Hirnstammentzündung: Ursachen, Symptome und Therapie

Einführung

Die Enzephalitis, oder Gehirnentzündung, ist eine Entzündung des Gehirngewebes, die in den meisten Fällen durch Viren verursacht wird. Sie kann aber auch durch Bakterien, Pilze, Parasiten oder Autoimmunreaktionen ausgelöst werden. Die Erkrankung kann unterschiedlich schwer verlaufen und unbehandelt lebensbedrohlich sein oder bleibende Gehirnschäden verursachen. Der 22. Februar ist der "Welt-Enzephalitis-Tag", der das Krankheitsbild „Gehirnentzündung“ in den Fokus rückt.

Was ist eine Enzephalitis?

Das Gehirn ist durch die Blut-Hirn-Schranke vor dem Eindringen von Krankheitserregern geschützt. Diese Barriere wehrt unerwünschte Eindringlinge wie Bakterien und Viren ab, bevor sie ins empfindliche Nervengewebe gelangen können. Dennoch können einige Erreger diese Schutzmechanismen überwinden und eine Entzündung im Gehirn hervorrufen, die Enzephalitis. Das Gewebe schwillt an, Nervenzellen können absterben und großflächige Schäden entstehen. Auch eine Hirnblutung ist eine mögliche Folge.

Babys und Kleinkinder entwickeln häufiger eine Gehirnentzündung als Erwachsene. Manchmal tritt eine Enzephalitis gemeinsam mit einer Meningitis auf, bei der zusätzlich die Hirnhäute entzündet sind. In diesem Fall spricht man von einer Meningoenzephalitis.

Ursachen einer Enzephalitis

Die Ursachen einer Enzephalitis sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Ursachen.

Viren als Krankheitserreger

Die häufigste Ursache einer Enzephalitis sind Viren. Verschiedenste Erreger können eine Enzephalitis hervorrufen. Dazu gehören:

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  • Herpesviren: Einige Herpesviren, wie das Herpes-simplex-Virus (HSV), das Varizella-Zoster-Virus (VZV) oder das Epstein-Barr-Virus (EBV), können eine Enzephalitis auslösen. Das Herpes-simplex-Virus ist mit 65% der häufigste Auslöser einer Enzephalitis.
  • Enteroviren: Diese Viren verursachen beispielsweise die Hand-Fuß-Mund-Krankheit.
  • Arboviren: Diese Viren werden durch Insekten wie Zecken und Mücken übertragen. Dazu gehören das FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis), das West-Nil-Virus und das Japanische Enzephalitis-Virus.
  • Masern-, Mumps- und Rötelnviren: Diese Viren können ebenfalls eine Gehirnentzündung auslösen.
  • Influenzaviren: Grippeviren können in seltenen Fällen eine Enzephalitis verursachen.
  • Coronaviren: Seltener ist COVID-19 Auslöser einer Enzephalitis.
  • Lyssaviren: Diese Viren lösen die Tollwut aus und werden durch Tierbisse übertragen.

Einige Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, werden über Tröpfchen übertragen, beispielsweise bei Masern, Röteln oder Herpes. Andere Übertragungswege sind Zeckenstiche (FSME), Tierbisse (Tollwut) oder Mückenstiche (Japanische Enzephalitis, West-Nil-Virus).

Bakterien als Krankheitserreger

Auch verschiedene Bakterien können eine Gehirnentzündung auslösen, darunter:

  • Von Zecken übertragene Borrelien
  • Tuberkulose-Bakterien
  • Syphilis-Bakterien
  • Streptokokken (verursachen oft Hirnabszesse)
  • Staphylokokken (verursachen oft Hirnabszesse)

Bakterien erreichen das Gehirn entweder über das Blut, über die Haut oder direkt bei einer Operation am Kopf.

Parasiten und Pilze als Krankheitserreger

Bei immungeschwächten Personen können auch Parasiten und Pilze die Blut-Hirn-Schranke überwinden, darunter:

  • Rundwürmer
  • Erreger der Toxoplasmose
  • Amöben (Naegleria fowleri)
  • Pilze (insbesondere bei Kryptokokkose)

Autoimmunenzephalitis

Nicht immer wird eine Enzephalitis von einem Krankheitserreger verursacht. Eine Autoimmun-Reaktion kann ebenfalls die Ursache sein. Das Abwehrsystem eines Menschen greift hier das eigene Gehirn an. Dies kann durch einen Infekt oder eine sonstige Fehlaktivierung des Immunsystems ausgelöst werden. Oder das Abwehrsystem wird durch einen Tumor, der irgendwo im Körper wächst, angestachelt.

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Bei einer Autoimmunenzephalitis bildet das Immunsystem Autoantikörper, die die körpereigenen Gehirnzellen schädigen können. Diese Form der Enzephalitis kann sich ganz unterschiedlich präsentieren, am häufigsten aber mit Wesensänderungen und epileptischen Anfällen.

Sonderform: Europäische Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica)

Eine Gehirnentzündung, deren Ursache derzeit noch unklar ist, ist die sogenannte Europäische Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica). Sie trat vor allem zwischen den Jahren 1917 bis 1927 weltweit auf. Betroffene sind sehr schläfrig und leiden unter Bewegungsstörungen wie bei einer Parkinson-Krankheit.

Symptome einer Enzephalitis

Die Symptome einer Enzephalitis können vielfältig sein und hängen von der Ursache, dem Schweregrad der Erkrankung, der betroffenen Gehirnregion und der allgemeinen gesundheitlichen Verfassung ab.

Leitsymptome

Die Leitsymptome einer akuten Enzephalitis sind:

  • Fieber
  • Bewusstseinstrübung
  • Neurologische Ausfallserscheinungen (z.B. Sprachstörungen, Lähmungen, unsicherer Gang)
  • Kopfschmerzen
  • Verwirrtheit
  • Wesensänderung (Reizbarkeit, Apathie oder Ängstlichkeit)

Weitere mögliche Symptome

  • Epileptische Anfälle
  • Konzentrationsstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Halluzinationen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Übelkeit
  • Steifer Nacken und Rücken (insbesondere bei Meningoenzephalitis)
  • Denkstörungen
  • Verhaltensänderungen
  • Grippeähnliche Symptome
  • Abgeschlagenheit

Symptome bei Babys und Kleinkindern

Bei Babys und Kleinkindern ist eine Enzephalitis oft schwer zu erkennen. Folgende Anzeichen können auf eine Enzephalitis hindeuten:

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  • Steifer Körper
  • Vermehrtes Schreien, das sich nicht beruhigen lässt
  • Schlechtes Trinken
  • Erbrechen
  • Vorgewölbte Fontanelle

Symptome bei chronischen Formen

Bei chronischen Formen der Enzephalitis, wie der Autoimmunenzephalitis oder chronischen Virusinfektionen, treten die Symptome häufig schleichend auf. Anfangs können sich Patienten neue Informationen schlechter merken und es fällt ihnen schwerer, sich zu konzentrieren.

Besonderheiten bei bestimmten Erregern

  • Herpes-simplex-Enzephalitis: Sprachstörungen und epileptische Anfälle treten besonders häufig auf.
  • Arboviren: Diese Viren führen oft zu Störungen im Bewegungsapparat.
  • FSME: Kopfschmerzen und Bewusstseinseintrübungen sowie meningeale Reizsymptome in Form von Nackensteifigkeit, Nausea und Emesis, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
  • Japanische Enzephalitis: Myalgien, Parkinsonismus und Tremor. Kinder übergeben sich häufig und leiden an Diarrhoe.

Diagnose einer Enzephalitis

Die Diagnose einer Enzephalitis basiert auf der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und verschiedenen diagnostischen Tests.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine körperliche und neurologische Untersuchung durch. Dabei achtet er auf Symptome wie Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, Sprachstörungen und andere Störungen der Hirnfunktionen. Ein steifer Nacken ist ein weiterer Hinweis, im Allgemeinen jedoch vor allem ein Zeichen einer zusätzlichen Infektion der Hirnhäute (Meningitis).

Blutuntersuchungen

Blutuntersuchungen werden durchgeführt, um Entzündungszeichen oder einen Erreger nachzuweisen.

Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion)

Die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) ist entscheidend für die Diagnose einer Enzephalitis. Dazu entnimmt der Arzt mit einer Nadel eine Probe im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule (Lumbalpunktion). Aus dem Liquor kann dann der Erreger identifiziert werden. Bei einer Autoimmunenzephalitis können Mediziner spezielle Antikörper im Nervenwasser finden.

Bildgebende Verfahren

Eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels wird durchgeführt, um mögliche Veränderungen im Gehirn oder eine Gewebeschwellung sichtbar zu machen. Auch eine Computertomographie des Schädels (CCT) kann am Anfang der Behandlung anstelle einer MRT-Untersuchung zum Ausschluss einer akuten Hirnschwellung eingesetzt werden.

Elektroenzephalografie (EEG)

Eine Elektroenzephalografie (EEG) kann durchgeführt werden, um die Hirnströme zu messen und mögliche Veränderungen wie etwa bei Krampfanfällen festzustellen.

Therapie einer Enzephalitis

Ein Patient mit Enzephalitis muss unbedingt stationär behandelt werden, idealerweise in einem spezialisierten Krankenhaus (Neurologische Abteilung einer Klinik oder spezialisierte Kinderklinik).

Medikamentöse Therapie

Gegen die Erreger verordnen Ärzte passende Medikamente:

  • Viren: Bestimmte Formen der Virus-Enzephalitis (Herpes-Viren) müssen unverzüglich mit einem Virus-hemmenden Mittel (meistens Aciclovir) therapiert werden. Gegen andere Formen der Virus-Enzephalitis, wie zum Beispiel bei FSME, gibt es noch keine wirksamen Virus-hemmenden Medikamente.
  • Bakterien: Bei einer durch Bakterien verursachten Gehirnentzündung kommen Antibiotika zum Einsatz.
  • Pilze: Bei einer durch Pilze verursachten Gehirnentzündung kommen Pilzhemmende-Medikamente (Antimykotika) zum Einsatz.
  • Autoimmunreaktion: Ist die Enzephalitis durch eine Autoimmunreaktion entstanden, wird das Immunsystem durch die Gabe von Kortison in hoher Dosis über die Vene (intravenös) unterdrückt. Hinzu kommen weitere Verfahren wie die intravenöse Gabe von Immunglobulinen oder Blutwäsche-Verfahren.

Zusätzlich können Medikamente gegen epileptische Anfälle und Beruhigungsmittel gegeben werden. In schweren Fällen liegen Patienten während der Erkrankung auf einer Intensivstation.

Symptomatische Therapie

Neben der Behandlung der Ursache werden auch die Symptome der Enzephalitis behandelt. Dazu gehören beispielsweise:

  • Medikamente gegen Fieber
  • Medikamente gegen Kopfschmerzen
  • Medikamente gegen Krampfanfälle
  • Behandlung eines Hirnödems

Rehabilitation

In einigen Fällen können Patienten von Rehabilitationsmaßnahmen profitieren, einschließlich Physiotherapie, Ergotherapie und Sprachtherapie.

Prognose

Die akute Gehirngewebsentzündung mit Fieber dauert etwa ein bis zwei Wochen. Sie kann unterschiedlich schwer verlaufen. Manchmal ist sie mild, der Patient ist danach schnell wieder auf den Beinen. Nach einer schweren Entzündung kann es Monate dauern, bis sich der Betroffene wieder vollständig erholt hat. Manche Patienten müssen mit bleibenden Schäden leben: Sie sehen oder hören schlechter als zuvor, haben Probleme, sich zu konzentrieren oder sich an bestimmte Dinge zu erinnern. Auch Schwierigkeiten beim Sprechen oder Gehen können zurückbleiben. Wird eine schwere Enzephalitis nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie tödlich verlaufen. Die Mortalitätsraten sind stark abhängig von verschiedenen Faktoren, wie der Schwere der Erkrankung bei Aufnahme, die Qualität der Krankenhausversorgung, sozioökonomische und demografische Gegebenheiten des Patienten, die Dauer der Nachsorge nach der Krankenhausentlassung sowie die Qualität der häuslichen Pflege nach der Entlassung.

Vorbeugung

Gegen viele Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, gibt es wirksame Schutzimpfungen:

  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Windpocken
  • Kinderlähmung (Polio)
  • FSME
  • Influenza
  • Japanische Enzephalitis (für Reisende in Risikogebiete)

Vor einem Urlaub sollte man sich genau informieren, welche Schutzimpfungen für das Reiseziel empfohlen werden.

Gegen die ebenfalls von Zecken übertragenen Borrelien kann man sich zwar nicht impfen lassen, hier hilft es jedoch, nach einem Tag an der frischen Luft die Haut nach Zecken abzusuchen. Wenn man sie möglichst früh entfernt, sinkt das Infektionsrisiko.

Achten Sie auf allgemeine Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen oder Lüften, um sich vor Infektionen zu schützen. Vermeiden Sie Insektenstiche oder -bisse, vor allem durch Zecken oder Stechmücken.

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