Ergotherapie bei Hemiplegie: Behandlung des hemiplegischen Arms

Die Ergotherapie spielt eine entscheidende Rolle bei der Rehabilitation von Patienten mit Hemiplegie, insbesondere bei der Behandlung des betroffenen Arms. Ziel ist es, dieFunktionsfähigkeit im Alltag zu verbessern und die Lebensqualität der Patienten zu steigern.

Herausforderungen bei der Behandlung des hemiplegischen Arms

Viele Ergotherapeuten stehen vor der Herausforderung, bei Hemiplegie-Patienten mit einem nicht-funktionierenden Arm Fortschritte zu erzielen. Während Physiotherapeuten oft deutliche Verbesserungen in Bereichen wie Stehen und Gehen beobachten, scheint dieFunktionsverbesserung des Arms oft schwieriger zu erreichen. Dies kann frustrierend sein, insbesondere wenn Therapieansätze wie die Spiegeltherapie nur bescheidene Ergebnisse liefern.

Ursachen für Schwierigkeiten bei der Armrehabilitation

Die Sensomotorik der oberen Extremität ist komplexer als die der unteren Extremität, was die Rehabilitation anspruchsvoller macht. Das kortikale Areal, das die Hand innerviert, ist um ein Vielfaches größer als das für die gesamte untere Extremität. Daher erfordert die Wiederherstellung der Handfunktion einen intensiveren und spezifischeren Therapieansatz.

Faktoren, die die Rehabilitation beeinflussen

Mehrere Faktoren beeinflussen den Erfolg der Ergotherapie bei Hemiplegie:

  1. Zeit seit dem Schlaganfall: Je kürzer der Schlaganfall zurückliegt, desto besser sind die Chancen auf eine Funktionsverbesserung.
  2. Betroffene Gehirnregion: Die Lokalisation des Schlaganfalls beeinflusst die Art und den Umfang der motorischen und sensorischen Defizite.
  3. Sekundärerkrankungen: Vorhandene Begleiterkrankungen können die Rehabilitation erschweren.
  4. Motivation und Compliance des Patienten: Eine hohe Motivation und aktive Mitarbeit des Patienten sind entscheidend für den Therapieerfolg.
  5. Kompensation mit der weniger betroffenen Seite: Eine starke Kompensation kann die Nutzung des betroffenen Arms behindern.
  6. Sensibilität: Beeinträchtigungen der Sensibilität erschweren die Koordination und den Einsatz des Arms.
  7. Kognitive und perzeptive Symptome: Neglect, Agnosie oder Apraxie können die Rehabilitation erheblich beeinträchtigen.

Ziele der Ergotherapie bei Hemiplegie

Es ist wichtig, realistische Ziele für die Ergotherapie zu setzen, insbesondere bei Patienten mit schweren Lähmungen. Mögliche Ziele sind:

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  1. Schmerzfreiheit: Schmerzen im betroffenen Arm sollten reduziert oder beseitigt werden.
  2. Ein Arm, der nicht stört: Der Arm soll so positioniert und behandelt werden, dass er den Patienten im Alltag nicht behindert.
  3. Arm als stabile Referenz: Der Arm kann als Unterstützung für andere Aktivitäten dienen.
  4. Grobe Halte-/Klemmfunktion: Der Arm kann zum Festhalten oder Fixieren von Gegenständen eingesetzt werden.

Therapieansätze in der Ergotherapie

Verschiedene Therapieansätze können in der Ergotherapie bei Hemiplegie eingesetzt werden:

  • Bobath-Konzept: Das Bobath-Konzept ist ein ganzheitlicher Ansatz, der darauf abzielt, pathologische Haltungs- und Bewegungsmuster zu hemmen und physiologische Bewegungen zu bahnen.
  • Spiegeltherapie: Bei der Spiegeltherapie betrachtet der Patient die Bewegung seiner nicht-betroffenen Hand im Spiegel, wodurch im Gehirn der Eindruck entsteht, dass sich die betroffene Hand normal bewegt. Dies kann dieFunktionsverbesserung fördern.
  • Forced-Use-Therapie (CIMT): Die Forced-Use-Therapie zwingt den Patienten, den betroffenen Arm im Alltag einzusetzen, indem die weniger betroffene Hand eingeschränkt wird. Dies kann den "erlernten Nichtgebrauch" des Arms überwinden.
  • Perfetti-Methode: Die Perfetti-Methode konzentriert sich auf das sensomotorische Lernen und die Verbesserung der Körperwahrnehmung.
  • Affolter-Modell: Das Affolter-Modell basiert auf der geführten Interaktion, bei der der Therapeut den Patienten bei alltäglichen Aktivitäten führt, um ihm sensorische Informationen zu vermitteln.
  • Sensible Stimulation: Verschiedene Formen der sensiblen Stimulation, wie z.B. Vibration oder Taping, können dieSensibilität verbessern und die Motorik fördern.
  • Elektrostimulation: Die neuromuskuläre Elektrostimulation kann eingesetzt werden, um Muskeln zu aktivieren und Bewegungen zu unterstützen.
  • Robotik: Arm-Therapie-Roboter können Bewegungen mechanisch unterstützen und das Training mit hohen Wiederholungsraten ermöglichen.
  • Virtuelle Realität: Virtuelle Realitätsanwendungen können motivierende und interaktive Trainingsumgebungen schaffen.

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Eine erfolgreiche Rehabilitation von Hemiplegie-Patienten erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden, Ärzten und Angehörigen. Durch den Austausch von Informationen und die Abstimmung der Therapieziele kann eine optimale Versorgung des Patienten gewährleistet werden.

Die Rolle der Ergotherapie im Kontext der Heilmittelrichtlinien (HMR)

Die Ergotherapie hat im Rahmen der Heilmittelrichtlinien (HMR) den Auftrag, Patienten im Alltag kompetenter zu machen. Dies umfasst nicht nur den Aufbau von Funktionen, sondern auch den Umgang mit Einschränkungen, den Einsatz von Hilfsmitteln und die Kompensation vonDefiziten. Bei Patienten mit plegischen Armen, insbesondere in der chronischen Phase, liegt der Fokus oft auf der Verbesserung der Alltagsbewältigung und Partizipation, anstatt auf dem Aufbau verloren gegangener Funktionen.

Individuelle Therapieplanung

Jeder Hemiplegie-Patient ist einzigartig und benötigt eine individuelle Therapieplanung. Die Auswahl der geeigneten Therapieansätze und die Festlegung der Therapieziele sollten in enger Absprache mit dem Patienten und seinen Angehörigen erfolgen. Dabei sind die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten undMotivationen des Patienten zu berücksichtigen.

Bedeutung des Eigentrainings

Neben der professionellen Ergotherapie ist das Eigentraining zu Hause unerlässlich, um die Stärkung des gelähmten Arms und der Hand weiter voranzutreiben. Therapeuten sollten den Patienten Übungen zeigen, die im Alltag umsetzbar sind, und sie zur regelmäßigen Durchführung motivieren.

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