Für Patienten und ihre Angehörige ist die Diagnose eines Hirntumors oder Hirnmetastasen oft ein erschreckender Schock. Neben der primären Krebserkrankung stellt das Auftreten von Metastasen eine zusätzliche Belastung dar. Obwohl die Prognose für Patienten mit Hirnmetastasen weiterhin schwierig ist, gibt es dankFortschritten in der medizinischen Forschung und Behandlung neue Therapieansätze, die die Lebensqualität verbessern und die Überlebenszeit verlängern können.
Was sind Hirnmetastasen?
Metastasen sind Absiedlungen von Tumoren, die ursprünglich in einem anderen Organ entstanden sind und dort einen sogenannten Primärtumor gebildet haben. Krebszellen können sich von diesem ursprünglichen Tumor über Blut- oder Lymphbahnen lösen, sich in einem anderen Organ ansiedeln, vermehren und eine Metastase (Tochtergeschwulst) bilden. Diese Geschwulst enthält Zellen des Primärtumors und nicht des umgebenden Gewebes. Daher ist es möglich, anhand einer Laboruntersuchung von Hirnmetastasen-Gewebe auf den Primärtumor zu schließen, der in einigen Fällen noch unbekannt ist. Wandernde Tumorzellen gelangen über die Blutbahnen in das Gehirn.
Die Anzahl der diagnostizierten Hirnmetastasen steigt aufgrund des verlängerten Überlebens von Krebspatienten, der Verbesserung von Diagnosetechniken wie der Magnetresonanztomografie (MRT) und deren häufigere Anwendung. Hirnmetastasen sind mittlerweile häufiger als Tumoren, die direkt im Gehirn entstehen. Besonders häufig findet man Hirnmetastasen bei Primärtumoren der Lunge, der Brust sowie beim schwarzen Hautkrebs. Laut der deutschen Hirntumorhilfe gehen aufgrund der Häufigkeit der zugrunde liegenden Krebserkrankung 40 - 60 % der Hirnmetastasen auf ein Bronchialkarzinom (Lungenkrebs), 15 - 20 % auf ein Mammakarzinom (Brustkrebs) und 10- 15 % auf ein malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs) zurück. In 10 - 20 % der Fälle ist der Primärtumor nicht bekannt. Die Wahrscheinlichkeit für die Bildung einer Metastase im Gehirn ist bei einigen fortgeschrittenen Krebserkrankungen gar nicht niedrig. Bei etwa 45 % der Patienten mit malignem Melanom oder kleinzelligem Bronchialkarzinom treten im Laufe der fortgeschrittenen Erkrankung eine oder mehrere Metastasen im Gehirn auf.
Symptome von Hirnmetastasen
Hirnmetastasen müssen zunächst keine Symptome verursachen. Meist treten Beschwerden bei bereits fortgeschrittenem Wachstum oder dem Befall empfindlicher Hirnregionen auf. Ob Symptome auftreten und welche dies sein können, hängt vornehmlich von Lage und Größe der Metastase ab. Viele Patienten berichten zunächst von lang andauernden, starken Kopfschmerzen, die sich durch die Einnahme von Schmerzmitteln nicht merklich verbessern. Auch von Übelkeit bis hin zum Erbrechen wird berichtet. Hauptverantwortlich für diese unspezifischen Symptome ist meist eine Flüssigkeitsansammlung im Umkreis der Metastase (Ödem). Da sich das Gehirn aufgrund des ihn umgebenden Schädelknochens nicht ausdehnen kann, führt das Ödem zu einem Anstieg des Hirndrucks. Dies äußert sich in Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Schwindel.
Viele Symptome einer Hirnmetastase sind relativ unspezifisch. Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel können also viele, meist weniger dramatische Ursachen haben. Oftmals handelt es sich dabei auch um Nebenwirkungen von Medikamenten, die Krebspatienten einnehmen müssen. Bei lang anhaltenden, starken und ungewöhnlich verlaufenden Kopfschmerzen oder sich nicht bessernder Übelkeit, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, der gegebenenfalls Untersuchungen zur Abklärung der Symptome veranlassen wird.
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Metastasen im Gehirn können sich ebenfalls durch Funktionsstörungen oder Lähmungen äußern. Plötzlich auftretende Gleichgewichtsprobleme, ein eingeschränktes Sehfeld oder eine undeutliche Sprache sind Anzeichen dieser neurologischen Ausfallerscheinungen. Auch psychische Auffälligkeiten und Wesensveränderungen, zusammengefasst als hirnorganisches Psychosyndrom, sind Symptome, die durch Hirnmetastasen hervorgerufen werden können. Besonders erschreckend für alle Beteiligten ist die Situation, wenn sich eine Hirnmetastase durch das Auftreten eines epileptischen Anfalls äußert. Dieser kann ganz unterschiedlich ablaufen: Bei einigen Patienten kommt es zu Bewusstlosigkeit, Krämpfen und Zuckungen am ganzen Körper. Andere behalten das Bewusstsein, es kommt zu Verkrampfungen an nur einem Arm oder Bein. Hat eine Person noch nie zuvor einen epileptischen Anfall gehabt, sollte sofort ein Arzt zur weiteren Abklärung aufgesucht werden.
Sehstörungen als Symptom
Sehstörungen können viele Ursachen haben, etwa eine Augenerkrankung oder Migräne. Vergleichsweise selten steckt ein Hirntumor dahinter. Hirntumoren und Hirnmetastasen können auf verschiedenen Wegen zu Sehproblemen führen. Zum einen kann die Geschwulst durch ihre Lage und/oder ihre Größe direkt auf den Sehnerv drücken. Zum anderen kann ein Tumor den Hirndruck erhöhen, was Sehstörungen und zahlreiche andere Beschwerden auslösen kann.
Ein Beispiel für einen Tumor, der direkten Druck auf den Sehnerv ausübt, ist das sogenannte Optikusgliom. Dieser vor allem bei Kindern auftretende Tumor wächst entlang des Sehnervs beziehungsweise der Sehbahn. Zu häufigen Beschwerden zählen ein eingeschränktes Sichtfeld und eine Sehschwäche. Das Auge kann deutlich hervortreten. Zudem kann der Hirndruck steigen, was zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen kann.
Ein Tumor der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) führt ebenfalls häufiger zu Sehstörungen, wenn er auf den Sehnerv drückt. Im schlimmsten Fall kommt es zur Erblindung. Die Hypophyse befindet sich etwa in der Kopfmitte in einer Vertiefung des Schädelknochens unterhalb des Hirns. Sie zählt zwar streng genommen nicht zum Hirn, ist jedoch mit dem Zwischenhirn verbunden.
Auch Hirntumoren und -metastasen in anderen Hirnbereichen können Sehstörungen auslösen, etwa weil sie den Druck im Inneren des Schädels ansteigen lassen. Ein erhöhter Hirndruck kann entstehen, wenn ein Tumor durch sein Wachstum andere Gewebestrukturen verdrängt. Bei erhöhtem Hirndruck herrscht innerhalb des Schädels zu hoher Druck. Ursachen können zum Beispiel Tumore oder Entzündungen sein. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen bis Atemstillstand.
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Sprachstörungen als Symptom
Ein weiteres neurologisches Symptom, das Folge eines Hirntumors sein kann, sind Sprachstörungen (Aphasie). Je nach Lage und Art des Tumors kann es außerdem zu Schluckbeschwerden (Dysphagie) kommen.
Diagnose von Hirntumoren und Hirnmetastasen
Wurde der Verdacht auf eine Hirnmetastase durch bildgebende Methoden, wie zum Beispiel die MRT, bestätigt, gibt es mehrere Möglichkeiten, diese zu behandeln.
Wenn bei Ihnen Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig. Schon Ihre Krankengeschichte kann oft wichtige Informationen geben, die den Neurologen zur Diagnose Gehirntumor führen können. Die körperliche Untersuchung gibt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Hinweise darauf, dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt.
Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist. Die Positronenemissionstomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht.
Mit der PET lassen sich beispielsweise Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven Zellen unterscheiden. Da Krebszellen schnell wachsen, benötigen sie meist viel Energie. Sie nehmen zum Beispiel Traubenzucker oder Sauerstoff oft viel rascher auf als gesundes Gewebe. Ein Stoff mit chemisch veränderten Molekülen, die der Körper bei vielen Stoffwechselprozessen umsetzt oder als Energiequelle braucht (Tracer, engl. to trace = ausfindig machen), wird mit einer leicht radioaktiven Substanz beladen. Die Spur dieser kleinsten Teilchen wird durch die besondere Technik der PET sichtbar. Auf diese Weise lassen sich auch Tochtergeschwülste besser erkennen. Manche Tumoren zeigen jedoch keine erhöhte Stoffwechselaktivität. Dann hilft eine PET-Untersuchung nicht weiter.
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Allerdings kann auch entzündetes Gewebe eine erhöhte Stoffwechselaktivität haben und somit vermehrt Tracer anreichern. Eine PET allein reicht daher nicht aus, um Krebs festzustellen. In manchen Fällen ist bei Verdacht auf einen Gehirntumor eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen.
Bei der Liquorpunktion oder Lumbalpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule der Rückenmarkkanal mit einer feinen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelkörpern punktiert. Der Neuropathologe untersucht dann das entnommene Nervenwasser unter dem Mikroskop auf Tumorzellen. Bei einigen Gehirntumoren ist diese Untersuchung notwendig, um zu bestimmen, wie weit sich die Erkrankung ausgedehnt hat (Staging). Selten breiten sich auch Tumoren anderer Organe, zum Beispiel der Lunge oder der Brust, über das Nervenwasser bis hin zu den Gehirnhäuten aus (meningeale Karzi…).
Behandlungsmöglichkeiten von Hirntumoren und Hirnmetastasen
Zunächst steht die Linderung der Symptome im Vordergrund, um die Lebensqualität des Patienten zu erhalten oder wiederherzustellen. Da Symptome oftmals durch Ödeme ausgelöst werden, kommen zunächst Medikamente mit abschwellender Wirkung zum Einsatz. Dazu werden Kortikosteroide („Kortison“) verabreicht, die ihre Wirkung schnell entfalten. Meist tritt schon nach wenigen Stunden eine Besserung auf oder die Symptome verschwinden ganz. Patienten, die unter epileptischen Krampfanfällen leiden, werden mit Antikonvulsiva („Antiepileptika“) behandelt.
Ob und wie Hirnmetastasen behandelt werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen entscheidet die Größe und Lage der Metastase, welche Behandlung für den Patienten infrage kommt. Große Metastasen mit einem Durchmesser von über 3 cm oder Metastasen, die Symptome verursachen, werden nach Möglichkeit operiert. Da bei einigen Patienten mit Hirnmetastasen (ca. 10 - 20 %) der Primärtumor nicht bekannt ist, bietet eine Operation die Möglichkeit, Tumorgewebe zu gewinnen. Durch dessen Charakterisierung im Labor kann möglicherweise auf den Primärtumor geschlossen werden. Tief im Gehirn gelegene Metastasen, oder Metastasen, die in der Nähe besonders wichtiger Hirnregionen liegen, sind oft schwer zu operieren.
Auch die Anzahl der Metastasen spielt bei der Therapiewahl eine Rolle. Doch nicht immer ist eine Operation möglich oder sinnvoll. Neben der Lage und der Anzahl der Metastasen kann auch der Gesundheitszustand des Patienten eine Operation unmöglich machen. In diesen Fällen wird oftmals eine Strahlentherapie durchgeführt. Die Strahlung schädigt die Erbsubstanz der Zellen, sodass die Zellteilung aufhört und die Zellen absterben.
Sind nur wenige Metastasen im Gehirn vorhanden, kann die sehr gezielte sogenannte stereotaktische Strahlentherapie (Radiochirurgie) z. B. mittels Gamma-Knife oder Cyberknife zum Einsatz kommen. Hierbei wird eine hohe Strahlendosis punktgenau auf die Metastase ausgerichtet. Die genaue Lokalisation wird zuvor mittels MRT bestimmt. Eine punktgenaue Bestrahlung schont das umliegende Hirngewebe und kann in wenigen Behandlungstagen meist ohne Krankenhausaufenthalt durchgeführt werden. Die stereotaktische Strahlentherapie kann in jeder Hirnregion und dadurch auch bei inoperablen Metastasen eingesetzt werden. Die gezielte Bestrahlung kommt in der Regel auch nach einer Operation als ergänzende Therapie zum Einsatz. Durch die Bestrahlung sollen vereinzelte Tumorzellen, die möglicherweise nach der Operation im Gehirn verblieben sind, abgetötet werden. Damit soll ein Rückfall verhindert werden.
Liegen jedoch viele Metastasen im Gehirn vor, wird meist das ganze Gehirn bestrahlt. Bei über 70 % der Patienten können dadurch neurologische Symptome und die Lebensqualität verbessert werden. Da die Ganzhirnbestrahlung auch Nebenwirkungen hat, zu denen neben Haarverlust auch Gedächtnisstörungen gehören, schrecken viele Patienten davor zurück. Eine etwas schonendere Form das ganze Gehirn zu bestrahlen ermöglichen Rotationstechniken, die das Bestrahlungs-Gerät um den Kopf herumführen. Dadurch wird der mittig liegende Hippocampus, die Steuerzentrale des Gedächtnisses, durch eine geringere Strahlenintensität belastet. Diese Form der Bestrahlung kann in Einzelfällen angewendet werden, ist aber noch keine allgemein anerkannte Standardbehandlung. Nach der Operation ist die stereotaktische Bestrahlung eine Alternative zur Ganzhirnbestrahlung. Dabei wird die Operationshöhle nach einer Entfernung der Hirnmetastase gezielt bestrahlt. Durch die Schonung übriger Hirnregionen werden kognitive Störungen weitgehend vermieden.
Mittlerweile gehört auch die medikamentöse Therapie zu den zusätzlichen Behandlungsmöglichkeiten bei einigen Patienten mit Hirnmetastasen. Dies ist besonders den Fortschritten in der Entwicklung der sogenannten zielgerichteten Therapien zu verdanken. Dies sind Therapien, die spezifisch gegen den Krebs wirken, weil sie auf molekulare Eigenschaften von Krebszellen abzielen, die nur diesen, nicht oder kaum jedoch gesunden Körperzellen eigen sind. Bei einigen Krebserkrankungen (z. B. HER2-positiver Brustkrebs, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs mit EGFR- oder ALK-Mutationen oder malignes Melanom mit BRAF-Mutationen) sind sie bereits das Mittel der Wahl. Die Datenlage für die Wirksamkeit dieser Medikamente bei Hirnmetastasen ist jedoch häufig schlechter. Patienten mit Hirnmetastasen sind meist von der Teilnahme an klinischen Studien ausgeschlossen. Zu den oben genannten Tumorarten gibt es jedoch bereits Studien an Patienten mit Hirnmetastasen, die zeigen, dass die zur Behandlung des Primärtumors verwendeten zielgerichteten Medikamente zum Teil auch die Hirnmetastasen bekämpfen. Sollte es sich um einen hormonempfindlichen Primärtumor handeln (z. B. Brustkrebs), kommt eventuell eine Antihormontherapie in Frage. Auch Immuntherapien, die die körpereigene Abwehr wieder mobilisieren, konnten in Studien die Überlebenszeiten bei bestimmten Patientengruppen signifikant verlängern.
Generell müssen bei der Wahl der Therapie immer mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Lage, Größe oder Anzahl der Metastasen schließen bereits einige Therapiemöglichkeiten aus. Außerdem wichtig bei der Wahl einer Therapie sind Faktoren, die auf die Überlebensaussichten des Patienten schließen lassen. Eine gute Kontrolle des ursächlichen Krebsleidens oder ein langer Zeitraum zwischen der Diagnose des Primärtumors und der Hirnmetastase sind Faktoren, die eine aggressive Behandlung der Hirnmetastase rechtfertigen.
Behandlung von Meningeomen
Meningeome sind in der Regel gut behandelbar. Ob eine Behandlung generell nötig und welche Methode dann die geeignetste ist, richtet sich dabei nach der Größe, der Lage und dem Wachstumsverhalten des Tumors. Auch der allgemeine Gesundheitszustand der Patient:innen spielt eine große Rolle.
Die mikrochirurgische Resektion ist die bevorzugte Behandlungsmethode bei Meningeomen: Ziel des minimal-invasiven Eingriffs ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Da die Neurochirurgin oder der Neurochirurg dabei mit einer stark vergrößernden Sehhilfe arbeitet, ist eine hohe Präzision möglich und das Risiko, dass das umliegende Gewebe Schaden nimmt, ist sehr gering.
Die Bestrahlung ist eine häufige Behandlungsmethode bei Meningeomen. Sie kommt zum Einsatz, wenn eine operative Entfernung des Tumors nicht möglich ist, oder wenn sich der Tumor bei einem mikrochirurgischen Eingriff nicht komplett entfernen ließ. Dabei gibt es zwei Therapieformen: Bei der sogenannten stereotaktischen Radiochirurgie wird der Tumor einmalig sehr präzise mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt. Das schont das umliegende gesunde Gewebe. Die fraktionierte Strahlentherapie verteilt die Gesamtdosis der Strahlung auf mehrere Sitzungen, was das Risiko von Nebenwirkungen reduzieren kann.
Eine Chemotherapie, wie sie in der Krebstherapie angewendet wird, kommt bei Meningeomen seltener zum Einsatz, da diese Tumoren oft nicht besonders empfindlich auf chemotherapeutische Medikamente reagieren. Wenn aber Meningeome trotz einer Strahlentherapie schnell weiterwachsen oder wenn es sich doch um ein malignes, also um ein „bösartiges“ Meningeom handelt, kann eine Chemotherapie dabei helfen, das Tumorwachstum zu verlangsamen oder die Symptome zu lindern.
Behandlung von Gliomen
Die Behandlung eines Glioms richtet sich nach der Tumorart, der Größe, der Lage und dem individuellen Zustand des Patienten. Bei niedriggradigen Gliomen kann eine operative Entfernung als Therapie ausreichen. Hochgradige, bösartige Gliome, wie das Glioblastom, erfordern in der Regel eine Kombination aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind erforderlich, um ein Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen und ggf.
Behandlung von Glioblastomen
Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die derzeitige Standardtherapie umfasst eine maximal sichere chirurgische Entfernung des Tumors, gefolgt von einer kombinierten Therapie nach dem Stupp-Schema, bestehend aus Bestrahlung und einer begleitenden Chemotherapie mit einem oralen alkylierenden Zytostatikum (Temozolomid). Der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus beeinflusst dabei die Wirksamkeit der Chemotherapie.
Diese Behandlungsmethoden stehen beim Glioblastom zur Verfügung:
- Operation: Die wichtigste Methode in der Therapie von Glioblastomen ist die Operation. Diese Tumoren liegen häufig in Regionen, die für die neurologische Funktion entscheidend sind. Das Hauptziel einer Resektion besteht darin, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne das umgebende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Da Glioblastome von einer Zone infiltrierender Zellen umgeben sind, ist eine vollständige Entfernung nicht möglich. Die Operation verringert die Tumormasse, entfernt therapieresistente Zellen im Zentrum und senkt den intrakraniellen Druck. So kann das Überleben verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. Da der Tumor nie vollständig entfernt werden kann, erhalten die meisten Patient:innen nach der Operation weitere Behandlungen.
- Strahlentherapie: Sobald die Operationswunde verheilt ist, folgt die Strahlentherapie. Ziel ist es, verbliebene Tumorzellen, die in gesundes Hirngewebe eingedrungen sind, gezielt abzutöten. Die standardmäßige externe Bestrahlung umfasst den Tumor und einen Randbereich und wird in mehreren Sitzungen durchgeführt. Sie führt meist zu besseren Ergebnissen als eine alleinige Operation. Die Strahlentherapie wird dabei mit einer Chemotherapie kombiniert. Bei Patient:innen, die nicht operiert werden können, kann eine Radio-Chemo-Therapie auch primär eingesetzt werden.
- Chemotherapie: Patient:innen erhalten während der Bestrahlung Temozolomid, gefolgt von sechs Erhaltungszyklen. Der molekulare MGMT-Status hilft bei der Beurteilung, ob Temozolomid besonders wirksam ist.
- Tumor Treating Fields (TTF): TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. Über Klebepads auf der Kopfhaut wird ein elektrisches Feld erzeugt. TTF werden meist mit Chemotherapie kombiniert und können nach der Strahlentherapie angewendet werden.
- Therapie des Rezidivs: Beim Wiederauftreten des Glioblastoms kommen weitere Chemotherapien, erneute Resektion oder Studienprotokolle infrage. Die Teilnahme an klinischen Studien wird ausdrücklich empfohlen.
- Palliativmedizin und supportive Therapie: Hierbei geht es um die Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, neurologischen Ausfällen oder Hirndrucksymptomen. Palliativmediziner:innen begleiten Patient:innen, Angehörige und das Behandlungsteam, um die Lebensqualität zu erhalten und die Behandlung bestmöglich zu unterstützen.
Hypophysenadenom: Eine besondere Form des Hirntumors
Ein Hypophysenadenom ist ein seltener, gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) im Schädel. Er macht etwa 15 Prozent aller Hirntumoren aus. Die Erkrankung kommt in allen Altersgruppen vor, meistens diagnostiziert sie der Arzt zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr.
Das Hypophysenadenom wächst im sogenannten Türkensattel (Sella turcica). Das ist eine knöcherne Mulde der vorderen Schädelbasis, in der die Hirnanhangsdrüse liegt. In unmittelbarer Nähe kreuzen sich die Sehnerven. Auch der Hypothalamus, das Steuerzentrum der Hirnanhangsdrüse, befindet sich hier. Wenn ein Hypophysentumor Symptome verursacht, beruht dies meist auf der Verdrängung benachbarter Hirnstrukturen.
Formen von Hypophysenadenom
Die Hirnanhangsdrüse bildet mithilfe verschiedener Drüsenzellen verschiedene Botenstoffe (Hormone, endokrine Substanzen). Es ist möglich, dass ein Hypophysenadenom prinzipiell aus jeder dieser unterschiedlichen Drüsenzellen hervorgeht und in der Folge eine Überproduktion des betreffenden Hormons verursacht. Etwa 60 Prozent aller Erkrankten weisen ein solches endokrin aktives Hypophysenadenom auf.
In 60 bis 70 Prozent der Fälle bilden die Zellen vermehrt das Muttermilch-fördernde Hormon Prolaktin. Diesen Hypophysentumor bezeichnet man als Prolaktinom. Etwas seltener schüttet die Hypophyse mit etwa fünf bis zehn Prozent das Wachstumshormon vermehrt aus. In etwa fünf Prozent der Fälle ist das adrenocorticotrope Hormon (ACTH) von der Überproduktion betroffen. Sehr selten beeinflusst ein Hypophysenadenom die Produktion von Schilddrüsen- und Sexualhormonen.
Neben diesen endokrin aktiven Tumoren gibt es auch solche, welche die Hormonbildung nicht beeinflussen. Bei etwa 40 Prozent aller Betroffenen bleibt das Hypophysenadenom endokrin inaktiv.
Symptome von Hypophysenadenomen
Oft vergehen Jahre, bevor ein Hypophysentumor Symptome hervorruft, denn er wächst sehr langsam. Obwohl es sich grundsätzlich um einen gutartigen Tumor handelt, löst das Hypophysenadenom aufgrund seiner Lage im Schädel mitunter gefährliche Symptome aus - entweder, weil der Tumor auf benachbarte Hirnstrukturen drückt oder weil er den Hormonstoffwechsel stört.
Allgemeine Hirntumor-Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Muskellähmungen und ein Wasserkopf (Hydrozephalus) treten meistens erst bei einem großen Hypophysenadenom auf.
Drückt das Hypophysenadenom auf den Sehnerv, entwickeln sich Sehstörungen. Oft fallen zunächst die äußeren Gesichtsfelder aus. Einige Betroffene sehen verschwommen oder doppelt. Bei einem Hypophysenadenom liegen solche Sehprobleme nicht unbedingt kontinuierlich vor. Sie wechseln beispielsweise und sind unterschiedlich stark. Durch größere Tumoren erblinden manche Betroffene jedoch sogar.
Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) bildet auf entsprechende Signale ihres übergeordneten Zentrums (Hypothalamus) hin sechs verschiedene Hormone. Diese regen andere Hormondrüsen im Körper (wie Schilddrüse oder Nebenniere) dazu an, ihrerseits Hormone zu produzieren. Dadurch regulieren Hypothalamus und Hypophyse die Ausschüttung verschiedener Hormone im Körper.
Ein Hypophysenadenom beeinträchtigt die Funktion von Hypothalamus und/oder Hypophyse. Dann bilden sie unter Umständen zu viele oder zu wenige Hormone. Dadurch treten unterschiedliche Beschwerden auf. Obwohl die Ursache all dieser Beschwerden ein Hypophysenadenom ist, erhalten einige Krankheitsbilder einen eigenen Namen wie beispielsweise das Prolaktinom, die Akromegalie und Morbus Cushing.
Behandlung von Hypophysenadenomen
Verursacht ein Hypophysenadenom keine Symptome, ist eine Behandlung nicht zwangsläufig notwendig. Dann kontrolliert der Arzt in bestimmten Zeitabständen mit einer bildgebenden Untersuchung (nach der Devise "wait and scan"), ob der Tumor wächst und eine Behandlung erforderlich macht.
Welche Therapie bei einem Hypophysenadenom infrage kommt, ist individuell verschieden. In der Regel besprechen alle beteiligten Ärzte, darunter auch Spezialisten für hormonelle Erkrankungen (Endokrinologen), zusammen mit dem Betroffenen, welche Behandlung am sinnvollsten ist. Prinzipiell lässt sich ein Hypophysenadenom operieren, bestrahlen und medikamentös behandeln.
Bei einer Operation versuchen die Chirurgen, das Hypophysenadenom möglichst vollständig zu entfernen. Das Besondere an dieser Operation ist, dass sie oft über die Nase durchgeführt wird. Dadurch sieht man nach der Operation keine Narbe am Kopf. Bei größeren Tumoren ist es manchmal notwendig, diese mit einer Strahlentherapie zunächst zu verkleinern.
Bei einer Operation besteht das Risiko, umliegende Strukturen wie Gefäße, Nerven oder die Hypophyse selbst zu verletzen, was dann weitere Therapiemaßnahmen und eine umfassende Nachsorge erforderlich macht.
Nicht bei allen Erkrankten mit einem Hypophysenadenom ist eine Operation erforderlich. Hormon-produzierende Hypophysentumore wie das Prolaktinom sind teilweise auch medikamentös gut behandelbar. Außerdem kommt die medikamentöse Therapie oft vor der Operation zum Einsatz und wenn ein Hormonkreislauf nach der Behandlung dauerhaft geschädigt ist. ADH, Schilddrüsen-, Wachstums-, Sexual- und Stresshormone sind bei einem Mangel durch Medikamente ersetzbar (Hormonersatztherapie).
Da der Körper die Hormone aber im Tagesverlauf und abhängig von der jeweiligen Lebensphase in unterschiedlichen Mengen bildet und ausschüttet, ist diese Therapie nicht ganz einfach. Um die Dosis optimal einzustellen, sind verschiedene Werte im Körper teilweise zu unterschiedlichen Tageszeiten zu ermitteln. Auch in bestimmten Situationen wie bei Stress oder Infektionen nehmen Betroffene manchmal mehr oder weniger Medikamente ein als gewöhnlich. Eine Hormontherapie überwacht der Arzt daher regelmäßig.
Verlauf und Prognose von Hypophysenadenomen
Der Krankheitsverlauf und die Prognose hängen bei einem Hypophysenadenom ganz entscheidend davon ab, wann der Arzt es entdeckt und wann die Behandlung beginnt. Bei rechtzeitiger Therapie ist die Prognose sehr gut. Einige Betroffene sind vollständig heilbar, andere müssen lebenslang Hormone einnehmen.
Bestehen Hormonveränderungen über lange Zeit, nehmen unter Umständen viele verschiedene Organe im Körper Schaden. Unerkannte Hormonstörungen durch ein Hypophysenadenom verlaufen mitunter tödlich.
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