Die traditionelle Medizin der indigenen Völker Südamerikas ist reich an Heilpflanzen, die seit Jahrtausenden zur Behandlung verschiedenster Beschwerden eingesetzt werden. Auch bei Migräne greifen die Menschen auf pflanzliche Mittel zurück. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Pflanzen und ihre Anwendung, wobei er sich auf historische Quellen und moderne Forschung stützt.
Einführung in die indianische Medizin
Die indianische Medizin ist eine Kombination aus Erfahrungswissen und religiösen Ritualen. Schamanen, die als "Medizinmänner" fungieren, spielen eine wichtige Rolle bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten, insbesondere bei schweren und unerklärlichen Fällen. Sie erkennen die magischen Ursachen von Leiden und behandeln sie rituell, oft in Verbindung mit Heilpflanzen.
Tabak als Schmerzmittel
Ein weit verbreitetes Schmerzmittel ist Tabak (Nicotiana tabacum und N. rustica), wobei die schmerzlindernde Wirkung des Nicotins vorsichtigerweise nur äußerlich eingesetzt wird. In Peru werden Tabakblätter bei Ohrenschmerzen in den Gehörgang eingebracht, bei Kopf- und Zahnschmerzen als Umschlag aufgelegt, bei den Maya desgleichen bei Rücken-, Herz- und Unterleibsschmerzen. Kallawaya-Wanderheiler in Bolivien und Peru empfehlen Schnupftabak gegen Migräne.
Coca-Blätter
Das berühmteste Schmerzmittel südamerikanischer Indianer sind die Cocablätter von Erythroxylum coca und Erythroxylum novogranatense. Kallawaya-Heiler verordnen Cocablätter heutzutage vorsichtigerweise meist nur äußerlich: Bei Erkältungen, Schüttelfrost, Muskelsteife (Inhalation bzw. Einreibung); bei Verbrennungen Cocablätter als Umschlag; bei geschwollenen und müden Füßen Waschung mit einer Coca-Abkochung; bei Magen-Darm-Störungen einen Coca-Umschlag mit Salz auf dem Unterleib: bei Kopfschmerz Auflegen von leicht zerkauten Cocablättern. Nur bei Koliken, Gastritis sowie anderen Verdauungsproblemen erfolgt eine innerliche Anwendung.
Weitere Pflanzen mit schmerzlindernder Wirkung
- Stechapfel (Datura stramonium): Mexikanische Indianer verwenden den Stechapfel äußerlich bei Kopf-, Ohren-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie bei rheumatischen Schmerzen und Neuralgien, innerlich bei Geburtsschmerzen. Die Verwendung als Narkosemittel war ebenfalls üblich.
- Engelstrompeten (Brugmansia-Arten): In den Tälern der Anden-Ostseite und im kolumbianischen Teil Amazoniens werden Engelstrompeten aufgrund ihrer Tropanalkaloide als Halluzinogene benutzt. Zugleich sind ihre Blattdekokte dort Fieber-, Rheuma- und Schmerzmittel sowie Sedativa.
- Yakée oder Paricá (Virola-Arten): Der rote getrocknete Saft der inneren Rindenschicht dieser Bäume wird als Visionsdroge geschnupft oder verschluckt. Er wird aber äußerlich bei Hautentzündungen, Erysipel, Krätze, zur Blutstillung und Wundheilung verwendet.
Mutterkraut (Tanacetum parthenium)
Mutterkraut ist eine alte Heilpflanze, die zur Vorbeugung von Migräne medizinisch anerkannt ist. In der Volksmedizin werden ihr noch weitere Heilkräfte zugesprochen, etwa bei Rheuma, Fieber und Frauenleiden.
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Die Studienlage zur Wirkung von Mutterkraut bei Migräne ist nicht eindeutig. Einige aktuelle Forschungsergebnisse aus Humanstudien zeigen, dass Mutterkraut bei der Behandlung und Vorbeugung von Migräne nur geringfügig wirksamer ist als ein Placebo. Andere Studien stellten keinen Effekt fest. Es ist deshalb weitere Forschung notwendig.
Eisenkraut (Verbena officinalis)
Eisenkraut, auch bekannt als Verbena officinalis, ist eine Pflanze, die in Europa heimisch ist, aber auch in Südamerika vorkommt. In der traditionellen Medizin wird Eisenkraut bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, darunter Kopfschmerzen und Migräne. Es wird als Tee zubereitet oder als Zutat in Erkältungsmitteln verwendet.
Koriander
Auch bei Kopfschmerzen und Migräne kann Koriander helfen. Legen Sie dazu einige Koriandersamen in kochendes Wasser und inhalieren Sie den aufsteigenden Dampf. Noch wirksamer ist die Inhalation mit ätherischem Bio-Korianderöl.
Die Rolle der Jesuiten bei der Erforschung indianischer Heilmittel
Die Jesuiten spielten eine wichtige Rolle bei der Erforschung und Dokumentation der Heilmittel der amerikanischen Ureinwohner. Sie errichteten Apotheken in ihren Missionen und tauschten Heilmittel und medizinisch-pharmazeutische Informationen aus. Pater Pedro Montenegro, der in Mexiko als Missionar und Wissenschaftler wirkte, verfasste eine Materia médica misionera, in der er indianische Heilverfahren beschrieb.
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