OPC und Epilepsie: Eine umfassende Betrachtung

OPC (Oligomere Proanthocyanidine) werden seit ihrer Entdeckung als vielversprechende Stoffe zur Prävention verschiedener Erkrankungen, einschließlich Krebs und Arteriosklerose, gehandelt. Sie werden auch als Nahrungsergänzungsmittel für Hunde angeboten. Doch wie sieht die Wirkung von OPC bei Epilepsie aus, und welche Aspekte sind im Zusammenhang mit dieser neurologischen Erkrankung zu beachten?

Was sind OPC?

OPC sind natürliche Pflanzenstoffe, die zur Gruppe der Polyphenole gehören. Für die OPC-produzierenden Pflanzen ist es die biochemische Kampfansage gegen schädigende Wirkung von UV-Strahlung, gegen Fressfeinde und Krankheiten. Sie wirken als Antioxidantien und können freie Sauerstoffradikale (ROS) im Körper neutralisieren. ROS entstehen durch unkontrollierte chemische Reaktionen, insbesondere bei Gewebeschädigungen durch physiologische Prozesse wie Zellstoffwechsel und Entzündungen, aber vermehrt auch durch thermische Schäden (z.B. Sonnenbrand, Erfrierungen), Strahlungsschäden (UV- und Röntgenstrahlen beispielsweise) oder chemische Schadstoffe (Tabakrauch und Umweltgifte gehören dazu). Man findet sie überall, wenn auch in unterschiedlicher Konzentration.

Die Rolle von Antioxidantien und oxidativem Stress bei Epilepsie

Bei Epilepsiepatienten bestehen also eine erhöhte Bildung von ROS und eine ausgeprägte antioxidative Imbalance. Oxidativer Stress kann mit einer ganzen Reihe von gesundheitlichen Störungen in Verbindung gebracht werden, z.B. Das Gehirn ist wegen seines hohen Sauerstoffbedarfs besonders anfällig für oxidativen Stress. Die Epilepisien sind durch eine neuronale Übererregbarkeit charakterisiert, was einen vermehrten Energieverbrauch der Nervenzellen bewirkt. Dies führt zu einem erhöhten oxidativen Stress als Folge der Erkrankung. Epilepsie kann aber auch das Resultat von oxidativem Stress sein, z.B.

Die Natur hat gegen die schädigende Wirkung der ROS eine ganze Armada von Stoffen entwickelt, besagte Antioxidantien, zu denen nicht nur die genannten Stoffe gehören, sondern auch Enzyme wie Q-10 oder Spurenelemente (Selen). Antioxidantien wie Vitamin C, E oder Beta-Carotin machen genau den Effekt zunichte, den man mit Chemo- oder Strahlentherapie erreichen möchte. Um das Risiko einer unerwünschten Abschwächung oder Verstärkung der Krebstherapie zu vermeiden, sollten Sie jegliche Nahrungsergänzung mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen.

OPC als mögliche Unterstützung bei Epilepsie

Im tierischen Organismus, also auch beim Menschen, entfalten OPC eine sehr große therapeutische Bandbreite. Das prädestiniert OPC für die begleitende (adjuvante) Behandlung von Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Gelenkserkrankungen, Thromboseneigung, Schmerzen, Entzündungen, Allergien, Immunschwäche, Krebserkrankungen. Sie haben außerdem eine sehr hohe Bioverfügbarkeit, d.h. können gut vom Körper aufgenommen werden.

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Es sind hauptsächlich diese sekundären Pflanzenstoffe mit ihren vielen Inhaltsstoffen, vor allem den Flavonoiden, die reichlich im OPC-Traubenkernextrakt enthalten sind. Weiter ist Traubenkernextrakt auch reich an Vitamin E, Linolsäure und Resveratrol (hemmt Entzündungen, Schutz gegen UV). Den enthaltenen Antioxidantien, darunter Phenolsäuren, Anthocyane, Flavonoide, oligomere Proanthocyanidine (OPCs) wird schon seit langem ein antioxidativer Effekt auf den Körper nachgesagt. Eine Expertengruppe (der Mount Sinai School of Medicine in New York) fand heraus, dass Polyphenole im Traubenkernextrakt die Plaquebildung (die Vorstufe für Alzheimer) verhindern oder hinauszögern könnten. Damit auch die damit einhergehenden Gedächtnisausfälle. Neben der antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung wurde auch eine Wachstumshemmung von Dickdarmkrebszellen beobachtet. Dies war aber von der Dosis abhängig. Die Experten vermuten, dass OPC chemische Reaktionen auslöst, die die positiven Wirkungen von Vitamin A, C und E verstärken. Es sind viele Experten, die diese bemerkenswerte Wechselwirkung unterstreichen. Mit OPC als natürlichem Verstärker reicht bereits ein kleinerer Anteil des empfohlenen Vitamin C aus, um effektiv zu sein.

Mikronährstoffmängel bei Epilepsie und die Bedeutung von Vitaminen

Bei Epilepsiepatienten ist ein Mangel an Mikronährstoffen sehr häufig. Epilepsiemedikamente sind ein Mikronährstoff-Räuber - klassisches Beispiel Vitamin D. Ein Mangel an Mikronährstoffen kann wiederum die Entstehung von Epilepsieanfällen fördern.

Vitamin D3 hat neben zahlreichen anderen Funktionen auch eine wichtige Bedeutung im Hirnstoffwechsel. Es fungiert im Gehirn als Neurosteroid, das über Vitamin-D-Rezeptoren verschiedene Hirnfunktionen beeinflusst. Gerade in den letzten Jahren wurden sehr viele Studien publiziert, die sich mit dem Thema Vitamin D3 und Epilepsie beschäftigen. Bereits vor Beginn einer epileptischen Behandlung sind die Vitamin-D3-Spiegel bei den Patienten niedriger als bei gesunden Kontrollpersonen. Durch die Einnahme von anfallssuppressiven Medikamenten (ASMs) können erhebliche Vitamin-D3-Defizite auftreten, wobei die Abnahme des 25-(OH)-D3-Spiegels mit der Zeitdauer der Medikation korreliert. Eine verminderte Knochendichte ist eine häufige Nebenwirkung der antiepileptischen Therapie. Hierfür spielt sicherlich die Verminderung des Vitamin-D3-Spiegels eine entscheidende Rolle. Chinesische Wissenschaftler publizierten 2024, dass verminderte Konzentrationen von Vitamin D mit kognitiven Störungen bei Epilepsie-Patienten assoziiert waren. Laut einer indonesischen Studie hatten Kinder mit Epilepsie bei der Einnahme von einem oder mehreren Epilepsiemedikamenten niedrigere 25 (OH)D Spiegel als altersgemäß erwartet. Am niedrigsten waren die Vitamin-D-Spiegel bei der Einnahme mehrerer ASMs. Forscher aus China fanden bei Kindern mit Epilepsie auch eine Assoziation zwischen verminderten Vitamin-D-Spiegeln und einer Störung der exekutiven Funktionen.

ASMs können verschiedene Mängel im Bereich der B-Vitamine auslösen. Chinesische Wissenschaftler untersuchten die Assoziation zwischen der Nährstoffaufnahme und dem Epilepsie-Risiko bei Teilnehmern von NHANES 2013 - 2014. Eine höhere Aufnahme von Vitamin B1 war mit einem niedrigeren Epilepsierisiko assoziiert. Im Vergleich zu der Normalbevölkerung zeigten Epilepsiepatienten unter anderem auch eine niedrigere Aufnahme von Vitamin B1 und B6. Über die Hälfte der mit ASMs behandelten Patienten zeigten Störungen in der Folsäureversorgung. Allerdings ist zu beachten, dass eine hoch dosierte Folsäuresupplementierung (über ein Milligramm pro Tag) z.B.

Viele Patienten mit Epilepsie haben auch einen Vitamin-B6-Mangel. Es gibt auch eine seltene Stoffwechselerkrankung, die durch epileptische Anfälle bei neugeborenen Kindern in Erscheinung tritt, die so genannte pyridoxiabhängige Epilepsie. Das häufig verwendete Epilepsie-Medikament Levetiracetam macht häufig neuropsychiatrische Symptome, die durch die Einnahme von Vitamin B6 gebessert werden können.

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Wissenschaftler aus Polen beschäftigten sich in einem Fachartikel mit der Frage, inwieweit Vitamin C bei der antiepileptischen Therapie eine Rolle spielen könnte. Vitamin C ist ein neuroprotektiver Faktor, der Zellmembranen stabilisiert und die Lipidperoxidation vermindern kann. Für die Autoren des Fachartikels ist Vitamin E aufgrund seiner antioxidativen, antientzündlichen und neuroprotektiven Eigenschaften ein nützlicher therapeutischer Ansatz zur Behandlung der Epilepsie.

Weitere wichtige Mikronährstoffe bei Epilepsie

Bei langer Therapie mit ASMs kann auch ein Biotinmangel auftreten, weil verschiedene ASMs den Biotinabbau beschleunigen können.

Ein schwerer Magnesiummangel kann Krampfanfälle auslösen.

Zink ist für die Funktionsfähigkeit verschiedener Neurotransmittersysteme erforderlich. Bei Kindern mit Fieberkrämpfen wurden Zinkmängel nachgewiesen. Chinesische Wissenschaftler beschäftigten sich 2023 in einem Fachartikel mit der Korrelation der Spurenelemente und Epilepsie. Sowohl niedrige wie auch hohe Zink-Konzentrationen im Gehirn können das Epilepsierisiko erhöhen. Zink hat dann einen antiepileptischen Effekt, wenn die Zink-Homöostase aufrechterhalten wird.

Selen ist ein wichtiges antioxidatives Spurenelement und generell von großer Bedeutung für den antioxidativen Schutz des Gehirns.

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Taurin ist eine Aminosäure, die im ZNS als Neuromodulator an Glycin- und GABA-Rezeptoren fungiert. In mehreren älteren Studien wurde eine Begleittherapie bei Epilepsie erprobt.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen von OPC

Wie bei so vielen Wunderwaffen gegen pathologische Prozesse gibt es auch bei den Antioxidantien ein Aber. In einer 1994 veröffentlichten Studie stieg die Sterblichkeit bei einer begleitenden Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs mit hochdosierten Antioxidantien (in diesem Fall waren es die Vitamine E und A) völlig unerwartet an, was 2008 noch einmal bestätigt wurde. Wer also ungezügelt auf die freien Radikalen als vermeintlich ausschließlich böse Bösewichte eindrischt, besonders wirksam mit OPC, verursacht damit möglicherweise neue Probleme.

In der Hundeernährung kommt die Weintrauben-Unverträglichkeit hinzu, die vereinzelt auch schon bei Katzen beobachtet wurde. Zwar reagieren längst nicht alle Hunde nach Genuss von Trauben mit den typischen Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Apathie, Kolik, Austrocknung, vermindertem oder fehlendem Harnabsatz oder gar tödlichem Nierenversagen. Was die Symptome bei vielen Hunden auslöst, ist bislang ungeklärt. Im Verdacht stehen aber unter anderem auch die in den Weintrauben enthaltenen Tannine genauer: eine Tannin-Intoleranz bei betroffenen Hunden. Tannine sind in Pflanzen enthaltene Bitterstoffe. Und zu ihnen gehören auch die OPC. Darum ist der Einsatz von OPC, das seit den 1970er Jahren aus Traubenkernen gewonnen wird, in der Hundeernährung eine Risikoabwägung, so verlockend, wie sich ihre therapeutischen Einsatzmöglichkeiten auch lesen. Manch einer schwört darauf, es wird sogar als Nahrungsergänzungsmittel für Hunde angeboten und therapeutisch erfolgreich verordnet, aber jeder sollte sich bewusst sein, dass die so gut gemeinte Anwendung der OPC bei Hunden unter Umständen negative Wirkungen haben könnte. Aussagekräftige Untersuchungen zur bedenkenlosen Anwendung von OPC bei Hunden oder gar Katzen gibt es nicht.

OPC gilt als sicher und kann eigentlich nicht überdosiert werden. Tatsächlich gibt es keine festgelegte „sichere“ Dosierung, nur Empfehlungen. Unverträglichkeiten sind da individuell.

Wechselwirkungen und Gegenanzeigen

Es ist wichtig, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten. Die Einnahme von ASMs vermag auch eine Hyperhomocysteinämie auszulösen, so dass sich bei Epilepsiepatienten auf jeden Fall die Kontrolle des Homocysteinspiegels empfiehlt. Homocystein ist ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen und besitzt bekanntlich ein beträchtliches neurotoxisches Potential. Homocystein ist auch an der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen und kognitiver Störungen beteiligt.

Bei der zeitnahen/gleichzeitigen Einnahme von zwei oder mehreren Medikamenten können Arzneimittelwechselwirkungen (sog. "Interaktionen") auftreten. Die Wirkstoffe können sich hinsichtlich ihrer Aufnahme oder ihrer Verteilung im Körper gegenseitig beeinflussen. Interaktionen sind meistens unerwünscht und können zu einem Wirkungsverlust oder einer Überdosierung und damit zu gefährlichen Nebenwirkungen führen. Wechselwirkungen treten nicht nur mit verschreibungspflichtigen und freiverkäuflichen Medikamenten, sondern auch mit Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Getränken (Kaffee, Tee, Alkohol) und pflanzlichen Heilmitteln auf.

Um das Risiko von Wechselwirkungen abschätzen zu können, ist es wichtig, dass Sie das behandelnde ärztliche Personal informieren, wenn Sie neben Arzneimitteln auch Nahrungsergänzungsmittel einnehmen möchten.

Dosierung und Qualität von OPC-Produkten

Wie viel OPC sollte ich am Tag nehmen? Es heisst,1-2 mg pro kg Körpergewicht decken den Bedarf. Studien haben aber gezeigt, dass eine Tagesdosis von 150 - 300 mg OPC Traubenkernextrakt eher wirksam ist. Jedoch sollte man wissen, dass es auch höhere Dosierungen gibt.

Achten Sie auf klare Angabe des Proanthocyanidin-Gehalts (z. B. ≥90%) und vermeiden Sie unklare „Proprietary blends“. Qualitätsunterschiede und teils sogar Verfälschungen wurden in Analysen dokumentiert - ein weiteres Argument für transparente Anbieter mit Prüfzeugnissen.

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