Hirnhautentzündung nach Nierenbeckenentzündung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Einführung

Eine Hirnhautentzündung (Meningitis) ist eine Entzündung der Hirnhäute und/oder der Rückenmarkshäute, die durch verschiedene Erreger verursacht werden kann. Eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist eine bakterielle Infektion des Nierengewebes und des Nierenbeckens. Obwohl diese beiden Erkrankungen unterschiedliche Organe betreffen, können sie in seltenen Fällen miteinander in Zusammenhang stehen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze einer Hirnhautentzündung im Zusammenhang mit einer vorangegangenen Nierenbeckenentzündung.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Eine Nierenbeckenentzündung ist eine Entzündung der Nierenbecken, meist verursacht durch Bakterien, die über die Harnwege aufsteigen. Es handelt sich um eine der häufigsten Nierenerkrankungen, die besonders oft Frauen betrifft.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Aufsteigende Harnwegsinfektion: Meist entwickelt sich eine akute Nierenbeckenentzündung aus einer aufsteigenden Harnwegsinfektion, bei der Keime über einen oder beide Harnleiter von der Blase aufwärts ins Nierenbecken wandern.
  • Harnabflussstörungen: Nierensteine, Tumore oder eine Vergrößerung der Prostata können den Harnabfluss behindern und so das Aufsteigen von Keimen begünstigen.
  • Weitere Risikofaktoren: Schwangerschaft, sexuelle Aktivität, Stoffwechselstörungen (z. B. Gicht, Diabetes mellitus), Missbrauch von Schmerzmitteln, Eingriffe an den Harnwegen (z. B. Blasenkatheter) und Abwehrschwäche.
  • Anatomie der Harnröhre: Da Bakterien im Falle einer Nierenbeckenentzündung über die Harnröhre in das Nierenbecken wandern, ist die Anatomie der Harnröhre für die Entstehung der Entzündung entscheidend. Während die Harnröhre von Männern rund 25 cm misst, ist die Harnröhre von Frauen nur rund 4 cm lang.
  • Falsche Pflegeprodukte: Falsche Pflegeprodukte, Intimsprays und Verhütungscremes können die Entwicklung einer akuten Nierenbeckenentzündung allerdings begünstigen.

Symptome

  • Akute Nierenbeckenentzündung: Plötzlich auftretendes hohes Fieber, evtl. Schüttelfrost, heftige Schmerzen im Bereich beider Flanken, schmerzhaftes, häufiges und erschwertes Wasserlassen (Dysurie).
  • Chronische Nierenbeckenentzündung: Unklare Fieberzustände, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, dumpfe Rückenschmerzen, Brechreiz, evtl. Bluthochdruck und Blutarmut. Die chronische Nierenbeckenentzündung schädigt die Niere langsam und kontinuierlich. Häufig ist das Erscheinungsbild deshalb uncharakteristisch.

Diagnose

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und Beschwerden.
  • Blutuntersuchung: Bestimmung der Nieren- und Entzündungswerte.
  • Urinuntersuchung: Untersuchung auf Bakterien und weiße Blutkörperchen. Zusätzlich können Bakterien aus einer Blutprobe kultiviert werden.
  • Ultraschalluntersuchung: Untersuchung der Nieren und ableitenden Harnwege, insbesondere zur Suche nach Ursachen eines möglichen Harnstaus.
  • Röntgenuntersuchung (Urographie) oder Harnblasenspiegelung (Zystokopie): In manchen Fällen notwendig, um die Ursachen eines Harnstaus zu erkennen.

Behandlung

  • Antibiotika: Verordnung eines Antibiotikums mit einem breiten Wirkungsspektrum, das gegebenenfalls nach Erregeridentifizierung angepasst wird.
  • Weitere Maßnahmen: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter am Tag), Bettruhe und das Weglassen aller nierenschädigenden Medikamente. Bei Bedarf können auch krampflösende Medikamente gegeben werden.
  • Beseitigung von Harnabflussstörungen: Wichtig für den Therapieerfolg ist es, die Harnabflussstörungen wie Nierensteine zu beseitigen.
  • Langfristige antibiotische Therapie: Bei häufig wiederkehrenden Entzündungen kann eine längerfristige, niedrigdosierte antibiotische Therapie notwendig sein.

Vorbeugung

  • Ausreichende Trinkmenge: Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge (zwei Liter am Tag), um die Keime aus der Niere "spülen" zu können.
  • Vermeidung von Unterkühlung: Vermeiden Sie Durchnässung oder Unterkühlung.
  • Vermeidung von Intimsprays: Vermeiden Sie den Gebrauch von Intimsprays, parfümierten Seifen oder desinfizierenden Lösungen, da diese das Hautmilieu im Genitalbereich verändern.
  • Beseitigung von Harnabflussstörungen: Harnabflussstörungen sollten soweit wie möglich beseitigt werden.
  • Toilettengang: Die Reinigung mit Toilettenpapier nach dem Toilettengang sollte grundsätzlich vom Genitalbereich in Richtung des Analbereichs erfolgen.

Mögliche Komplikationen

  • Akute Nierenbeckenentzündung: Die akute Nierenbeckenentzündung heilt in den meisten Fällen ohne Folgen aus.
  • Chronische Nierenbeckenentzündung: Wiederholte und chronische Verläufe können zu einer Funktionseinschränkung der Niere führen. Nicht erkannt, können sich kleine Abszesse in der Niere bilden und die Erkrankung wird chronisch.

Hirnhautentzündung (Meningitis)

Eine Hirnhautentzündung ist eine Entzündung der Schutzschichten (Hirnhäute) um Gehirn und Rückenmark. Sie kann durch verschiedene Erreger verursacht werden, einschließlich Bakterien, Viren und Pilze.

Ursachen

  • Bakterielle Meningitis: Wird oft durch Bakterien wie Neisseria meningitidis (Meningokokken), Streptococcus pneumoniae oder Haemophilus influenzae Typ b ausgelöst. Durch einen Zeckenstich können sogenannte Borrelien übertragen werden. Diese Bakterien können wiederum das Nervensystem befallen und so nach mehreren Wochen oder Monaten eine Neuroborreliose auslösen, die sich oft in einer (leichten) Meningitis manifestiert.
  • Virale Meningitis: Häufigste Ursache, ausgelöst durch Viren wie Arboviren, Herpesviren (Varizella-Zoster-Virus, Epstein-Barr-Virus), Coxsackie-Viren oder SARS-CoV-2.
  • Aseptische Meningitis: Nicht durch Infektionen verursacht, sondern durch Autoimmunerkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis, Lupus) oder bestimmte Medikamente. Auch andere Bakterien und einige Pilze können zu einer Hirnhautentzündung führen. Menschen mit einem gesunden Immunsystem erkranken nur selten an einer Hirnhautentzündung durch Schimmelpilze oder Hefepilze.

Symptome

  • Allgemeine Symptome: Heftige Kopfschmerzen, (hohes) Fieber (Achtung: Bei Kleinkindern ist auch eine zu niedrige Körpertemperatur möglich), steifer Nacken (Entzündungsbedingte Schmerzen machen es Betroffenen oft unmöglich, den Kopf auf die Brust zu legen. Bei Neugeborenen ist die Nackensteifigkeit oft nicht erkennbar.), Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Abgeschlagenheit und Müdigkeit.
  • Weitere Symptome: Veränderungen des Verhaltens, der Befindlichkeit und des Ess- und Trinkverhaltens bei Kleinkindern, Verwirrung und Bewusstseinsausfälle bei älteren Personen.
  • Meningokokken-Infektion: Charakteristische Veränderungen des Hautbildes durch punktförmige Blutungen. Dieser Meningitis-Ausschlag ist charakteristisch rötlich oder lila und verblasst nicht beim Druck - ein Indikator, der das sogenannte „Glas-Test“ genannt wird.

Diagnose

  • Anamnese: Ein ausführliches Anamnesegespräch ist wichtig, um etwaige Ursachen der Erkrankung zu erkennen. Wie ist Ihr aktueller Impfstatus? Leben oder arbeiten Sie mit vielen Menschen zusammen?
  • Blutuntersuchung: Die Erreger einer Hirnhautentzündung gelangen über das Blut in die Hirnhäute, daher können entsprechende Erreger auch in einer Blutprobe nachgewiesen werden.
  • Lumbalpunktion: Entnahme von Flüssigkeit (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal zur Untersuchung auf Entzündungszeichen und Krankheitserreger. Insbesondere bei Bewusstseinsstörungen ist eine Untersuchung des Gehirns über MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) erforderlich. Andernfalls kann keine Lumbalpunktion durchgeführt werden. Aber auch bei Betroffenen ohne Bewusstseinsstörungen werden bildgebende Verfahren zur Differentialdiagnose eingesetzt.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Patient sowie Schweregrad und Ursache der Hirnhautentzündung können weitere Untersuchungen notwendig sein, um über die richtige Behandlungsstrategie zu entscheiden und Komplikationen zu vermeiden: Rachenabstrich, Elektroenzephalografie (EEG), verschiedene Laboruntersuchungen.

Behandlung

  • Bakterielle Meningitis: Sofortige Verabreichung hochdosierter Antibiotika, zusätzlich können Kortikosteroide zur Linderung der Schwellung des Gehirns und Analgetika zur Linderung der Symptome eingesetzt werden.
  • Virale Meningitis: In der Regel selbstlimitierend und erfordert nur unterstützende Pflege, einschließlich Schmerzmanagement und Hydratation. Trotzdem wird immer aufgrund der Gefährlichkeit und relativen Häufigkeit einer HSV- oder VZV-Meningitis mindestens bis zum Nachweis des Erregers mit Aciclovir, einem Virostatikum, intravenös behandelt.

Vorbeugung

  • Impfungen: Es gibt Impfungen gegen einige der häufigsten bakteriellen Ursachen von Meningitis, einschließlich Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis und Haemophilus influenzae Typ b (Hib).
  • Prophylaktische Antibiotikabehandlung: In Situationen, in denen eine Person einem hohen Risiko ausgesetzt war, mit Meningitis infiziert zu werden, wie z.B. nach engem Kontakt mit einer Person, die an bakterieller Meningitis erkrankt ist, kann eine prophylaktische Antibiotikabehandlung verabreicht werden.

Mögliche Komplikationen

  • Spätfolgen: Hirnödem, Sepsis, ARDS, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, Hörverlust, Gedächtnisprobleme, Lernschwierigkeiten, Epilepsie, Nierenversagen und sogar Tod.

Zusammenhang zwischen Nierenbeckenentzündung und Hirnhautentzündung

Obwohl selten, kann eine Nierenbeckenentzündung in bestimmten Fällen zu einer Hirnhautentzündung führen. Dies geschieht in der Regel, wenn die Bakterien, die die Nierenbeckenentzündung verursachen, in die Blutbahn gelangen (Sepsis) und sich von dort aus in den Hirnhäuten ansiedeln und dort eine Entzündung auslösen.

Mögliche Ursachen für den Zusammenhang

  • Sepsis: Eine unbehandelte oder schwerwiegende Nierenbeckenentzündung kann zu einer Sepsis führen, bei der Bakterien in die Blutbahn gelangen und sich im ganzen Körper ausbreiten können.
  • Immunschwäche: Patienten mit einem geschwächten Immunsystem haben ein höheres Risiko, dass sich eine Infektion von einem Organ auf andere ausbreitet.
  • Bestimmte Erreger: Einige Bakterienarten, die Nierenbeckenentzündungen verursachen können, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, auch eine Hirnhautentzündung auszulösen.

Symptome und Diagnose

Die Symptome einer Hirnhautentzündung nach einer Nierenbeckenentzündung sind in der Regel die gleichen wie bei einer Meningitis anderer Ursache (siehe oben). Die Diagnose umfasst in der Regel eine Lumbalpunktion, um den Erreger zu identifizieren und die Art der Entzündung festzustellen.

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Behandlung

Die Behandlung einer Hirnhautentzündung nach einer Nierenbeckenentzündung umfasst in der Regel eine intravenöse Antibiotikatherapie, die auf den identifizierten Erreger abgestimmt ist. Gegebenenfalls werden auch unterstützende Maßnahmen ergriffen, um Komplikationen wie Hirnödem oder Krampfanfälle zu behandeln.

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