Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die das Gedächtnis und andere kognitive Fähigkeiten beeinträchtigt. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, existieren verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Neben medikamentösen Behandlungen spielen alternative und nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle bei der umfassenden Versorgung von Menschen mit Alzheimer.
Transkranielle Pulsstimulation (TPS): Eine innovative Behandlungsoption
Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) ist eine innovative, nicht-invasive und ambulante Behandlungsoption, die auf der Basis von niedrigenergetischen Stoßwellen basiert. Sie kann Patienten helfen, Lebensqualität, Selbstständigkeit und Freude am Alltag zurückzugewinnen. Die TPS Therapie zielt darauf ab, Hirnareale und Nervenzellen zu stimulieren und zu vermehrter Aktivität anzuregen. Dazu werden die Stoßwellen auf die von der neurodegenerativen Erkrankung betroffenen Hirnareale "Stimuliert". Je nach Ziel und Anwendungsgebiet lassen sich unterschiedliche Frequenzen und Intensitäten einstellen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Funktionsweise der TPS
Bei der TPS werden die Pulse kontrolliert nicht-invasiv durch Kopfhaut und Schädeldecke in die für die Alzheimer-Demenz typischerweise betroffenen Gehirnregionen des Patienten geleitet. Am Zielort setzt die Stoßwelle ihre physikalische Energie in lokal begrenzten Gewebebereichen frei, was die Mechanotransduktion (die Umwandlung physikalischer Signale in intrazelluläre Prozesse auf molekularer Ebene) anregt. Sie sorgt ebenso für die Freisetzung von Stickoxid (NO) und stimuliert die VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor - Gruppe von Proteinen, die als Signalmoleküle unter anderem für die Zellneubildung verantwortlich sind). Die Verbesserung der Durchblutung, die Regeneration der Nerven und die Bildung neuer Blutgefäße (Neoangiogenese) sind die Folge, was letztlich zu einer höheren Leistungsfähigkeit des Gehirns führt.
Ablauf und Sicherheit der TPS-Behandlung
Die Behandlung erfolgt in sechs Einzelsitzungen à 30 Minuten über einen Zeitraum von zwei Wochen. In der Folge sind Auffrischungsbehandlungen ratsam. Diese finden in Abständen von ein bis zwei Monaten statt. Der genaue Therapieplan wird vom behandelnden Arzt in Absprache mit dem Patienten und unter Berücksichtigung des bisherigen Therapieverlaufs erstellt.
Die TPS-Technologie gilt als sicher. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten treten keine Nebenwirkungen auf. Gelegentlich kann es, vor allem in den Stunden nach der Behandlung, zu Kopfschmerzen oder Unbehagen an der Stimulationsstelle kommen. Die Beschwerden vergehen jedoch schnell wieder.
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TPS bei Parkinson
Die Trankranielle Pulsstimulation (TPS) zielt darauf ab, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, indem sie typische Parkinson-Symptome wie Steifheit, Zittern und Bewegungsverzögerungen lindert. Die TPS bietet Vorteile wie eine individuell angepasste Therapie und ein geringes Risiko für Nebenwirkungen, wodurch sie insbesondere für die Patienten, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen, attraktiv wird.
Forschung und Entwicklung
Die Stimulation des Gehirns durch verschiedene Formen der Wellentherapie ist ein relativ junges Forschungsgebiet. Die Erfolge, die Mediziner damit in den vergangenen Jahren erzielen konnten sowie vielversprechende Studienergebnisse führen jedoch zu einem stetig wachsenden Interesse innerhalb der medizinischen Gemeinschaft. Dabei ist das Anwendungsgebiet keineswegs auf die Neurologie beschränkt. Ähnliche Technologien und Methoden kommen beispielweise in der Urologie, Kardiologie und der Neurologie zum Einsatz. Zahlreiche klinische Studien untersuchen derzeit die Wirksamkeit und Sicherheit der TPS®. Darüber hinaus läuft die kontinuierliche Forschung nach neuen Anwendungsgebieten.
Nicht-medikamentöse Therapien: Ein wichtiger Baustein in der Alzheimer-Behandlung
Nicht-medikamentöse Therapien sind ein wichtiger Bestandteil der Alzheimer-Behandlung. Sie können helfen, die Selbstständigkeit zu fördern, den Alltag zu strukturieren und kognitive Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten. Im Mittelpunkt steht, den Erkrankten die Teilhabe am Alltag und am sozialen Leben zu ermöglichen. Gleichzeitig können diese Ansätze dazu beitragen, herausfordernde Verhaltensweisen zu mildern und für mehr Ausgeglichenheit zu sorgen. Die Therapien lassen sich einzeln oder kombiniert anwenden.
Kognitive Förderung und Gedächtnistraining
Kognitive Stimulation kann bei Erkrankten im frühen bis mittleren Stadium die Wahrnehmung, das Lernen und das Gedächtnis verbessern. Dies können zum Beispiel einfache Wort-, Zahlen- oder Ratespiele sein. Aber auch die gezielte Aktivierung des Langzeitgedächtnisses durch Gespräche über Themen von früher oder über persönliche Gegenstände fördert die Kognition. Aktivitäten zur Förderung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Kommunikation, z.B. Rechenaufgaben, Wortspiele, Puzzles, Bilder erkennen, Zahlenreihen vervollständigen, auch als Gruppenaktivität. Ziel ist die Erhaltung von kognitiven Fähigkeiten, Kommunikation und Lebensqualität.
Bewegungstherapie und körperliche Aktivität
Bewegungsangebote zuhause oder in der Physiotherapie: Spaziergänge, Gehübungen, Gymnastik, Kräftigungs- und Konditionstraining. Angebote für Aktivitäten (auch mit anderen Erkrankten): Gespräche, Kochen, Singen, Musizieren und Tanzen. Ziel ist die Erhaltung der Lebensqualität und Selbstständigkeit, Vermeidung von Apathie und Depression. Sport hat nachgewiesene positive Effekte auf die Leistungsfähigkeit, Fitness und Stimmung von Erkrankten. Bewegung baut Ängste ab, mildert Aggressionen und fördert das Ein- und Durchschlafen. Am besten eignet sich tägliche moderate Bewegung (Walking, Tanzen, Gymnastik etc.), bei der Atmung und Herzfrequenz erhöht sind, aber noch ein Gespräch möglich ist. Gerade bei weniger fitten Menschen lässt sich Bewegung auch gut in den Alltag integrieren, zum Beispiel bei Spaziergängen mit dem Hund oder bei der Gartenarbeit.
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Biografiearbeit
Durch die Biographiearbeit werden bei den Betroffenen gezielt Erinnerungen und Erfahrungen geweckt, beispielsweise durch Fotos, Geschichten, Musik oder Gerüche. Wissen aus der Biographie der erkrankten Person hilft auch Angehörigen im Alltag auf das Verhalten der Person besser zu reagieren. Ziel ist die geistige Anregung und die Verbesserung der Stimmung der oder des Erkrankten.
Ergotherapie
In der Ergotherapie werden durch funktionelle, spielerische, handwerkliche und gestalterische Aktivitäten die Alltagskompetenzen gestärkt und möglichst lange erhalten. Dadurch wird die Stimmung der Betroffenen verbessert.
Musik- und Tanztherapie
Musiktherapie kann in allen Krankheitsstadien eine förderliche Wirkung haben. Musik zu machen oder zu hören weckt positive Erinnerungen und Gefühle. Das gilt besonders für das Musizieren oder Musik hören in der Gruppe. Auch die Tanztherapie kann in allen Krankheitsstadien eine förderliche Wirkung haben. Tanzen ist Bewegung und wirkt befreiend. Dadurch werden positive Gefühle geweckt.
Mal- und Kunsttherapie
Die Mal- und Kunsttherapie kann auch Verbesserungen des Wohlbefindens liefern. Beim Snoezelen (aus dem Niederländischen, sprich: „snuselen“) werden die Sinne der Erkrankten angesprochen. Bekannte Klänge, Düfte und Geschmäcke wirken anregend, wodurch auch das Wohlbefinden verbessert werden kann.
Lichttherapie
Es gibt erste Hinweise darauf, dass die Lichttherapie die Schlafqualität der Betroffenen verbessern kann. Berührungen oder leichte Massagen wirken beruhigend.
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Tiergestützte Therapie
Studien zeigen, dass die Anwesenheit von Tieren eine beruhigende Wirkung auf Menschen mit Demenz haben kann. Die non-verbale Kommunikation kann hilfreich sein, vorallem dann, wenn eine verbale Kommunikation nicht mehr möglich ist.
Realitätsorientierungstraining (ROT)
Bei dieser Therapieform werden den Erkrankten aktiv Informationen zu Zeit und Ort angeboten, beispielsweise durch große Uhren und Kalender oder eine einfache Raumbeschilderung.
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren für Menschen mit leichter kognitiver Störung (MCI) und Demenz im Frühstadium. Sie wird eingesetzt zur Bewältigung von Depressionen.
Weitere aktivitäten
Neben begleitenden, regelmäßigen therapeutischen Maßnahmen gibt es weitere Aktivitäten, die Menschen mit Demenz länger körperlich und geistig fit halten können. Diese lassen sich oft gut in den Alltag integrieren: Aktivitäten, die das Gehirn anregen wirken sich ebenfalls positiv auf den Verlauf von Demenzerkrankungen aus. Gut für die geistige Fitness sind zum Beispiel Brettspiele, Puzzles, Handarbeiten oder Basteln. Finden Sie heraus, was der oder dem Erkrankten Spaß macht und achten Sie darauf, sie oder ihn nicht zu überfordern. Ein gutes Miteinander und soziale Kontakte machen nicht nur zufriedener, sondern halten auch den Kopf fit. Treffen Sie sich mit Freunden, Familie oder Nachbarn und verbringen Sie eine gute Zeit.
Medikamentöse Behandlungen: Antidementiva und andere Medikamente
Obwohl es keine Heilung für Alzheimer gibt, können Medikamente helfen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
Antidementiva
Aktuell sind in Deutschland vier Antidementiva zugelassen, davon drei Acetylcholinesterase-Hemmer und ein Glutamat-Antagonist. Die Alzheimer-Behandlung mit Antidementiva wird von den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften empfohlen.
- Acetylcholinesterase-Hemmer: Diese Medikamente blockieren das Enzym Cholinesterase und wirken damit dem Abbau von Acetylcholin entgegen. Acetylcholin ist ein wichtiger Botenstoff im Gehirn.
- Glutamat-Antagonisten: Diese Medikamente wirken im Zusammenspiel mit dem Botenstoff Glutamat und regulieren dessen Ausschüttung.
Andere Medikamente
- Antidepressiva: Depressionen sind eine häufige Begleiterscheinung von Demenz. Antidepressiva können helfen, die Stimmung aufzuhellen und den Antrieb zu steigern.
- Neuroleptika (Antipsychotika): Diese Medikamente werden bei Demenzerkrankten gegen Halluzinationen und starke innere Unruhe eingesetzt. Allerdings ist mittlerweile bekannt, dass die Wirksamkeit oft sehr beschränkt ist und Nebenwirkungen auftreten können.
- Schmerzmittel: Demenz ist keine an sich schmerzhafte Krankheit. Aber sie kann dazu führen, dass Betroffene ihre eigenen Schmerzen zwar fühlen, aber nicht mehr als solche identifizieren können. Schmerzmittel können helfen, das Wohlbefinden zu verbessern.
Neue Therapien und Entwicklungen
Die Forschung zu Alzheimer macht große Fortschritte. Neu zugelassene Antikörper-Medikamente wie Leqembi (Lecanemab) und Kisunla (Donanemab) setzen direkt an einer möglichen Krankheitsursache an und eröffnen erstmals Behandlungsmöglichkeiten im frühen Krankheitsstadium. Daneben rücken Prävention, Pflege und Diagnostik in den Mittelpunkt. Studien zeigen, dass sich das Alzheimer-Risiko durch Faktoren wie Bewegung, Blutdruckkontrolle oder soziale Teilhabe deutlich senken lässt.
Antikörper bringen die Amyloid-Plaques im Gehirn nachweislich zum Verschwinden. Das kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, aber nicht rückgängig machen. In Kombination mit einer frühen Diagnostik ließen sich damit allerdings Symptome wirksam aufhalten.
Was können Menschen mit Alzheimer selbst tun?
Selbst aktiv zu werden zu können erscheint nach einer Demenzdiagnose oft schwer vorstellbar. Doch der eigene Lebensstil kann einen wichtigen Unterschied machen - sowohl für die geistigen Fähigkeiten als auch für die Lebensqualität.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert Fitness, Stimmung und Schlaf. Moderate Bewegung wie Walking, Tanzen oder Gymnastik wirkt ausgleichend und baut Ängste ab.
- Geistige Anregung: Aktivitäten, die das Gehirn fordern, können den Krankheitsverlauf positiv beeinflusen. Geeignet sind Brettspiele, Puzzles, Handarbeiten oder Basteln. Wichtig ist, dass die Beschäftigung Freude macht und nicht überfordert.
- Soziale Kontakte: Ein gutes Miteinander macht zufriedener - und hält den Kopf fit.
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