Eine Hirnblutung, definiert als das Platzen oder Reißen eines Blutgefäßes im Schädel, stellt einen medizinischen Notfall dar, der sofortiges Handeln erfordert. Sie kann zu einem Schlaganfall führen und lebensbedrohliche Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Hirnblutungen bei Babys, um Eltern und Betreuern ein besseres Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.
Arten von Hirnblutungen
Es werden verschiedene Arten von Hirnblutungen unterschieden, je nachdem, wo die Blutung im Schädel auftritt:
- Intrazerebrale Blutung: Eine Einblutung direkt ins Hirngewebe, oft als Hirnmassenblutung bezeichnet. Sie betrifft in der Regel einen größeren Bereich des Gehirns.
- Subarachnoidalblutung: Eine Blutung unterhalb der mittleren Hirnhaut (Arachnoidea), zwischen dieser und der weichen Hirnhaut (Pia mater).
- Epiduralhämatom: Eine Blutansammlung zwischen dem Schädelknochen und der harten Hirnhaut (Dura mater). Tritt oft in Verbindung mit einem Schädelbruch auf.
- Subduralhämatom: Eine Blutansammlung unterhalb der harten Hirnhaut, also zwischen der Dura mater und der mittleren Hirnhaut. Wird ebenfalls oft durch Gewalteinwirkung von außen verursacht.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für Hirnblutungen sind vielfältig. Sie können spontan auftreten oder die Folge einer anderen Erkrankung sein. Häufig sind Hirnblutungen die Folge von Schädel-Hirn-Verletzungen. Zu den Risikofaktoren, die indirekt eine Arteriosklerose (Gefäßerkrankung) begünstigen, gehören:
- Bluthochdruck
- Diabetes
- Übergewicht
- Rauchen
- Konsum von Alkohol oder Drogen
Neben diesen allgemeinen Risikofaktoren gibt es auch individuelle Ursachen für jede Form der Hirnblutung:
- Intrazerebrale Blutung: In den meisten Fällen ist ein chronischer Bluthochdruck die Ursache. Seltenere Ursachen sind Kopfverletzungen, Hirntumore oder Gefäßfehlbildungen wie Aneurysmen.
- Subarachnoidalblutung: Eine Kopfverletzung ist die häufigste Ursache. Spontane Subarachnoidalblutungen werden oft durch Aneurysmen verursacht.
- Epiduralhämatom: Auslöser ist in der Regel ein Schädel-Hirn-Trauma, z. B. durch einen Sturz beim Sport ohne Schutzhelm.
- Subduralhämatom: Eine akute subdurale Blutung wird durch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ausgelöst, z. B. durch einen Autounfall.
Ein besonderes Augenmerk muss auf das kindliche Schädel-Hirn-Trauma (SHT) im Rahmen des sogenannten „Battered-Child-Syndroms“ gelenkt werden. Besonders Kinder in den ersten 3 Lebensjahren sind von diesen schweren, oft kombinierten intrakraniellen Verletzungen mit massiven diffusen Hirngewebsläsionen und Augenhintergrundeinblutungen betroffen.
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Symptome
Die Symptome einer Hirnblutung können je nach Art, Ort und Ausmaß der Blutung variieren. Sie entstehen dadurch, dass das ausgetretene Blut die Hirnhaut reizt oder auf benachbarte Hirnregionen drückt. Typische Symptome sind:
- Plötzlich sehr starke Kopfschmerzen
- Sprach- und Sprechstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Nackensteifigkeit
- Einseitig auftretende Lähmungen am Körper, vor allem am Arm, Bein oder Gesicht
- Generelles Taubheitsgefühl
- Schluckstörung
- Sehstörungen und vorübergehender Sehverlust auf einem Auge
- Pupillenerweiterung
- Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
- Schwindel mit Gangunsicherheit
- Verwirrtheit oder Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit oder Koma
- Krampfanfälle
Bei Babys können die Symptome schwieriger zu erkennen sein, da sie sich oft nicht verbal äußern können. Anzeichen für eine Hirnblutung bei Babys können sein:
- Übermäßiges Schreien
- Reizbarkeit
- Erbrechen
- Apathie
- Schwierigkeiten beim Füttern
- Krampfanfälle
- Bewusstseinsverlust
- Blutungen aus Ohren oder Nase
- Ungleichmäßige Pupillen
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können. Bei Verdacht auf eine Hirnblutung sollte jedoch sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Diagnose
Um eine Hirnblutung schnell zu erkennen und eine exakte Diagnose zu stellen, sollte sofort der Notarzt verständigt werden, sobald jemand die Anzeichen einer Hirnblutung aufzeigt. Je schneller eine Blutung im Hirn behandelt wird, desto besser. Je nach Form der Hirnblutung erhöhen sich dadurch die Überlebenschancen.
Zur Diagnose einer Hirnblutung werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:
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- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Bewusstseinslage und der Funktion verschiedener Nerven.
- Anamnese: Gespräch über die Entstehung der Symptome und mögliche Auslöser wie Stürze, Medikamenteneinnahme oder Drogenkonsum.
- Computertomografie (CT) des Kopfes: Bildliche Darstellung der Blutung im Gehirn. Sie erscheint als „heller Fleck“ auf dem Scan.
- Gefäßröntgen (Angiografie): Röntgendarstellung der Hirngefäße mit Hilfe von Kontrastmitteln. Oft in Kombination mit CT oder MRT.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Kann insbesondere bei der Detektion von axonalen Schäden hilfreich sein, wird aber aufgrund des höheren Aufwands und der längeren Untersuchungsdauer nicht primär eingesetzt.
Behandlung
Was man bei einer Hirnblutung tun kann, hängt von der Größe, Lage und dem Auslöser ab. In der Regel ist eine stationäre Behandlung in der Klinik notwendig, meistens auch auf der Intensivstation. Die Symptome einer Hirnblutung und auch die zusätzlich entstandenen Komplikationen werden nach Bedarf versorgt. Starke Kopfschmerzen, Fieber oder Krampfanfälle werden mit Medikamenten wie Schmerzmitteln, Fiebersenkern und kramlösenden Mitteln behandelt.
Besonders wichtig bei der Behandlung mit konservativen Mitteln ist die Vorbeugung einer Hirnschwellung (Hirnödem). Diese ist oft eine Folge einer starken Hirnblutung und sorgt für einen gefährlichen Druckanstieg im Schädel. Durch den entstandenen Hirndruck können weitere Hirnzellen absterben.
In manchen Fällen, je nach Ausmaß und Lager der Hirnblutung, muss diese operativ versorgt werden:
- Intrazerebrale Blutung: Es wird sorgfältig abgewogen, ob ein operativer Eingriff durchgeführt wird, da dieser das Risiko birgt, Hirngewebe zu verletzen. In der Regel wird zusätzlich ein Katheter oder Shunt gelegt, um Nervenwasser abzuleiten und den Hirndruck zu senken.
- Subarachnoidalblutung: Handelt es sich beim Auslöser um ein Aneurysma, wird dieses operativ abgeklemmt oder durch das sogenannte „Coiling“ mit einer Platinspirale verschlossen. Auch hier muss oft ein Shunt zum Ablassen des Nervenwassers gelegt werden.
- Subduralhämatom: Ein kleines subdurales Hämatom erfordert keinen operativen Eingriff. Größere Blutungen müssen operativ entfernt werden, entweder durch Bohrlöcher in die Schädeldecke oder durch Öffnung der Schädeldecke.
- Epiduralhämatom: Hier sollte die Blutansammlung schnellstmöglichst operativ entfernt werden, vor allem wenn es sich um ein größeres Hämatom handelt. Auch hier werden Löcher in den Schädelknochen gebohrt, um das Blut abzulassen oder die Schädeldecke geöffnet, um das Hämatom zu entfernen und die Blutung zu stoppen.
Folgeschäden und Rehabilitation
Eine Hirnblutung kann einige Folgeschäden oder Langzeitschäden sowohl körperlicher als auch geistiger Natur mit sich bringen. Einige Patientinnen und Patienten schaffen es sich nach einer Hirnblutung relativ schnell vollständig zu erholen, während andere Monate bis Jahre brauchen. Je nach Ausmaß der Hirnblutung gibt es auch Folgeschäden, die nicht durch eine Therapie verbessert werden können. Einige der Folgeschäden einer Hirnblutung sind:
- Bewegungsstörungen
- Sprachstörungen (Aphasie)
- Sprechstörung (Dysarthrie)
- Seh- oder Gedächtnisstörung
Bei der anschließenden Therapie nach einer Hirnblutung werden gemeinsam Strategien entwickelt, um die Folgeschäden bestmöglich zu behandeln oder zu erlernen, wie man am besten mit ihnen im Alltag zurechtkommt. Grundsätzlich gilt, dass je früher eine Rehabilitation nach einer Hirnblutung beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten.
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Vorbeugung
Es gibt einige Faktoren, die Sie positiv beeinflussen können, um einer Hirnblutung vorzubeugen. Zu diesen Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Konsum von Alkohol oder Drogen. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und dem Verzicht auf schädliche Substanzen kann das Risiko einer Hirnblutung deutlich senken.
Vitamin-K-Mangel und Hirnblutungen bei Neugeborenen
Ein Vitamin-K-Mangel kann bei Neugeborenen zu Blutungen führen, einschließlich Hirnblutungen. Wegen der geringen Plazentapassage von Vitamin K und dem niedrigen Gehalt in der Muttermilch muss bei etwa 7 von 100.000 voll gestillten Kindern ohne Vitamin-K-Prophylaxe mit einer Blutung aufgrund eines Vitamin-K-Mangels gerechnet werden.
Zur Verhinderung von Vitamin-K-Mangelblutungen ist die Substitution von Vitamin K bei Neugeborenen empfohlen und gängige Praxis. Aktuell wird in Deutschland die dreimalige orale Gabe von jeweils 2 mg Vitamin K am 1. Lebenstag (U1), zwischen dem 3. und dem 10. Lebenstag (U2) und erneut zwischen der 4. und der 6. Lebenswoche (U3) empfohlen.
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