hericium dazu beitragen, die Darm-Hirn-Achse zu stärken und somit die Reizverarbeitung im Gehirn zu verbessern.
Chaga (Inonotus obliquus)
Der Chaga, auch Schiefer Schillerporling oder Perle des Nordens genannt, ist ein parasitärer Pilz, der auf Birken wächst. Er ist reich an Betulinsäure und Melanin, die antioxidative Eigenschaften besitzen. Chaga kann beruhigend auf das Nervensystem wirken und die Durchblutung verbessern. Bei Migräne kann Chaga dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren und das Nervensystem zu beruhigen.
Weitere unterstützende Maßnahmen
Neben der Einnahme von Heilpilzen können auch andere Maßnahmen dazu beitragen, hormonelle Migräne zu lindern:
- Führen eines Kopfschmerz-Tagebuchs: Um individuelle Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.
- Anpassung der Ernährung: Vermeidung von Nahrungsmitteln, die Migräne auslösen können (z.B. Käse, Rotwein, Schokolade, zu viel Fett, Zucker, Weißmehl, Kaffee, Alkohol, Nikotin, Scharfes, Salziges, Fertiggerichte und Fast Food).
- Stressmanagement: Regelmäßige Entspannungsphasen mit Yoga, autogenem Training, progressiver Muskelentspannung oder Ausdauersport.
- Akupunktur: Kann bei Migräne sehr gut geeignet sein.
- Pflanzliche Helfer: Pfefferminzöl, Lavendelöl, Melisse, Mädesüß, Mutterkraut und Pestwurz können bei Migräne Linderung verschaffen.
Wichtige Hinweise
- Die hier dargestellten Informationen dienen lediglich der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung.
- Bei der Einnahme von Heilpilzen ist es wichtig, auf eine hohe Qualität der Produkte zu achten.
- Heilpilze können Wechselwirkungen mit Medikamenten haben. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
- Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosierung und steigern Sie diese langsam, um die Verträglichkeit zu testen.
- Bei akuten Beschwerden sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
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