Der Zusammenhang zwischen Hippocampusfunktion und Depression

Depressionen sind komplexe psychische Erkrankungen, die durch eine Vielzahl neurobiologischer Veränderungen im Gehirn gekennzeichnet sind. Zu den am stärksten betroffenen Regionen gehört der Hippocampus, eine Hirnstruktur, die eine entscheidende Rolle für Lernen, Gedächtnis und die Verarbeitung von Emotionen spielt.

Neurobiologie der Depression

Die Neurobiologie der Depression ist vielschichtig und umfasst genetische, anatomische und neurochemische Aspekte. Genetische Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Depressionen, wie Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen. Obwohl spezifische Gene noch nicht eindeutig identifiziert wurden, deuten Kopplungs- und Assoziationsstudien auf Kandidatenregionen auf verschiedenen Chromosomen hin. Genexpressionsstudien weisen auf Gene hin, die mit dem Glutamat-, GABA- und Serotoninsystem in Verbindung stehen.

Neuroanatomische Veränderungen, die bei depressiven Patienten beobachtet werden, betreffen vor allem das limbische System, einschließlich Hippocampus und Amygdala, sowie den präfrontalen Kortex. Diese Veränderungen betreffen sowohl Neuronen als auch Gliazellen. Funktionelle und strukturelle MRT-Studien zeigen bei depressiven Patienten häufig eine überaktive und vergrößerte Amygdala, möglicherweise aufgrund mangelnder Kontrolle durch den präfrontalen Kortex.

Die Katecholaminmangelhypothese postuliert ein Defizit an Serotonin, Noradrenalin und Dopamin als neurobiologisches Korrelat der Depression. Die Zytokinhypothese besagt, dass bestimmte proinflammatorische Zytokine depressiogen wirken können, indem sie die HHN-Achse aktivieren, einen Tryptophanmangel verursachen, die Serotonin-Wiederaufnahme verstärken und apoptotische Prozesse im Gehirn auslösen.

Schlafstörungen, wie Einschlaf-, Durchschlafstörungen und Früherwachen, sind typische Symptome der Depression. Schlaflaboruntersuchungen zeigen einen Verlust des Tiefschlafs und häufiges Aufwachen während der Nacht. Diese Auffälligkeiten in der zirkadianen Rhythmik sind auf eine verminderte Melatoninproduktion und Veränderungen anderer endokriner Systeme, wie der HHN-Achse, zurückzuführen.

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Der Hippocampus und seine Funktion

Der Hippocampus ist eine Schlüsselstruktur im Gehirn, die für die Bildung neuer Erinnerungen und die räumliche Orientierung unerlässlich ist. Er spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen und der Stressregulation. Der Hippocampus ist besonders reich an Glukokortikoidrezeptoren, was ihn anfällig für die Auswirkungen von Stresshormonen wie Cortisol macht.

Hippocampusvolumen und Depression

Volumetrische MRT-Untersuchungen haben eine negative Korrelation zwischen dem Volumen des Hippocampus und der Dauer einer unbehandelten Depression festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass chronischer Stress und erhöhte Cortisolspiegel zu einer Verkleinerung des Hippocampus führen können. Umgekehrt kann eine erfolgreiche Behandlung von Depressionen zu einer Normalisierung des Hippocampusvolumens führen.

Eine Meta-Analyse hat gezeigt, dass Major-Depressionen, insbesondere bei jüngerem Erkrankungsalter oder häufigen Rückfällen, mit einer Verkleinerung des Hippocampus einhergehen. Der Volumenrückgang ist bei Patienten mit rezidivierender Depression stärker ausgeprägt und bei Patienten, die vor dem 21. Lebensjahr erkranken. Dies unterstützt die neurotrophe Hypothese der Depression, die eine gesteigerte Aktivität der HHN-Achse und vermehrte Cortisol-Freisetzung als mögliche Ursachen für den Volumenrückgang sieht.

BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) und der Hippocampus

BDNF ist ein neuronaler Wachstumsfaktor, der eine wichtige Rolle bei der Ausbildung funktioneller Synapsen und der Etablierung von Signalleitungen im Nervensystem spielt. Im ausgereiften Gehirn wird BDNF vor allem im Hippocampus gebildet und ist an Lernen, Langzeitgedächtnis und abstraktem Denken beteiligt.

Studien zeigen, dass die BDNF-Konzentration im Serum mit dem Volumen des Hippocampus korreliert. Akuter Stress kann die BDNF-Expression und -Serumkonzentration steigern, während chronischer Stress zu einem Rückgang der BDNF-Konzentration führt. Niedrige BDNF-Blutspiegel werden bei Patienten mit Depressionen und Schlafstörungen beobachtet.

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Antidepressiva, insbesondere SSRI und SNRI, können zu einem Anstieg des BDNF-Spiegels beitragen, was möglicherweise eine verbesserte Synapsenfunktion und eine veränderte neuroimmunologische Regulation im Hippocampus widerspiegelt. Auch Sport kann den BDNF-Spiegel erhöhen und somit einen stimmungsaufhellenden Effekt haben und vor neurodegenerativen Erkrankungen schützen.

Weitere Hirnregionen und Depression

Neben dem Hippocampus spielen auch andere Hirnregionen eine Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Depressionen. Eine Studie hat gezeigt, dass der Hypothalamus bei Menschen mit Depressionen oder einer bipolaren Störung vergrößert ist. Der Hypothalamus ist eine wichtige Schaltzentrale für die Steuerung von Körperfunktionen wie Schlaf, Appetit und Stressreaktion.

Psychotherapie und Hirnstruktur

Psychotherapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, kann zu messbaren Veränderungen der Hirnstruktur führen. Studien haben gezeigt, dass eine kognitive Verhaltenstherapie bei Patienten mit Depressionen zu einer Zunahme des Volumens grauer Hirnmasse in der linken Amygdala und im vorderen rechten Hippocampus führt. Dies deutet darauf hin, dass Psychotherapie nicht nur die Denkmuster, Emotionen und Verhaltensweisen positiv beeinflusst, sondern auch zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führt.

Kindheitstraumata und Hippocampus

Studien deuten darauf hin, dass Kindheitstraumata das Hippocampuswachstum bremsen können. Eine US-Untersuchung hat gezeigt, dass sich zwischen gesunden und depressiven Personen keine signifikanten Volumenunterschiede im Hippocampus mehr ergaben, wenn psychische Kindheitstraumata berücksichtigt wurden.

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