Hirntumor: Alternative und Ergänzende Behandlungsansätze

Hirntumoren stellen eine komplexe und herausfordernde Gruppe von Erkrankungen dar. Während konventionelle Behandlungen wie Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie weiterhin Eckpfeiler der Therapie sind, suchen viele Patienten nach alternativen und ergänzenden Behandlungsansätzen, um ihre Lebensqualität zu verbessern, Nebenwirkungen zu reduzieren und möglicherweise die Wirksamkeit der Standardtherapien zu erhöhen. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser alternativen und ergänzenden Behandlungsansätze bei Hirntumoren.

Konventionelle Therapieansätze bei Hirntumoren

Bei der Behandlung von Hirntumoren kommen verschiedene Behandlungsmethoden in Frage. Für die Festlegung der Therapie bestimmt man in einem ersten Schritt die Klassifikation und Graduierung des Tumors. Dazu entnimmt ein Neuropathologe oder eine Neuropathologin Tumorgewebe bei einer Biopsie oder Operation und untersucht die Zellen eingehend.

Medikamentöse Therapie

Es gibt viele unterschiedliche Medikamente, die bei einer Behandlung von Hirntumoren Anwendung finden können. Dazu zählen die klassischen Chemotherapeutika, aber auch die neuartigen zielgerichteten Medikamente. Welche Medikamente zum Einsatz kommen sollten, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel dem Krebsstadium und dem Allgemeinzustand des Patienten. Dabei dienen den Ärzten medizinische Leitlinien als Richtschnur für die Auswahl der optimalen Therapie. Das wichtigste bei Gliomen eingesetzte Zytostatikum ist Temozolomid.

Rolle spezialisierter neuroonkologischer Zentren

Für eine bestmögliche Therapie sollte die Behandlung immer in einem speziellen neuroonkologischen Zentrum erfolgen.

Operative Entfernung

Die Operation bei Hirntumoren erzielt eine Verkleinerung, im besten Fall sogar die vollständige Entfernung des Tumors.

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Chemotherapie

Eine Chemotherapie bei Hirntumoren wird angewandt, um die Krebszellen abzutöten oder ihre Vermehrung zu stoppen. Sie erfolgt systemisch, d.h. sie entfaltet sich im gesamten Körper. Zum einen kann sie vor der Operation (neoadjuvant) durchgeführt werden, um den Tumor im Vorfeld zu verkleinern.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie bei Hirntumoren wirkt lokal und kommt zum Einsatz, wenn der Tumor nicht mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt werden kann oder aufgrund der Lage inoperabel ist. Gerade im sensiblen Kopf- und kraniospinalen Bereich kommt der Strahlentherapie daher eine ganz besondere Bedeutung zu. Häufig muss eine Strahlentherapie bei Hirntumoren innerhalb weniger Wochen im Anschluss an eine Operation beginnen, um so ein erneutes Tumorwachstum zu vermeiden.

Protonentherapie

Die Protonenbestrahlung ist ein modernes und besonders schonendes Verfahren zur Strahlentherapie von Hirntumoren. Das hat gerade bei der Bestrahlung von ZNS-Tumoren einen großen Vorteil. Dadurch, dass Gehirn-, Rückenmark-, Hör- und Sehstrukturen wenig oder sogar keine Strahlung abbekommen, werden potentielle Nebenwirkungen reduziert. Grundsätzlich ist die Protonentherapie mit anderen Therapien kombinierbar. Beispielsweise kann sie im Anschluss an eine Operation eingesetzt werden, um die Tumorzellen zu zerstören, die operativ nicht entfernt werden können.

Integrative und Komplementäre Behandlungsansätze

Mehr als die Hälfte aller Krebspatienten interessiert sich für sogenannte komplementäre und alternative Methoden in der Tumortherapie. Es gibt eine deutliche Tendenz zu ganzheitlichen Ansätzen zu erkennen. Somit spielen auch integrative und komplementäre Behandlungsverfahren wie die Mikroimmuntherapie bei Hirntumoren eine immer wichtigere Rolle.

Naturheilkunde

Die Naturheilkunde mit all ihren Facetten erfreut sich bei Patienten großer Beliebtheit. Vielfach liegt dem der Wunsch zugrunde, selber aktiv etwas gegen die eigene Erkrankung zu tun und das Allgemeinbefinden zu verbessern. Die Möglichkeiten an komplementären und alternativen Behandlungen sind kaum zu überblicken - mit Weihrauch, Mistel und Heilpilzen seien nur einige wenige genannt. Doch nicht alle dieser Methoden sind für Hirntumorpatienten gleichermaßen geeignet.

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Mikroimmuntherapie

Die Krebstherapie bildet den Ursprung der Mikroimmuntherapie. Dr. Maurice Jenaer, der Begründer der Mikroimmuntherapie, setzte Zytokine und andere körpereigene Substanzen, die die Immunreaktion modulieren, zunächst bei der Behandlung von Krebspatienten ein. Daraus entwickelte sich die Zusammensetzung und Anwendungsvielfalt, die gegenwärtig vorliegt. Ein Ziel der Mikroimmuntherapie bei Hirntumoren ist es, nicht nur die Symptome zu lindern, sondern das Immunsystem selbst in die Lage zu versetzen, onkologischen Prozessen effizienter entgegenzuwirken. Durch die gezielte Unterstützung des Immunsystems sollte der Körper in der Lage sein, sich besser gegen äußere und innere Faktoren zur Wehr zu setzen. Mithilfe der Mikroimmuntherapie bei Gehirntumoren kann die natürliche Abwehrfunktion des Körpers positiv unterstützt werden. Ein gut funktionierendes Immunsystem ist für den Genesungsprozess und den Kampf gegen den Tumor von großer Bedeutung.

Rolle des Immunsystems

Bis vor wenigen Jahren galt das Gehirn noch als immunprivilegiertes Organ. Das bedeutet, dass die Annahme bestand, das Gehirn sei von der Immunfunktion des Organismus ausgeschlossen.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Eine Tumorerkrankung ist etwas sehr Komplexes, das sich auf verschiedene Lebensbereiche der Betroffenen auswirkt. Daher steigt die Bedeutung einer ganzheitlichen Krebstherapie immer weiter an. Psychotherapeutische Hilfestellungen, Ernährungstherapien und Bewegungstherapien sind hierbei nur einige Beispiele, die die Lebensqualität der Patienten erheblich steigern können.

Innovative Therapieansätze im Fokus

Hemmung der Tumorkommunikation

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich einzelne, gut vernetzte Zellen im Tumorgewebe zu einer Art Gehirn entwickeln und eine Schrittmacherrolle einnehmen. Diese Zellen geben sozusagen den Takt von Aktivitätssignalen für das gesamte Tumorzell-Netzwerk vor, mit gravierenden Folgen: In den Tumorzellen werden molekulare Mechanismen aktiviert, die das Wachstum des bösartigen Glioblastoms vorantreiben und seine Widerstandskraft erhöhen. Es zeigt sich, dass diese Netzwerke ganz eigene biologische Strukturen nutzen, und dass es diese Verbindungen eben nicht nur zwischen den Tumorzellen selbst gibt, sondern auch zwischen Nervenzellen und Tumorzellen. Dadurch wissen wir, dass auch Nervenzellaktivität in einem wesentlichen Ausmaß die Hirntumor-Situation unterstützt, und dass der Hirntumor seine Lage im Gehirn tatsächlich zunutze macht und von der Nervenzellaktivität für die eigene Entwicklung profitiert. Kurz gefasst könnte man nun folgern, dass Krebs pathophysiologisch, also in seiner krankhaften Entstehung, eine neurologische Erkrankung ist. Diesem neuen Ansatz gehen wir jetzt nach und versuchen, die Übertragung von Nervenzellen auf die Hirntumorzellen zu blockieren. Es gibt Medikamente im Epilepsie-Bereich, die das können, was aber nicht bedeutet, dass sie jetzt auch Hirntumore heilen. Aber die Art der Therapie könnte dazu beitragen, den Hirntumor für bekannte Therapiemaßnahmen empfindlicher zu machen. Studien dazu, an denen wir auch beteiligt sind, laufen bereits.

Zielgerichtete Therapien

Hirntumore haben zum Glück manchmal besondere Mutationen, wie die IDH-Mutationen, die ich eingangs nannte. Für die Blockierung dieser IDH-Mutationen gibt es jetzt ganz aktuell erste positive Signale aus einer klinischen Phase-III-Studie. Das heißt, wir kennen einen neuen spezifischen Inhibitor, also einen Hemmstoff, zur Behandlung dieser Tumore, der positiven Einfluss auf das Überleben von Patientinnen und Patienten vor der Notwendigkeit einer toxischen (Radiochemo-)Therapie mit einem neu diagnostizierten IDH-mutierten Gliom hat. Das entsprechende Medikament Vorasidenib hat in den USA bereits einen beschleunigten Zulassungsstaus bekommen, in Deutschland wird es wohl erst nach dem Prüfverfahren der Europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde (EMA) erhältlich sein.

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Immuntherapeutische Ansätze

Es gibt drei große Themen: Das erste sind immuntherapeutische Ansätze. Dahinter steht der Gedanke, die Fähigkeiten des körpereigenen Abwehrsystems zu nutzen, um Krebszellen zu bekämpfen. Wir versuchen also, die für die Hirntumor-Situation besonderen Antigene mit immuntherapeutischen Verfahren zu fassen. Zum Beispiel mit Peptiden, das sind kleine Eiweißbruchstücke, oder mit RNA, die wir von der Corona-Impfung kennen, aber auch mit Zellen, bei denen Rezeptoren genutzt werden, die zu den besonderen Eigenschaften der Hirntumorzellen passen.

NOX-A12 in Kombination mit Strahlentherapie

Unter Mannheimer Federführung wurde dazu 2019 an sechs deutschen Universitätsklinika eine Studie gestartet (GLORIA), die erstmals bei Glioblastom-Patienten mehrstufig untersuchen soll, wie der Wirkstoff Olaptesed Pegol (NOX-A12,TME Pharma) gezielt in Verbindung mit einer Strahlentherapie wirkt. Das Spiegelmer NOX-A12 unterbindet die Ausbildung von neuen Blutgefäßen über einen Mechanismus, der speziell nach der Strahlentherapie von verbleibenden Tumorzellen angekurbelt wird, um sich zu regenerieren. CXCL12 ist ein solch körpereigener Botenstoff, der die Gefäßbildung anregt. Das Spiegelmer NOX-A12 inhibiert CXCL12 und torpediert damit die Regeneration des Tumors. Interessant ist, dass das Prinzip offenbar nur in Kombination mit der Strahlentherapie funktioniert, da die Glioblastome diesen Reparaturmechanismus über CXCL12 besonders nach der Bestrahlung anwenden. In einer ersten Studie der Phase I/II, wurde die neue Therapie erstmals an einer kleinen Gruppe von Patientinnen und Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom, die gegen die Standardtherapie resistent sind, untersucht. Ziel dabei ist es vor allem, Informationen über die Sicherheit und erste Anhaltspunkte zur Wirksamkeit von NOX-A12 in Kombination mit Strahlentherapie zu erhalten. Darüber hinaus lieferte die Studie auch neue Erkenntnisse, die für die weitere Entwicklung der NOX-A12 Therapie wichtig sind.

BCAT1 als Angriffsziel

Eine übermäßige Aktivität von BCAT1 macht die Glioblastomzellen also besonders aggressiv. Vereinfacht gesagt steht den Krebszellen durch das überaktive BCAT1 einfach mehr Energie zum Wachsen und Wuchern zur Verfügung. Die NGFN-Forscher fanden heraus, dass BCAT1 nur in Tumorzellen mit intakter IDH gebildet wird. Denn IDH stellt das Molekül .-Ketoglutarat her, auf das wiederum das Enzym BCAT1 angewiesen ist. Offenbar steigert die Möglichkeit, sich Aminosäuren als „Nahrungsquelle“ zunutze zu machen, die Bösartigkeit der Krebszellen. Die gute Nachricht daran ist, dass wir mit BCAT1 ein weiteres Angriffsziel für zielgerichtete Therapien gefunden haben. Denn unterdrückt man BCAT1 und damit den Abbau der Aminosäuren, könnte der Tumor ausgehungert werden. In Zusammenarbeit mit einer Pharmafirma ist er bereits dabei, nach spezifischen Wirkstoffen gegen das Enzym zu suchen. Darüber hinaus wollen die Forscher prüfen, ob die BCAT1-Aktivität als zusätzlicher diagnostischer Marker für die Bösartigkeit eines Hirntumors taugt.

CAR-T-Zellen

Mit seinem Team sucht Hutter nach Möglichkeiten, Glioblastome zu bekämpfen. Diese Hirntumore sind leider hartnäckig: Nach Operation und Therapie kommen sie meist zurück. Werden diese direkt in den neu wachsenden Tumor injiziert, überwindet man die Hürde, dass die CAR-T-Zellen nicht gut in das Geschwür eindringen können. Die von Hutters Team entwickelten CAR-T-Zellen haben außerdem noch ein gewisses Extra, das auf die Veränderung des Mikroumfelds abzielt. Dafür geben die Forschenden den therapeutischen T-Zellen auch den Bauplan für ein Molekül mit. Wenn das eingeschleuste Molekül die Tumorsignale jedoch unterbindet, können Makrophagen und Mikroglia die CAR-T-Zellen bei ihrem Angriff auf das Glioblastom unterstützen. Bei Versuchen mit Mäusen, denen die Forschenden menschliche Glioblastomzellen eingesetzt hatten, erwies sich die neue Therapie bereits als sehr erfolgreich: Die CAR-T-Zellen brachten sämtliche Krebszellen zum Verschwinden.

Radiopharmazeutika

In einer laufenden klinischen Phase-1-Studie zur Behandlung des bösartigen Glioblastoms wurde dem ersten Patienten eine Dosis eines neuartigen Medikaments verabreicht, das auf einem bei Helmholtz Munich entwickelten Antikörper basiert. Die Phase-1-Studie (NOA-22) baut auf präklinischen Daten auf, die darauf hindeuten, dass Radiopharmazeutika eine potenzielle neue Methode darstellen, mit der die bisherigen Herausforderungen des Glioblastoms umgangen werden können.

Diagnostische Untersuchungen zur Therapieoptimierung

Diagnostische Untersuchungen können helfen, unwirksame und wirksame Medikamente schon vor Therapiebeginn zu identifizieren und so das verfügbare Spektrum an Therapeutika auf die vielversprechendsten Substanzen einzuengen. Dies kann dazu beitragen, unnötige Nebenwirkungen als Folge einer ineffektiven Therapie zu vermeiden und kostbare Behandlungszeit zu sparen.

Bildgebende Verfahren

Bei Verdacht auf einen Hirntumor kommen in der Regel bildgebende Verfahren zum Einsatz. Hierzu zählen unter anderem die Magnetresonanztomographie (MRT), die sowohl mit als auch ohne Kontrastmittel möglich ist, die Magnetresonanzspektroskopie (MRS), die Computertomographie (CT) und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET).

Leben mit der Diagnose Hirntumor

Die Diagnose eines Hirntumors kann eine immense Belastung darstellen. Es ist wichtig, sich nicht von statistischen Prognosen entmutigen zu lassen und weiterhin Pläne zu machen und das Leben so gut wie möglich zu gestalten. Die Unterstützung durch spezialisierte Zentren und Selbsthilfegruppen kann dabei helfen, mit der Erkrankung umzugehen und die bestmögliche individuelle Behandlung zu erhalten.

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