Hirntumor, Persönlichkeitsveränderung und Operation: Ein umfassender Überblick

Einführung

Hirntumoren sind Raumforderungen im Gehirn, die sowohl gutartig als auch bösartig sein können. Sie können eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle und Persönlichkeitsveränderungen. Die Diagnose und Behandlung von Hirntumoren erfordert einen multidisziplinären Ansatz und sollte in spezialisierten Zentren erfolgen. Viele Menschen empfinden Hirntumoren als besonders unheimlich, da das Gehirn als Sitz der Seele gilt und unsere Persönlichkeit ausmacht. Patienten mit einem Hirntumor haben oft Angst vor Persönlichkeitsveränderungen oder davor, als veränderte Persönlichkeit wahrgenommen zu werden.

Ursachen und Symptome von Hirntumoren

Die genauen Ursachen von Hirntumoren sind noch nicht vollständig verstanden. Es gibt auch keine vorbeugenden Maßnahmen, die die Entstehung eines Hirntumors sicher verhindern. Allerdings gibt es allgemeine Empfehlungen für eine gesunde Lebensführung, die dazu beitragen können, das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Im Gegensatz zu beispielsweise Krebsarten wie Darm- oder Brustkrebs gibt es für Hirntumore kein standardisiertes Krebsfrüherkennungsprogramm. Umso wichtiger ist es, bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Sehstörungen oder neurologischen Ausfällen wie Lähmungserscheinungen eine Arztpraxis aufzusuchen.

Hirntumoren können eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die je nach Lage und Größe des Tumors sehr unterschiedlich sein können. Ein wichtiger Hinweis: Die im Folgenden genannten Symptome sind unspezifisch. Das bedeutet, sie können nicht nur bei Hirntumoren, sondern auch bei anderen, weniger schwerwiegenden Erkrankungen auftreten. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen: Kopfschmerzen können grundsätzlich viele Ursachen haben, sie können aber auch zu den ersten Anzeichen eines Hirntumors gehören.
  • Neurologische Ausfälle: Dazu gehören beispielsweise Lähmungserscheinungen, Sehstörungen, Sprachstörungen oder Gleichgewichtsstörungen.
  • Epileptische Anfälle: Epileptische Anfälle sind eine häufige Begleiterkrankung bei Hirntumoren, insbesondere wenn der Tumor in der Nähe von Regionen liegt, die für die Steuerung der elektrischen Aktivität im Gehirn verantwortlich sind.
  • Wesensveränderung: Auch Veränderungen im Verhalten oder in der Persönlichkeit können auf einen Hirntumor hinweisen. Vor allem dann, wenn diese Symptome neu auftreten oder wenn sich bekannte Symptome wie Kopfschmerzen verändern, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Diagnose von Hirntumoren

Um einen Hirntumor oder gegebenenfalls eine andere Ursache für vorliegende Beschwerden nachzuweisen, beginnen Ärzt:innen in der Regel mit der Anamnese (dem ausführlichen Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten) und einer neurologischen Untersuchung. Ergibt sich daraus ein Verdacht auf einen Hirntumor, kommen in der weiteren Diagnostik bildgebende Verfahren zum Einsatz, die Tumore mit ihrer Lage im Gehirn darstellen können.

  • Magnetresonanztomografie (MRT): Die MRT ist das wichtigste bildgebende Verfahren in der Diagnostik von Hirntumoren. Die Magnetresonanztomografie kann detaillierte Bilder des Gehirns liefern, wodurch Ärzt:innen auch kleinste Tumore erkennen können.
  • Computertomografie (CT): Die CT ist ein fortgeschrittenes Röntgenverfahren. Sie liefert 3D-Bilder und kann damit ebenfalls zur Diagnose von Hirntumoren verwendet werden.
  • Biopsie: Unter bestimmten Voraussetzungen können Ärzt:innen eine Biopsie vornehmen, um aus dem betroffenen Gehirnbereich eine Gewebeprobe zu entnehmen und so die Art des Tumors zu bestimmen. Eine Biopsie birgt bestimmte Risiken, sie kann jedoch sehr wichtig für die Planung der weiteren Behandlung sein.
  • Liquoruntersuchung: Als Liquor bezeichnen Ärzt:innen die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.

Ist mittels der genannten Diagnostikverfahren ein Hirntumor nachgewiesen worden, wird dieser anhand des Klassifikationssystems der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingestuft. Es ist wichtig, dass Diagnose, detaillierte Beurteilung und Behandlung von Hirntumoren in spezialisierten Zentren erfolgen. In diesen Zentren arbeiten erfahrene Neurolog:innen, Neurochirurg:innen und Onkolog:innen (Fachärzt:innen für Krebserkrankungen) eng zusammen, um die beste Patientenversorgung zu gewährleisten.

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Therapiemöglichkeiten bei Hirntumoren

Die Therapiemethoden sind vom Gewebetyp des Tumors, vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten und von der Größe und Lage des Tumors im Gehirn abhängig. Grundsätzlich gilt auch hier, je früher ein Gehirntumor erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. In Abhängigkeit von der WHO-Klassifikation des Tumors ist meist jedoch keine Heilung, sondern eine Symptomkontrolle ggf. mit Verlängerung des Überlebens und Stabilisierung bzw. Reduktion der Tumorgröße möglich.

Drei verschiedene Therapiemöglichkeiten können alleine oder auch in Kombination zum Einsatz kommen:

  • Operation: Im Idealfall, der sehr selten auftritt, kann der Gehirntumor vollständig operativ entfernt werden, ohne Tumorzellen zurückzulassen. Häufig gelingt es jedoch nur, einen Grossteil des Tumors zu entfernen. In manchen Fällen, z.B. bei schlechtem Allgemeinzustand des Patienten oder ungünstiger Tumorlage, kann auch nur die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe (Biopsie) zur Diagnosesicherung möglich sein. Da in den allermeisten Fällen keine vollständige Entfernung der Tumorzellen möglich ist und durch eine ausgedehnte Operation lebenswichtige Strukturen des Gehirns verletzt werden würden, ist eine Nachbehandlung mittels Strahlentherapie und/oder Chemotherapie angeraten. Auch bei vollständiger Tumorentfernung ist in Abhängigkeit vom WHO-Grad des Tumors eine Nachbehandlung sinnvoll
  • Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie als Ersttherapie wird insbesondere dann eingesetzt, wenn der Tumor an einer besonders kritischen Stelle im Gehirn liegt und deswegen nur eine Biopsieentnahme und keine Operation möglich ist. Die Anzahl der Bestrahlungssitzungen und die Bestrahlungsintensität sind abhängig vom Gewebetyp. Während der Strahlentherapie können Nebenwirkungen wie Kopfdruck, Kopfschmerzen, Übelkeit, Haarausfall und ggf. Müdigkeit auftreten. Die meisten Nebenwirkungen können jedoch häufig durch den Einsatz von verschiedenen Medikamenten gemildert werden. Durch eine Bestrahlung kann das Risiko eines erneuten Tumorwachstums vermindert werden. Auch bei weit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen mit großen Tumoren oder Metastasen kann die Strahlentherapie eingesetzt werden, in diesem Fall insbesondere zur Kontrolle der Beschwerden und zur Schmerzlinderung.
  • Chemotherapie: Eine Chemotherapie alleine, ohne Operation und Strahlentherapie, zeigt bei den meisten Gehirntumoren eine nur geringe Wirkung. Jedoch kann eine Chemotherapie bei kombiniertem Einsatz mit der Strahlentherapie die Wirkung der Strahlentherapie verbessern. Die Chemotherapie kann nach Ende der Bestrahlung bei nachgewiesener Wirksamkeit fortgesetzt werden, um die bis dahin erreichte Wirkung (Symptomkontrolle, Größenstabilisierung oder Größenreduktion) aufrecht zu erhalten und weiter zu verbessern. Auch bei Einsatz einer Chemotherapie nach einer Strahlentherapie, wenn diese nicht mehr möglich ist, z.B. im Falle eines erneuten Auftretens eines Tumors, kann durch verschiedene Substanzen und durch verschiedene Kombinationen eine Symptomkontrolle ggf. mit Ansprechen des Tumors (Größenstabilisierung oder Größenreduktion) erreicht werden. Seit kurzem stehen zur Chemotherapie von Gehirntumoren neuere gutverträgliche Substanzen zur Verfügung, für die eine Wirksamkeit bei verschiedenen Tumoren des Gehirns gezeigt werden konnte und für andere Tumoren im Weiteren noch gezeigt werden muss. Da aufgrund neuer Erkenntnisse die Wirksamkeit vieler bekannter und neuentwickelter Substanzen in der Therapie der Gehirntumoren untersucht werden, ist es grundsätzlich für Patienten mit einem Gehirntumor ratsam, diese tumorspezifischen Therapien von spezialisierten Ärzten an "Therapiezentren" und falls möglich innerhalb "klinischer Studien" durchführen zu lassen. Ein Teil dieser Therapien kann ambulant durchgeführt werden.

Persönlichkeitsveränderungen bei Hirntumoren

Hirntumoren können in seltenen Fällen zu Persönlichkeitsveränderungen führen. Dies ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Laut Prof. Wolfgang Wick, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuroonkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), haben Patienten mit einem Hirntumor oft Angst vor Persönlichkeitsveränderungen oder davor, als veränderte Persönlichkeit wahrgenommen zu werden. Zu solchen Veränderungen kommt es aber tatsächlich nur in ganz seltenen Fällen.

Persönlichkeitsveränderungen können auftreten, wenn der Tumor in bestimmten Hirnregionen lokalisiert ist, die für die Steuerung von Emotionen, Verhalten und kognitiven Funktionen verantwortlich sind. Dazu gehören insbesondere der Frontallappen und der Temporallappen. Tumoren in diesen Bereichen können zu folgenden Veränderungen führen:

  • Antriebslosigkeit und Desinteresse: Ein Beispiel hierfür ist der Fall eines Kaninchenzüchters, der aufgrund eines Tumors hinter der Stirn die Motivation für die Pflege seiner Tiere verlor. Nach der Entfernung des Tumors kehrte seine Persönlichkeit zurück.
  • Veränderungen im Sozialverhalten: Ein Hirntumor im orbitofrontalen Cortex kann zu abnormem sexuellem Verhalten führen, wie der Fall eines Patienten mit Pädophilie zeigt. Nach der Entfernung des Tumors verschwand die Pädophilie.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Hirntumore können die kognitiven Funktionen beeinträchtigen, was zu Gedächtnisproblemen, Schwierigkeiten bei der Problemlösung und zu Veränderungen in der Persönlichkeit und im Verhalten führen kann.
  • Emotionale Veränderungen: Patienten können emotional instabiler werden, leichter reizbar sein oder unter Depressionen und Angstzuständen leiden.

Es ist wichtig zu beachten, dass Persönlichkeitsveränderungen auch durch die Behandlung des Hirntumors, insbesondere durch Operationen, Strahlentherapie und Chemotherapie, verursacht werden können. Auch tumorbedingte Spätfolgen können bei Patienten mit hochgradig malignem Gliom zunächst dadurch entstehen, dass der Tumor Raum innerhalb des Schädels einnimmt, dabei auf benachbarte Gehirn‎- oder Rückenmark‎sstrukturen drückt und sie dadurch schädigt.

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Operation von Hirntumoren und ihre Auswirkungen

Die Operation ist eine der wichtigsten Behandlungsmethoden bei Hirntumoren. Ziel der Operation ist es, den Tumor so vollständig wie möglich zu entfernen, ohne dabei wichtige Gehirnfunktionen zu beeinträchtigen. In einigen Fällen kann der Tumor vollständig entfernt werden, in anderen Fällen ist nur eine Teilentfernung möglich.

Die Operation von Hirntumoren kann je nach Lage und Größe des Tumors mit verschiedenen Risiken verbunden sein. Dazu gehören beispielsweise:

  • Neurologische Ausfälle: Die Operation kann zu Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder anderen neurologischen Ausfällen führen.
  • Epileptische Anfälle: Epileptische Anfälle können nach der Operation auftreten.
  • Persönlichkeitsveränderungen: In seltenen Fällen kann die Operation zu Persönlichkeitsveränderungen führen.
  • Infektionen: Infektionen können nach der Operation auftreten.
  • Blutungen: Blutungen können während oder nach der Operation auftreten.

Um die Risiken der Operation zu minimieren, setzen Neurochirurg:innen modernste Techniken und Geräte ein. Dazu gehören beispielsweise die Neuronavigation, das Neuromonitoring und die 5-ALA-Fluoreszenz-Mikroskopie.

  • Neuronavigation: Während eines Eingriffs blendet das OP-Team millimetergenaue Markierungen über dem Operationsfeld ein und kennzeichnet mit dieser Neuronavigation, wo die Schnittlinien verlaufen sollen.
  • Neuromonitoring: Mittels Neuromonitoring überwacht das OP-Team wichtige Nervenfunktionen.
  • 5-ALA-Fluoreszenz-Mikroskopie: Ein vor dem Eingriff getrunkenes Medikament reichert sich dabei in Krebszellen an und lässt sie unter dem OP-Mikroskop rot-violett leuchten. So sind sie besser sichtbar und von gesundem Gewebe gut zu unterscheiden.

Umgang mit Persönlichkeitsveränderungen nach Hirntumoroperationen

Wenn nach einer Hirntumoroperation Persönlichkeitsveränderungen auftreten, ist es wichtig, diese ernst zu nehmen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Persönlichkeitsveränderungen umzugehen:

  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, die Veränderungen zu verarbeiten und neue Strategien für den Umgang mit den Veränderungen zu entwickeln.
  • Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, um beispielsweise Depressionen, Angstzustände oder Aggressionen zu behandeln.
  • Ergotherapie: Eine Ergotherapie kann helfen, die kognitiven Funktionen zu verbessern und den Alltag besser zu bewältigen.
  • Logopädie: Eine Logopädie kann helfen, Sprachstörungen zu verbessern.
  • Sozialberatung: Eine Sozialberatung kann helfen, die soziale und berufliche Situation zu stabilisieren.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Persönlichkeitsveränderungen nach einer Hirntumoroperation eine Herausforderung darstellen können, aber dass es Möglichkeiten gibt, damit umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

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Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen

Viele Betroffene und Angehörige haben ähnliche Erfahrungen mit Hirntumoren und Persönlichkeitsveränderungen gemacht. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein, um sich nicht allein zu fühlen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Einige Beispiele aus Online-Foren zeigen, wie unterschiedlich die Erfahrungen sein können:

  • Eine Frau berichtet, dass ihre Mutter nach einer Meningeom-Operation sehr emotional geworden ist und Schwierigkeiten hat, abzuschalten. Sie sucht nach Ratschlägen, wie sie sich verhalten soll.
  • Eine andere Frau erzählt, dass sie selbst nach einer Meningeom-Operation wochenlang nicht schlafen konnte und Todesängste hatte. Sie berichtet auch von Veränderungen in ihrem Verhalten, wie z.B. schnelles Weinen und Aggressivität.
  • Ein Mann berichtet, dass er nach einer Hirntumoroperation ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie andere Betroffene. Er betont, dass jeder Weg individuell ist und dass es wichtig ist, sich und seine Umwelt zu schonen.

Diese Beispiele zeigen, dass Hirntumoren und ihre Behandlung vielfältige Auswirkungen auf die Persönlichkeit und das Verhalten haben können. Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, um die Herausforderungen besser zu bewältigen.

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