Ein Herzinfarkt ist ein akutes Ereignis, das nicht nur das Herz selbst betrifft, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf andere Organe, insbesondere das Gehirn, haben kann. Sauerstoffmangel, der durch den Herzinfarkt verursacht wird, kann zu schwerwiegenden und irreversiblen Hirnschäden führen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Herzinfarkt, Sauerstoffmangel im Gehirn und den daraus resultierenden Folgen.
Herzinfarkt und seine Ursachen
Ein Herzinfarkt tritt auf, wenn ein oder mehrere Herzkranzgefäße verschlossen sind, wodurch die Blut- und Sauerstoffzufuhr zum Herzmuskel unterbrochen wird. Ursächlich hierfür ist meist eine koronare Herzkrankheit (KHK), bei der sich Ablagerungen in den Gefäßen bilden und diese verengen. Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes begünstigen die Entstehung einer KHK und somit auch eines Herzinfarkts.
Symptome und Diagnose eines Herzinfarkts
Die Symptome eines Herzinfarkts können vielfältig sein, oft gehen dem plötzlichen Herztod jedoch Atemnot und Schmerzen in der Brust voraus. Diese Schmerzen können in den linken Arm und den Unterkiefer ausstrahlen. Ebenso berichten viele Betroffene von einem Engegefühl in der Brust oder einem Schwächegefühl. Direkt vor dem Eintreten des Zusammenbruchs kann es zu Schwindel und Ohnmacht kommen, die von starken Schweißausbrüchen begleitet werden. Zu den Symptomen für einen Herzinfarkt gehört also auch Angstschweiß, der in Kombination mit kalter, fahler Haut auftritt.
Es ist wichtig, die Symptome ernst zu nehmen und bei Verdacht sofort den Notruf (112) zu wählen. Eine schnelle Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um den Schaden am Herzmuskel zu minimieren. Im Krankenhaus wird das verschlossene Herzkranzgefäß mittels Herzkathetertechnik wiedereröffnet und mit Stents versorgt. Je schneller das Gefäß wieder durchblutet wird, desto geringer ist der Schaden ("Time is muscle").
Sauerstoffmangel im Gehirn als Folge des Herzinfarkts
Wenn das Herz aufgrund des Infarkts nicht mehr ausreichend Blut in den Körper pumpt, wird auch das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Das Gehirn reagiert sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel. Die Nervenzellen des Gehirns, insbesondere die für höhere Funktionen wie Wahrnehmung, Gedächtnis und Koordination zuständigen Zellen an der Oberfläche des Großhirns, sterben aufgrund des Sauerstoffmangels innerhalb weniger Minuten ab. Da sich diese Nervenzellen nicht wieder nachbilden, wird das Gehirn irreparabel geschädigt.
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Hypoxischer Hirnschaden (HIE)
Der hypoxische Hirnschaden (hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, HIE) ist eine Hirnschädigung aufgrund eines schweren Sauerstoffmangels im Gehirn. Häufig tritt er nach einem Kreislaufstillstand mit erfolgreichen Wiederbelebungsmaßnahmen (Reanimation) auf. Das Ausmaß des hypoxischen Hirnschadens hängt unter anderem davon ab, wie lange die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen war.
Bei einer kurzen Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff können Symptome wie Koordinations-, Wahrnehmungs- oder Gedächtnisstörungen auftreten, die sich in der Regel wieder zurückbilden. Eine längere Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff von mehr als fünf Minuten führt zu einer tiefen Bewusstlosigkeit, dem Koma.
Neurologische Folgen des Sauerstoffmangels
Die neurologischen Folgen eines Sauerstoffmangels im Gehirn können vielfältig sein und hängen vom Ausmaß und der Dauer des Sauerstoffmangels sowie von den betroffenen Hirnregionen ab. Typische Symptome sind:
- Gedächtnisprobleme: Der Mensch kann sich Dinge nicht mehr so gut merken und sich schlechter an etwas erinnern. Die Fähigkeit, etwas auswendig zu lernen, lässt nach.
- Verwirrung und Orientierungslosigkeit: Betroffene haben Schwierigkeiten, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden und wissen nicht, wo sie sich befinden oder welcher Tag ist.
- Motorische Probleme: Es kann zu Lähmungen, Koordinationsstörungen und Schwierigkeiten bei der Ausführung von Bewegungen kommen.
- Sprachstörungen: Betroffene haben Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder Gesprochenes zu verstehen.
- Exekutive Funktionen: Die Konzentrationsfähigkeit des Menschen lässt nach. Er kann nicht mehr so gut planen, organisieren oder komplexere Entscheidungen treffen.
- Globale Kognition: Damit wird die Gesamtleistung des Gehirns beschrieben.
In schweren Fällen kann der Sauerstoffmangel zu einem Komazustand oder sogar zum Hirntod führen. Ist der Hirntod eingetreten, sind die Rezeptoren im Gehirn funktionslos. Eine Wahrnehmung, wie zum Beispiel eine Schmerzwahrnehmung, ist nicht mehr möglich. Einige Reflexe, sogenannte Rückenmarksreflexe, gehen von den Nerven im Rückenmark aus. Ist der Hirntod eingetreten und wird die künstliche Beatmung fortgesetzt, können spinale Reflexe beispielsweise Spontanbewegungen auslösen oder zum Anstieg des Blutdrucks führen.
Diagnose von Hirnschäden nach Herzinfarkt
Durch kognitive Tests kann man überprüfen, ob es zu einer Schädigung des Gehirns gekommen ist. Auch können verschiedene bildgebende Verfahren wie zum Beispiel ein CT oder MRT Aufschluss über kognitive Schäden geben.
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Mit Ultraschall (Dopplersonografie, trans- und extrakranial) können wir alle großen Arterien untersuchen, die das Hirn versorgen. Die Magnetresonanztomografie des Schädels (kraniale MRT, cMRT) mit Blutgefäßdarstellung (Angiografie) macht Verengungen (Stenosen) oder Verschlüsse von Schlagadern sichtbar. Mit der kranialen Computertomografie (cCT) können wir Gehirn, Hirnhäute und knöchernen Schädel, mit der Thorax-CT die Lunge in Schnittbildern darstellen und beurteilen. Mit der CT-Angiografie und der Koronarangiografie können wir die Blutgefäße sowie die Herzkranzgefäße sichtbar machen. Neurologische Untersuchungen geben Aufschluss darüber, ob und welche Nerven in welchem Ausmaß betroffen sind.
Behandlung und Rehabilitation
Die Behandlung von Hirnschäden nach einem Herzinfarkt zielt darauf ab, die Grunderkrankung (Herzinfarkt) zu behandeln und die neurologischen Funktionen bestmöglich wiederherzustellen. Wichtig ist, dass nach einem Herzinfarkt die Faktoren, die ihn begünstigen - wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes - behandelt werden.
Die Verwendung eines implantierbaren Defibrillators (ICD) dient der Vorbeugung zukünftiger Herzrhythmusstörungen und somit eines unerwarteten Herzstillstands. Dieses kleine Elektroschockgerät wird unter die Haut implantiert.
Die Rehabilitation umfasst verschiedene Therapieformen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie. Ziel ist es, die motorischen, kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten der Betroffenen zu verbessern und ihnen eine möglichst selbstständige Lebensführung zu ermöglichen.
Prävention von Herzinfarkt und Hirnschäden
Ein plötzlicher Herztod lässt sich vor allem durch eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Früherkennungen vorbeugen. Da in der Regel häufig Herzkrankheiten wie KHK als Auslöser für einen Sekundentod gelten, ist es ratsam die Risikofaktoren zu reduzieren, um die Herzkranzgefäße zu schützen. Versuchen Sie Stress zu vermeiden oder zu reduzieren.
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Ab dem 40. Lebensjahr sollten Sie Ihren Blutdruck jedes halbe Jahr einmal messen lassen. Besonders zu empfehlen ist das, wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, also zum Beispiel bei Übergewicht, Rauchen oder erhöhten Cholesterinwerten. Kommt in Ihrer Familie Bluthochdruck häufiger vor, sollten Sie bereits ab dem 35. Lebensjahr zweimal im Jahr Ihren Blutdruck messen lassen.
Wiederbelebung bei Herzstillstand
Kommt es zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand, ist rasches Handeln nötig, um Folgeschäden durch Sauerstoffmangel im Gehirn oder gar den Herztod des Betroffenen zu verhindern. Setzen Sie immer zuerst den Notruf über die 112 oder die jeweils gültige Notfallnummer ab, falls Sie sich außerhalb von Deutschland befinden.
Nur wenn Anwesende jetzt unmittelbar handeln, hat der Patient bzw. die Patientin die Chance, diesen Notfall zu überleben. Denn mit jeder Minute ohne Wiederbelebungsmaßnahme (etwa durch eine Herzdruckmassage) sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. Hintergrund ist, dass das Gehirn sehr sensibel auf Sauerstoffmangel reagiert.
Nachdem Sie den Notruf abgesetzt haben, beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage. Die Patientin oder der Patient liegt auf dem Rücken. Sie knien neben der Person (egal ob rechts oder links). Legen Sie eine Hand auf die Mitte des Brustkorbes und die zweite auf den Handrücken der ersten. Mit gestreckten Armen das Brustbein tief (5 bis 6 cm) und schnell (100- bis 120-mal pro Minute) in Richtung Wirbelsäule drücken (z. B. im Takt des Hits „Stayin’ Alive” von den Bee Gees). Nach jedem Drücken vollständig entlasten, ohne den Kontakt zwischen Hand und Brustbein zu verlieren.
Der Automatisierte Externe Defibrillator (AED) kommt nur zur Anwendung, wenn mindestens zwei Helferinnen oder Helfer vor Ort sind und bekannt ist, wo in unmittelbarer Nähe ein AED installiert ist. So kann eine Person die Herzdruckmassage durchführen, während die andere den AED holt. Nachdem Sie den AED eingeschaltet haben, müssen Sie nur den Anweisungen des Sprachcomputers folgen.
Patientenverfügung und Reanimation
In einer Patientenverfügung können Sie grundsätzlich auch darüber Aussagen machen, wann Sie eine und wann Sie keine Reanimation wünschen. Besondere Bedeutung erhält eine Ablehnung von Reanimation, wenn sich der Patient bereits in einer Lebenssituation befindet, die seinen persönlichen Maßstäben von Lebensqualität nicht mehr gerecht wird. So kann es z.B. Entscheidend hierbei ist natürlich, dass das direkte Umfeld bzw. das Personal der Einrichtung, in der der Patient bereits untergebracht ist, Kenntnis von einer derartigen Verfügung haben. Nur so kann dies gegenüber dem im Notfall eintreffenden medizinischen Personal auch verbindlich dargelegt bzw. gar kein Notfallszenario mehr angestoßen werden.
Herzschwäche und Hirnstruktur
Pumpt das Herz zu wenig Blut in den Körper, wird meist auch das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Etwa 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Die wirkt sich nicht nur auf die Leistungsfähigkeit der Patienten aus - sie sind schneller erschöpft und klagen über Atemnot bei Belastungen. Auch ihr Gehirn ist davon betroffen.
Wissenschaftler haben belegt, auch die Dichte der grauen Substanz sinkt. „Je schwächer das Herz, desto geringer die Dichte der grauen Substanz“, erklärt Matthias Schroeter, Leiter der Forschungsgruppe für Kognitive Neuropsychiatrie am Max-Planck-Institut, das zentrale Ergebnis der Studie. Besonders betroffen seien dabei das mittlere Stirnhirn und der sogenannte Precuneus innerhalb der Großhirnrinde sowie der Hippocampus. Diese Regionen verarbeiten vor allem Aufmerksamkeitsprozesse und Gedächtnisinhalte.
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