Hilfsmittel in der Neurologie: Holztherapie und mehr für verbesserte Lebensqualität

Die Neurologie befasst sich mit Erkrankungen des Nervensystems, die oft zu Einschränkungen der Beweglichkeit, Koordination und sensorischen Wahrnehmung führen. Um den Alltag von Betroffenen zu erleichtern und ihre Lebensqualität zu verbessern, stehen verschiedene Hilfsmittel und Therapieansätze zur Verfügung. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Handtherapie, die Anwendung von Holztherapie, spezielle Sessel für neurologische Erkrankungen und weitere Hilfsmittel wie Rollstühle und Aufstehhilfen.

Handtherapie: Wiederherstellung der Handfunktion

Die Handtherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Einschränkungen der Handfunktion, die durch Verletzungen, Operationen, degenerative Erkrankungen oder neurologische Probleme verursacht werden können. Sie kombiniert physiotherapeutische und ergotherapeutische Ansätze, um die Handfunktion und Beweglichkeit zu verbessern.

Physiotherapeutische Ansätze

Im Rahmen der Physiotherapie werden konservative Methoden eingesetzt, um die physiologischen Funktionen der Hand zu verbessern. Dies kann beispielsweise durch gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur, zur Verbesserung der Beweglichkeit und zur Reduktion von Schmerzen geschehen.

Ergotherapeutische Interventionen

Die Ergotherapie konzentriert sich auf betätigungsorientierte Interventionen, bei denen die Handfunktion durch praktische Übungen und Alltagsaufgaben verbessert wird. Therapeutische Aktivitäten umfassen beispielsweise das Greifen von Gegenständen, das Schreiben oder das Zubereiten von Mahlzeiten. Hilfsmittel wie Igelbälle können dabei unterstützend eingesetzt werden.

Ganzheitlicher Ansatz und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Handtherapie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl physiologische als auch psychologische Aspekte berücksichtigt. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeuten und Ergotherapeuten ist dabei von großer Bedeutung, um eine umfassende Betreuung der Patienten zu gewährleisten.

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Holztherapie: Ein natürlicher Ansatz

Die Holztherapie ist eine alternative Behandlungsmethode, die sich wachsender Beliebtheit erfreut. Obwohl der Begriff "Holztherapie" im Kontext der Neurologie nicht etabliert ist, können Holzwerkzeuge und -materialien in verschiedenen Therapieformen integriert werden, um sensorische Stimulation, taktile Wahrnehmung und motorische Fähigkeiten zu fördern.

Sensorische Stimulation

Holz hat eine natürliche Textur und Temperatur, die eine angenehme sensorische Stimulation bieten kann. Dies kann besonders für Menschen mit sensorischen Verarbeitungsproblemen oder neurologischen Erkrankungen wie Autismus oder sensorischer Integrationsstörung von Vorteil sein.

Taktile Wahrnehmung

Die Verwendung von Holzwerkzeugen in der Therapie kann die taktile Wahrnehmung verbessern. Durch das Ertasten und Bearbeiten von Holz können Patienten ihre Fähigkeit verbessern, verschiedene Formen, Texturen und Größen zu unterscheiden.

Motorische Fähigkeiten

Holzbearbeitung kann auch die motorischen Fähigkeiten verbessern. Das Sägen, Hobeln, Schleifen und Zusammenfügen von Holz erfordert Präzision, Koordination und Kraft, was dazu beitragen kann, die Fein- und Grobmotorik zu verbessern.

Integration in bestehende Therapieformen

Holztherapie kann als Ergänzung zu bestehenden Therapieformen wie Ergotherapie, Physiotherapie oder Kunsttherapie eingesetzt werden. Die Integration von Holzwerkzeugen und -materialien kann die Therapie abwechslungsreicher und motivierender gestalten.

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Spezielle Sessel für neurologische Erkrankungen

Manche neurologische Erkrankungen erfordern den Einsatz von speziellen Sesseln, die den Bedürfnissen der Betroffenen gerecht werden. Diese Sessel bieten zusätzlichen Komfort, Unterstützung und Sicherheit.

Chorea-Huntington-Pflegesessel

Für Menschen mit Chorea Huntington, einer neurologischen Erkrankung, die durch unwillkürliche, ruckartige Bewegungen gekennzeichnet ist, gibt es spezielle Pflegesessel. Diese Sessel verfügen über eine extra starke Polsterung im Sitz-, Armlehnen- und Fußbereich, um Verletzungen vorzubeugen. Sie sind meist mit austauschbaren, schwer entflammbaren, feuchtigkeitsresistenten und abwaschbaren Bezügen ausgestattet. Eine mechanische oder elektrische Verstellung von Sitzposition und Rückenlehne ist möglich. Der Sitzschwerpunkt liegt unter der Kniehöhe, um das Risiko eines Herausfallens zu minimieren. Der Sessel ist außerdem mit einer gepolsterten Beinauflage ausgestattet. Teilweise sind die Sitzmöbel fahrbar.

Bewegungssessel

Bewegungssessel sind mit einer Sitzeinheit ausgestattet, die auf einem Pendel-Mechanismus montiert ist. Der Nutzer kann mit geringem Kraftaufwand sitzend vor und zurück gleiten. Diese Bewegung beruhigt, außerdem werden verschiedene Gelenke bewegt, die Muskelspannung normalisiert sich, eine bessere Durchblutung findet statt und der Gleichgewichtssinn wird angeregt. Der Standfuß des Sessels ist ein großer Drehteller, wodurch die Sitzgelegenheit um 360 Grad schwenkbar ist. Um das Hinsetzen und Aufstehen zu erleichtern, kann eine Arretierung der Schaukelfunktion eingebaut werden. Der Bezugsstoff ist abwaschbar, feuchtigkeitsabweisend und desinfizierbar. Als Zubehör gibt es einen „schwingenden“ Fußhocker.

Finanzierungsmöglichkeiten

Chorea-Huntington-Pflegesessel (Produktgruppe Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege) sind im Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgeführt. Bei Vorliegen einer ärztlichen Verordnung (Privatrezept) können die Kosten für das Hilfsmittel von der Privaten Krankenkasse (PKV) erstattet werden, wenn dies im Versicherungsvertrag vereinbart wurde.

Weitere Hilfsmittel für mehr Mobilität und Selbstständigkeit

Neben Handtherapie und speziellen Sesseln gibt es eine Vielzahl weiterer Hilfsmittel, die Menschen mit neurologischen Erkrankungen dabei unterstützen können, ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen.

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Rollatoren

Rollatoren sind Gehhilfen, die Stabilität und Sicherheit beim Gehen bieten. Sie sind besonders nützlich für Menschen mit Gleichgewichtsproblemen oder eingeschränkter Mobilität. Es gibt verschiedene Arten von Rollatoren, darunter Standardrollatoren, Leichtgewichtrollatoren und Outdoor-Rollatoren. Die Auswahl des richtigen Rollators hängt von den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen des Nutzers ab.

Aktivrollstühle

Aktivrollstühle sind speziell für aktive Nutzer konzipiert, die trotz ihrer körperlichen Einschränkungen ein hohes Maß an Mobilität und Unabhängigkeit erhalten möchten. Sie sind leicht, wendig und lassen sich individuell an die Bedürfnisse des Nutzers anpassen.

Multifunktionsrollstühle

Multifunktionsrollstühle bieten eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten und Funktionen, die den Komfort und die Unterstützung des Nutzers erhöhen. Sie eignen sich besonders für Menschen mit komplexen neurologischen Erkrankungen, die eine individuelle Anpassung des Rollstuhls benötigen.

Sitz- und Positionierungssysteme

Individuelle Sitz- und Positionierungssysteme fördern den Erhalt der Muskulatur sowie die Durchblutung und Verdauung. Sie beugen Fehlhaltungen vor und schonen die Wirbelsäule.

Aufsteh- und Umsetzhilfen

Aufsteh- und Umsetzhilfen erleichtern den Transfer zwischen sitzenden Positionen. Sie ermöglichen es dem Pflegepersonal, rückenschonend zu arbeiten, während der Betroffene aktiviert wird und unter Nutzung seiner Restkraft in eine stehende Position gelangen kann.

3D-Sitzkissen

3D-gedruckte Sitzkissen werden individuell an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst. Sie bieten optimalen Komfort und Druckentlastung.

Elektrorollstühle

Elektrorollstühle ermöglichen es Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen, sich selbstständig fortzubewegen. Es gibt verschiedene Arten von Elektrorollstühlen, darunter Standard-Elektrorollstühle, Elektrorollstühle mit Stehfunktion und Elektrorollstühle für den Innen- und Außenbereich.

PartnerProjektGolf (PPG): Golf als Therapie für Schlaganfallpatienten

Das PartnerProjektGolf (PPG) bietet in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe plötzlich Behinderten und ihren nicht-behinderten Partnern die Möglichkeit, mit behinderten-gerechten Geräten und geschulten Trainern gemeinsam den Golfsport zu erlernen. Der Golfsport ist eine ideale Ergänzung der Rehabilitation, da er viele Funktionen beansprucht, die nach einem Schlaganfall beeinträchtigt sind. So wird beim Schlagen mit „Eisen“ und „Holz“ durch die erforderlichen Belastungswechsel von rechts nach links die behinderte Körperseite optimal trainiert und die Koordinationsfähigkeit verbessert. Studien haben gezeigt, dass Golf die Standsicherheit, die Koordinationsfähigkeit und die Zielsicherheit beim Platzieren des Balles verbessert. Außerdem verbessert sich die subjektive Lebensqualität und Alltagsbeeinträchtigung.

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