Hemiplegie Physiotherapie Übungen: Wiederherstellung der Motorik nach einem Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann das Leben eines Menschen von Grund auf verändern. Neben der Erstversorgung ist die Rehabilitation ein entscheidender Faktor für die Wiedererlangung verlorener Fähigkeiten. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Physiotherapie bei Hemiplegie, insbesondere Übungen zur Verbesserung der Feinmotorik, und gibt Einblicke in verschiedene Therapiekonzepte und Unterstützungsmöglichkeiten.

Schlaganfall: Schnelles Handeln ist entscheidend

In Deutschland ist jede 40. erwachsene Person von einem Schlaganfall betroffen. Jährlich gibt es etwa 200.000 erstmalige und 70.000 wiederholte Schlaganfälle. Bei einem Schlaganfall ist die schnelle Erstversorgung entscheidend. Wenn ein Hirnareal nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird, sterben jede Minute Millionen von Nervenzellen ab. Nur eine rasche Wiederherstellung der Durchblutung kann dauerhafte neurologische Ausfälle verhindern oder zumindest reduzieren.

Nach einem Schlaganfall können selbst einfachste Bewegungsabläufe durch die Schädigung der entsprechenden Gehirnareale verloren gehen und müssen neu erlernt werden. Rehabilitative Maßnahmen sind für eine erfolgreiche Erholung entscheidend, da das Gehirn in den ersten Stunden und Tagen nach dem Schlaganfall am besten in der Lage ist, die Funktionen des betroffenen Gewebes wiederzuerlangen.

Die Rolle der Physiotherapie in der Rehabilitation

Wird ein Schlaganfall schnell behandelt, bestehen gute Chancen, die Symptome auszugleichen. Daher beginnt die Rehabilitation meist unmittelbar nach der Diagnose. Durch motorische Rehabilitationsmaßnahmen können die Symptome oft kompensiert werden. Es ist wichtig, so schnell wie möglich mit der Therapie zu beginnen. Physiotherapie ist eine wichtige Säule in der Behandlung vieler Krankheiten.

Übungen zur Förderung der Feinmotorik

Die folgenden Übungen können dazu beitragen, die Feinmotorik nach einem Schlaganfall wiederherzustellen. Es ist wichtig, jede Übung etwa eine Minute lang auszuführen und die Fortschritte zu dokumentieren, um sich beim nächsten Mal zu steigern.

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Zielbewegungen

Mit einem Kugelschreiber vorgegebene Punkte unterschiedlicher Größe der Reihe nach von links nach rechts antippen. Nur die getroffenen Punkte werden gewertet. Steigern Sie den Schwierigkeitsgrad, wenn die Übung leicht fällt.

Tippen

Nacheinander mit den Fingern auf den Tisch tippen, beginnend mit dem Daumen. Jeder fehlerfreie Durchgang wird gezählt.

Münzen umdrehen

Eine Münze zwischen Daumen und Fingern der betroffenen Hand halten und drehen. Wenn die Münze herunterfällt, darf die andere Hand helfen, sie wieder in die betroffene Hand zu geben.

Labyrinth

Mit einem Kugelschreiber zügig ein Labyrinth nachzeichnen, ohne die Linien zu überqueren. Für jeden Fehler wird eine Strafsekunde hinzugefügt. Auch hier kann der Schwierigkeitsgrad gesteigert werden.

Schrauben

Muttern auf Schrauben drehen und wieder abdrehen, wobei nur die betroffene Hand verwendet wird. Die weniger betroffene Hand hält die Schraube fest.

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Wichtig: Vorlagen für die Übungen Zielbewegung und Labyrinth können ausgedruckt oder einfach nachgezeichnet werden.

Neuroplastizität: Die Lernfähigkeit des Gehirns

Die Gehirnstrukturen sind plastisch, d.h. lernfähig. Durch intensives Training wird die Repräsentation der geübten Funktion im Gehirn gestärkt. Diese Fähigkeit des Gehirns wird als Neuroplastizität bezeichnet.

Weitere Therapieansätze und Konzepte

Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept ist ein umfassendes Bewegungskonzept zur Rehabilitation von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Ziel ist es, dass intakte Hirnareale die Funktionen der geschädigten Bereiche übernehmen. Durch wiederholte Bewegungsmuster werden neue Verknüpfungen im Gehirn geschaffen, wodurch die betroffene Person motorische Fähigkeiten zurückgewinnt und wieder selbstständiger im Alltag wird. Das Konzept berücksichtigt die individuellen Möglichkeiten und Grenzen jedes Patienten und fordert seine aktive Mitarbeit. Die Anwendungen sind nicht auf die Therapiestunden begrenzt, sondern werden in den Tagesablauf integriert.

Das Bobath-Konzept kann nicht die Ursachen der neurologischen Erkrankungen beheben, sondern setzt darauf, neue Bewegungsmuster zu erlernen, um die Mobilität und Selbstständigkeit des Patienten zurückzugewinnen. Alle Übungen werden in den Tagesablauf integriert, z.B. bei der Körperpflege, beim Essen sowie beim An- und Ausziehen. Bei halbseitiger Lähmung empfiehlt sich die Lagerung nach Bobath, bei der der Auflagedruck die beeinträchtigten Körperpartien stimuliert.

Vojta-Therapie

In der Altenpflege kann die Krankengymnastik nach Vojta eine gute Ergänzung zum Bobath-Konzept sein. Hierbei aktivieren Physiotherapeuten die natürlichen menschlichen Bewegungsmuster über verschiedene Druckpunkte. Dadurch lassen sich Symptome wie beispielsweise Spastizität lindern und Bewegungsniveaus verbessern. Im Gegensatz zum Bobath-Konzept, das neue Verknüpfungen im Gehirn schafft, aktiviert die Vojta-Therapie angeborene Bewegungsmuster.

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Ergotherapie

Ergotherapie zielt darauf ab, die motorisch-funktionellen Tätigkeiten wieder zu erlernen und durch eine geschulte Wahrnehmung Bewegungen richtig auszuführen. Zusätzliche Übungen für zu Hause sind extrem wichtig und können in Real-Life-Szenarien eingebaut werden, um ein optimales Training zur Wiedergewinnung der motorischen Fähigkeiten sowie die Reintegration in die alltägliche Gemeinschaft mit Anderen zu gewährleisten.

Die seit einigen Jahren angewandte Spiegeltherapie hat sich als ergänzende Form der ergotherapeutischen Behandlung erfolgreich bewährt, um Schlaganfall-Patienten zu helfen, ihre beeinträchtige Körperhälfte wieder zu aktivieren. Durch einen in der Körpermitte platzierten Spiegel, vor dem mit der gesunden Extremität leichte Übungen ausgeführt werden, gewinnt das Gehirn die Illusion, die kranke Körperhälfte sei in Bewegung, wodurch die betroffenen Gliedmaßen wieder vermehrt eingesetzt werden.

Ergotherapeuten begleiten ihre Patienten im Alltag, führen und lenken Patienten bei bestimmten Handlungen und unterstützen sie durch engen Körperkontakt, eine Bewegung bewusst zu spüren und richtig auszuführen. Auch wenn nach einem Schlaganfall gewisse technische Hilfsmittel benötigt werden, um sich in Ihrem Zuhause frei bewegen zu können, kann deren Bedienung durch die körperlichen Einschränkungen eine große Herausforderung darstellen. Der Ergotherapeut sollte die Mobilitätshilfen auf die individuellen Bedürfnisse seines Patienten und die Beschaffenheit des Wohnraumes abstimmen.

Arm-Therapie

In der Armrehabilitation gibt es viele unterschiedliche therapeutische Ansätze. Welche Therapie im Einzelfall zum Einsatz kommt, hängt jeweils von den individuellen Gegebenheiten ab. Häufig beobachtet werden leichtere Lähmungen und auch sehr schwere Lähmungen. Patienten mit einer schweren Armlähmung können ihren Arm oft im Alltag gar nicht oder nur sehr eingeschränkt einsetzen. Diesen Patienten fällt es schwer, einzelne Abschnitte im Arm willentlich zu bewegen. Zu dem Problem der stark beeinträchtigten willentlichen Bewegungsfähigkeit kommt oft noch eine erhöhte Muskelanspannung hinzu. Betroffene mit leichten Armlähmungen können ihren Arm zwar bewegen und im Alltag einsetzen. Die Bewegungen sind dabei aber oftmals noch verlangsamt und „ungeschickt“.

In der Arm-Rehabilitation können sehr unterschiedliche therapeutische Ansätze gewählt werden. Einerseits gibt es verschiedene Therapieformen ohne technische Geräte, um in der Ergo- oder Physiotherapie den betroffenen Arm aktiv zu trainieren. Hinsichtlich der Dauer und Intensität der Therapie sollte die Rehabilitation der Armmotorik früh nach einem Schlaganfall beginnen. Insbesondere in der frühen Phase nach dem Schlaganfall wird empfohlen, dass eine zusätzliche spezifische Armrehabilitation für mindestens 30 Minuten jeden Werktag erfolgt.

Unterstützung und Hilfsmittel

Neben den genannten Therapieansätzen gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die den Alltag von Schlaganfallpatienten erleichtern können. Ergotherapeuten können bei der Auswahl und Anpassung dieser Hilfsmittel beraten.

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