Naproxen ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel, das für seine schmerzstillenden, entzündungshemmenden und fiebersenkenden Eigenschaften bekannt ist. Es gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), ähnlich wie Ibuprofen und Diclofenac. Während Naproxen häufig zur Behandlung von verschiedenen Arten von Schmerzen eingesetzt wird, stellt sich die Frage, ob es auch bei Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen) wirksam ist. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Naproxen bei Nervenschmerzen, seine Wirkungsweise, mögliche Nebenwirkungen und Alternativen.
Was ist Naproxen und wie wirkt es?
Naproxen ist ein Wirkstoff, der zur Gruppe der NSAR gehört. NSAR hemmen die Produktion von Prostaglandinen, Botenstoffen im Körper, die an der Entstehung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber beteiligt sind. Konkret hemmt Naproxen das Enzym Cyclooxygenase (COX), das für die Prostaglandinsynthese verantwortlich ist. Durch die Hemmung der Prostaglandinbildung werden die Nervenenden der Schmerzfasern im Gewebe weniger empfindlich, wodurch Schmerzsignale reduziert werden.
Naproxen ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten (in Dosen von 220 mg, 250 mg, 500 mg, 750 mg) und Injektionen. Niedrig dosierte Naproxen-Tabletten sind rezeptfrei erhältlich, während höhere Dosierungen verschreibungspflichtig sind.
Anwendungsgebiete von Naproxen
Naproxen wird hauptsächlich zur Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen eingesetzt, insbesondere bei:
- Chronisch entzündlichen Erkrankungen der Gelenke (Arthritis)
- Gelenkverschleiß (Arthrose)
- Gichtanfall
- Schmerzhaften Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen
- Regelschmerzen
Aufgrund seiner lang anhaltenden Wirkung von bis zu zwölf Stunden wird Naproxen oft bei länger anhaltenden Schmerzen bevorzugt.
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Naproxen bei Nervenschmerzen: Wirksamkeit und Grenzen
Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch eine Schädigung des Nervensystems selbst. Im Gegensatz zu Schmerzen, die durch Gewebeschädigung verursacht werden, sprechen Nervenschmerzen oft nicht gut auf herkömmliche Schmerzmittel wie NSAR an.
Professor Dr. Heike Rittner, Präsidentin des Deutschen Schmerzkongresses, betont, dass Entzündungen viele Ursachen haben können und bei Infektionen oder rheumatischen Erkrankungen eine vorrangige Behandlung der Ursache erforderlich ist. Da Naproxen hauptsächlich entzündungshemmend wirkt, ist seine Wirksamkeit bei Nervenschmerzen, die nicht durch Entzündungen verursacht werden, begrenzt.
Studien haben gezeigt, dass NSAR und Coxibe bei Nervenschmerzen nicht gut ansprechen. Daher werden zur Behandlung von Nervenschmerzen häufig andere Medikamente eingesetzt, die gezielt in die Funktion der Nervenzellen eingreifen.
Alternative Behandlungen für Nervenschmerzen
Da Naproxen bei Nervenschmerzen oft nicht ausreichend wirksam ist, werden in der Regel andere Medikamente und Therapien eingesetzt, darunter:
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin, die ursprünglich zur Behandlung von epileptischen Anfällen entwickelt wurden, können bei Nervenschmerzen sehr wirksam sein. Sie beruhigen die Nervenzellen und beeinflussen die Aktivität der schmerzleitenden Nervenbahnen.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin und Duloxetin können ebenfalls zur Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen eingesetzt werden. Sie hemmen die Schmerzweiterleitung im Rückenmark und normalisieren Störungen der Nervenfunktion.
- Opioide: In schweren Fällen von Nervenschmerzen können Opioide wie Tramadol und Morphin eingesetzt werden, da sie sowohl bei Gewebeschmerzen als auch bei Nervenschmerzen wirken.
- Lokale Behandlungen: Lidocain-Pflaster oder Capsaicin-Cremes können lokal auf die Haut aufgetragen werden, um die Schmerzentstehung oder -weiterleitung zu verhindern. Capsaicin, der Wirkstoff aus der Chilischote, kann dazu führen, dass sich geschädigte Nervenfasern aus der betroffenen Haut zurückziehen und die Nervenschmerzen für einige Monate verschwinden.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS-Therapie werden Schmerzen mit elektrischen Impulsen behandelt, die über Elektroden auf der Haut abgegeben werden.
- Operative Verfahren: In hartnäckigen Fällen von Nervenschmerzen können Nervenstimulatoren implantiert werden, die sanfte Impulse an die Nerven abgeben und so die Schmerzwahrnehmung reduzieren.
Mögliche Nebenwirkungen von Naproxen
Wie alle Medikamente kann auch Naproxen Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
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- Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Durchfall, Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüre
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Seh- und Hörstörungen (Ohrensausen)
- Hautausschlag
Bei längerer Einnahme oder hoher Dosierung können schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten, wie z.B.:
- Schädigung von Nieren, Magen, Darm oder Leber
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall
- Blutungen im Magen-Darm-Trakt
- Schwere Hautreaktionen
Um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren, sollte Naproxen immer in der niedrigstmöglichen Dosis und so kurz wie möglich eingenommen werden. Bei längerer Einnahme ist die zusätzliche Einnahme eines Säureblockers (Protonenpumpenhemmer) ratsam, um den Magen zu schützen.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Naproxen
- Naproxen sollte nicht eingenommen werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Magen-Darm-Blutungen in der Vergangenheit, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, schwerer Herzschwäche oder Störungen der Blutgerinnung.
- Bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente, insbesondere blutverdünnender Mittel, sollte ein Arzt konsultiert werden, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.
- In den ersten beiden Schwangerschaftstrimestern sollte Naproxen nur bei zwingender Notwendigkeit eingenommen werden. Im letzten Schwangerschaftsdrittel ist Naproxen kontraindiziert, da es dem Fötus schaden kann.
- Während der Anwendung von Naproxen sollte möglichst kein Alkohol getrunken werden.
- Bei älteren Patienten treten häufiger Nebenwirkungen nach Anwendung von NSAR auf, insbesondere Blutungen und Durchbrüche im Magen- und Darmbereich.
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