Doxepin ist ein trizyklisches Antidepressivum, das zur Behandlung verschiedener psychischer und körperlicher Beschwerden eingesetzt wird. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen über Doxepin, einschließlich Dosierungsempfehlungen, Anwendungsgebiete, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und wichtiger Hinweise.
Was ist Doxepin und wie wirkt es?
Doxepin gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva und wirkt, indem es die Wirkung bestimmter Botenstoffe im Gehirn verstärkt. Der Wirkstoff greift in die Übermittlung von Signalen im Gehirn ein, indem er die Wirkungsdauer von stimmungsaufhellend wirkenden Botenstoffen im Gehirn erhöht. Es besitzt ausgeprägte sedierende (H1-Rezeptor-Blockade) sowie angstlösende und stimmungsaufhellende Wirkungen. Es wird nach oraler Gabe nahezu vollständig resorbiert. Doxepin und sein aktiver Metabolit Desmethyldoxepin werden zu ca. 80% an Plasmaproteine gebunden. Beim Abbau entsteht durch Demethylierung der aktive Metabolit Desmethyldoxepin. Dabei spielen die Enzyme CYP2C19 und CYP2D6 bei der Biotransformation eine wichtige Rolle. Die Plasmaeliminationshalbwertszeit für Doxepin beträgt nach intravenöser Applikation ca. 11 h, nach oraler Gabe 16,8 h und für Desmethyldoxepin 51,3 h. Die relativ langen Halbwertszeiten ermöglichen eine einmal tägliche orale Anwendung.
Anwendungsgebiete von Doxepin
Doxepin wird zur Behandlung folgender Erkrankungen eingesetzt:
- Depressive Erkrankungen
- Angstsyndrome
- Leichte Entzugserscheinungen bei Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenabhängigkeit
- Unruhe, Angst und Schlafstörungen in Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen oder leichten Entzugserscheinungen
- Funktionelle (nicht körperlich bedingte) Organbeschwerden
Während sich die stimmungsaufhellende Wirkung von Doxepin erst einige Tagen bis Wochen nach Behandlungsbeginn einstellt, zeigt sich der beruhigende und schlaffördernde Effekt schon ab der ersten Einnahme.
Doxepin-Präparate und Darreichungsformen
Doxepin ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter:
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- Filmtabletten (Doxepin-ratiopharm, Doxepin-neuraxpharm)
- Lösung zum Einnehmen (Doxepin-neuraxpharm)
- Injektionslösung
Die Dosierung und Darreichungsform werden vom Arzt individuell auf den Patienten abgestimmt.
Dosierung von Doxepin
Die Dosierung von Doxepin variiert je nach Anwendungsgebiet, Schwere der Erkrankung und individueller Reaktion des Patienten. Die Dosierung wird in der Regel von Ihrem Arzt langsam erhöht und auf eine für Sie passende Erhaltungsdosis eingestellt. Für die einzelnen Dosierungsschritte stehen Arzneimittel mit verschiedenen Wirkstoffstärken zur Verfügung.
Allgemeine Dosierungsempfehlungen
- Bei Depression und Angst:
- Behandlungsbeginn: Erwachsene nehmen in der Regel 25 Tropfen Doxepin-neuraxpharm 40 mg/ml Lösung (entsprechend 50 mg Doxepin) oder 2 Tabletten Doxepin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten einmal täglich abends zu der Mahlzeit ein.
- Folgebehandlung: Erwachsene nehmen in der Regel 10-15 Tropfen Doxepin-neuraxpharm 40 mg/ml Lösung oder 1 Tablette Doxepin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten dreimal täglich morgens, mittags und abends zu der Mahlzeit ein.
- Bei Entzugserscheinungen:
- Behandlungsbeginn (die ersten 3 Tage der Therapie): Erwachsene nehmen in der Regel 25 Tropfen Doxepin-neuraxpharm 40 mg/ml Lösung oder 2 Tabletten Doxepin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten dreimal täglich morgens, mittags und abends zu der Mahlzeit ein.
- Folgebehandlung: Zum Beenden der Behandlung sollte, in Absprache mit Ihrem Arzt, eine schrittweise Reduktion der Dosis erfolgen.
- Ältere und geschwächte Patienten: Sie müssen in Absprache mit Ihrem Arzt eventuell die Einzel- oder die Gesamtdosis reduzieren oder den Dosierungsabstand verlängern.
Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden.
Anwendungshinweise
- Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird deshalb nur von Ihrem Arzt bestimmt.
- Es kann 4 bis 6 Wochen nach Therapiebeginn dauern bis die Symptomatik verschwindet.
- Die Einleitung der Therapie ist durch schrittweise Dosissteigerung und die Beendigung durch langsame Verringerung der Dosis vorzunehmen (Reduktion um die Hälfte pro Woche).
Gegenanzeigen von Doxepin
Doxepin darf in folgenden Fällen nicht angewendet werden:
- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Darmverschluss durch eine Darmlähmung
- Delirium (Verwirrtheitszustand)
- Harnverhalt (akut)
- Vergiftungen, z.B. durch Alkohol, Schlaf- und Schmerzmittel
- Kinder unter 12 Jahren
Unter Umständen ist Vorsicht geboten und ein Arzt oder Apotheker zu konsultieren bei:
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- Blutbildungsstörungen
- Herzrhythmusstörungen, wie: Herzrhythmusstörungen mit unregelmäßiger Schlagfolge, Erregungsleitungsstörungen am Herzen, Abweichung im EKG (Verlängerung der QT-Dauer), Pulserniedrigung
- Psychosen aufgrund von Hirnschäden
- Neigung zu Krampfanfällen
- Störungen des Salzhaushaltes, wie: Kaliummangel
- Prostatavergrößerung
- Eingeschränkte Leberfunktion
- Engwinkelglaukom
Wichtige Hinweise zu Doxepin
- Reaktionsvermögen: Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beeinträchtigt sein. Achten Sie vor allem darauf, wenn Sie am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen (auch im Haushalt) bedienen, mit denen Sie sich verletzen können.
- Alkohol: Vermeiden Sie die Einnahme von Alkohol.
- Engwinkelglaukom: Patienten mit Engwinkelglaukom haben ein erhöhtes Risiko - besonderes im akuten Anfall.
- Absetzen: Durch plötzliches Absetzen können Probleme oder Beschwerden auftreten. Deshalb sollte die Behandlung langsam, das heißt mit einem schrittweisen Ausschleichen der Dosis, beendet werden. Lassen Sie sich dazu am besten von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.
- Unverträglichkeiten: Vorsicht bei einer Unverträglichkeit gegenüber Lactose oder Saccharose. Wenn Sie eine Diabetes-Diät einhalten müssen, sollten Sie den Zuckergehalt berücksichtigen.
- Wechselwirkungen: Es kann Arzneimittel geben, mit denen Wechselwirkungen auftreten. Sie sollten deswegen generell vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel jedes andere, das Sie bereits anwenden, dem Arzt oder Apotheker angeben. Das gilt auch für Arzneimittel, die Sie selbst kaufen, nur gelegentlich anwenden oder deren Anwendung schon einige Zeit zurückliegt.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Zur Anwendung von Doxepin-ratiopharm® 100 mg während der Schwangerschaft liegen bislang keine ausreichenden Erfahrungen vor. Deshalb darf Doxepin-ratiopharm® 100 mg nur bei zwingender Notwendigkeit und nach strenger Abwägung von Risiko und Nutzen durch den behandelnden Arzt verordnet werden. Nach Einnahme von Doxepin-ratiopharm® 100 mg oder anderen Antidepressiva vor der Geburt in höheren Dosen oder über einen längeren Zeitraum kann es beim Neugeborenen zu Absetz- bzw. Entzugserscheinungen kommen. Doxepin sollte nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden, da dazu noch keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen. Anderen Wirkstoffen wie Citalopram, Sertralin und Amitriptylin ist hier der Vorzug zu geben. Da Doxepin in die Muttermilch übergeht und beim Säugling unerwünschte Wirkungen haben kann, sollten stillende Mütter vor Behandlungsbeginn abstillen.
- Kinder und Jugendliche: Doxepin-ratiopharm® 100 mg sollte nicht zur Behandlung von Depressionen bei Kindern über 12 Jahre und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden.
Nebenwirkungen von Doxepin
Nebenwirkungen sind unerwünschte Wirkungen, die bei bestimmungsgemäßer Anwendung des Arzneimittels auftreten können. Die häufigsten Nebenwirkungen von Doxepin sind:
- Magen-Darm-Beschwerden, wie: Verstopfung, Mundtrockenheit, Durstgefühl
- Gewichtszunahme
- Schwindel
- Benommenheit
- Müdigkeit
- Zittern
- Missempfindungen
- Nervosität
- Selbstmordgedanken
- Schwitzen
- Tinnitus (Ohrgeräusche)
- Sehstörungen, wie: Störung der Nah- und Ferneinstellung des Auges (Akkommodation)
- Gefühl der "verstopften Nase"
- Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, wie: Juckreiz, Wassereinlagerungen (Ödeme)
- Niedriger Blutdruck
- Orthostatische Hypotonie (Kreislaufstörungen aufgrund niedrigen Blutdrucks)
- Kollapsneigung bei evtl. zu starkem Blutdruckabfall
- Herzrhythmusstörungen
- Erregungsleitungsstörungen am Herzen
- Pulsbeschleunigung
- Störungen beim Wasserlassen
- Harnverhalt
- Leberfunktionsstörungen, wie: Anstieg der Leberwerte
- Milchabsonderung aus der Brust (Galaktorrhoe)
- Störungen der Sexualfunktion
Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
Überdosierung von Doxepin
Es kann zu einer Vielzahl von Überdosierungserscheinungen kommen, unter anderem zu niedrigem Blutdruck, Krämpfen, Bewusstseinsstörungen und Atemstörungen. Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung.
Einnahme vergessen?
Setzen Sie die Einnahme zum nächsten vorgeschriebenen Zeitpunkt ganz normal (also nicht mit der doppelten Menge) fort.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Doxepin kann Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eingehen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, anwenden oder kürzlich eingenommen oder angewendet haben.
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Doxepin und Migräne
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura sowie Migräne-Komplikationen an. Doxepin kann in einigen Fällen zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, insbesondere wenn Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen vorliegen.
Status migraenosus
Ein Status migraenosus liegt vor, wenn eine Migräneattacke länger als 72 Stunden anhält. Ein häufiger Auslöser von langen Migräneattacken sind die hormonellen Veränderungen zum Zeitpunkt der Menstruation.
Behandlung des Status migraenosus
- Vermeidung von Akutmedikation: Ab dem vierten Tag einer Migräne sollte auf Schmerzmittel und Triptane verzichtet werden, da diese die Attacke verlängern können.
- Medikamente gegen Übelkeit: Dimenhydrinat (Vomex® A) oder schwach wirksame Neuroleptika (Promethazin, Melperon) oder trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin) können helfen.
- Kortison: Prednisolon kann die Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute blockieren.