Hirnblutung durch bakterielle Embolie: Ursachen und Therapie

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit und eine Hauptursache für dauerhafte Behinderungen bei Erwachsenen. Er lässt sich grob in zwei Hauptgruppen einteilen: die Mangeldurchblutung (ischämischer Schlaganfall) und die Hirnblutung (intrazerebrale Blutung). Dieser Artikel konzentriert sich auf die Hirnblutung, insbesondere auf bakterielle Embolien als Ursache.

Schlaganfall: Eine Übersicht

Ein Schlaganfall, auch Apoplex oder Insult genannt, entsteht, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird. Dies kann entweder durch eine Verstopfung eines Blutgefäßes (Ischämie) oder durch eine Blutung im Gehirn verursacht werden.

Ursachen für Hirnblutungen

Eine Hirnblutung tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn reißt oder platzt, wodurch Blut in das umliegende Hirngewebe austritt. Dieses Blut kann die Gehirnzellen schädigen und zu verschiedenen neurologischen Ausfällen führen. Es gibt verschiedene Ursachen für Hirnblutungen, darunter:

  • Embolie: Ein Embolus ist ein mit dem Blutstrom transportiertes Material, das ein Blutgefäß plötzlich teilweise oder vollständig verschließt.
  • Arterielle Hypertonie: Die weit überwiegende Anzahl von Schlaganfällen ist Folge vaskulärer Risikofaktoren, insbesondere der arteriellen Hypertonie.
  • Entzündliche Erkrankungen: Seltene Schlaganfallursachen sind entzündliche systemische wie auch auf das Zentralnervensystem (ZNS) fokussierte Erkrankungen.
  • Weitere Ursachen: Meningitis (Hirnhautentzündung), Enzephalitis (Entzündung des Gehirns) und Gehirntumore.

Bakterielle Embolie als Ursache für Hirnblutung

Eine bakterielle Embolie ist eine seltene, aber schwerwiegende Ursache für eine Hirnblutung. Sie tritt auf, wenn Bakterien in den Blutkreislauf gelangen und sich an einem Blutgerinnsel (Embolus) anlagern. Dieser infizierte Embolus kann dann ein Blutgefäß im Gehirn verstopfen und eine Hirnblutung verursachen.

Entstehung einer bakteriellen Embolie

Bakterielle Embolien entstehen typischerweise als Folge einer Infektion, wie beispielsweise:

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  • Endokarditis: Eine Entzündung der Herzinnenhaut, die oft durch Bakterien verursacht wird.
  • Sepsis: Eine systemische Entzündungsreaktion auf eine Infektion.
  • Meningitis: Eine Entzündung der Hirnhäute, die durch Bakterien verursacht werden kann.

Die Bakterien können sich von der ursprünglichen Infektionsstelle lösen und über den Blutkreislauf zu anderen Organen, einschließlich des Gehirns, gelangen.

Symptome einer Hirnblutung durch bakterielle Embolie

Die Symptome einer Hirnblutung durch bakterielle Embolie können je nach Größe und Lokalisation der Blutung variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Plötzliche, starke Kopfschmerzen
  • Neurologische Ausfälle wie Schwäche, Lähmung oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite
  • Sprach- oder Sehstörungen
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsverlust
  • Fieber und andere Anzeichen einer Infektion

Diagnose einer Hirnblutung durch bakterielle Embolie

Die Diagnose einer Hirnblutung durch bakterielle Embolie erfordert eine gründliche medizinische Untersuchung, einschließlich:

  • Neurologische Untersuchung: Zur Beurteilung der neurologischen Funktion und zur Identifizierung von Ausfällen.
  • Bildgebung des Gehirns: Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, um die Blutung zu lokalisieren und andere mögliche Ursachen auszuschließen.
  • Blutkulturen: Zur Identifizierung der Bakterien, die die Infektion verursachen.
  • Echokardiographie: Zur Beurteilung der Herzfunktion und zum Nachweis von Anzeichen einer Endokarditis.
  • Liquoruntersuchung: Die Liquordiagnostik ist obligat zum Ausschluss einer infektiösen Genese.

Therapie einer Hirnblutung durch bakterielle Embolie

Die Therapie einer Hirnblutung durch bakterielle Embolie zielt darauf ab, die Blutung zu stoppen, den Hirndruck zu senken, die Infektion zu behandeln und weitere Komplikationen zu verhindern. Die Behandlung kann folgende Maßnahmen umfassen:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Antibiotika: Zur Bekämpfung der bakteriellen Infektion.
    • Antiepileptika: Bei Auftreten von Krampfanfällen.
    • Hirndrucksenkende Maßnahmen: Oberkörper hochlagern, ggf. Operation.
    • Schmerzmittelgabe.
  • Chirurgische Therapie:
    • Entfernung des Blutgerinnsels: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blutgerinnsel zu entfernen und den Blutfluss zum Gehirn wiederherzustellen.
    • Dekompression: Bei erhöhtem Hirndruck kann eine Dekompressionskraniektomie erforderlich sein, bei der ein Teil des Schädels entfernt wird, um den Druck zu entlasten.
  • Unterstützende Maßnahmen:
    • Überwachung der Vitalfunktionen: Enge Überwachung von Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung.
    • Physiotherapie und Rehabilitation: Um die neurologische Funktion wiederherzustellen und die Lebensqualität zu verbessern.

Vorbeugung einer bakteriellen Embolie

Die Vorbeugung einer bakteriellen Embolie umfasst die Behandlung von zugrunde liegenden Infektionen und die Minimierung des Risikos einer Bakteriämie (Bakterien im Blutkreislauf). Zu den präventiven Maßnahmen gehören:

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  • Gute Mundhygiene: Um das Risiko einer bakteriellen Infektion im Mund zu verringern.
  • Vorbeugende Antibiotika: Bei Patienten mit einem hohen Risiko für Endokarditis vor bestimmten medizinischen oder zahnärztlichen Eingriffen.
  • Frühe Behandlung von Infektionen: Um die Ausbreitung von Bakterien in den Blutkreislauf zu verhindern.

Weitere seltene Schlaganfallursachen

Neben der bakteriellen Embolie gibt es eine Vielzahl seltener Schlaganfallursachen, die insbesondere bei jüngeren Menschen auftreten können. Einige dieser Ursachen sind entzündlicher Natur und betreffen das zentrale Nervensystem (ZNS).

Primäre Angiitis des zentralen Nervensystems (PACNS)

Die primäre Angiitis des zentralen Nervensystems (PACNS) ist eine Vaskulitis unbekannter Ursache, die isoliert die Arterien (und weniger häufig die Venen) des Gehirns, des Rückenmarks und der Leptomeningen betrifft. Die Diagnosestellung der PACNS gestaltet sich oft als herausfordernd. Aufgrund der risikobehafteten Therapieoptionen ist jedoch eine große therapeutische Sicherheit gefordert. Die definitive Diagnose kann nur bioptisch oder autoptisch gestellt werden. Die Therapie der PACNS wird zwischen Induktions- und Erhaltungstherapie unterschieden. Das Ziel der Induktionstherapie ist die Remission, das Ziel der Erhaltungstherapie der Remissionserhalt und das Verhindern von Rezidiven.

Riesenzellarteriitis (RZA)

Die Riesenzellarteriitis (RZA) ist in Europa die häufigste idiopathische Vaskulitis und tritt ab einem Alter von 50 Jahren mit zunehmender Häufigkeit auf. Schlaganfälle stellen eine klinisch bedeutsame und in ihrer Häufigkeit oft unterschätzte RZA-Manifestation (1,5-7 %) dar. Entscheidend bei der Therapie der Riesenzellarteriitis ist die Vermeidung jeglicher Zeitverzögerung.

Sepsisassoziierter Schlaganfall

Infektionen, insbesondere die Sepsis, steigern das Schlaganfallrisiko in einem vergleichsweise kurzen Zeitfenster signifikant. Die Behandlung der DIC fokussiert auf die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache.

Meningitisassoziierter Schlaganfall

Etwa 20 % der PatientInnen mit bakterieller Meningitis erleiden innerhalb der ersten Wochen nach der Diagnosestellung einen ischämischen Schlaganfall. Infolge der Entzündungsreaktion können bei nahezu allen Formen der Meningitiden sekundär Schlaganfälle auftreten.

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Embolie: Allgemeine Informationen

Definition und Arten von Embolien

Eine Embolie ist ein plötzlicher Verschluss eines Blutgefäßes durch einen Embolus. Der Begriff Embolie leitet sich von dem griechischen Wort embole (= das Hineindringen) ab. Als Embolus bezeichnet man einen über die Blutbahn verschleppten Pfropf, der im Blut nicht löslich ist. Löst sich der Thrombus von seinem ursprünglichen Ort - häufig einer Vene im Becken oder Bein - kann sich aus ihm ein Embolus entwickeln.

Es gibt verschiedene Arten von Embolien, darunter:

  • Arterielle Embolie: Der Embolus stammt aus dem linken Herzen oder einer großen Arterie und verschließt ein Gefäß zum Gehirn (Hirnembolie), zu Arm oder Bein oder zu den Eingeweiden (Darm, Nieren, Milz).
  • Venöse Embolie: Der Embolus stammt aus einer Vene und gelangt in die Lunge (Lungenembolie).
  • Paradoxe Embolie: Der Embolus stammt aus einer Vene, gelangt aber über eine offene Verbindung zwischen beiden Herzvorhöfen in den arteriellen Kreislauf.

Risikofaktoren für Embolien

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für eine Embolie erhöhen. Als wichtigste Risikofaktoren für Thromboembolien gelten Herzerkrankungen - besonders Vorhofflimmern, bei dem sich Vorhofthromben bilden.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Herzerkrankungen (v.a. Vorhofflimmern)
  • Arteriosklerose
  • Thrombophilie
  • Tumorerkrankungen
  • Höheres Lebensalter
  • Angeborene Gerinnungsstörungen
  • Rauchen
  • Fettreiche Ernährung
  • Wenig körperliche Bewegung
  • Gefäß- und Herzerkrankungen, z.B. Arteriosklerose, Herzinsuffizienz
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Krankhaftes Übergewicht (Adipositas)
  • Krebserkrankungen
  • Operationen
  • Einnahme weiblicher Hormone (z.B. hormonelle Verhütung, Hormonersatztherapie)
  • Zunehmendes Alter
  • Zu wenig Bewegung der Beine (durch Bettlägerigkeit, Lähmungen, starre Verbände oder bei langen Reisen, vor allem Flugreisen)
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Schwere Verletzungen
  • Bereits früher erlittene Embolien
  • Venenerkrankungen, z.B. Venenentzündungen, Krampfadern (Varizen)
  • Weibliches Geschlecht (Frauen sind häufiger betroffen als Männer)

Vorbeugung von Embolien

Die Vorbeugung einer Embolie richtet sich, wie so oft, nach der Ursache. Allen Embolieformen liegt zugrunde, dass das Vorliegen einer Arteriosklerose die Entstehung einer Embolie begünstigt. Dementsprechend können Sie durch das Vorbeugen einer Arteriosklerose auch einer Embolie vorbeugen. Dies begünstigen Sie unter anderem durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Stressvermeidung, die Vermeidung von (starkem) Übergewicht und den Rauchverzicht.

Da einer Thrombembolie häufig eine tiefe Beinvenenthrombose zugrunde liegt, können Sie sich bemühen, auch dieser vorzubeugen. Die Vermeidung der oben genannten Arteriosklerose-Risikofaktoren hilft auch hier. Weitere Risikofaktoren, wie Vorhofflimmern, Tumorerkrankungen, höheres Lebensalter oder angeborene Gerinnungsstörungen können Sie selbst allerdings nicht beeinflussen. Falls Sie aufgrund ärztlicher Anordnung regelmäßig blutverdünnende Medikamente einnehmen sollen, so sollten Sie sich bemühen, diese nicht zu vergessen und regelmäßig zu den vorgegebenen Uhrzeiten einzunehmen.

Ebenso können Sie selbst aufmerksam sein, wenn Sie bereits Risikofaktoren einer Thrombose (siehe oben) aufweisen, und weitere, beeinflussbare Risikofaktoren wie Rauchen oder die Einnahme von östrogenhaltigen Medikamenten soweit wie möglich vermeiden.

Hirnvenenthrombose

Bei einer Hirnvenenthrombose kommt es durch ein Blutgerinnsel (Blutpfropf, Thrombus) zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss einer Vene im Gehirn. Die Hirnvenen durchziehen das gesamte Gehirn wie eine Art Netz. Sie sammeln das sauerstoffarme Blut aus dem Gewebe und transportieren es ab in Richtung Herz.

Ursachen und Risikofaktoren für Hirnvenenthrombose

Man unterscheidet zwei Hauptgruppen von Hirnvenenthrombose beziehungsweise Sinusvenenthrombose - je nach der zugrundeliegenden Ursache:

  • Aseptische (blande) Hirnvenenthrombose: Meistens wird eine Hirnvenenthrombose (Sinusvenenthrombose) nicht durch eine Infektion verursacht. Ärzte bezeichnen sie dann als aseptisch oder bland.
  • Septische Hirnvenenthrombose: Eine septische (infektiöse) Hirnvenenthrombose oder Sinusvenenthrombose wird, wie der Name sagt, durch eine Infektion ausgelöst.

Diagnose und Therapie der Hirnvenenthrombose

Bei Anzeichen einer Hirnvenenthrombose bzw. Sinusvenenthrombose muss schnellstens eine bildgebende Untersuchung des Schädels erfolgen! Die Akut-Behandlung der Sinus- beziehungsweise Hirnvenenthrombose erfolgt am besten auf einer sogenannten Stroke Unit. Das ist eine auf die Behandlung von Schlaganfall spezialisierte Abteilung in einem Krankenhaus. Bei einer Hirnvenenthrombose bzw. Sinusvenenthrombose verabreichen Ärzte gerinnungshemmende Medikamente. Diese verhindern, dass ein Blutgerinnsel immer weiter wächst und sich neue Gerinnsel bilden.

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