Hirntumor: Auswirkungen auf Lernen und Kognition

Hirntumoren sind Wucherungen innerhalb der Schädelhöhle, die sowohl gutartig als auch bösartig sein können. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen sind sie eher selten, können aber schwerwiegende Ausfälle der betroffenen Hirnareale und deren Funktionen verursachen. Die MEDICLIN Klinik Reichshof ist auf die Nachsorge von Hirntumorpatienten spezialisiert und bietet rehabilitative Krebsnachsorge an.

Was sind Hirntumoren?

Mediziner verstehen unter Hirntumoren sämtliche gutartigen und bösartigen Wucherungen innerhalb der Schädelhöhle. Hirntumoren sind im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen eher selten und entstehen zumeist ohne Vorwarnung. Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind bislang nicht geklärt. Ein bekannter Risikofaktor ist die Bestrahlung des Hirns, z.B. bei Leukämie. Ärzte unterscheiden zwischen primären und sekundären Hirntumoren:

  • Primäre Hirntumoren: Diese entstehen direkt aus den Zellen des Gehirns. Je nachdem, von welchem Gewebe der Tumor ausgeht, werden sie in weitere Formen unterteilt, wie Gliome, Ependyome, Medulloblastome, Neurinome, Meningeome und ZNS-Lymphome.
  • Sekundäre Hirntumoren: Diese entstehen, wenn Krebszellen anderer Krebserkrankungen im Körper über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangen und dort eine Tochtergeschwulst (Metastase) bilden.

Symptome von Hirntumoren

Die Symptome, die bei einem Hirntumor auftreten können, sind stark abhängig von der betroffenen Hirnregion. Auch gutartige Hirntumoren können starke Symptome verursachen, da sie umliegendes Gewebe verdrängen. Mögliche Symptome sind:

  • Stärker werdende Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühle
  • Sprachstörungen
  • Schluckstörungen
  • Schwindel
  • Schwerhörigkeit
  • Hormonstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Depression
  • Persönlichkeitsveränderungen

Die Symptome ​​​​​​​von Hirntumoren sind vielfältig. Falls der Tumor weiterwächst, nehmen die Häufigkeit und die Schwere der Symptome zu.

Auswirkungen auf Lernen und Kognition

Hirntumoren und ihre Behandlung können erhebliche Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen und das Lernvermögen haben. Diese Auswirkungen können subtil sein und sich auf Aspekte wie langfristige Planung, Zielverfolgung, intrinsische Motivation und geistige Flexibilität auswirken.

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Betroffene kognitive Bereiche

  • Aufmerksamkeit und Konzentration: Viele Patienten berichten von Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und die Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten.
  • Gedächtnis: Sowohl das Kurzzeit- als auch das Langzeitgedächtnis können beeinträchtigt sein, was sich in Vergesslichkeit und Schwierigkeiten beim Erlernen neuer Informationen äußert.
  • Exekutivfunktionen: Diese umfassen höhere kognitive Prozesse wie Planung, Problemlösung, Entscheidungsfindung und geistige Flexibilität. Störungen in diesem Bereich können sich auf die Fähigkeit auswirken, Aufgaben zu organisieren und zu erledigen.
  • Sprache: Sprachstörungen wie Aphasie können auftreten, was sich auf das Sprachverständnis, die Sprachproduktion und das Lesen/Schreiben auswirkt.
  • Visuell-räumliche Fähigkeiten: Die Fähigkeit, räumliche Beziehungen zu erkennen und zu verarbeiten, kann beeinträchtigt sein, was sich auf die Orientierung und die Durchführung visueller Aufgaben auswirkt.
  • Soziale Kognition: Veränderungen in der sozialen Kognition können sich auf die Fähigkeit auswirken, Emotionen zu erkennen, soziale Hinweise zu interpretieren und angemessen in sozialen Situationen zu interagieren.

Ursachen der kognitiven Beeinträchtigungen

  • Direkte Schädigung des Hirngewebes: Der Tumor selbst kann Hirngewebe schädigen oder verdrängen, was zu Funktionsstörungen in den betroffenen Bereichen führt.
  • Operation: Die operative Entfernung des Tumors kann ebenfalls zu Schädigungen des umliegenden Hirngewebes führen.
  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann langfristige Schäden an den Hirnzellen verursachen und die kognitiven Funktionen beeinträchtigen.
  • Chemotherapie: Einige Chemotherapeutika können neurotoxisch sein und zu kognitiven Beeinträchtigungen führen, die als "Chemo-Brain" bezeichnet werden.
  • Medikamente: Andere Medikamente, die zur Behandlung von Hirntumoren eingesetzt werden, wie z.B. Kortikosteroide, können ebenfalls kognitive Nebenwirkungen haben.

Neuroplastizität und synaptische Veränderungen

Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Gliome die neuronalen Schaltkreise des Gehirns verändern, indem sie die Neuroplastizität durch synaptische Umstrukturierung missbrauchen. Dabei bilden sich aktive Synapsen zwischen Tumor und Neuronen, die ein aggressives Wachstum der Krebszellen fördern. Die Fähigkeit, aus dieser induzierten Plastizität Kapital zu schlagen, ermöglicht es den Geschwülsten, zusätzliche neuronale Signale zu erhalten und sich zu vermehren.

Psychoonkologische Aspekte

Die Diagnose und Behandlung eines Hirntumors kann erhebliche psychische Belastungen verursachen. Angst, Depression, Reizbarkeit und Antriebslosigkeit sind häufige Begleiterscheinungen. Diese psychischen Faktoren können die kognitiven Funktionen zusätzlich beeinträchtigen. Tatsächlich sind diese zwei Sorten der psychischen Folgen von Hirntumor-Entfernungen (die rein psychische Belastung und die hirnorganischen Folgen) in den Kliniken mittlerweile nach und nach "angekommen" und es gibt einige Fachärzte, die eine "psychoonkologische" Ausbildung haben.

Rehabilitation und Therapie

Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen nach einer Hirntumorerkrankung. Ziel ist es, die kognitiven Funktionen zu verbessern, die Selbstständigkeit wiederherzustellen und die Lebensqualität zu erhöhen.

Neuropsychologische Testung

Regelmäßige neuropsychologische Testungen sind wichtig, um den Verlauf von kognitiven Störungen zu überwachen und die Therapie entsprechend anzupassen. Für die Testungen stehen standardisierte Prüfverfahren zur Verfügung, mit denen verschiedene Hirnleistungen erfasst werden.

Neurokognitive Trainingsprogramme

Mit speziellen Aufgaben fördern Sie beispielsweise Ihre Aufmerksamkeit und trainieren das Gedächtnis. Auch kann kognitive Ergotherapie stationär entsprechende Leistungsstörungen behandeln.

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Therapieschwerpunkte einer medizinischen Rehabilitation

  • Logopädie: Damit können Betroffene durch aktive Übungen Ihre Stimm-, Sprach- und Sprechfähigkeiten verbessern und mögliche Hilfsstrategien für den Alltag entwickeln.
  • Ergotherapie: Sie umfasst Übungen, die beeinträchtigte Körperfunktionen verbessern und wieder herstellen können. Dazu gehören praktische und alltagsnahe Übungen wie beispielsweise eine Kunsttherapie oder Gruppenaktivitäten wie Kochen.
  • Physiotherapie: Mit Krankengymnastik können Sie erreichen, dass Ihr Körper wieder beweglicher wird. Das hilft auch dabei, bewegungsfähig für den Alltag zu werden.

Psychoonkologische Unterstützung

Psychoonkologische Beratungsangebote helfen in der Rehabilitationsphase dabei, die Krankheit auch seelisch so gut wie möglich zu bewältigen. Die Veränderung der Lebensweise bedarf psychologischer Unterstützung, damit Vertrauen in die Zukunft zu finden ist.

Sport und Bewegung

Sport und Hirntumor - passt das zusammen? „Sehr gut sogar!“, findet Priv.-Doz. Dr. Dorothee Wiewrodt, Neurochirurgin und Psychoonkologin im UKM (Universitätsklinikum Münster). „Obwohl sich viele Betroffene nach der Diagnose zunächst keine körperliche Anstrengung zutrauen, kann es gerade während einer Tumorerkrankung guttun, körperlich aktiv zu sein. Unter professioneller Anleitung durch Sportwissenschaftler und Diplomtrainer Ralf Brandt können Hirntumorpatienten Kraft, Ausdauer und Koordination trainieren und dürfen dabei kontrolliert bis an ihre Leistungsgrenzen gehen.

Umgang mit den Folgen

Es ist wichtig, dass Patienten und ihre Angehörigen lernen, mit den kognitiven und emotionalen Folgen der Hirntumorerkrankung umzugehen.

Selbsthilfegruppen

Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.

Strategien für den Alltag

  • Organisation und Struktur: Eine feste Tagesstruktur und die Verwendung von Hilfsmitteln wie Kalendern und To-Do-Listen können helfen, den Alltag besser zu bewältigen.
  • Pausen: Regelmäßige Pausen sind wichtig, um Überforderung zu vermeiden.
  • Realistische Ziele: Es ist wichtig, realistische Ziele zu setzen und sich nicht zu überfordern.
  • Unterstützung: Die Unterstützung von Familie, Freunden und professionellen Helfern ist unerlässlich.

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