Migräne-Apps im Test: Digitale Helfer zur Schmerzanalyse und -behandlung

Millionen Deutsche leiden unter Kopfschmerzen und Migräne. Fachleute unterscheiden mehr als 200 Formen von Kopfschmerzen - je nach Ursache und Ausprägung. Am meisten verbreitet sind Spannungskopfschmerz und Migräne. Um Betroffenen bei der Analyse und Behandlung ihrer Schmerzanfälle zu helfen, gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Smartphone-Apps. Die Stiftung Warentest hat in einer aktuellen Untersuchung acht dieser Apps (jeweils in der Android- und iOS-Version) genauer unter die Lupe genommen.

Nutzen von Kopfschmerz-Apps

Der Test der Stiftung Warentest zeigt: Häufig Geplagte können von Kopf­schmerz-Apps profitieren. Sinn­voll sind sie für Menschen, die häufig an solchen Beschwerden leiden. Denn die Apps bieten ihnen sowie ihren Ärztinnen und Ärzten einen Über­blick über den Krank­heits­verlauf. Mit ihnen lässt sich ein Schmerz­tagebuch führen, welches laut Ärzten die beste Möglichkeit ist, Ursachen des Kopfschmerzes herauszufiltern und die Art des Schmerzes sowie die passende Behandlung besser zu identifizieren. Die einge­geben Daten zeigen etwa, ob ein ausgewähltes Medikament genug bewirkt - also die Häufig­keit und Schwere der Schmerzen verringert.

Im Prinzip funktionierten alle Apps gleich: In einem ersten Schritt protokollieren Nutzer eine Kopfschmerzattacke - Dauer, Symptome, Auslöser, verwendete Mittel zur Schmerzlinderung und so weiter. Einige der getesteten Apps liefern dann auch bereits Tipps zur Entspannung oder bieten Übungen an, durch die der Schmerz gelindert werden kann. In einem zweiten Schritt werten die digitalen Helfer die eingegebenen Daten aus - manche mehr, andere weniger. Hier bemängeln Tester vor allem, dass einige der Apps Nutzer nicht darauf hinweisen, wenn diese zu viele Schmerzmittel eingenommen haben. Dies könne zu einem Teufelskreis führen, schreibt Stiftung Warentest, denn die Überdosierung von schmerzstillenden Medikamenten könne ebenfalls zu Kopfschmerzen führen.

Die geprüften Programme wenden sich an deutsch­sprachige Menschen. Für den Test entwickelte ein medizi­nischer Fach­gut­achter zwei fiktive typische Fälle von Personen mit Spannungs­kopf­schmerz und Migräne. Auf Basis dieser Fälle führten wir die Prüfungen durch. Dazu trugen wir über einen Zeitraum von 90 Tagen zu fest­gelegten Terminen Kopf­schmerzatta­cken ins Schmerz­tagebuch der Apps ein. Zudem bewerteten wir, ob es Belege für den Nutzen der Programme gibt. Um weitere Punkte wie die Über­sicht­lich­keit der Bedien­oberfläche, die Navigation und den Basis­schutz persönlicher Daten ging es ebenfalls.

Testkriterien und Ergebnisse

Wichtig waren Stiftung Warentest auch die Einfachheit der Bedienung sowie die Zuverlässigkeit und ob der Nutzen der App durch Studien oder Untersuchungen belegt worden ist. Vollends zufrieden mit den Kopfschmerz- und Migräne-Apps waren die Tester nicht, keine der Anwendungen erhielt eine bessere Note als "Befriedigend". Das liegt laut Testergebnis daran, dass die Apps kein umfassendes Bild zur Krankengeschichte erheben und Begleiterkrankungen sowie täglich eingenommene Medikamente oder der berufliche Alltag nicht erfasst werden. Auch ließen viele Apps einen Qualitätsnachweis durch wissenschaftliche Studien vermissen, wodurch sich deren tatsächlicher Nutzen nicht nachweisen lässt.

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Testsieger sind die App "Kopfschmerzwissen" und "M-sense Migräne", die die Note "Befriedigend" erreichen, das Prädikat "Gut" knapp verfehlen."Kopfschmerzwissen" punktet durch einfache Bedienung und vielfältige Hintergrundinformationen zu Kopfschmerzen. Beurteilungskriterien waren unter anderem die Nutzerfreundlichkeit, Ausführlichkeit des Tagebuchs, Informationen zu Kopfschmerzen, Warnhinweise bei zu häufigem Medikamentengebrauch, Datenschutz und Nutzenbelege der Apps.

Am besten abgeschnitten haben dabei „Kopfschmerzwissen“ und „M-Sense Migräne“. Aber auch diese beiden Apps kamen über die Note befriedigend (2,6) nicht hinaus. Die App „Kopfschmerzwissen“ punktet durch einfache Bedienung und bietet laut Warentest „vielfältige Informationen zu Kopfschmerzen“. Auch gibt es ein „sehr gut“ in puncto Datenschutz. Abzüge gibt es für fehlende Nutzenbelege. (Kosten: einmalig 35 Euro)

Der zweite Testsieger „M-Sense Migräne“ richtet sich ausschließlich an Migräne-Patient:innen. Positiv bewertet werden hier die vielen Hintergrundinformationen und vor allem der „detaillierte Fragenkatalog fürs Tagebuch“. Genauer hinschauen sollen Patient:innen aber bei den eher unsicheren Vorgaben für die Passwortvergabe. Ein Tipp von Warentest: „Wer sie nutzt, sollte eins mit mindestens acht Zeichen wählen, am besten mit Ziffern und Sonderzeichen.“ (kostenfrei)

Den zweiten Platz belegt die „Migräne-App“ der Schmerzklinik Kiel. „Umfangreiche Infos zu Kopfschmerzen, sowie zu Maßnahmen, die dagegen helfen“, brachten der App eine ebenfalls befriedigende Note (2,8). Bemängelt wurden eine mangelnde Erfassung „genaue[r] Schmerzsymptome und mögliche[r] Auslöser“, diese Angaben fehlen dann in der darauffolgenden Analyse natürlich.

Weitere Apps im Test waren „Headache hurts“, „Migraine Buddy“, „N1-Kopfschmerz“, „Manage my Pain Pro“ und „Kopfschmerztagebuch“. Manche Apps sind kostenlos, andere sind zuweilen kostenpflichtig. Vereinzelt übernehmen die Kassen die Kosten. Die Preise reichen von 0 bis 49,99 Euro. Einzelne Anbieter erheben neben einem Kauf­preis monatliche Gebühren von bis zu 4,49 Euro. Entwickelt wurden die Apps beispiels­weise von der Schmerz­klinik Kiel, von kana­dischen oder US-amerikanischen Unternehmen.

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Mit einer 4,1 bei Android und einer 4,2 bei iOS schneidet "Kopfschmerztagebuch" im Test als schlechteste App ab.

Detaillierter Blick auf "M-Sense Migräne"

Daten sammeln, um weniger Migräne zu haben - ist das sinnvoll? Heutzutage leiden sehr viele Menschen an Kopfschmerzen und Migräne. Es existieren Programme für mobile Endgeräte, die dagegen helfen sollen. Ein Beispiel dafür ist die App M-sense. Für die Betroffenen wäre es wie ein Traum, die lästige Migräne los zu werden. Viele Mythen existieren um diese Erkrankung - sogar, dass sie nur ‚ausgedacht‘ sei. Für viele Patienten sind die Schmerzattacken aber ein sehr präsenter Begleiter in ihrem Alltag. Viele Patienten haben trotz ihres Wunsches, schmerzfrei zu sein, Bedenken gegenüber solchen Apps. Sie bezweifeln, dass es sich lohnt, sensible Gesundheitsdaten an ein Unternehmen zu senden. Die Applikation benötigt aber genau solche Daten, um dem Patienten zu helfen: Wie alt ist man? Wie viel wiegt man? Wie gesund ist man? In diesem Beitrag sehen wir uns an, was die App tut und was gut an ihr ist. Vorab ist zu erwähnen, dass ein Programm den Arzt nicht ersetzt. Das Besondere an dieser App ist aber, dass sie die Kommunikation zwischen Arzt und Patient unterstützt.

M-sense ist eine Applikation (kurz ‚App‘) für ein mobiles Endgerät, zum Beispiel ein Smartphone. Mit der App kann man Daten über Kopfschmerzen aufzeichnen und so ein Schmerztagebuch führen. Die App hat zum Ziel, vor allem Patienten mit Migräne zu helfen: Kopfschmerzattacken sollen seltener werden. Zudem soll der Konsum von Schmerzmitteln reduziert werden.

Der Patient trägt Daten über seine Kopfschmerzen, beziehungsweise Migräneanfälle ein. Darüber hinaus erfasst man mit der App Einflussfaktoren wie zum Beispiel den Schlaf, Ernährung und Stress. Wie gut haben Sie geschlafen? Hatten Sie Stress? Haben Sie Alkohol konsumiert? Bereits zu Beginn der Nutzung fällt auf, dass die App sehr interaktiv gestaltet ist. Der Anwender befindet sich in einem virtuellen Chat mit einer Gehirn-Figur. Wenn man eine Kopfschmerzattacke erleidet, dann trägt man diese direkt in die App ein. Die Stärke der Kopfschmerzen und deren Art erfasst die App ebenfalls. Zum Beispiel sind die Dauer, Intensität und Begleiterscheinungen der Schmerzen wichtige Anhaltspunkte. Die App erfragt zudem, ob man schmerzstillende Medikamente eingenommen hat. Haben Sie Schmerzmittel eingenommen? Diese Daten wertet die App ebenfalls aus. Nicht nur persönliche Faktoren wie die oben genannten beeinflussen das Auftreten von Kopfschmerzen - auch das Wetter (der Luftdruck) ist für manche Patienten wichtig. Die App hat diese Daten immer parat. Die App erfasst die Wetterdaten anhand der Position des Patienten. Hierzu muss das Programm allerdings immer wissen, wo man sich gerade befindet.

Eine Funktion der App ist es, die Kommunikation zwischen dem Arzt und Patienten zu unterstützen. Bei allen auftretenden Schmerzattacken trägt der Patient möglichst viele Details ein, sodass die App berechnen kann, um welche Art der Schmerzen es sich handelt - Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Hierfür verwenden die Programmierer medizinische Richtlinien (ICHD-3). Welche Kopfschmerzen kamen wie häufig vor? Leeres Schmerztagebuch, das die App mit Ihren Daten füllt. Wie stellt man selbst fest, ob es sich um Migräne handelt? In diesem Video erklärt Schmerzforscher Dr. Dr. Tobias Weigl, welche Selbsttests Sie anwenden können. Selbsttest🖊Habe ich Migräne, "normale" Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen?

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Die App unterstützt die Patienten dabei, selbst gegen die Migräne vorzugehen. Je nach Patient schlägt die App sportliche Aktivitäten, Entspannungsübungen oder Atem-Meditation vor. Laut Entwickler kann man die Schmerzattacken auf diese Weise stark reduzieren. Die Übungen schlägt die App individuell vor. Die App motiviert den Patienten, selbst aktiv etwas gegen die Kopfschmerzen zu unternehmen. Je nach Schwere der Symptome ist es sinnvoll und wichtig, sportliche Aktivitäten mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Falls die Schmerzen nämlich von einer Veränderung der Struktur im Gehirn verursacht werden, könnte Sport gefährlich werden. Ein Beispiel hierfür ist eine Hirnzyste. Sind Sie also Schmerzpatient, dann fragen Sie den Arzt, ob Sie alle Sportarten ausüben dürfen. Sind zunächst weitere Untersuchungen nötig? Zum Beispiel ein Kopf-MRT beim Neurologen? Die App animiert den Patienten dazu, selbst aktiv zu werden: Denn M-sense erstellt übersichtliche Diagramme anhand der Patientendaten. So ist es dem Patienten möglich, eine Übersicht über seine Kopfschmerzen zu erhalten - und mehr über die eigenen Kopfschmerzen zu lernen. Was hat Sauerstoff mit Stresshormonen zu tun?

Positiv ist, dass die App nicht den Anspruch an sich hat, den Arzt zu ersetzen. Ganz im Gegenteil: Die Entwickler sind darauf bedacht, dass Arzt und Patient gemeinsam bessere Therapien gegen die Schmerzen finden. So ermöglicht die App, dass der Patient gegebenenfalls zukünftig auf Schmerzmittel verzichten kann. Das virtuelle Chatten mit der Gehirn-Figur in der App vermittelt dem Patienten, nicht mit seinem Schmerz allein zu sein. Durch gezieltes Fragen nimmt der Chat dem Leidenden zudem teilweise die Entscheidung ab, welchen Menüpunkt er als nächstes ansehen möchte. Auch dann, wenn der Nutzer die Hilfefunktion anwählt, erscheint der Chat. Im Hilfemenü hat der Patient auch die Möglichkeit, direkt mit einem Support-Mitarbeiter zu chatten. Es wird allerdings deutlich darauf hingewiesen, dass ausschließlich technische Fragen und keine gesundheitlichen Anliegen im Chat besprochen werden. Denn gesundheitliche Fragen direkt an Mitarbeiter zu stellen, widerspricht den Datenschutzrichtlinien des Unternehmens.

Es ist hilfreich, wenn Patienten ausführliche Daten über ihren Lebensstil sammeln. Das ermöglicht der App, beeinflussende Faktoren für den Schmerz abzubilden. Das Tägliche Einspeisen der Daten könnte sich jedoch etwas zu aufwendig für die Patienten gestalten - gerade dann, wenn sie sich in einer eher schmerzfreien Phase befinden und der Schmerz weniger präsent ist. Wie bei jeder Anwendung, die mit Daten arbeitet, erfordert die Nutzung von M-sense, dass der Patient seine Daten zur Verfügung stellt. Es besteht immer ein Restrisiko, solche Daten einer Firma bereit zu stellen. Es existieren zwar Datenschutzrichtlinien für Gesundheitsdaten. Wann immer der Anwender den Chat beenden möchte, fragt die App nach, wie sie verfahren soll. Für neue Anwender könnte diese Funktion etwas anstrengend sein. Zum einen, weil man die App zunächst einmal entdecken möchte und öfter einmal ein Thema abbricht. Die Funktion ‘M-sense Active‘ ist der Teil des Programms, bei dem der Patient selbst aktiv wird. Sie beinhaltet die Menüpunkte ‚Entspannung‘, ‚Wissen‘, ‚Akut-Hilfe‘ und ‚Training‘. Allerdings ist es nicht möglich, mit der kostenlosen Version darauf zuzugreifen. Dies ist etwas schade, da das Aktiv-Sein eine der Kernideen der App ist.

Die App eignet sich prinzipiell für alle Migräne- und Kopfschmerzpatienten. Durch die interaktive Art eignet sich die App vor allem für kommunikative Anwender. Denn das Direkt-Angesprochen-Werden durch die virtuelle Chatfigur vermittelt den Eindruck, nicht allein zu sein. Denn unter Umständen möchte der Patient bei Schmerzattacken nicht komplett allein sein und einen Partner an seiner Seite haben - auch wenn dieser nur virtuell ist. Auch Patienten, die sich nicht sicher darüber sind, unter welcher Art von Kopfschmerzen sie leiden, finden Antworten in der App. Die App eignet sich für alle Migräne- und Kopfschmerzpatienten, die ein detailliertes Schmerztagebuch führen möchten. Der Patient erhält hilfreiche Hintergrundinformationen und lernt mehr über die eigenen Schmerzen. Gut ist auch der Ansatz, die Einnahme von Schmerzmitteln zu reduzieren und dem Patienten alternative Aktivitäten anzubieten. Ebenfalls gut ist, dass die App die Zusammenarbeit von Patient und Arzt unterstützt: Die Schmerzauswertung als PDF-Datei ist ein großer Pluspunkt.

Die App »M-Sense Migräne« enthält neben dem Kopfschmerztagebuch inklusive Triggermanagement und leitlinienkonformen Empfehlungen auch animierte physiotherapeutische Übungen, Anleitungen zum Ausdauersport sowie Audiodateien für Entspannungsübungen. Zehn- bis 15-wöchige Programme sollen helfen, gute Gewohnheiten zu etablieren.

Allerdings gab es auch Einschränkungen: Bis April 2022 war "M-Sense Migräne" als sogenannte digitale Gesundheitsleistung gelistet. Den Status hat die App aber verloren, weil sie den nötigen Wirkungsnachweis nicht erbringen konnte. Der Anbieter teilte Anfang August 2022 mit, er habe einen Antrag auf Eröff­nung eines Insolvenz­ver­fahrens gestellt. Der Anbieter hat die App im April 2022 aus dem DiGA-Ver­zeichnis (Ver­zeichnis für digitale Gesund­heits­anwendungen des Bundes­instituts für Arznei­mittel und Medizin­pro­dukte) zurück­gezogen. Bis dahin wurde sie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. »M-Sense Migräne« ist die derzeit umfassendste App zur Migränebewältigung. Das Medizinprodukt soll aber vorläufig kostenlos verfügbar bleiben, »damit die Nutzer das Behandlungsprogramm ohne Unterbrechung weiterführen können«, teilte Newsenselab am 31. März mit.

Für wen ist M-Sense geeignet?

M-Sense Migräne beschränkt sich auf Migräne-Patient:innen. Alle anderen Apps sind für mehrere Kopfschmerzarten konzipiert.

Die sinCephalea App: Migräneprophylaxe mit personalisierter Ernährung

Eine weitere interessante App ist sinCephalea Migräneprophylaxe, die ebenfalls von den Krankenkassen bezahlt wird. Diese digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) unterstützt den Nutzer dabei, herauszufinden, wie sein Blutzucker auf gewisse Lebensmittel und Mahlzeiten reagiert. Mittels eines Glukosesensors wird der Blutzucker gemessen, und der Nutzer kann direkt sehen, wie sich seine Blutzuckerwerte nach bestimmten Mahlzeiten entwickeln. Im Anschluss an die Testphase erhält er auf sich zugeschnittene, personalisierte Ernährungsempfehlungen, um wirksam Migräneattacken vorzubeugen.

Es handelt sich dabei NICHT um eine weitere Migräne-Diät. Personalisierte Ernährungsempfehlungen bedeuten, dass der Nutzer lediglich die spezifischen Mahlzeiten, die bei ihm für unerwünschte starke Blutzucker-Reaktionen verantwortlich sind, gezielt reduziert oder geschickter mit anderen blutzuckerstabilisierenden Nährstoffen (Fette, Proteine) kombiniert.

Studien haben gezeigt, dass sinCephalea bereits anderen Betroffenen geholfen hat. Nach der erfolgreichen Einführung einer individualisierten niedrig-glykämischen Ernährung berichteten Studienteilnehmende von:

  • 44% weniger Migränetage: die Tage mit Migräne verringerten sich im Durchschnitt um 2,4 Tage pro Monat
  • kürzeren Anfällen: die Migräne-Dauer verringerte sich im Durchschnitt um ca. 15 Stunden pro Monat
  • einer damit einhergehenden höheren Lebensqualität: 80% der Patient:innen spürten eine spürbare Verbesserung ihrer Migräne

Die Verschreibung der App erfolgt durch den Hausarzt oder per Videosprechstunde. Nach Einreichen des Rezepts bei der Krankenkasse erhält man ein Starterpaket per Post, welches alles Notwendige für die Testphase enthält, inklusive Glukosesensor, Challenge-Karten-Set und einer Glukose-Testmahlzeit.

Während der Testphase misst der Glukosesensor in Echtzeit die Gewebezuckerwerte, und der Nutzer kann direkt in der App sehen, wie er auf gewisse Mahlzeiten oder auch Bewegung und Entspannung reagiert. Im Ernährungstagebuch der App werden alle Mahlzeiten, Getränke, Aktivitäten, Befinden & Schlaf sowie eventuelle Migräneattacken und eingenommene Medikamente eingetragen.

Bereits wenige Tage nach Abschluss der Testphase erhält der Nutzer die Auswertung und somit auch den Bericht mit den personalisierten Ernährungsempfehlungen auf seine App gespielt.

Die Migräneprophylaxe-Phase beginnt nach der Testphase. Der Glukosesensor ist ab sofort nicht mehr Teil dieser Phase, denn er ist nur zwei Wochen funktionstüchtig. sinCephalea begleitet den Nutzer weiterhin und gibt ihm zusätzlich wertvolle Tipps und Infos rund um Migräne-Themen wie z.B. Schlaf-Wach-Rhythmus, Reizüberflutung, Sport und Entspannung. Der Nutzer loggt seine Mahlzeiten im Ernährungstagebuch und seine Kopfschmerzen im Kopfschmerztagebuch der App ein und kann so sehen, ob diese kleinen Änderungen seine Migräne-Attacken reduzieren.

Kopfschmerztagebuch als nützliches Werkzeug

Wer häufig unter Kopfschmerzen leidet, dem kann es helfen, ein Tagebuch über die Schmerzen zu führen. Wenn Betroffene genauer wissen, wann und wie die Kopfschmerzen auftreten und wie der Krankheitsverlauf ist, können Ärzt:innen bessere Diagnosen stellen. Heißt: Es lässt sich besser diagnostizieren, welche Form von Kopfschmerzen man hat. Um nicht immer ein Notizbuch einstecken zu müssen, kann man so ein Kopfschmerztagebuch auch via App führen. Das hat auch den Vorteil, dass die Apps noch weitere Daten auswerten oder Hintergrundwissen zu Kopfschmerzen bieten.

Herausgeber Professor Dr. Hartmut Göbel vergleicht die Funktionen mit dem Cockpit eines Autos, »um die Kurve in der Behandlung zu kriegen«. Neben den üblichen Eingaben zu Dauer, Intensität, zusätzlichen Symptomen, Medikamenten et cetera, die sich automatisch auswerten lassen, steht hier auch ein Schnelltest zur Verfügung, ob es sich eher um Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerz oder Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch handeln könnte. Weitere Tools sind eine sogenannte Aura-Simulation (spannend für Nicht-Betroffene, um einen Eindruck von diesem migränetypischen Symptom zu bekommen) und - für Apotheker besonders interessant - die »Triptan-Schwelle«. Hier soll ermittelt werden, ob der Einsatz eines Triptans bereits sinnvoll sein kann. Enthalten sind außerdem eine Expertensuche sowie drei Audiodateien zur progressiven Muskelentspannung, darunter auch eine für Kinder.

Kopfschmerzarten und Behandlung

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz - welche Mittel bei Migräne und Co. Spannungskopfschmerzen sind weit verbreitet. Wer darunter leidet, verspürt meist einen drückenden und dumpfen Schmerz. Es betrifft häufig beide Kopfseiten - bei vielen tritt er im Stirnbereich auf. Bei leicht bis mittelschweren Spannungskopfschmerzen kann laut Stiftung Warentest auch Pfefferminzöl, das auf Stirn und Schläfe getropft wird, helfen.

Kopfschmerzen und Migräne haben verschiedene Ursachen. Es ist also durchaus möglich, dass man beide Arten von Schmerzen erleidet. Eine Anamnese beim Arzt und Ursachenforschung ermöglicht, eine geeignete Behandlung auszuwählen. Schmerzstillende Medikamente sind eine Möglichkeit. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt ab, welches Präparat und welche Dosierung in Ihrem Fall gut ist. Bei sekundären Kopfschmerzen zum Beispiel sollte man die verursachende Erkrankung behandeln.

Prinzipiell kann man seltener Migräne haben - es muss nicht sein, dass der Schmerz periodisch wiederkehrt. Bei manchen, aber nicht bei allen Patienten kündigt sich die Attacke durch eine ‚Migräne-Aura‘ an. Sie äußert sich zum Beispiel durch visuelle Effekte und Reizstörungen (seltsame Gerüche wahrnehmen). Bei der häufigsten Form der Migräne bleibt diese Aura jedoch aus.

Bislang existieren wenig Möglichkeiten gegen schwere Migräneattacken. Mittel der Wahl sind die sogenannten Triptane, z. B. Naratriptan. Diese Wirkstoffe sind sehr hilfreich bei Migräne, einige Patienten vertragen sie jedoch nicht. Inzwischen wurden jedoch neu Wirkstoffe entdeckt. Die beiden Wirkstoffgruppen sind die sogenannten ‚Ditane‘ und ‚Gepante‘. - klinische Studien sind jedoch noch nötig, um deren Wirksamkeit zu verifizieren. Um Unverträglichkeiten gegen Medikamente - und auch allgemeine Nebenwirkungen - zu umgehen, sucht man aber parallel nach alternativen, medikamentfreien Therapieverfahren. Seit 2016 ist CBD-Öl in der Apotheke erhältlich. Aber was ist es eigentlich genau? Die Abkürzung ‚CBD‘ steht für ‚Cannabidiol‘ - ein Wirkstoff aus der weiblichen Hanfpflanze Cannabis Sativa. Das Öl könnte gegebenenfalls gegen Migräne und Spannungskopfschmerzen helfen. Denn CBD hat schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften.

Selbsttest und ärztliche Diagnose

Die App scheint genauer zu sein als die beschriebenen Selbsttests zum Bestimmen von Kopfschmerzen. Die App unterstützt die Diagnose des Arztes. Sie ist quasi ein erster Schritt, um Ihre Symptome zu klassifizieren. Schön ist, dass das Programm Möglichkeiten aufzeigt, wie Sie als Patient gegen Migräne vorbeugen können. Der Besuch beim Arzt kann dennoch nicht ersetzt werden. Allein die diagnostischen Möglichkeiten eines Arztes sind ganz andere - halten Sie sich vor Augen, dass es sich bei einer App um ein Computerprogramm handelt.

Stiftung Warentest empfiehlt, solche Apps in Absprache mit seinem Arzt oder seiner Ärztin zu nutzen.

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