Neurowissenschaftliche Begutachtung: Ein umfassender Leitfaden für Neurologen und darüber hinaus

Die Erstellung fundierter Gutachten erfordert von Neurologen nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern auch juristisches Know-how. Das Buch "Neurowissenschaftliche Begutachtung" von Prof. Dr. Bernhard Widder und Peter Wolfgang Gaidzik (Hrsg.) bietet hierfür eine umfassende Grundlage. Die dritte Auflage, erschienen in der Referenz-Reihe Neurologie, ist eine Fortschreibung der Vorauflagen und berücksichtigt sowohl neue Entwicklungen in den rechtlichen Grundlagen als auch neue Erkenntnisse im medizinisch-wissenschaftlichen Bereich.

Einführung in die Begutachtung

Das Werk richtet sich primär an niedergelassene und in Kliniken tätige Neurologen und bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der neurowissenschaftlichen Begutachtung. Es soll sowohl Einsteigern als Einarbeitung dienen, als auch erfahrenen Gutachtern als Nachschlagewerk dienen und als begleitendes Kompendium zum Gutachtercurriculum der Arbeitsgemeinschaft Neurologische Begutachtung der DGN dienen.

Wichtige Begriffe und Rechtsgebiete

Die "Neurowissenschaftliche Begutachtung" beginnt mit der Erläuterung wichtiger Begriffe der Begutachtung und der Vorstellung der unterschiedlichen Rechtsgebiete, in denen Begutachtung stattfindet: Sozialrecht, Zivilrecht und Verwaltungsrecht. Das Strafrecht und Prognosefragen werden dabei ausgeklammert.

Kausalität und Beweisregeln

Ein wesentlicher Bestandteil des Buches ist die Auseinandersetzung mit den Regeln der Kausalitätsbegutachtung in den verschiedenen Rechtsgebieten. Es werden das grundsätzliche Vorgehen in der ärztlichen Begutachtung und mögliche Fehlerquellen beleuchtet.

Praktische Hinweise und Fehlerquellen

Das Werk gibt praktische Hinweise zur Gutachtenerstellung, von der Annahme des Gutachtenauftrags über die Aufarbeitung der Akten bis hin zur Abfassung des Gutachtens. Auch Fehlerquellen werden ausführlich behandelt.

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Beurteilung der Beschwerdenvalidität

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Beurteilung der Beschwerdenvalidität, einschließlich des Umgangs mit Simulation und Aggravation.

Begutachtung von Migranten

Die Begutachtung von Migranten wird als ein besonderes Themenfeld behandelt. Hier wird auf die spezifischen Herausforderungen und Besonderheiten eingegangen.

Vergütung von Gutachten

Das Buch geht auch auf die Vergütung von Gutachten ein und erläutert die verschiedenen Abrechnungsmodalitäten.

Begutachtung in verschiedenen Rechts- und Versorgungsbereichen

Das Buch behandelt die Begutachtung in verschiedenen Rechts- und Versorgungsbereichen:

Krankenversicherung

Die Begutachtung in der Krankenversicherung wird detailliert dargestellt, einschließlich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung.

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Pflegeversicherung

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Begutachtung in der Pflegeversicherung, einschließlich der Kriterien der Pflegebedürftigkeit und der Leistungen der Pflegeversicherung.

Arbeitslosenversicherung

Die Begutachtung in der Arbeitslosenversicherung wird im Hinblick auf die Erwerbsfähigkeit und Verfügbarkeit bzw. Arbeitsfähigkeit beleuchtet.

Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen

Das Werk geht auf die Begutachtung in den Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen ein und erläutert die rechtlichen Grundlagen und Begutachtungskriterien.

Dienstfähigkeit von Beamten

Die Begutachtung der Dienstfähigkeit von Beamten wird im Hinblick auf die rechtlichen Grundlagen und Gutachtenfelder dargestellt.

Schwerbehindertenrecht

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Begutachtung im Schwerbehindertenrecht, einschließlich der Definition der Behinderung und der Merkzeichen.

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Rehabilitation

Die Begutachtung in der Rehabilitation wird im Hinblick auf die verschiedenen Phasen der neurologischen Rehabilitation und die Leistungen der Rehabilitation beleuchtet.

Betreuungsrecht

Das Buch geht auf die Begutachtung im Betreuungsrecht ein und erläutert die Grundlagen der Betreuung und die Notwendigkeit einer gesetzlichen Betreuung.

Geschäfts- und Testierfähigkeit

Die Begutachtung der Geschäfts- und Testierfähigkeit wird im Hinblick auf die rechtlichen Grundlagen und Beurteilungskriterien dargestellt.

Kraftfahreignung

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Begutachtung der Kraftfahreignung, einschließlich der rechtlichen Grundlagen und Begutachtungsleitlinien.

Unfallfolgen

Die Begutachtung von Unfallfolgen wird im Hinblick auf die rechtlichen Grundlagen und die Beurteilung von Zusammenhangsfragen dargestellt.

Neu in der dritten Auflage

Die dritte Auflage des Werkes wurde um einige wichtige Aspekte erweitert:

  • Begutachtung bei psychischen Störungen: Die Begutachtung bei psychischen Störungen, die häufig zusammen mit neurologischen Symptomen auftreten, wird nun ausführlicher behandelt.
  • Begutachtung für die Arbeitsagenturen: Ein neues Kapitel widmet sich der Begutachtung für die Arbeitsagenturen.
  • Abrufbarkeit wichtiger Präzedenz-Urteile: Wichtige Präzedenz-Urteile können nun über QR-Codes abgerufen werden.

Kritische Anmerkungen

Obwohl das Werk viele hervorragend geschriebene Kapitel enthält, die sich ausschließlich mit der neurologischen Begutachtung befassen, wird die deutliche Ausweitung auf das psychiatrisch-psychotherapeutische Fachgebiet kritisch gesehen. Die Rede von "Gutachten in Neurologie und nicht-forensischer Psychiatrie" erscheint problematisch, da es sich bei der "nicht-forensischen Psychiatrie" um eine Wortneuschöpfung handelt. Tatsächlich gibt es neurologische und psychiatrisch-psychotherapeutische Gutachten, und alle Gutachten sind forensisch, wenn sie vor Gericht vertreten werden müssen.

Hinsichtlich der psychiatrischen Themen ist das Werk unvollständig, da eine Reihe zentraler psychiatrischer Themen fehlt, die auch für die zivil- und sozialrechtliche Begutachtung von Bedeutung sind, wie z.B. die Schizophrenie oder die Persönlichkeitsstörungen.

Es wird deshalb deutlich darauf hingewiesen, dass sich Neurologie und Psychiatrie und Psychotherapie zu voneinander unabhängigen wissenschaftlichen Disziplinen entwickelt haben. Neurologische Krankheitsbilder sollten deshalb von einem Arzt für Neurologie begutachtet werden. Für solche Gutachten ist das hier besprochene Handbuch hervorragend geeignet. Für die Begutachtung psychiatrischer Störungsbilder bedarf es aber einer Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie und auch psychotherapeutischer Behandlungserfahrung, etwa wenn es um die Begutachtung von psychischen Traumafolgestörungen geht. Für solche psychiatrisch-psychotherapeutische Gutachten gibt es umfassende Handbücher, die sich ganz gezielt mit der psychiatrischen Begutachtungslehre befassen und die für solche Fragen vorrangig zu Rate gezogen werden sollten.

Fazit

"Neurowissenschaftliche Begutachtung" ist ein umfassendes und praxisnahes Werk, das Neurologen eine wertvolle Grundlage für die Erstellung fundierter Gutachten bietet. Es behandelt alle relevanten Rechts- und Versorgungsbereiche und berücksichtigt die neuesten Entwicklungen in Recht und Medizin. Trotz einiger kritischer Anmerkungen, insbesondere hinsichtlich der Ausweitung auf das psychiatrisch-psychotherapeutische Fachgebiet, ist das Buch ein unverzichtbares Nachschlagewerk für alle, die sich mit neurowissenschaftlicher Begutachtung befassen.

Ergänzende Informationen zum Herausgeber Prof. Dr. Michael Bürgy

Prof. Dr. Michael Bürgy ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Psychiatrie und Psychotherapie. Seine akademische Laufbahn umfasst ein Studium der Humanmedizin und Philosophie an der RWTH Aachen, Promotionen in beiden Fächern sowie ein Masterstudium in Healthcare Management an der Universität Heidelberg. Er habilitierte sich im Jahr 2007 und wurde 2011 zum außerplanmäßigen Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg ernannt.

Klinische Tätigkeit

Prof. Dr. Bürgy verfügt über langjährige klinische Erfahrung, unter anderem als Oberarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg und als Ärztlicher Direktor der Klinik für Spezielle Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Stuttgart.

Forschungsschwerpunkte

Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Phänomenologie psychiatrischer Syndrome, Depersonalisationserlebnisse und Psychopathologie der Verzweiflung.

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