Herzintelligenz: Die Weisheit des Herzens und seine Verbindung zum intrinsischen Nervensystem

Das Herz, seit Jahrhunderten als Sitz von Gefühlen, Mut und Weisheit verehrt, wird heute durch die moderne Wissenschaft neu bewertet. Das HeartMath® Institut widmet sich der Erforschung der physiologischen Mechanismen der Herz-Gehirn-Kommunikation und der Bedeutung des Herzens für unsere menschliche Erfahrung. Neue neurobiologische Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Herz eine höhere Informationsverarbeitungskapazität als das Gehirn besitzt. Dieser Artikel beleuchtet die faszinierende Welt der Herzintelligenz, des intrinsischen Nervensystems des Herzens und seiner tiefgreifenden Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung, Emotionen und Gesundheit.

Das Herz als Quelle von Emotionen und Intuition

Autor Ph. D. Courage betont, dass das lateinische Wort »cor« für Herz die Wurzel von »Courage« (Mut) ist. Die lange Tradition, das Herz als Quelle von Emotionen, Mut und Weisheit zu betrachten, findet in den Forschungen des »Institut of HeartMath« (IHM) eine wissenschaftliche Bestätigung. Dort werden die physiologischen Mechanismen untersucht, durch die das Herz mit dem Gehirn kommuniziert und dabei Informationsverarbeitung, Wahrnehmung, Emotionen und Gesundheit beeinflusst.

Die Forschung geht der Frage nach, warum Menschen Gefühle wie Liebe oder Aufregung im Bereich des Herzens erfahren und welche physiologischen Auswirkungen dies hat. Auch der Einfluss von Stress und verschiedenen emotionalen Zuständen auf das autonome Nervensystem, das Hormon- und Immunsystem, das Herz und das Gehirn wird untersucht.

Herzfrequenzvariabilität und Kohärenz

Die Forschung des HeartMath-Instituts hat gezeigt, dass sich innere emotionale Zustände und Stress am deutlichsten in der Herzfrequenzvariabilität und den Herzrhythmen widerspiegeln. Negative Emotionen führen zu einer erhöhten Störung im Herzrhythmus und im autonomen Nervensystem, was den Rest des Körpers nachteilig beeinflusst. Im Gegensatz dazu erzeugen positive Emotionen Harmonie und Kohärenz in den Herzrhythmen und verbessern die Balance im Nervensystem.

Besonders faszinierend sind die positiven Veränderungen, die durch Techniken zur Steigerung der Kohärenz des Rhythmus der Herzfrequenzvariabilität erzielt werden können. Diese Techniken beinhalten Wahrnehmungsveränderungen und die Fähigkeit, Stress zu reduzieren und effektiver mit schwierigen Situationen umzugehen.

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Das "Herzgehirn": Ein intrinsisches Nervensystem

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Herz mehr ist als eine simple Pumpe. Es handelt so, als hätte es ein eigenes Gehirn und beeinflusst tiefgreifend die Art und Weise, wie wir die Welt sehen. Das Herz scheint die Intelligenz und das Bewusstsein zu beeinflussen.

Das Herz ist ein äußerst komplexes, selbst-organisiertes Informationsverarbeitungszentrum mit seinem eigenen operativen »Gehirn«. Es kommuniziert mit dem kranialen Gehirn und beeinflusst es durch das Nervensystem, Hormonsystem und andere Leitbahnen.

J. Andres Armour führte 1991 das Konzept des eigenständig arbeitenden »Herzgehirns« ein. Seine Arbeiten verdeutlichen, dass das Herz ein komplexes intrinsisches Nervensystem hat, das weit genug ausgebildet ist, um es als ein »kleines Gehirn« auszuweisen. Dieses »Herzgehirn« besteht aus einem komplizierten Netzwerk verschiedener Arten von Neuronen, Neurotransmittern, Proteinen und Support-Zellen, wie sie im Gehirn gefunden werden. Sein ausgeklügelter Kreislauf befähigt es, unabhängig von dem kranialen Gehirn zu funktionieren - zu lernen, zu erinnern, ja sogar zu fühlen und zu spüren.

Das intrinsische Nervensystem des Herzens besteht aus Ganglien, die lokale neuronale Schaltkreise verschiedenen Typs sowie sensorische Neuriten enthalten, die über das ganze Herz verteilt sind. Die äußeren kardialen Ganglien im Brustraum haben direkte Verbindungen zu Organen wie der Lunge und der Speiseröhre und sind über das Rückenmark indirekt mit vielen anderen Organen verbunden, einschließlich der Haut und der Arterien. Die sympathischen aufsteigenden Nerven verbinden sich zunächst mit den äußeren kardialen Ganglien, dann mit dem Spinalganglion und dem Rückenmark. Das Nervensystem des Herzens beinhaltet ungefähr 40.000 Neuronen, genannt sensorische Neuriten, die zirkulierende Hormone und Neurochemikalien aufspüren, sowie Herzraten und belastende Informationen erkennen.

Die Kommunikation zwischen Herz und Gehirn

Einige der ersten modernen psycho-physiologischen Forscher, die die Kommunikation zwischen Herz und Gehirn untersuchten, waren John und Beatrice Lacey. In ihren Forschungen in den 1960er und 70er Jahren beobachteten sie, dass diese Kommunikation unsere Wahrnehmung und Reaktion auf die Welt signifikant beeinflusst.

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Die Laceys stellten fest, dass das Herz seine ganz eigene Logik zu haben schien, die häufig von der Anweisung des autonomen Nervensystems abweicht. Das Herz schien Botschaften an das Gehirn zu schicken, das diese nicht einfach nur verstand, sondern sogar befolgte. Noch verblüffender war die Erkenntnis, dass diese Botschaften das Verhalten einer Person beeinflussen konnten. Neurophysiologen entdeckten eine bestimmte neuronale Bahn, durch die die Eingaben des Herzens ins Gehirn die elektrische Aktivität des Gehirns »verringern« oder »verstärken« konnten.

1974 stimulierten die französischen Forscher Gahery und Vigier den Vagusnerv, der viele Signale des Herzens zum Gehirn leitet, bei Katzen. Dabei fanden sie heraus, dass die elektrische Aktivität des Gehirns auf die Hälfte der normalen Rate reduziert war.

Herzintelligenz im Alltag

Herzintelligenz bezeichnet den ausgeglichenen Zustand von Bewusstsein, Erkenntnis und Intuition. Wir können unsere Herzintelligenz bewusst aktivieren, indem wir auf die Stimme unseres Herzens achten und uns von ihr leiten lassen. Je mehr wir dies tun, desto besser können wir auf ihre Intelligenz und Führung zugreifen.

Die von Dr. Margret Rueffler entwickelte HeartSelfIntelligence®-Methode (HerzSelbstIntelligenz) zielt darauf ab, über das körperliche Herz die Verbindung zur Intelligenz des Herzens und zum Selbst, dem innersten Potential, aufzunehmen. Die Arbeitsweise ist ermächtigend und vertieft das Bewusstsein für Freude und die eigenen Wahlmöglichkeiten.

Das elektromagnetische Feld des Herzens

Forschungen der Neurokardiologie haben ergeben, dass das Herz das stärkste und umfassendste rhythmische elektromagnetische Feld des menschlichen Körpers besitzt. Es liefert eine vierzig- bis sechzigmal größere Amplitude als das Feld, das vom Gehirn ausgeht. Das Magnetfeld des Herzens ist schätzungsweise fünftausendmal stärker als das des Gehirns. Über sein pulsierendes elektromagnetisches Feld sendet das Herz fortwährend info-energetische Signale mit einem bestimmten Muster aus, welche die Organ- und Zelltätigkeit im ganzen Körper regulieren. Es produziert und koordiniert Informationen. Seine Impulse durchdringen jede Zelle des menschlichen Körpers, sie beeinflussen die Verarbeitung von Gefühlen und das Erkennen und Wahrnehmen des Gehirns. Auch die rhythmischen Aktivitäten des Gehirns wie Atemrhythmus, Blutdruck usw. werden vom Herzen geprägt.

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Die revolutionäre Anatomie des Herzens als Wirbelgenerator

Die herkömmliche Pump-Theorie wird zudem durch anatomische Entdeckungen infrage gestellt. Der spanische Arzt Dr. Francisco Torrent-Guasp verbrachte drei Jahrzehnte mit der Erforschung der Herzstruktur und kam zu dem Ergebnis, dass das Herz kein simpler Muskel ist, sondern aus einem einzigen, spiralförmig gewundenen Muskelband besteht. Er bezeichnete diese Struktur als das helikale ventrikuläre Myokardband. Diese Anatomie legt nahe, dass die Hauptarbeit des Herzens nicht im Erzeugen von Druck, sondern im Kreieren von Sog besteht. Das Blut wird in wirbelnden, spiralförmigen Bewegungen durch den Körper gezogen, anstatt nur linear hinausgepresst zu werden. Diese Wirbel-Dynamik unterstützt die Vorstellung, dass der Blutfluss ein Ergebnis von Frequenz und Resonanz ist und nicht allein auf hydraulischen Prinzipien beruht.

Die Synchronisation von Herz und Gehirn: Herz-Hirn-Kohärenz

Ein Zustand, der als Herz-Hirn-Kohärenz bezeichnet wird, stellt einen optimalen Funktionsmodus unseres Organismus dar. Er tritt ein, wenn Herzschlag, Atmung und Gehirnwellen in einem synchronen Rhythmus schwingen, oft bei einer Frequenz von etwa 0,1 Hertz, was ungefähr sechs Atemzügen pro Minute entspricht. In diesem Zustand der inneren Ausrichtung und Harmonie werden regenerative Prozesse aktiviert, die Produktion von Stresshormonen wird reduziert und die Funktion des Immunsystems gestärkt. Gleichzeitig erfahren Menschen in der Kohärenz eine Steigerung von mentaler Klarheit, kreativem Potenzial und intuitiver Wahrnehmung. Es ist ein Zustand tiefgreifender Verbundenheit mit dem eigenen Selbst und der Umgebung.

Kritik und Skepsis

Trotz der vielversprechenden Forschungsergebnisse und positiven Erfahrungsberichte gibt es auch Kritik und Skepsis gegenüber dem Konzept der Herzintelligenz. Schulmediziner betrachten das Herz primär als eine Pumpe, die Blut durch den Körper drückt und auf Signale des Gehirns reagiert. Sie argumentieren, dass die Kommunikation zwischen Herz und Hirn primär vom Hirn ausgeht, nicht umgekehrt.

Psychologen weisen darauf hin, dass Gedanken körperliche Reaktionen steuern und dass unangenehme Momente im Alltag nicht einfach weggezaubert werden können. Sie empfehlen, Ärger nicht in sich hineinzufressen und Strategien zu entwickeln, um mit negativen Emotionen umzugehen.

Fazit

Die Erforschung der Herzintelligenz hat in den letzten Jahrzehnten bedeutende Fortschritte gemacht und unser Verständnis von der komplexen Beziehung zwischen Herz und Gehirn erweitert. Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Herz nicht nur eine Pumpe ist, sondern ein intelligentes Zentrum mit einem eigenen Nervensystem, das unsere Wahrnehmung, Emotionen und Gesundheit beeinflusst.

Obwohl es noch viel zu lernen gibt, eröffnen die Forschungen des HeartMath-Instituts und anderer Wissenschaftler neue Perspektiven auf das menschliche Bewusstsein und die Möglichkeiten, unsere innere Balance und unser Wohlbefinden zu verbessern. Indem wir lernen, auf die Weisheit unseres Herzens zu hören, können wir unsere gesamte biologische Existenz aktivieren und uns an unsere fundamentale Verbundenheit mit dem Leben selbst erinnern.

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