Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch übermäßige Aktivität im Gehirn, wobei einzelne Regionen oder das gesamte Gehirn betroffen sein können. Die Anfallsformen sind vielfältig und reichen von kurzen, unbemerkten Ereignissen bis hin zuGeneralisierten Anfällen mit Bewusstseinsverlust. Aufgrund dieser Vielfalt gibt es keine allgemeingültige Empfehlung für Hilfsmittel, sondern die Auswahl muss individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt sein. Hilfsmittel sollen die Folgen einer Erkrankung ausgleichen und dazu führen, dass die betroffene Person selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann.
Was sind Hilfsmittel?
Der Begriff "Hilfsmittel" umfasst Gegenstände und Geräte, die dazu dienen, die Auswirkungen einer Krankheit oder Behinderung zu mildern und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) listet auf, welche Produkte als Hilfsmittel anerkannt sind. Für die Beantragung eines Hilfsmittels ist eine ärztliche Verordnung erforderlich. Die Krankenkasse prüft dann, ob die Kosten übernommen werden können. Wird diese abgelehnt, sollte das nicht einfach hingenommen werden.
Vielfalt der Anfallsformen bei Epilepsie
Epileptische Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen fokalen und generalisierten Anfällen.
- Fokale Anfälle: Betreffen nur einen bestimmten Ort im Gehirn. Diese Anfälle können mit dem Erhalt, aber auch mit dem Verlust des Bewusstseins einhergehen. Fokale Anfälle mit Erhalt des Bewusstseins können unterschiedliche Formen annehmen: motorisch, sensibel, sensorisch, vegetativ und psychisch. Bei fokalen Anfällen mit Bewusstseinsstörung kann sich die betroffene Person nach dem Anfall nicht mehr daran erinnern. Oft beginnt ein solcher Anfall mit dem Abbruch eines begonnenen Bewegungsablaufes.
- Generalisierte Anfälle: Bei den generalisierten Anfällen sind immer beide Gehirnhälften betroffen. Bei nahezu allen Formen der generalisierten Anfälle kommt es zum Verlust des Bewusstseins.
Sturzmelder und Anfallsmelder
Wie der Name schon sagt, erkennt ein Sturzmelder, wenn eine Person stürzt oder fällt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen gibt es Systeme, die direkt am Körper getragen werden, aber auch Systeme, die in der Wohnung angebracht werden, können zur Sturzerkennung eingesetzt werden. Anfallsmelder hingegen dienen der Überwachung des Anfallsgeschehens. So können bestimmte Anfallsformen mithilfe eines Gerätes dokumentiert werden.
Notrufsysteme
Für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl sorgen auch herkömmliche Notruf-Systeme. Diese können dann zum Einsatz kommen, wenn die Person nach einem Sturz nicht mehr aufstehen kann.
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Kopfschutzhelme
Leider kommt es immer wieder vor, dass sich Epilepsie-Patientinnen und -Patienten bei einem Sturz während eines Anfalls schwere Kopfverletzungen zuziehen. Hier kann ein Kopfschutzhelm zum Einsatz kommen.
Hilfsmittel für den Umgang mit Wasser
Mit eine der größten Gefahrenzonen für Epilepsie-Erkrankte stellt Wasser dar. Deshalb gibt es auch fürs Schwimmen zahlreiche Hilfsmittel, damit sich die Betroffenen auch im Wasser stets sicher fühlen können.
Schutzvorrichtungen im Haushalt
Tatsächlich sind Epilepsie-Patientinnen und -Patienten besonders gefährdet, einen Verbrennungsunfall zu erleiden. So kann es zum Beispiel während des Duschens oder Badens zu einem plötzlichen Anfall kommen. Häufig müssen Betroffene aufgrund von starken Verbrennungen im Anschluss intensivmedizinisch behandelt werden. Besondere Schutzvorrichtungen im Haushalt können hier Abhilfe schaffen.
Epi-Care Free: Ein Anfallserkennungsarmband
Epi-Care free wurde entwickelt, um tonisch-klonische Anfälle zu registrieren und Alarm auszulösen. Die eingebaute Elektronik des Armbands erkennt die charakteristischen Zuckungen, die bei Krampfanfällen auftreten. Epi-Care free reagiert nicht auf alltägliche Bewegungen, beispielsweise beim Essen, Lesen oder Schlafen. Klinische Tests haben gezeigt, dass Epi-Care 91% aller tonisch-klonischen Epilepsieanfälle erkennt.
Anwendung und Vorteile von Epi-Care Free
Epi-Care free wird als Armband getragen und kann deshalb tagsüber und nachts verwendet werden. Dies führt zu mehr Selbstständigkeit, weil Pflegepersonen nicht dauerhaft anwesend sein müssen. Es ist einfach in der Anwendung: Armband ums Handgelenk legen, Tischgerät einschalten, und der Alarm ist einsatzbereit. Es sind keine Einstellungen notwendig. Das Armband sollte einmal pro 24 Stunden etwa eine Stunde lang aufgeladen werden, wenn der Benutzer nicht allein ist, zum Beispiel während des Frühstücks oder Abendessens. Mit Epi-Care free ist es einfach, ein Anfallstagebuch zu führen. Im Tischgerät wird ein Dokumentation mit u.a. Alarmweiterleitung Reichweite von ca. Akku24 Stunden AkkulaufzeitEingebaute, wiederaufladbare Lithium-Ionen BatterieCa.
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Klinische Tests und Bewertung von Epi-Care Free
Epi-Care free wurde im dänischen Epilepsiekrankenhaus Filadelfia, im dänischen Rigshospital sowie im Epilepsiezentrum Bethel in Bielefeld klinisch getestet. Auf Grundlage der klinischen Tests stellten die Ärzte fest, dass der Epi-Care free Alarm ein wichtiges Hilfsmittel für Menschen mit tonisch-klonischen Anfällen ist. Eine Studie aus dem Jahr 2018 (User-based evaluation of applicability and usability of a wearable accelerometer device for detecting bilateral tonic-clonic seizures: A field study) zeigte eine mediane Sensitivität von 90% und eine Falschalarmrate von 0.1/Tag, ähnlich den Ergebnissen in Epilepsie-Monitoring-Einheiten.
Wo kann man Epi-Care Free kaufen?
epitech GmbH ist ein Partner, bei dem Sie in Deutschland Epi-Care kaufen können. epitech bietet Beratungen an, wobei durch persönlichen Kontakt die genauen Bedürfnisse der Betroffenen kennengelernt und somit das passende Hilfsmittel bestmöglich bestimmt werden kann.
Alltagshilfen für Menschen mit Epilepsie
Unter dem Begriff Alltagshilfen werden allgemein Artikel und Gegenstände des täglichen Bedarfs zusammengefasst, die den Alltag erleichtern oder bestimmte Alltagshandlungen unterstützen oder effektiver gestalten sollen. Hinzu kommen Hilfsmittel, die bei der zeitlichen Planung im Alltag helfen sollen oder Gewichts-Produkte, die bei Schlafstörungen oder Stress helfen.
Alltagshilfen bei kognitiven Einschränkungen
Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen bei Demenz können einfache Alltagshandlungen oder Tagesabläufe nicht mehr oder nicht mehr zuverlässig durchgeführt werden, da z. B. die richtige Reihenfolge einer Handlung wie Kaffee kochen nicht mehr präsent ist. Auch der Verlust einer zeitlichen Orientierung geht mit dieser Erkrankung einher. Einfache Hilfen zur Visualisierung von Alltagshandlungen oder Tagesstruktur können helfen, sich bei Handlungsabläufen oder zeitlichen Abläufen besser zu orientieren.
Gedächtnistraining und vereinfachte Alltagsgegenstände
Das Training von Gedächtnisleistung und angepasste sowie vereinfachte Alltagsgegenstände (wie z. B. eine Fernbedienung) können den Alltag für alle älteren Menschen unterstützen oder vereinfachen.
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Sensorische Integration durch Gewichtsdecken und -westen
Gewichtsdecken, -westen oder -manschetten zur sensorischen Integration können Ihnen helfen, den Alltag besser zu bewältigen, wenn Sie beispielsweise unter Angstzuständen, motorischer Angst oder Schlaflosigkeit leiden. Das Schlafen mit einer Gewichtsdecke in der Nacht oder die Verwendung einer Gewichtsweste oder einer Gewichtsdecke während des Tages hilft, Ruhe und erhöhte Konzentration zu erreichen, sowohl durch den Druck durch das Gewicht als auch durch die Stimulierung der Sinne, wie z. B. des Tastsinns und des Gleichgewichtssinns.
Rufsysteme für mehr Sicherheit
Rufsysteme können eine Möglichkeit für nicht mobile Personen sein, aktiv andere Personen zu rufen, die sich z. B. in einem anderen Raum oder an einem anderen Ort aufhalten. Es gibt aber auch Systeme, die selbstständig einen Ruf auslösen und eher eine Art „Überwachung“ sind.
Unterstützung für Kinder und Familien mit Epilepsie
Leidet Ihr Kind an Epilepsie, so kann die Erkrankung Einfluss auf viele Lebensbereiche der Familie nehmen. Insbesondere zu Beginn der Erkrankung entstehen häufig Fragen bei den betroffenen Kindern und ihren Eltern. Vor allem wenn die Kinder zunehmend selbstständig werden, möchten sie selbst Verantwortung für ihre Erkrankung übernehmen. Aus diesem Grund gibt es vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten für den Alltag mit einer Epilepsie. Diese umfasst unter anderem Hilfsmittel, z. B. Kopfschutzhelme oder Schwimmkragen. Aber auch Beratung z. B. bezüglich sozialrechtlicher Gegebenheiten (Behindertenausweis, Pflegestufe, Reha etc.) oder Therapieoptionen und Fördermaßnahmen sind ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen Therapie. Auch die Aufklärung und Beratung der Schulen und Kindergärten ist eine wichtige Aufgabe für die es speziell geschulte Epilepsieberater gibt. Nicht zuletzt sind Epilepsieschulungen eine gute Möglichkeit für Kind und Familie „Experten“ im Bereich der eigenen Erkrankung zu werden.
Pflege bei Epilepsie
Wie viel Pflege ein Familienmitglied mit Epilepsie benötigt, hängt stark vom Gesundheitszustand und dem Vorliegen von Begleiterkrankungen ab.
- Pflege bei Epilepsie ohne Kombination mit Grunderkrankungen: Ist Ihr Angehöriger grundsätzlich fit, benötigt er womöglich ausschließlich Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme. Mediziner können bei einer Epilepsie sogenannte Antikonvulsiva verschreiben, mit denen Patienten die Anfälle in den Griff bekommen - das gelingt übrigens etwa 70 % der Epileptiker.
- Pflege bei Epilepsie in Kombination mit Grunderkrankungen: Im Alter steigt das Risiko für verschiedenste Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz oder Parkinson. Womöglich besitzt Ihr Familienmitglied also gleich mehrere Krankheiten. Wie viel Pflege Ihr Angehöriger dann benötigt, ist sehr unterschiedlich. Behandelnde Ärzte und Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste können Aufschluss über nötige Pflegemaßnahmen geben.
- Pflege bei Epilepsie mit Folgen: Schwere Anfälle können Folgen nach sich ziehen. Stürzt Ihr Angehöriger während eines Anfalls beispielsweise, kann sich dadurch eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit ergeben. Nämlich dann, wenn es sich um einen komplizierten Bruch handelt, der zu körperlichen Einschränkungen führt.
Finanzielle Aspekte und Kostenübernahme
Liegt Ihnen ein fachärztliches Rezept vor, übernimmt die Barmer nach Prüfung der medizinischen Voraussetzungen in der Regel die Kosten für die Versorgung mit einem Epilepsie-Überwachungsgerät - gegebenenfalls abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Für Kinder bis 18 Jahren fallen keine gesetzlichen Zuzahlungen an. Bei Erwachsenen beträgt die gesetzliche Zuzahlung für das Epilepsie-Überwachungsgerät einmalig 10 Euro - sofern Sie nicht von der Zuzahlung befreit sind. Die Zuzahlung entrichten Sie direkt an Ihren Anbieter.
Wie erhält man ein Epilepsie-Überwachungsgerät?
Auf dem Weg zum Hilfsmittel erhalten Sie von vielen Seiten Unterstützung - von Ihrer Barmer, Ihrer Arztpraxis sowie dem Anbieter des Hilfsmittels. In der Regel werden Sie von Ihrer Arztpraxis ausführlich bezüglich der individuellen Versorgungssituation und den Behandlungsmöglichkeiten beraten. Sollten Sie Hilfe bei der Anbietersuche benötigen, melden Sie sich gerne bei der Krankenkasse. Tipp: Lassen Sie dem gewählten Anbieter für Epilepsie-Überwachungsgeräte Ihr Rezept zukommen. Nachdem Sie einen Anbieter gewählt und diesem Ihr Rezept zukommen lassen haben, wird ein Kostenvoranschlag bei der Barmer gestellt. Wenn Sie Fragen zu Ihrem Epilepsie-Überwachungsgerät haben, steht Ihnen Ihr Hilfsmittelanbieter mit Rat und Tat zur Seite.
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