Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Die Lebensqualität der Betroffenen kann durch Migräne erheblich beeinträchtigt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und vorzubeugen. Eine davon ist die Verwendung von Doxepin.
Was ist Doxepin?
Doxepin-ratiopharm® 25 mg ist ein trizyklisches Antidepressivum. Obwohl es hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird, kann es auch zur Vorbeugung von Migräneattacken verwendet werden. Während die beruhigende, dämpfende Wirkung von Doxepin-ratiopharm® 25 mg meist unmittelbar in den ersten Stunden einsetzt, ist die stimmungsaufhellende Wirkung in der Regel erst nach 1 bis 3 Wochen zu erwarten.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Doxepin sollte nicht eingenommen werden, wenn Sie:
- allergisch gegen Doxepin, verwandte Wirkstoffe (Dibenzoxepine) oder einen der sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind.
- an einer Vergiftung mit Arzneimitteln leiden, die das zentrale Nervensystem dämpfen (z. B. Schlafmittel, Schmerzmittel, Psychopharmaka).
Vor Beginn und während der Behandlung sind in regelmäßigen Abständen Kontrollen von Blutdruck, EKG, Blutbild, Leberfunktion und gegebenenfalls des EEG vorzunehmen.
Wenn Sie depressiv sind oder unter Angststörungen leiden, können Sie manchmal Gedanken daran haben, sich selbst zu verletzen oder Suizid zu begehen, besonders wenn Sie ein junger Erwachsener sind. Es kann hilfreich sein, wenn Sie einem Freund oder Verwandten erzählen, dass Sie depressiv sind oder unter einer Angststörung leiden. Bitten Sie diese Personen, diese Packungsbeilage zu lesen.
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Doxepin-ratiopharm® 25 mg sollte nicht zur Behandlung von Depressionen bei Kindern über 12 Jahre und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden. In Studien zur Behandlung von Depressionen in dieser Altersgruppe zeigten trizyklische Antidepressiva keinen therapeutischen Nutzen. Studien mit anderen Antidepressiva (SSRI, SNRI) haben ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von suizidalem Verhalten, Selbstschädigung und feindseligem Verhalten im Zusammenhang mit der Anwendung dieser Wirkstoffe gezeigt.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Bei gleichzeitiger Anwendung zusammen mit anderen Arzneimitteln mit ähnlicher Wirkung, wie z. B. Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmitteln, kann es zu einer gegenseitigen Verstärkung der dämpfenden Wirkung kommen.
Sogenannte „MAO-Hemmer“ (Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen) sollen 14 Tage vor Beginn der Behandlung mit Doxepin-ratiopharm® 25 mg abgesetzt werden. Anderenfalls können schwere Nebenwirkungen wie Erregung, Delir (Bewusstseinstrübung verbunden mit Erregung, Sinnestäuschungen und Wahnideen), Bewusstlosigkeit, hohes Fieber, Krampfanfälle und starke Blutdruckschwankungen auftreten. Bei Depressionen, die auf bisherige Behandlungsversuche nicht angesprochen haben, ist eine zusätzliche Gabe von MAO-Hemmern bei bevorstehender Behandlung mit Doxepin-ratiopharm® 25 mg im Einzelfall möglich.
Bei gleichzeitiger Anwendung von serotonergen Arzneimitteln wie z. B. selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI), trizyklischen Antidepressiva oder Lithium, besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Serotonin-Syndroms.
Arzneimittel, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verlängern (z. B. Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen [Antiarrhythmika Klasse IA oder III], einige Antibiotika wie z. B. Erythromycin), sollen nicht gleichzeitig mit Doxepin-ratiopharm® 25 mg eingenommen werden.
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Arzneimittel, die zu einer Erniedrigung des Kaliumspiegels führen (z. B. bestimmte Entwässerungsmittel), sollen nicht gleichzeitig mit Doxepin-ratiopharm® 25 mg eingenommen werden.
Arzneimittel, die den Abbau von Doxepin in der Leber hemmen können (z. B. Cimetidin), können die Wirkung von Doxepin-ratiopharm® 25 mg verstärken.
Die Wirkungen sympathomimetischer Amine (Arzneimittel, die eine anregende Wirkung auf das Nervensystem haben), können durch die gleichzeitige Einnahme von Doxepin-ratiopharm® 25 mg erheblich verstärkt werden.
Doxepin-ratiopharm® 25 mg kann die Wirksamkeit von bestimmten Arzneimitteln zur Behandlung des Bluthochdrucks (Guanethidin, Reserpin, Clonidin) abschwächen. Bei Patienten, die mit Clonidin behandelt werden, kann der Blutdruck dadurch plötzlich stark ansteigen (sog. Rebound-Effekt).
Bei gleichzeitiger Anwendung von Nitraten (Arzneimittel zur Erweiterung der Herzkranzgefäße) oder Arzneimitteln zur Behandlung von Bluthochdruck (z. B. Betablocker) kann es zu einem verstärkten Blutdruckabfall kommen.
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Bitte informieren Sie Ihren Arzt über die Einnahme von Doxepin-ratiopharm® 25 mg, wenn ein Eingriff unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden soll (z. B. beim Zahnarzt).
Schwangerschaft und Stillzeit
Zur Anwendung von Doxepin-ratiopharm® 25 mg während der Schwangerschaft liegen bislang keine ausreichenden Erfahrungen vor. Deshalb darf Doxepin-ratiopharm® 25 mg nur bei zwingender Notwendigkeit und nach strenger Abwägung von Risiko und Nutzen durch den behandelnden Arzt verordnet werden.
Nach Einnahme von Doxepin-ratiopharm® 25 mg oder anderen Antidepressiva vor der Geburt in höheren Dosen oder über einen längeren Zeitraum kann es beim Neugeborenen zu Absetz- bzw. Entzugserscheinungen kommen.
Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in besonderem Maße nach unzureichender Schlafdauer bzw. im Zusammenwirken mit Alkohol. Daher sollten Sie das Führen von Fahrzeugen, die Arbeit mit Maschinen oder das Arbeiten ohne sicheren Halt zumindest während der ersten Tage der Behandlung unterlassen.
Wichtige Informationen über bestimmte sonstige Bestandteile
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Filmtablette, d.h. es ist nahezu „natriumfrei“.
Wie wirkt Doxepin bei Migräne?
Die genaue Wirkungsweise von Doxepin bei der Migräneprophylaxe ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass Doxepin die Konzentration bestimmter Neurotransmitter im Gehirn beeinflusst, was zur Stabilisierung der Hirnaktivität beitragen und die Anfallsbereitschaft des Gehirns reduzieren kann.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung von Doxepin zur Migräneprophylaxe variiert je nach Patient und Schweregrad der Migräne. Es ist wichtig, die Anweisungen Ihres Arztes genau zu befolgen. In der Regel wird Doxepin in niedriger Dosis begonnen und dann langsam gesteigert, um Nebenwirkungen zu minimieren.
Weitere Aspekte der Migräneprophylaxe
Neben der medikamentösen Behandlung mit Doxepin gibt es auch andere wichtige Aspekte der Migräneprophylaxe:
Identifizierung und Vermeidung von Auslösefaktoren
Die beste Migräneattacke ist die, die erst gar nicht auftritt. Versuchen Sie deshalb, Ihre Auslösefaktoren herauszufinden. Ein Kopfschmerztagebuch kann Ihnen dabei helfen. Erstellen Sie sich Kopien davon, und füllen Sie es regelmäßig aus. So können Sie erreichen, dass ausschließlich durch Verhaltensmaßnahmen Migräneattacken wesentlich weniger stark und häufig auftreten.
Häufige Auslösefaktoren sind:
- Änderungen des üblichen Tagesablaufes (Auslassen von Mahlzeiten, zu viel oder zu wenig Schlaf)
- Abrupte Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung
- Außergewöhnliche psychische Belastungssituationen (Stress, Freude, Trauer)
- Hormonveränderungen (Menstruation)
- Äußere Reize (Licht, Lärm, Gerüche)
- Wetteränderungen (Föhn, Hitze)
- Änderungen der normalen Nahrungszufuhr (Alkohol, Käse, Gewürze, Kaffee)
Nichtmedikamentöse Verfahren
Nichtmedikamentöse Verfahren zur Vorbeugung der Migräneattacke versuchen, die Hirnaktivität zu stabilisieren, damit plötzliche Störungen sich nicht auswirken können. Oberstes Gebot ist ein möglichst regelmäßiger Tagesablauf, der zu einer Synchronisation der Gehirntätigkeit und damit zu einer geringeren Störanfälligkeit führt.
- Entspannungsverfahren: Jeden Tag sollten Sie mindestens 15 Minuten für Ihr Entspannungstraining einplanen. Am besten hat sich die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen bewährt.
- Biofeedback-Therapie: In der Biofeedback-Therapie wird vom Therapeuten bzw. von der Therapeutin mit einem Gerät eine bestimmte Körperfunktion wie die Kopfmuskelaktivität oder der Pulsschlag gemessen. Die Ergebnisse werden für den Patienten/die Patientin z. B. auf einem Bildschirm angezeigt. Durch diese Rückmeldung ("feedback") kann der Patient/die Patientin direkt sehen, ob seine Muskeln entspannt sind oder sein Puls regelmäßig und langsam schlägt. In der weiteren Therapie wird gelernt, diese Körperfunktionen direkt und gezielt zu beeinflussen.
- Selbstsicherheitstraining: Das Selbstsicherheitstraining soll Patient*innen in die Lage versetzen, für ihre persönlichen Rechte einzustehen und ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Einstellungen auszudrücken. Selbstsicherheit und soziale Kompetenz können dazu führen, dass man sein Leben mit mehr innerer Gelassenheit und Ruhe leben kann.
Medikamentöse Alternativen zu Doxepin
Es gibt eine Vielzahl an Medikamenten zur Behandlung von Migräneattacken und Vorbeugung der Migräne. Als Prophylaxe-Medikamente werden einige Medikamente verwendet, die wir aus der Behandlung anderer Krankheiten kennen, wie z.B. Antiepileptika (zur Behandlung von Epilepsie), Beta-Blocker (bei Bluthochdruck), Kalziumkanal-Blocker (bei Schwindel) und Antidepressiva (bei Depressionen und Angststörungen).
Erst seit letztem Jahr gibt es eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt worden ist.
- Betablocker: Betablocker werden äußerst erfolgreich in der Vorbeugung von Migräne eingesetzt. Besonders die Wirkung von Propranolol und Metoprolol sind in besonders vielen Studien untersucht worden.
- Kalziumkanal-Antagonisten: Flunarizin ist ein Kalziumkanal-Blocker, der zur Behandlung von Schwindel eingesetzt wird. Es ist der einzige Kalzium-Kanal-Blocker, der laut Leitfaden eine signifikante Wirkung in der Migräneprophylaxe zeigen konnte.
- Antiepileptika: Antiepileptika/Antikonvulsiva enthalten krampflösende Wirkstoffe und werden eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, sind jedoch nachgewiesenermaßen laut Leitfaden auch in der Migränetherapie wirksam.
- Botulinumtoxin Typ A (Botox): Botox kann auch einen positiven Einfluss auf Migräne haben, jedoch scheint die Wirkung nach einigen Monaten nachzulassen.
- Trizyklische Antidepressiva: Das am besten wirksame Antidepressivum bei Migräne ist laut dem Leitfaden des DGN Amitriptylin. Aber auch die Wirksamkeit von Opipramol und Venlaflaxin wurden in dort erwähnten Studien belegt.
- CGRP-Antikörper: Bei der Therapie mit CGRP-Antikörpern handelt es sich um eine migränespezifische Prophylaxe. Sie kommt bei Migräne-Patienten zum Einsatz, die aufgrund von Vorerkrankungen andere Medikamente nicht einnehmen dürfen.
Natürliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel
Auch pflanzliche Präparate, Vitamine und andere Substanzen kommen in der Migräne-Prophylaxe zum Einsatz.
- Magnesium: Besonders bei leichten Formen von Migräne kann die tägliche Einnahme von Magnesium prophylaktisch Abhilfe schaffen.
- Riboflavin (Vitamin B2): Aktuell gibt es zwei Studien, die eine gute Wirksamkeit von Vitamin B2 zur Vorbeugung von Migräneattacken vermuten lassen.
- Coenzym Q10: Auch das Coenzym Q10 kann laut Leitfaden wirksam in der Prophylaxe von Migräne sein. Ganz besonders in Kombination mit Magnesium und Vitamin B2 sowie mit Omega-3-Fettsäuren kann die Schwere, jedoch nicht die Anzahl der Migräneattacken reduziert werden.
- Pestwurz: In besonders zwei Studien konnten Migräneanfälle mit Pestwurz-Extrakt deutlich und signifikant im Vergleich zum Placebo reduziert werden.
- Mutterkraut (Tanacetum parthenium): Mutterkraut wurde schon in der Antike zur Linderung von Geburtsschmerzen eingesetzt, daher wohl auch der Name. Es steht im Verdacht Migräneanfällen vorzubeugen; wissenschaftlich nachgewiesen ist der Effekt jedoch noch nicht.
Der Stellenwert eines Kopfschmerztagebuchs
Um nachvollziehen zu können, ob die vorbeugende Therapie anschlägt, empfiehlt es sich, bereits Wochen vor Beginn der medikamentösen Migräne-Prophylaxe mit dem Führen eines Migränetagebuchs zu beginnen.
Die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes
Eine erfolgreiche Migräneprophylaxe erfordert oft einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Maßnahmen umfasst. Es ist wichtig, eng mit Ihrem Arzt zusammenzuarbeiten, um einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln, der auf Ihre spezifischen Bedürfnisse und Umstände zugeschnitten ist.
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