Die Herpes-Enzephalitis ist eine seltene, aber schwerwiegende Entzündung des Gehirns, die vor allem bei Neugeborenen und Säuglingen auftreten kann. Sie wird meist durch das Herpes-simplex-Virus (HSV) verursacht, insbesondere durch HSV-2, das auch für Genitalherpes verantwortlich ist. Unbehandelt kann die Herpes-Enzephalitis zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod führen. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend.
Ursachen der Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen
Säuglinge infizieren sich meist während der Geburt im Geburtskanal, wenn die Mutter an Genitalherpes leidet. Das Virus kann aber auch über die Scheide aufsteigen, insbesondere nach einem Blasensprung. Seltener erwirbt der Säugling das Virus durch engen Kontakt mit einer infizierten Person, beispielsweise durch Küssen oder Berühren.
Das Immunsystem von Säuglingen ist noch nicht ausgereift, was eine Ausbreitung der Viren im Körper begünstigt. Wenn eine Schwangere sich mit Herpes infiziert und sich das Virus im ganzen Körper ausbreitet (Virämie), besteht die Gefahr, dass die Erreger über den Mutterkuchen zum Kind gelangen. Wesentlich häufiger als eine Infektion in der Schwangerschaft ist die Infektion im Geburtskanal. Neugeborene mit Herpes haben sich in der Regel dort infiziert.
Symptome der Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen
Die Symptome einer Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen können vielfältig sein und sich im Laufe der Erkrankung verändern. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Fieber
- Reizbarkeit
- Schläfrigkeit oder Teilnahmslosigkeit
- Schwierigkeiten beim Füttern
- Krampfanfälle
- Unruhe
- Verhaltensänderungen
In schweren Fällen kann es zu Bewusstseinsstörungen, Koma und sogar zum Tod kommen.
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Das Virus kann nur lokal (Hautbläschen) Beschwerden verursachen oder sich im ganzen Körper des Kindes verbreiten. Eine Ausbreitung der Viren mit dem Blutstrom und ein Befall innerer Organe ist deshalb leichter möglich. Es kann u.a. zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Herpes-Sepsis) kommen. Bei Augenentzündungen durch das Virus besteht das Risiko, dass der Säugling erblindet. Das Virus kann auch Lunge, Magen, Nieren, Leber, Milz und andere Organe befallen. Besonders gefährlich ist eine Entzündung des Gehirns, die sich in Krampfanfällen äußert. Die Folge können schwere geistige Defekte sein.
Diagnose der Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen
Bei Verdacht auf eine Herpes-Enzephalitis wird der Arzt eine Reihe von Untersuchungen durchführen, um die Diagnose zu bestätigen und andere mögliche Ursachen auszuschließen. Dazu gehören:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird den Säugling gründlich untersuchen, um nach Anzeichen einer Infektion oder neurologischen Auffälligkeiten zu suchen.
- Anamnese: Der Arzt wird die Krankengeschichte des Säuglings und der Mutter erfragen, um mögliche Risikofaktoren für eine Herpes-Infektion zu identifizieren.
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Entzündungszeichen und Antikörper gegen das Herpes-simplex-Virus nachweisen.
- Liquorpunktion: Bei einer Liquorpunktion wird eine Probe des Nervenwassers entnommen, um das Vorhandensein von Viren oder Entzündungszellen nachzuweisen.
- MRT oder CT des Gehirns: Eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns kann Entzündungen oder andere Auffälligkeiten im Gehirn darstellen.
- EEG: Eine Elektroenzephalografie (EEG) misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann Anzeichen von Krampfanfällen oder anderen neurologischen Störungen erkennen.
Behandlung der Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen
Die Behandlung der Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen erfolgt in der Regel mit antiviralen Medikamenten, insbesondere Aciclovir. Aciclovir hemmt die Vermehrung der Herpes-simplex-Viren und kann so die Ausbreitung der Infektion im Gehirn verhindern. Das Medikament wird in der Regel intravenös verabreicht.
Eine schnelle Therapie ist bei der Enzephalitis sehr wichtig. Schon bevor der Erreger feststeht, verordnet der Arzt verschiedene Medikamente gleichzeitig, um keine Zeit zu verlieren. Dazu gehören Medikamente gegen Herpes-Viren (z. B. Herpes-Simplex-Viren oder Varizella-Zoster-Viren). Der Patient erhält das Virustatikum (meist Aciclovir) über eine Infusion direkt in die Vene. Wenn wirklich eine Herpes-Virus-Entzündung vorliegt, kann dieses schnelle Handeln die Überlebenswahrscheinlichkeit und die Heilungschancen deutlich verbessern.
Zusätzlich zur antiviralen Therapie können weitere Maßnahmen erforderlich sein, um die Symptome des Säuglings zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Dazu gehören:
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- Krampfanfallskontrolle: Medikamente zur Kontrolle von Krampfanfällen
- Atemunterstützung: In schweren Fällen kann eine Beatmung erforderlich sein.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um eine Dehydration zu vermeiden.
- Ernährung: Unterstützung bei der Ernährung, falls der Säugling Schwierigkeiten beim Füttern hat.
Die Behandlung der Herpes-Enzephalitis erfordert eine intensive medizinische Betreuung im Krankenhaus.
Prävention der Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen
Die beste Möglichkeit, einer Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen vorzubeugen, ist die Vermeidung einer Herpes-Infektion bei der Mutter während der Schwangerschaft und Geburt. Schwangere Frauen sollten sich regelmäßig auf Herpes-simplex-Viren testen lassen, insbesondere wenn sie oder ihr Partner an Genitalherpes leiden.
Bei einem Herpes-Ausbruch im Genitalbereich unmittelbar vor der Geburt raten Ärztinnen und Ärzte zu einem Kaiserschnitt.
Wenn eine Mutter während der Schwangerschaft oder Geburt an Genitalherpes leidet, kann eine antivirale Therapie das Risiko einer Übertragung des Virus auf den Säugling verringern.
Komplikationen und Prognose der Herpes-Enzephalitis bei Säuglingen
Die Herpes-Enzephalitis kann schwerwiegende Komplikationen verursachen, insbesondere wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
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- Bleibende neurologische Schäden: Die Entzündung des Gehirns kann zu bleibenden Schäden führen, die sich in Form von geistigen Behinderungen, Krampfanfällen, Bewegungsstörungen oder Verhaltensproblemen äußern können.
- Sehverlust: Eine Beteiligung der Augen kann zu Sehverlust oder Blindheit führen.
- Tod: In schweren Fällen kann die Herpes-Enzephalitis zum Tod führen.
Die Prognose der Herpes-Enzephalitis hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Säuglings, der Zeitpunkt der Diagnose und Behandlung sowie die Schwere der Erkrankung. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung mit antiviralen Medikamenten verbessern die Überlebenschancen und verringern das Risiko bleibender Schäden.
Herpes bei Neugeborenen
Auch die Herpes simplex Typ-2 Viren können die gefürchteten neonatalen Herpesinfektionen verursachen. Sie sind verantwortlich für die Herpes-Enzephalitis beim Neugeborenen.
Komplikationen bei Neugeborenen verhindern: Wer mit Lippenherpes zu tun hat, kann mit einfachen Maßnahmen das Risiko senken, dass sich andere Menschen anstecken und schwer erkranken. Neugeborene schützt man zum Beispiel, indem man sie während des akuten Herpes-Ausbruchs nicht küsst oder ihren Schnuller ableckt. Beim Stillen hilft es, einen Mundschutz zu tragen, um zu verhindern, dass das Kind die Bläschen berührt.
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