CBD-Öl bei Migräne: Wirkung, Anwendung und aktuelle Forschungslage

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der weltweit fast jeder zehnte Mensch betroffen ist. Sie äußert sich in wiederkehrenden, heftigen Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Ursachen für Migräne sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Viele Betroffene suchen daher nach alternativen oder ergänzenden Behandlungsmöglichkeiten, um ihre Beschwerden zu lindern. In den letzten Jahren hat sich CBD-Öl (Cannabidiol) als potenzielles Mittel zur Linderung von Migräne-Symptomen einen Namen gemacht. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von CBD-Öl bei Migräne, die aktuelle Forschungslage, Anwendungshinweise und mögliche Nebenwirkungen.

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallartige, meist halbseitige und pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Häufig treten zusätzliche Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Erschöpfung auf. Es gibt verschiedene Formen, darunter Migräne mit oder ohne Aura sowie episodische (unter 15 Kopfschmerztage/Monat) und chronische Migräne (15 oder mehr Kopfschmerztage/Monat).

Die Anfälle entstehen aus einer komplexen Wechselwirkung von genetischer Veranlagung, Nervenzellübererregbarkeit und Triggern aus dem Alltag. Eine Aktivierung entzündlicher Signalwege kann die Attacke antreiben. Bewährte Akuttherapien sind u. a. NSAR (z. B. Ibuprofen, Naproxen) und Triptane; prophylaktisch kommen Betablocker, Topiramat, Amitriptylin sowie moderne CGRP-Antikörper oder Gepants in Frage. Verhaltens- und Lebensstilmaßnahmen (Schlafhygiene, regelmäßige Mahlzeiten, Ausdauersport, Stressmanagement) sind essenziell.

Das Endocannabinoid-System und CBD

CBD interagiert mit dem Endocannabinoid-System (ECS) des Körpers, das eine Schlüsselrolle bei der Regulierung von Schmerzen, Entzündungen, Stimmung, Schlaf und Stressempfinden spielt. Das ECS ist Teil unseres Nervensystems und besteht aus Cannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2) und körpereigenen Cannabinoiden, den sogenannten Endocannabinoiden.

CBD beeinflusst unter anderem den 5-HT1A-Serotoninrezeptor, der an der Schmerzwahrnehmung beteiligt ist. Es wird vermutet, dass die Ausschüttung dieser Stoffe und die damit erhöhte Aktivität der Cannabinoid-Rezeptoren (auf die auch CBD wirkt), eine Reaktion des Körpers ist, um Schmerzen zu lindern. CBD wirkt schmerzstillend, entkrampfend, angstlösend, antipsychotisch und generell beruhigend. Darüber hinaus wird dem Cannabidiol nachgesagt, entzündungshemmend, antibakteriell und antikanzerogen zu sein sowie bei Übelkeit zu helfen.

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Wie kann CBD bei Migräne helfen?

Obwohl die Forschung zur Wirkung von CBD bei Migräne noch begrenzt ist, gibt es einige vielversprechende Hinweise:

  • Schmerzlinderung: CBD kann helfen, Schmerzen zu lindern, indem es auf das Endocannabinoid-System wirkt und die Schmerzwahrnehmung beeinflusst.
  • Entzündungshemmung: Entzündungen im Gehirn können Migräne verstärken. CBD hat entzündungshemmende Eigenschaften und kann dazu beitragen, diese Entzündungen zu reduzieren.
  • Stressreduktion: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräne. CBD kann beruhigend wirken und Stress reduzieren, wodurch Migräneanfälle möglicherweise verhindert werden können.
  • Verbesserung des Schlafs: Schlafstörungen können Migräneanfälle begünstigen. CBD kann helfen, den Schlaf zu verbessern und somit die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.

Aktuelle Forschungslage

Die Auswahl an veröffentlichten Studien zur Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen mit CBD ist nach wie vor sehr begrenzt. Derzeit gibt es keine öffentliche Studie, die den von THC isolierten Gebrauch von CBD bei Migräne untersucht. Viele Studien beschäftigen sich mit der Wirksamkeit von Cannabisextrakten (mit THC) auf Schmerzen, die Frequenz von Migräneanfällen und die allgemeine Lebensqualität und konnten relativ gut belegen, dass Cannabis gegen Migräne hilft. Trotzdem bevorzugen viele Patienten CBD, weil es eben nicht psychoaktiv wirkt, also nicht berauscht oder die Wahrnehmung verändert (d.h. kein "High"-Gefühl auslöst).

Eine Studie aus dem Jahr 2017, die auf dem 3. Kongress der europäischen Akademie für Neurologie (EAN) in Amsterdam präsentiert wurde, untersuchte die Wirkung eines Kombipräparats aus CBD und THC bei chronischen Migränepatienten. Die Intensität der akuten Schmerzen konnte dadurch um 55 % gelindert werden. In einem zweiten Teil der Studie wurde das gleiche Präparat zur Migräne-Prophylaxe verabreicht. Die Kontrollgruppe erhielt Amitryptylin, ein Medikament, das sich bereits zur Prophylaxe gegen Migräne bewährt hat und eingesetzt wird. Tatsächlich konnte das Kombipräparat aus CBD und THC eine vergleichbare Verbesserung bewirken, wie Amitryptylin (40.4 % vs. 40. 1%).

Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 liefert vorsichtig optimistische Ergebnisse. Sie zeigt, dass CBD zumindest theoretisch gut helfen könnte. Viele Patienten erleben den Autoren zufolge subjektiv positive Wirkungen auf ihre Migräne. Die Forscher sehen deshalb ein großes Potenzial in CBD.

Anwendung von CBD-Öl bei Migräne

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, CBD zu konsumieren. Neben dem klassischen CBD-Öl gibt es diverse andere Produkte, wie zum Beispiel Kapseln, Salben, Pastillen, Kaugummis und ähnliches. Viele Menschen mit Migräne greifen aber meist doch zu CBD in Öl-Form, da sich die Konzentration besser wählen lässt und die Dosis einfacher angepasst werden kann. Natürliche Vollextrakte, im Idealfall in Bio-Qualität mit einer CBD-Konzentration von 8%, 10% und 13%. haben sich in Bezug auf Migräne bewährt.

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Da die Wirkung von CBD eine sehr individuelle ist, ist der Weg zur eigenen Wohlfühldosis am besten nach dem Motto „Weniger ist mehr“ zu erreichen. Empfehlenswert ist es deshalb, zum Beispiel mit 2×3 Tropfen zu starten und die Dosis dann langsam steigern, bis die individuelle Wohlfühldosis erreicht ist. So gibt man dem Körper die Chance, sich an CBD zu gewöhnen und bestmöglich darauf zu reagieren.

Wie schnell man die Wirkung von CBD bemerkt, hängt ganz von der Art der Aufnahme und auch Art und Qualität der Produkte ab. Wenn man CBD in Form von Öl einnimmt, darf man nach circa zwei bis zwanzig Minuten mit einer Wirkung rechnen. Etwas länger dauert es, wenn CBD über die Haut aufgenommen wird, etwa in Form von einer Salbe oder Tinktur. Hier kann es bis zu einer Stunde oder auch länger dauern, bis die gewünschte Wirkung eintritt.

Erfahrungsberichte von Anwendern

In verschiedenen Foren lässt sich nachlesen, wie Migränepatienten sehr positive Erfahrungen mit dem natürlichen Wirkstoff aus der Hanfpflanze machen konnten. Die Intensität und Anzahl der Migräneattacken, Spannungskopfschmerzen und ähnlichem konnte mit Hilfe von CBD stark reduziert werden. Betroffene berichten, dass sich CBD Öl beruhigend auf den ganzen Körper auswirkt und die negativen Begleiterscheinungen von Migräne zum positiven beeinflusst. In den meisten Erfahrungsberichten liest man zudem, dass das CBD auch gerne regelmäßig prophylaktisch eingenommen wird und so in der Lage ist, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle langfristig einzudämmen.

Viele Patienten geben an, dass CBD Öl ihnen dabei hilft, besser ein- und durchzuschlafen. Dadurch ist man natürlich insgesamt ausgeglichener und stressresistenter. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Migräne- und Kopfschmerzattacken aus, da Stress bei vielen Betroffenen sehr weit oben auf der Liste der sogenannten Träger für ihre Migräne steht.

Dosierung und Einnahme

Es gibt keine allgemein gültige Dosierungsempfehlung für CBD Öl. Jeder Mensch reagiert sehr individuell auf den Wirkstoff. Deshalb muss auch jeder seine eigenen Erfahrungen damit machen und ausprobieren, was für einen selbst die ideale Dosis ist. Wichtig ist allerdings, dass man sich langsam „hocharbeitet“. Eine zu hohe Dosis am Anfang kann unter Umständen zu jenen beschriebenen Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Benommenheit führen.

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  • Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis: Starten Sie mit einer niedrigen Dosis (z. B. 2x3 Tropfen eines 5%igen CBD-Öls) und steigern Sie diese langsam, bis Sie die gewünschte Wirkung erzielen.
  • Beachten Sie den Zeitpunkt der Einnahme: Einige Anwender berichten von einem Nutzen bei regelmäßiger Einnahme (Prävention), andere bevorzugen die Einnahme zu Beginn einer Attacke (akut).
  • Nehmen Sie das Öl unter der Zunge ein: Träufeln Sie die gewünschte Anzahl Tropfen unter die Zunge und lassen Sie das Öl dort für einige Minuten, damit es von der Schleimhaut aufgenommen werden kann.
  • Achten Sie auf den Geschmack: Der Geschmack von CBD-Öl kann gewöhnungsbedürftig sein. Höher konzentrierte Öle schmecken oft intensiver als niedriger dosierte.
  • Nehmen Sie das Öl auf nüchternen Magen ein: Am besten nimmt man das Öl auf nüchternen Magen oder in 10 bis 15 Minuten Abstand zu Mahlzeiten und Getränken ein.

Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

CBD ist das am zweitbesten erforschte Cannabinoid der Hanfpflanze, daher wissen wir, dass die Nebenwirkungen von CBD-Produkten extrem gering sind. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, niedriger Blutdruck, ein trockener Mund oder Veränderungen des Appetits unter Umständen vorkommen können.

Um auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen, sollte man die Einnahme von CBD unbedingt vorher mit einem qualifizierten Arzt absprechen! CBD könnte beispielsweise mit manchen Blutverdünnern, Antidepressiva oder Antibiotika wechselwirken.

  • Mögliche Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, niedriger Blutdruck, trockener Mund, Veränderungen des Appetits, Magen-Darm-Beschwerden.
  • Wechselwirkungen: CBD kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren, die über Leberenzyme abgebaut werden. Dazu zählen manche Blutverdünner, Antidepressiva oder auch einige Migräneprophylaxe-Medikamente.

Fazit

CBD-Öl ist für viele Betroffene von Migräne ein essenzieller Bestandteil bei der Therapie. Im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten ist es nahezu nebenwirkungslos. Es gibt viele verschiedene Produkte, die CBD enthalten. Bei Migräne zu empfehlen ist allerdings das CBD-Öl. Unabhängig von der Therapieform kann es hilfreich für den Erfolg sein, ein Migräne-Tagebuch zu führen, um den Überblick über Auftreten zu haben, mögliche Auslöser besser zu identifizieren und festzustellen, sowie ob und wie die gewählten Behandlungsmethoden anschlagen. Trotzdem sollte man immer daran denken, dass der Körper keine Maschine ist. Es kann trotz Therapie mit Medikamenten und CBD zu einer Migräneattacke kommen - dies kann ganz verschiedene Gründe haben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass CBD in Tiermodellen konsistente, migränebezogene Effekte und erste, indirekte Signale beim Menschen (z. B. über Schlaf und Muskelspannung) zeigt. Für klare Empfehlungen zur Migränebehandlung fehlen jedoch hochwertige klinische Daten. CBD beeinflusst das Endocannabinoidsystem und weitere Rezeptoren wie TRPV1 und 5‑HT1A, die bei Schmerz, Entzündung und Stressreaktionen eine Rolle spielen. Es wird empfohlen, nach dem Prinzip 'Start low, go slow' vorzugehen - also mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese langsam zu steigern. Oral eingenommenes CBD (Öl oder Kapseln) eignet sich für systemische Wirkungen, topische Formen können bei muskulärer Anspannung im Nacken-/Kieferbereich helfen.

Wichtiger Hinweis

Die Inhalte dienen der allgemeinen Aufklärung zu Cannabidiol und Migräne und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Wenden Sie sich bei anhaltenden oder schweren Beschwerden sowie vor Änderungen Ihrer Behandlung an medizinisches Fachpersonal. CBD ersetzt keine evidenzbasierte Migränebehandlung. Es kann allenfalls ergänzend zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden.

Medizinisches Cannabis als Alternative?

Seit 2017 ist es Ärzten in Deutschland erlaubt, medizinisches Marihuana oder Cannabis zu verschreiben. Die Indikationen für die Anwendung sind nicht explizit formuliert, allerdings geht die Fachliteratur von einem sehr breiten therapeutischen Spektrum aus. Da zu den etablierten Indikationen chronische Schmerzen zählen, ist das Interesse von Migräne-Patienten naheliegend.

Studien haben gezeigt, dass Migräne-Patienten durch die Einnahme von Präparaten mit THC und CBD an weniger Tagen pro Monat Migräne-Attacken hatten. Außerdem ließen sich dadurch Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit verringern beziehungsweise lindern. Insgesamt ist die Datenlage aber bislang nicht ausreichend, um endgültige Empfehlungen zu Therapieoptionen und Dosierungen für die Behandlung mit Cannabis gegen Migräne zu machen.

Medizinisches Cannabis lässt sich inhalieren (rauchen, verdampfen) oder oral einnehmen (Tropfen, Kapseln, Öl, Spray). Wenn die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung mit medizinischem Cannabis, etwa gegen Migräne, übernehmen soll, ist eine Genehmigung erforderlich. Die Ablehnung ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich.

Natürliche Alternativen und ergänzende Maßnahmen

Neben CBD-Öl und medizinischem Cannabis gibt es noch weitere natürliche Alternativen und ergänzende Maßnahmen, die bei Migräne helfen können:

  • Kräuter und Tees: Pfefferminzöl, Lavendelblütentee, Ingwer
  • Mikronährstoffe: Magnesium, Vitamin B2, Coenzym Q10, Vitamin B6, B12 und Folsäure
  • Entspannungstechniken: Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung
  • Lebensstiländerungen: Schlafhygiene, regelmäßige Mahlzeiten, Ausdauersport, Stressmanagement

Ein Migräne-Tagebuch führen

Unabhängig von der gewählten Therapieform kann es hilfreich für den Erfolg sein, ein Migräne-Tagebuch zu führen, um den Überblick über das Auftreten von Anfällen zu behalten, mögliche Auslöser besser zu identifizieren und festzustellen, ob und wie die gewählten Behandlungsmethoden anschlagen.

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