Helles Kopfchen Epilepsie: Ursachen, Symptome und Behandlung

Epilepsie, abgeleitet vom griechischen Wort "epílēpsis" für "Anfall" oder "Übergriff", ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, unkontrollierte Entladungen von Nervenzellen im Gehirn. Obwohl ein einzelner Krampfanfall nicht gleichbedeutend mit Epilepsie ist, deutet das wiederholte Auftreten solcher Anfälle auf eine chronische Erkrankung des Nervensystems hin. Epilepsie ist die häufigste chronische neurologische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen, kann aber Menschen jeden Alters betreffen.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist gekennzeichnet durch wiederholte Krampfanfälle. Ein Krampfanfall selbst ist ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Nur wenn Anfälle spontan und ohne erkennbare Auslöser auftreten, spricht man von Epilepsie.

Die Vielfalt der Anfälle

Epileptische Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern. Einige Betroffene erleben nur kurze Absencen, bei denen sie kurzzeitig abwesend wirken. Andere haben tonisch-klonische Anfälle (früher "Grand Mal" genannt), die mit Bewusstseinsverlust, Muskelkrämpfen und Zittern einhergehen. Wieder andere erleben Aura-ähnliche Zustände, die als Vorgefühl eines Anfalls dienen können und sich durch Kribbeln, Taubheitsgefühle oder veränderte Sinneswahrnehmungen äußern.

Ursachen von Anfällen

Nicht jeder Anfall ist ein Zeichen von Epilepsie. Gelegentliche Krampfanfälle können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:

  • Entzündungen im Gehirn
  • Vergiftungen
  • Kopfverletzungen
  • Alkoholentzug
  • Sauerstoffmangel
  • Stromschläge

Wenn solche Auslöser vorliegen, spricht man nicht von Epilepsie, sondern von einem Gelegenheitsanfall.

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Ursachen der Epilepsie

Die Ursachen der Epilepsie sind vielfältig und nicht immer eindeutig zu identifizieren. In vielen Fällen spielen genetische Faktoren eine Rolle, während in anderen Fällen Hirnschädigungen oder andere Erkrankungen die Ursache sind.

Genetische Faktoren

Etwa 10 % der Menschen mit Epilepsie haben eine familiäre Veranlagung für Krampfanfälle. Das bedeutet jedoch nicht, dass Epilepsie eine Erbkrankheit im klassischen Sinne ist. Vielmehr wird eine erhöhte Bereitschaft für Anfälle vererbt. Ob es tatsächlich zu Anfällen kommt, hängt von weiteren Faktoren ab.

Hirnschädigungen

Hirnschädigungen können eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Epilepsie spielen. Dazu gehören:

  • Fehlbildungen der Hirnrinde
  • Narbenbildung nach Verletzungen
  • Schlaganfälle
  • Hirntumore
  • Infektionen des Gehirns (z. B. Meningitis oder Enzephalitis)

Idiopathische Epilepsie

In einigen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Epilepsie finden. Man spricht dann von idiopathischer Epilepsie. Es wird vermutet, dass in diesen Fällen eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Kryptogene Epilepsie

Wenn eine Hirnschädigung als Ursache vermutet wird, diese aber nicht nachgewiesen werden kann, spricht man von kryptogener Epilepsie.

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Autismus und Epilepsie

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die mit Besonderheiten in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen einhergeht. Studien haben gezeigt, dass Autisten häufiger von Epilepsie betroffen sind als Menschen ohne Autismus. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass genetische Faktoren und Veränderungen in der Gehirnstruktur eine Rolle spielen.

Symptome der Epilepsie

Die Symptome der Epilepsie sind vielfältig und hängen von der Art des Anfalls und der betroffenen Hirnregion ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Bewusstseinsverlust: Der Betroffene verliert das Bewusstsein und ist nicht mehr ansprechbar.
  • Krämpfe: Unkontrollierte Muskelzuckungen oder -verkrampfungen treten auf.
  • Absencen: Kurze "Aussetzer", bei denen der Betroffene abwesend wirkt.
  • Aura: Besondere Sinneswahrnehmungen, die einen Anfall ankündigen können (z. B. Kribbeln, Taubheitsgefühle,Halluzinationen).
  • Verwirrtheit: Nach einem Anfall kann der Betroffene verwirrt und desorientiert sein.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache können auftreten.
  • Gefühlsstörungen: Angst, Panik oder andere ungewöhnliche Gefühle können auftreten.

Psychische und soziale Folgen

Die Symptome der Epilepsie sind schlimm. Viel schlimmer sind für viele Patienten aber die psychischen und sozialen Folgen.

Urplötzliche Krampfanfälle mitten in der Fußgängerzone, unkontrollierte Schreie, Schaum auf den Lippen - Unaufgeklärte halten Epilepsiekranke für betrunken, besessen oder geisteskrank.

Aura einer Epilepsie

Besondere Sinneseindrücke können einen Anfall ankündigen. Oft überfällt der Krampf den epilepsiekranken Menschen, manchmal kündigt sich ein epileptischer Anfall aber auch an.

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Diagnose der Epilepsie

Die Diagnose der Epilepsie basiert auf einer sorgfältigen Anamnese, einer neurologischen Untersuchung und verschiedenen technischen Untersuchungen.

Anamnese

Der Arzt befragt den Patienten oder seine Angehörigen ausführlich nach den Anfallsmustern, möglichen Auslösern und Begleiterscheinungen.

Neurologische Untersuchung

Bei der neurologischen Untersuchung werden verschiedene Funktionen des Nervensystems überprüft, wie z. B. die Reflexe, die Muskelkraft und die Koordination.

Elektroenzephalographie (EEG)

Das EEG ist eine wichtige Untersuchung zur Diagnose der Epilepsie. Dabei werden die elektrischen Aktivitäten des Gehirns aufgezeichnet. Auffällige Muster im EEG können auf eine erhöhte Anfallsbereitschaft hindeuten.

Bildgebende Verfahren

Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie der Computer-Tomographie (CT) oder der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) können Hirnschädigungen oder Fehlbildungen erkannt werden, die möglicherweise für die Epilepsie verantwortlich sind.

Behandlung der Epilepsie

Die Behandlung der Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist die häufigste Behandlungsform der Epilepsie. Sogenannte Antiepileptika können die Anfallshäufigkeit reduzieren oder die Anfälle sogar ganz verhindern. Die Auswahl des geeigneten Medikaments richtet sich nach der Art der Epilepsie und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.

Chirurgische Therapie

In einigen Fällen, in denen die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Dabei wird entweder der Anfallsherd im Gehirn entfernt oder die Ausbreitung der Anfälle durchtrennt.

Ketogene Diät

Die ketogene Diät ist eine spezielle Form der Ernährung, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist. Sie kann bei einigen Epilepsieformen, insbesondere bei Kindern, die Anfallshäufigkeit reduzieren.

Vagusnervstimulation

Bei der Vagusnervstimulation wird ein kleiner Generator unter die Haut implantiert, der den Vagusnerv stimuliert. Diese Stimulation kann die Anfallshäufigkeit reduzieren.

Biofeedback

Einige Erkrankte lernen sogar, einen beginnenden Anfall zu unterbrechen, indem sie die so genannte "Bio-Feedback-Methode" einsetzen. Die Patienten haben gelernt, die eigenen Körperfunktionen, wie zum Beispiel den Herzschlag, ihren Blutdruck oder auch die Hirnströme bewusst wahrzunehmen. Sie können diese Funktionen dann auch gezielt beeinflussen und damit sich ankündigenden Krampfanfällen ("Aura") entgegenwirken.

Leben mit Epilepsie

Epilepsie kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Alltag

Viele Menschen mit Epilepsie können ein normales Leben führen. Es ist jedoch wichtig, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um das Risiko von Anfällen zu minimieren. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Einnahme der Medikamente
  • Ausreichend Schlaf
  • Vermeidung von Stress
  • Verzicht auf Alkohol und Drogen

Sport

Viele von Epilepsie Betroffene können den gleichen Hobbies nachgehen wie andere Menschen. Einige müssen sich bei bestimmten sportlichen Aktivitäten jedoch zurückhalten und werden dann leider oft als Außenseiter gesehen.

Schule und Beruf

Kinder und Jugendliche mit Epilepsie können in der Regel die reguläre Schule besuchen. Es ist wichtig, die Lehrer über die Erkrankung zu informieren und gegebenenfalls einen Notfallplan zu erstellen. Auch im Berufsleben können Menschen mit Epilepsie erfolgreich sein. Es ist jedoch wichtig, den Arbeitgeber über die Erkrankung zu informieren und gegebenenfalls Anpassungen am Arbeitsplatz vorzunehmen.

Psychische Gesundheit

Epilepsie kann zu psychischen Problemen wie Depressionen, Angststörungen und sozialer Isolation führen. Es ist wichtig, diese Probleme frühzeitig zu erkennen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Soziale Folgen

Die Symptome der Epilepsie sind schlimm. Viel schlimmer sind für viele Patienten aber die psychischen und sozialen Folgen.

Urplötzliche Krampfanfälle mitten in der Fußgängerzone, unkontrollierte Schreie, Schaum auf den Lippen - Unaufgeklärte halten Epilepsiekranke für betrunken, besessen oder geisteskrank.

Forschung

Die Forschung im Bereich der Epilepsie ist sehr aktiv. Ziel ist es, die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen, neue Behandlungsmethoden zu entwickeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Neurotheologie

Einige Forscher untersuchen die Zusammenhänge zwischen neurologischen Prozessen und religiösen Erfahrungen. Dabei wurde festgestellt, dass bestimmte Hirnregionen, wie z. B. der Schläfenlappen, bei religiösen Erfahrungen eine wichtige Rolle spielen. Es gibt Hinweise darauf, dass Schläfenlappenepileptiker anfälliger für religiöse Gedanken und Visionen sind.

Neugeborenenforschung

Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Sven Wellmann in Regensburg beschäftigt sich intensiv mit der Medizin für Neugeborene in den ersten 1000 Lebenstagen. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung des Gehirns und des Kreislaufsystems. Ziel ist es, die neurologische Entwicklung von Kindern zu verbessern, insbesondere wenn Hirnschädigungen den Start ins Leben erschweren.

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