Herpes im Nervensystem ausleiten: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Herpesviren sind weit verbreitet und können verschiedene Erkrankungen verursachen, von Lippenherpes bis hin zu schweren Hirnentzündungen. Dieser Artikel beleuchtet die Mechanismen der Herpesvirusinfektion, insbesondere im Nervensystem, und stellt verschiedene Therapieansätze vor, einschließlich konventioneller und komplementärer Methoden.

Wie Herpesviren das Nervensystem infizieren

Herpesviren, wie das Herpes-simplex-Virus 1 und 2 (HSV-1 und HSV-2) sowie das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das Windpocken und Gürtelrose auslöst, haben die Fähigkeit, Nervenzellen zu infizieren. Die Viren vervielfältigen ihr Erbgut im Zellkern der Wirtszelle und werden anschließend in neue Viruspartikel verpackt, die aus der Zelle freigesetzt werden, um benachbarte Zellen zu infizieren.

Ein besonderes Merkmal von Herpesviren ist ihre Fähigkeit, in Nervenzellen latent zu überdauern, ohne sich aktiv zu vermehren. In diesem Zustand sind sie für antivirale Medikamente nicht zugänglich. Bei Stress oder anderen Auslösern, wie UV-Licht, können die Viren jedoch reaktiviert werden und erneut eine Infektion verursachen.

Auswirkungen von Herpesinfektionen im Nervensystem

Herpesinfektionen im Nervensystem können verschiedene Symptome und Komplikationen verursachen.

  • Lippenherpes: Die Symptome beschränken sich meist auf die typischen, schmerzhaften Lippenbläschen.
  • Hirnentzündung (Enzephalitis): In seltenen Fällen kann das Virus ins Gehirn gelangen und eine schwere Entzündung verursachen. Trotz erfolgreicher Therapie können die Überlebenden langfristig beeinträchtigt sein und an Gedächtnisverlust, Krampfanfällen oder kognitiven Problemen leiden. Ganze fünf bis 15 Prozent aller viralen Hirnentzündungen gehen auf das Konto des Herpes-simplex-Virus-1.

Konventionelle Behandlung von Herpesinfektionen

Derzeit zielen antivirale Medikamente zur Behandlung von Herpesvirusinfektionen auf einige wenige Angriffsstellen ab. Sie können die Symptome lindern und die Dauer des akuten Ausbruchs begrenzen, sind jedoch nicht in der Lage, das Virus vollständig aus dem Körper zu eliminieren. Daher besteht weiterhin Bedarf an neuen Therapien, um die Resistenz gegen die verfügbaren Virostatika wirksamer zu bekämpfen.

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Ein häufig eingesetztes Medikament ist Aciclovir, das die Viren in Schach hält, aber nicht die Entzündungsreaktion stoppen kann. In einigen Fällen kann eine Kombination mit einem entzündungshemmenden Mittel sinnvoll sein, um das Gewebe vor weiteren Schäden zu schützen.

Bei der Varicella-Zoster-Virus-Infektion zielt die antivirale Therapie darauf ab, die akute Krankheitsphase abzukürzen, den Zosterschmerz zu lindern, die Bläscheneruption zu stoppen, die Abheilung der Hautläsionen zu beschleunigen und Narbenbildung zu verhindern. Ein sehr erfolgreiches und gut verträgliches Virustatikum ist Brivudin, das einmal täglich oral verabreicht wird.

Der Erfolg einer Zostertherapie hängt vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab. Es sollte sofort, aber höchstens drei Tage nach Erscheinen der Hautsymptome mit der antiviralen Behandlung begonnen werden. Auch später kann ein Virustatikum noch sinnvoll sein, solange frische Bläschen erkennbar sind oder Anzeichen einer viszeralen Ausbreitung, eines floriden Zoster ophthalmicus oder Zoster oticus vorliegen, sowie generell bei immunsupprimierten Patienten.

Differenzialdiagnose und Begleittherapie bei Zoster

Gerade in der frühen Phase der Erkrankung ist die Differenzialdiagnose schwierig, besonders bei Zoster im Kopfbereich. Differenzialdignostisch müssen Herpes simplex, Varizellen, Kontaktallergien und auch Tinea corporis abgegrenzt werden. Dabei helfe die Symptomentrias des Zosters: Bläschenausschlag, segmentale Ausbreitung und neuralgiforme Schmerzen. Sehr hilfreich bei der Diagnosestellung sei eine gründliche Anamnese.

Im kranialen Bereich sind „Wundrose“ (Erysipel) und superinfizierte Neurodermitis wichtige Differenzialdiagnosen, ebenso Impetigo contagiosa. Zoster ophthalmicus und Zoster oticus gefährden die Sinnesorgane; es können wichtige Hirnnerven wie N. facialis oder N. statoacusticus durch das die Entzündung begleitende Ödem (Ramsay-Hunt-Syndrom) geschädigt werden. In diesen Fällen wird empfohlen, die virustatische Behandlung mit Prednisolon oder einer Äquivalenzdosis Dexamethason zu kombinieren. Sinnvoll ist auch die zusätzliche Gabe eines Diuretikums zur Ausschwemmung des Ödems.

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Kann nicht sofort eine sichere Diagnose gestellt werden, empfiehlt sich eine kalkulierte Kombinationstherapie aus einem Virustatikum und einem Antibiotikum beziehungsweise einem Antimykotikum. Im Verlauf dieser Behandlung wird die Diagnose durch engmaschige Kontrollen verifiziert und das therapeutische Vorgehen angepasst.

Schmerztherapie bei Zoster und Postzosterischer Neuralgie (PZN)

Einen hohen Stellenwert in der Zostertherapie besitzt die Behandlung der Schmerzen. Sie begleiten die Akutphase, können sich aber auch lebenslang als „postzosterische Neuralgie“ (PZN) manifestieren, bei der meistens die thorakalen Segmente und der N. trigeminus betroffen sind. Mit einer PZN ist zu rechnen, wenn eine kraniale oder thorakale Lokalisation oder ein Befall des Plexus brachialis vorliegt. Frühe, starke Schmerzen und hämorrhagische Verlaufsformen erhöhen das Risiko. Besonders gefährdet für eine PZN sind Patienten älter als 70 Jahre.

Um einer PZN vorzubeugen, bedürfe es neben der antiviralen Therapie einer konsequenten Gabe von Analgetika. Zum Einstieg können NSAR oder auch Metamizol im regelmäßigen Intervall gegeben werden. Die nächste Stufe bilden zentral wirkende Analgetika wie Tilidin oder Tramadol. Reicht auch ihre Wirkung nicht aus, sind Opioide wie Oxycodon erforderlich.

Die konsequente Analgesie hat neben der Schmerzlinderung das Ziel, eine Sensibilisierung peripherer und zentraler Neuronen und damit eine Allodynie zu verhindern, bei der Berührungsreize als schmerzhaft empfunden werden.

Komplementäre und alternative Behandlungsansätze

Neben der konventionellen Behandlung gibt es verschiedene komplementäre und alternative Ansätze, die zur Linderung der Symptome und Stärkung des Immunsystems eingesetzt werden können.

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  • Homöopathie: Homöopathische Arzneimittel werden individuell passend zum Patienten ausgewählt, um sanfte, aber gezielte Reize zu setzen und so die Selbstheilung anzustoßen und Beschwerden zu lindern. Bei Gürtelrose-bedingten Nervenschmerzen hat sich beispielsweise das homöopathische Komplexmittel Ranunculus Pentarkan® D bewährt. Wichtig ist dabei: Homöopathie kann die konventionelle Therapie meist nicht ersetzen, aber sie kann sie sinnvoll begleiten und ergänzen.
  • Naturheilkunde: Verschiedene natürliche Mittel können zur Unterstützung des Immunsystems und zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Dazu gehören Vitamin C, Magnesium, Enzyme, Olivenblattextrakt, kolloidales Silber, Grüntee, Lysin und B-Vitamine.
  • Ernährung: Eine basenüberschüssige Ernährung und eine gezielte Darmsanierung können eine große Entlastung für den Körper darstellen. Eine Studie konnte zeigen, dass die Gabe von Vitamin D eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus verhindern kann.
  • Stressmanagement: Stress ist ein bekannter Auslöser für Herpesausbrüche. Stressvermeidung und -abbau, beispielsweise durch Entspannungsübungen, können helfen, die Häufigkeit von Attacken zu reduzieren.
  • Hautpflege: Eine sorgfältige Hautpflege kann helfen, den Juckreiz zu lindern und die Bläschen auszutrocknen. Spezielle Lotionen, Gele oder Puder können vom Arzt verordnet werden. Nach dem Austrocknen der Bläschen unterstützen pflegende Cremes die Heilung.

Vorbeugung von Herpesinfektionen

Ein starkes Immunsystem ist eine gute Vorbeugung gegen Herpesinfektionen. Wer mag, kann sich zusätzlich mit regelmäßigen Wechselduschen oder Saunieren abhärten. In Belastungsphasen sind vor allem Eisen, Zink und Vitamin D3 wichtige Mikronährstoffe fürs Immunsystem. Und das Nervensystem braucht genug B-Vitamine und Magnesium.

Herpes simplex: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Medizin hat noch nicht vollständig verstanden, warum Menschen eine Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus 1 (HSV-1) so unterschiedlich erleben. Ein wichtiger Faktor scheint das Alter beim Erstkontakt mit dem Erreger zu sein. Bei Kindern verläuft die Infektion häufig unbemerkt, während sie bei Erwachsenen oft mit unangenehmen Symptomen einhergeht.

Die ersten Symptome sind unspezifisch: Ein Brennen, Kribbeln oder Stechen um den Mund. Dann bilden sich die typischen Fieberbläschen im Bereich der Lippe, teilweise auch im Mund oder auf der Zunge. Eine solche späte Ansteckung passiert zunehmend häufig beim Geschlechtsverkehr, wodurch HSV-1 die Schleimhaut von Scheide, Penis oder Anus infiziert.

Stress, Erkältungen und Fieber können den Erreger wecken. Nach einer Woche bis zehn Tagen verschwinden die Symptome in der Regel wieder von alleine. Stressvermeidung und -abbau, beispielsweise durch Entspannungsübungen, wirken dem entgegen. Auch ein guter Sonnenschutz in den sensiblen Regionen kann Herpes-Attacken vermeiden helfen.

Bei häufigen und unangenehmen Symptomen kann die Anwendung von antiviralen Wirkstoffen wie Aciclovir als Salbe oder als Tablette empfohlen werden. Wichtig: Die Vermehrung von HSV-1 lässt sich dann am besten hemmen, wenn diese Mittel beim Auftauchen des ersten Kribbelns oder Brennens und damit vor dem Erscheinen der Bläschen angewandt werden.

Was unterscheidet Lippenherpes von Herpes genitalis?

Lippenherpes wird meist vom Herpes-simplex-Virus Typ I verursacht, Geschlechts-Herpes durch Typ II. Die Wasserbläschen sind vom ersten Kribbeln bis zum Abfallen der Krusten ansteckend. Leider verschwinden die Herpes-Viren nie mehr wieder aus dem Körper, wenn man sich einmal angesteckt hat.

Viele Auslöser begünstigen die Virusvermehrung: Stress, Sonnenbäder, Immunschwäche, seelische Probleme, Hormonschwankungen und andere Krankheiten. Die Viren vermehren sie sich dann rasch, neue Bläschen entstehen. Die Krankheit kann so durchschnittlich 3-4 mal jährlich ausbrechen. Manchen Menschen leiden aber auch mehrfach monatlich darunter. Die Häufigkeit der Ausbrüche hat mit der genetischen Erbanlage, aber auch den Lebensumständen zu tun.

Was kann man selbst tun?

Jeder Kranke sollte sich selbst beobachten, um auslösende Faktoren zu erkennen. Wenn beispielsweise Sonnenbäder die Krankheit auslösen, sollte man Sonne und Solarium meiden. Ein guter Sonnenschutz der Lippen ist wichtig (Fettstift mit UV-Schutz, Gletscher-Lippenstifte). Keinesfalls sollte man die Bläschen öffnen oder die Kruste abkratzen - meist verbreitet man die Krankheit dadurch weiter. Händewaschen ist in der akuten Zeit sehr wichtig, da die eigenen Hände die Viren weiterverbreiten.

Schon beim ersten Kribbeln sollte behandelt werden. Die meisten Betroffenen entwickeln eine eigene Bekämpfungsstrategie, auf die sie schwören: mit Zahnpasta eincremen (enthält Zink und desinfizierende Kräuter), mit Stärkemehl austrocknen, Zinkpaste, desinfizierende Alkohollösungen, Teebaumöl, Melissetinkturen… Vieles davon wirkt bei dem einen Menschen, bei dem anderen dagegen nicht. Schmerzlindernd wirken Eiswürfel oder Heilerde-Packungen. Kamille, Ringelblume oder banale Seife können den Juckreiz lindern.

Naturheilkundliche Behandlungsansätze

Aus naturheilkundlicher Sicht kann eine Krankheit nur von den Selbstheilungskräften des Kranken selbst besiegt werden. Alle Heilverfahren und Medikamente dienen dazu, diese Selbstheilung anzuregen, in Gang zu setzen oder zu unterstützen. Daneben existieren pflanzliche Mittel (Phytotherapie), die eine nachweisbar virushemmende Wirkung besitzen, und damit die Selbstheilung unterstützen können.

Sehr bewährt hat sich auch die Laserbehandlung im akuten Anfall: man kann mit einem "Softlaser" die Virusvermehrung in den Wasserbläschen hemmen oder die Virusvermehrung durch Laserzerstörung der Bläschenbasis verhindern. Auch eine klassische homöopathische Behandlung kann die Erkrankung positiv beeinflussen. Man wählt das geeignete Mittel nach individuellen Auslösern, Symptomen und Veränderungen aus.

Falls andere Krankheiten oder Immunschwächen vorliegen, sollten diese mitbehandelt werden. Bei Pilzbefall des Darmes oder einer Störung der Darmflora sollte dies reguliert werden. Sollte eine Mangelernährung oder das Fehlen von Mikronährstoffen eine Rolle spielen, kann man hier ansetzen. Die orthomolekulare Medizin verordnet häufig Zink, Vitamin C und E, Selen zur Abwehrsteigerung.

Viele Pflanzen können ebenfalls helfen. Wissenschaftler schätzen, dass etwa 1000 Pflanzen Wirkstoffe gegen Viruserreger enthalten. Die Phytotherapie ist mindestens genauso wirksam, wie Aciclovir-Cremes.

Homöopathische Behandlung von Herpes

Viele Menschen wenden homöopathische Globuli bei Herpes an, etwa bei Lippenherpes. Die schmerzenden, kleinen Hautbläschen können immer wieder auftauchen, sobald man sich einmal mit dem Erreger (Herpes-Viren) infiziert hat. Homöopathische Mittel können Sie bei allen Herpes-Infektionen anwenden - in leichten Fällen als alleinige Therapie, in schweren Fällen begleitend zur schulmedizinischen Behandlung.

Bei einer akuten Herpes-Infektion wie Lippenherpes können Sie die Herpes-Globuli selbstständig auswählen und einnehmen. Wenn Sie aber immer wieder unter Herpes leiden, sollten Sie sich von einem erfahrenen Homöopathen behandeln lassen.

Für die Behandlung der Hautbeschwerden gibt es verschiedene Globuli. Herpes kann nämlich sehr unterschiedliche Erscheinungsformen haben, die unterschiedliche homöopathische Mittel erfordern. Bei der Auswahl der richtigen Herpes-Globuli spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Wo am Körper tritt der Herpes auf?
  • Wodurch wurde die Krankheit ausgelöst?
  • Wie sehen die Hauterscheinungen aus?
  • Bestehen Schmerzen? Wenn ja: Wie fühlen sich diese an (brennend, stechend etc.)?
  • Sondern die Bläschen eine Flüssigkeit ab? Wenn ja: Wie sieht diese aus?
  • Lassen sich die Beschwerden durch irgendetwas lindern? Gibt es etwas das sie verschlimmert? (Kälte, Kratzen etc.)
  • Gibt es Besonderheiten, welche die Herpesinfektion begleiten?

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