Herpesviren und ihre Auswirkungen auf das Nervensystem

Herpesviren sind weit verbreitet und können verschiedene Krankheiten verursachen, von Lippenherpes bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Gürtelrose und Enzephalitis. Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass diese Viren auch eine Rolle bei der Entstehung von Demenz und psychischen Störungen spielen könnten, da sie sich in Nervenzellen festsetzen und diese beeinflussen können.

Was sind Herpesviren?

Herpesviren sind eine große Familie von Viren, von denen neun Arten den Menschen infizieren können. Zu den bekanntesten gehören:

  • Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1): Verursacht hauptsächlich Lippenherpes, kann aber auch Genitalherpes und in seltenen Fällen eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) auslösen.
  • Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2): Verursacht hauptsächlich Genitalherpes, kann aber auch Lippenherpes verursachen.
  • Varizella-Zoster-Virus (VZV): Verursacht Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Herpes Zoster).
  • Epstein-Barr-Virus (EBV): Verursacht das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) und steht im Zusammenhang mit bestimmten Krebserkrankungen.
  • Cytomegalievirus (CMV): Verursacht in der Regel eine symptomlose Infektion, kann aber bei ungeborenen Kindern und immungeschwächten Personen zu schwerwiegenden Komplikationen führen.
  • Humanes Herpesvirus 6 (HHV-6) und Humanes Herpesvirus 7 (HHV-7): HHV-6B verursacht hauptsächlich das Dreitagefieber (Roseola infantum) bei Kindern.
  • Kaposi-Sarkom-assoziiertes Herpesvirus (KSHV): Verursacht das Kaposi-Sarkom, eine Krebserkrankung, die vor allem bei AIDS-Patienten auftritt.

Wie befallen Herpesviren Nerven?

Herpesviren haben die Fähigkeit, sich nach der Erstinfektion in Nervenzellen einzunisten und dort lebenslang zu verbleiben. Bei einer Erstinfektion dringen Herpesviren in Nervenendigungen ein und wandern an den Nerven entlang Richtung zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Die Viren setzen sich in den sogenannten Nervenganglien ab. Das sind Knotenpunkte, an denen mehrere Nerven zusammenlaufen. Dort können sie ein Leben lang verbleiben. In dieser latenten Phase produzieren die Viren keine neuen Viruspartikel und werden vom Immunsystem kaum erkannt.

Durch eine Schwächung des Immunsystems oder bei einer Reizung des befallenen Nervens können die Viren reaktiviert werden. Eine Abwehrschwäche kann durch körperlichen und psychischen Stress, Erkrankungen, Infektionen und Medikamente, z. B. Kortison, verursacht werden. Wer das Virus in sich trägt, besitzt ein hohes Risiko, immer wieder Herpesbläschen zu bekommen. Dieses Wiederholungsrisiko ist sowohl vom Virustyp (HSV1 oder HSV2) als auch von der Abwehrlage des Körpers abhängig.

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, wie Herpesviren einen zelleigenen Baustein "kidnappen", um in das Nervensystem zu gelangen. Während die Viren in den Körper eindringen, „kidnappen“ sie aus den Zellen der Schleimhaut einen Baustein, der ihnen später dabei hilft, in den Zellkern von Nervenzellen zu gelangen, wo sie lebenslang überdauern. In den Nervenzellen fahren die Viren quasi per Anhalter mit einem zelleigenen Transportsystem in die Nähe des Zellkerns. Um diesen entern zu können, verwenden die Viren den Baustein aus den Schleimhautzellen: Damit schaffen sie es, in den Zellkern zu kommen.

Lesen Sie auch: Therapieansätze für HSV-Enzephalitis

Herpesviren und das Gehirn

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass Herpesviren nicht nur in peripheren Nervenzellen, sondern auch im Gehirn vorkommen können und dort möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen spielen.

Herpesviren und Demenz

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass bestimmte Herpesviren, insbesondere HSV-1 und HHV-6, mit einem erhöhten Demenzrisiko in Verbindung stehen könnten. So wurde beispielsweise festgestellt, dass Menschen mit Lippenherpes ein doppelt so hohes Risiko haben, an Demenz zu erkranken. Ein zentrales Merkmal der Alzheimer-Pathologie ist die Ablagerung von Amyloid-Beta-Peptiden im Gehirn, die sogenannten Plaques. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Peptide Teil eines Abwehrmechanismus sein könnten. Die Frage: Kämpft unser Körper gegen die Virusinfektion tatsächlich mithilfe einer erhöhten Amyloid-Beta-Produktion - zu dem Preis einer späteren Plaquebildung und einer möglichen Alzheimer-Krankheit? Wir wissen jedenfalls, dass Patienten, die keine antivirale Therapie erhalten haben, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, eine Alzheimer-Krankheit zu entwickeln.

Herpesviren und psychische Störungen

Wissenschaftler vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg haben gemeinsam mit Kollegen in den USA eine überraschende Entdeckung in Nervenzellen gemacht: Bei Patienten mit bipolaren und schweren depressiven Störungen fanden sie erstmals in Purkinje-Neuronen eine hohe Infektionsrate mit dem menschlichen Herpesvirus HHV-6. Purkinje-Zellen sind ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Kleinhirns, das unter anderem Gefühle, Wahrnehmung, Gedächtnis und Sprache beeinflusst.

Die Forscher vermuten, dass Viren die Entwicklung von Nervenzellen stören und die Interaktion mit dem Immunsystem in wichtigen Entwicklungsstadien behindern können. Wenn solch eine Infektion in der frühen Jugend auftritt, könnte sie daher langfristige Auswirkungen auf die Psyche haben.

Wie kann man sich vor Herpesviren schützen?

Da Herpesviren weit verbreitet sind und lebenslang im Körper verbleiben, ist ein vollständiger Schutz vor einer Infektion kaum möglich. Es gibt jedoch Maßnahmen, die das Ansteckungsrisiko verringern und die Häufigkeit von Ausbrüchen reduzieren können:

Lesen Sie auch: Neuralgie nach Herpes Zoster: Hilft Homöopathie?

  • Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen kann die Ausbreitung von Herpesviren verhindern.
  • Vermeidung von Kontakt mit offenen Bläschen: Direkter Kontakt mit Herpesbläschen sollte vermieden werden, da diese hoch ansteckend sind.
  • Stärkung des Immunsystems: Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung und Stressvermeidung kann das Immunsystem stärken und die Reaktivierung von Herpesviren verhindern.
  • Sonnenschutz: Bei Lippenherpes kann ein guter Sonnenschutz der Lippen (Fettstift mit UV-Schutz) helfen, Ausbrüche zu vermeiden.
  • Impfung: Gegen Varizella-Zoster-Virus (VZV) gibt es eine Impfung, die vor Windpocken und Gürtelrose schützen kann.

Behandlung von Herpesinfektionen

Obwohl Herpesviren nicht vollständig aus dem Körper entfernt werden können, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Dauer der Ausbrüche zu verkürzen:

  • Antivirale Medikamente: Aciclovir und andere antivirale Medikamente können die Vermehrung der Viren hemmen und die Heilung beschleunigen. Sie sind als Cremes, Tabletten oder Infusionen erhältlich.
  • Schmerzlindernde Mittel: Bei Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
  • Lokale Betäubungsmittel: Salben mit lokalen Betäubungsmitteln können Juckreiz und Schmerzen lindern.
  • Hausmittel: Einige Hausmittel wie Eiswürfel, Heilerde-Packungen, Kamille oder Ringelblume können ebenfalls zur Linderung der Symptome beitragen.

Naturheilkundliche Behandlungen

Aus naturheilkundlicher Sicht kann eine Krankheit nur von den Selbstheilungskräften des Kranken selbst besiegt werden. Alle Heilverfahren und Medikamente dienen dazu, diese Selbstheilung anzuregen, in Gang zu setzen oder zu unterstützen. Daneben existieren pflanzliche Mittel (Phytotherapie), die eine nachweisbar virushemmende Wirkung besitzen, und damit die Selbstheilung unterstützen können. Bewährt hat sich eine homöopathische Behandlungen mit homöopathisch verdünnten Herpesviren (Herpesnosoden), meist in Kombination mit einer immunstimulierenden Eigenblut-Nosoden-Behandlung.

Viele Pflanzen können ebenfalls helfen. Wissenschaftlter schätzen, dass etwa 1000 Pflanzen Wirkstoffe gegen Viruserreger enthalten. Die Phytotherapie ist mindestens genauso wirksam, wie Aciclovir-Cremes. Melissenblätter (Melissae folium): Empfehlenswert sind Pflanzenauszüge, aber auch zB Lomaherpan-Creme aus der Apotheke (Wirksamkeitsstudien zeigen bis 96% Abheilung nach 4-8 Tagen) Propolis: dieses Kittharz der Honigbiene enthält auch Enzyme der Biene und kann als Propolissalbe aufgetragen werden Teebaumöl: hat antivirale Eigenschaften und kann verdünnt oder unverdünnt mehrfach täglich aufgetupft werden. Sollte nur frisch verwendet werden, da Teebaumöl rasch ranzig wird und dann Allergien macht ätherische Öle: Lavendel, Rosmarin, Tiger-Balsam ua können helfen Salbei-Rhabarber-Creme: wissenschaftlich genauso wirksam wie Aciclovir. Ist in der Schweiz in Apotheken erhältlich. Alternative in Deutschland: Salbei, Rosmarin udn Echinacin in Repharderm-Creme. Da es keine Universalmittel gibt, muss man probieren, was einem selbst hilft. Noch einige Tips zum Selber-Ausprobieren: Herpesbläschen mit Schwarzem Tee, Salbeitee, oder Melissentee öfters betupfen die Gerbstoffe fördern das Austrocknen über Nacht dick mit Zinkpaste, Penatencreme, notfalls Zahnpasta abdecken ev. Desinfektion mit Kaliumpermanganat-Lösung ev. Waschen mit verdünnter (Kern-) Seifenlösung

Forschung und Ausblick

Die Forschung zu Herpesviren und ihren Auswirkungen auf das Nervensystem ist weiterhin aktiv. Wissenschaftler arbeiten daran, die Mechanismen, wie Herpesviren Nervenzellen infizieren und schädigen, besser zu verstehen. Ziel ist es, neue und effektivere Impfstoffe und Therapien zu entwickeln, um Herpesinfektionen zu verhindern und zu behandeln.

Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von Impfstoffen, die verhindern, dass Herpesviren in das Nervensystem eindringen können. Wenn man beispielsweise durch eine Impfung verhindern könnte, dass die Viren den Baustein der Schleimhautzellen kidnappen können, könnte man der Infektion vorbeugen.

Lesen Sie auch: Alzheimer und Herpesviren – Ein komplexer Zusammenhang

tags: #herpes #viren #greifen #nerven #an