Hirntumoren und Blutkrebs: Ein komplexer Zusammenhang

Das Gehirn, ein hochspezialisiertes Organ, steuert komplexe Körperfunktionen wie Sinneswahrnehmung, Gedächtnis, Lernprozesse, Bewegungen, Sprache und Gefühle. Es ist auch für die Ausprägung der Persönlichkeit verantwortlich. Da das Gehirn im Inneren des knöchernen Schädels liegt, ist es gut vor äußeren Einwirkungen geschützt. Diese starre Begrenzung kann jedoch bei Erkrankungen, die die Gehirnmasse erhöhen, den Druck im Schädelinneren lebensbedrohlich erhöhen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut 7.330 Menschen neu an Tumoren des zentralen Nervensystems, das heißt an Tumoren des Gehirns oder des Rückenmarks.

Aufbau und Funktion des Gehirns

Das Gehirn und das Rückenmark bilden gemeinsam das zentrale Nervensystem (ZNS), das aus Milliarden von Nervenzellen (Neuronen) besteht. Die Nervenzellen bestehen aus Zellkernen und Nervenzellfortsätzen (Axonen). Die Gesamtheit der Zellkerne wird auch graue Substanz genannt und liegt im äußeren Teil des Gehirns, wo sie unter anderem die Großhirnrinde bildet. Die Gesamtheit der Nervenzellfortsätze wird als weiße Substanz bezeichnet. Hier sind die Nervenzellfortsätze kompliziert verschaltet und vermitteln Informationen in Richtung des Gehirns oder vom Gehirn in den Körper.

Zwischen dem Schädelknochen und der Gehirnoberfläche befinden sich die Hirnhäute sowie das Nervenwasser (Liquor), welches das gesamte Gehirn und das Rückenmark umspült. Nervenwasser befindet sich auch im Inneren des Gehirns, wo es die Gehirnkammern (Ventrikel) ausfüllt.

Die wesentlichen Anteile des menschlichen Gehirns werden als Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm bezeichnet. Das Großhirn (Cerebrum) nimmt etwa 80 Prozent der Gehirnmasse ein und besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die durch das Corpus callosum miteinander verbunden sind. Jede Gehirnhälfte wird in vier Gehirnlappen unterteilt, die unterschiedliche Körperfunktionen steuern:

  • Frontallappen: Bewegung, Sprache, geistige Leistungen, Persönlichkeitsmerkmale, willkürliche Bewegungen der Augen
  • Scheitellappen: Gefühlsempfindungen, Erinnerung und Gedächtnis

Das Kleinhirn (Cerebellum) liegt im hinteren Bereich des Schädels unter dem Großhirn und ist mit dem Hirnstamm verbunden, der seinerseits das Gehirn mit dem Rückenmark verbindet. Das Kleinhirn koordiniert Bewegungen und sorgt unter anderem dafür, dass wir das Gleichgewicht halten können.

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Der Hirnstamm beherbergt die Nervenbahnverbindungen zwischen Gehirn und Rückenmark und ist zuständig für unbewusst ablaufende Funktionen und Reflexe (beispielsweise Schluckreflex, Husten, Speichelproduktion und andere).

Ein Mensch hat zirka 200 Milliarden Nervenzellen. Eine einzelne Nervenzelle kann bis zu zehntausend Fortsätze (Axone) aussenden, um mit anderen Nervenzellen Kontakte (Synapsen) auszubilden und über diese Informationen auszutauschen. Diese Zahlen zeigen, wie vielfältig und komplex das Gehirn aufgebaut ist.

Anders als normale Körperzellen können Nervenzellen sich nach der Geburt nur noch begrenzt teilen. Die zahlreichen feinen Blutgefäße (Kapillaren) des Gehirns bilden die sogenannte Blut-Hirn-Schranke. Diese grenzt das zentrale Nervensystem gegen den Blutkreislauf ab, sodass Krankheitserreger und andere schädliche Stoffe nicht ins Gehirn gelangen können. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sitzt an der Basis des Gehirns etwa auf Höhe der Augen.

Arten von Hirntumoren

Primäre Hirntumoren sind Tumoren, die direkt im Gehirn entstehen. Sie können sich aus verschiedenen Zellen im Gehirn entwickeln, am häufigsten aus den Stützzellen, den sogenannten Gliazellen. Mediziner bezeichnen solche Tumoren als "Gliome".

Gliome werden je nach Zelltyp der Gliazellen, aus denen sie sich entwickelt haben, in verschiedene Arten unterteilt. Zu den Gliazellen gehören die Astrozyten, Oligodendrozyten und die Ependym-Zellen. Daraus können sich das Astrozytom, das Oligodendrogliom und das Ependymom entwickeln. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.

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Andere Hirntumoren, die häufiger auftreten, sind:

  • Meningeome (aus Zellen der Hirnhaut)
  • Neurinome/Schwannome (aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen)
  • Medulloblastome (aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn)

Mit etwa 50 Prozent aller primären Tumoren des zentralen Nervensystems sind Gliome die häufigsten Hirntumoren. Sie leiten sich von den Gliazellen ab. Da das Gehirn mehrere Arten dieser Stützzellen enthält, lassen sich Gliome wiederum in verschiedene Untergruppen einteilen.

Astrozytome entstehen aus den sternförmigen Stützzellen des Gehirns (Astrozyten). Sie sind die häufigsten Gliome und können in allen vier WHO-Graden auftreten. Dabei ist das pilozytische Astrozytom (WHO-Grad 1) ein gutartiger Hirntumor, an der überwiegend Kinder und junge Erwachsene erkranken. Diffuse Astrozytome der WHO-Grade 2 und 3 wachsen langsam und haben keine deutliche Grenze zum umliegenden Gewebe. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie zunächst wenig bösartig (maligne) sind, im Laufe der Erkrankung aber bösartiger werden können. Sorgfältige und regelmäßige Nachuntersuchungen sind daher besonders wichtig. Das bösartigste Gliom ist das Glioblastom (Glioblastoma multiforme - WHO-Grad 4).

Oligodendrogliome entstehen aus den Stützzellen, welche die Markscheiden bilden (Oligodendrozyten). Ependymome entwickeln sich aus der Wand der Gehirnkammern.

Gliale Hirntumoren werden nach folgenden Kriterien eingeteilt:

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  • Histopathologisch: Untersuchung einer Gewebeprobe unter dem Mikroskop
  • Molekulare Analyse: Untersuchung von genetischen Merkmalen. Diffuse Astrozytome können anhand einer bestimmten Genmutation unterschieden werden.

Das Medulloblastom gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen im Kindesalter. Es handelt sich um eine Geschwulst des Kleinhirns, die aus unreifen Zellen des kindlichen Gehirns entsteht.

Meningeome entwickeln sich aus Zellen der Hirnhäute. Sie machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus. Betroffen sind überwiegend Menschen im mittleren und höheren Lebensalter, vor allem Frauen. Meningeome wachsen langsam und bleiben daher oft über längere Zeiträume unentdeckt oder werden nur zufällig entdeckt. Krankheitserscheinungen treten vor allem dadurch auf, dass der wachsende Tumor angrenzende Gehirnstrukturen verdrängt und in ihrer Funktion beeinträchtigt oder epileptische Anfälle auslöst. Welche Hirntumor-Symptome im Einzelnen auftreten, hängt wesentlich von der genauen Lage des Meningeoms ab.

In 85 Prozent der Fälle werden Meningeome als gutartige Hirntumoren in den WHO-Grad 1 eingestuft und können durch operative Entfernung geheilt werden. Etwa zehn Prozent der Meningeome sind jedoch sogenannte atypische Meningeome (WHO-Grad 2). Sie wachsen verstärkt und neigen dazu, nach der Behandlung wiederaufzutreten (Rezidiv). Allerdings haben auch diese Meningeome in der Regel eine günstige Prognose. Bösartige Meningeome (WHO-Grad 3) werden nur bei etwa fünf Prozent der Betroffenen beobachtet. Sie müssen gewöhnlich zusätzlich zur Operation mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Auch gutartige Meningeome können nicht immer vollständig entfernt werden und können dann erneut wachsen. Bei diesen Betroffenen, aber auch bei solchen, bei denen der Tumor komplett entfernt werden konnte, sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich.

Neurinome bilden sich aus den die markscheidenbildenden Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven. Sie entstehen meist in der hinteren Schädelgrube, wo sie Strukturen des Hirnstamms und des Kleinhirns in Mitleidenschaft ziehen können. Am häufigsten ist der achte Gehirnnerv betroffen, der für den Gehör- und Gleichgewichtssinn zuständig ist (Akustikus-Neurinom oder Vestibularis-Schwannom). Auch Neurinome sind gutartige Hirntumoren, die in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle dem WHO-Grad 1 entsprechen.

Obwohl das Gehirn kein lymphatisches Organ ist, können im Gehirngewebe Tumoren aus Lymphzellen entstehen. Das sind Zellen, die an der körpereigenen Abwehr beteiligt sind und zum Beispiel in Lymphknoten, Milz und Blut vorkommen. Warum diese Tumorform im zentralen Nervensystem entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Diese Tumoren treten bei zuvor vollkommen gesunden Personen auf, aber gehäuft auch bei Betroffenen mit einer Immunschwäche. Aus unbekannten Gründen kommt diese Tumorart auch bei Menschen ohne Immunschwäche immer häufiger vor. Lymphome des Gehirns werden in der Regel nicht operativ entfernt.

Hypophysenadenome zählen im engeren Sinn nicht zu den Hirntumoren. Diese entstehen im Bereich der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und können sich gegen den Sehnerv sowie Anteile der Gehirnbasis ausdehnen. Manche der Hypophysenadenome zeichnen sich dadurch aus, dass sie Hormone bilden. Die Folge sind Störungen in den Hormonfunktionen, etwa Menstruationsstörungen, Wachstumsstörungen oder andere. Die durch den Tumor gebildeten Hormone lassen sich sowohl im Blut als auch im Tumorgewebe selbst nachweisen. In den meisten Fällen sind Hypophysenadenome gutartige Tumoren (WHO-Grad 1) mit günstiger Prognose. In der Regel werden Hypophysenadenome operiert. Manchmal ist auch eine alleinige medikamentöse Behandlung möglich und erfolgreich.

Krebserkrankungen anderer Organe können auch im Gehirn Tochtergeschwülste bilden (Gehirnmetastasen). Diese Metastasen im Kopf sind im Erwachsenenalter häufiger als primäre Tumoren des Gehirns. Ein Verdacht auf Gehirnmetastasen entsteht insbesondere dann, wenn mehrere Tumorherde in verschiedenen Gehirnanteilen nachweisbar sind oder wenn bei einem Betroffenen bereits eine Krebserkrankung in einem anderen Organ festgestellt wurde. Gelegentlich tritt eine Hirnmetastase allerdings auch als erstes Krankheitszeichen eines bisher unbekannten Krebsleidens auf. Manche Krebsarten neigen besonders dazu, Metastasen im Kopf zu bilden.

Hirnmetastasen: Wenn Krebs ins Gehirn streut

Sekundäre Hirntumoren werden auch als Hirnmetastasen bezeichnet. Diese Tumoren bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Betroffene mit Hirnmetastasen erhalten eine Behandlung, die sich auch an der ursprünglichen Krebsart orientiert, von der die Metastasen stammen.

Bei etwa 30 Prozent der Tumoren im Gehirn handelt es sich um Hirnmetastasen. Damit sind sie die häufigsten Neubildungen im zentralen Nervensystem. Hirnmetastasen sind Tochtergeschwulste eines bereits bestehenden Krebstumors im Körper, der als Primärtumor oder Primarius bezeichnet wird. Mehr als ein Viertel der Patienten mit einem bösartigen Tumor im Körper entwickeln Tochtergeschwulste im Gehirn. Meistens zeigen Hirnmetastasen das Endstadium oder zumindest ein weit fortgeschrittenes Stadium der ursächlichen Krebserkrankung an.

Aber nicht jeder solide Tumor im Körper streut in das Gehirn. Warum sich einige Krebsarten im Gehirn ausbreiten und andere nicht, ist bisher noch nicht vollständig erforscht. Das Risiko für Hirnmetastasen besteht bei folgenden Tumorerkrankungen in absteigender Häufigkeit:

  1. Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
  2. Brustkrebs (Mammakarzinom)
  3. Schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom)
  4. Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs)
  5. bösartige Tumoren im Verdauungstrakt
  6. bösartige Tumoren im Harntrakt

Da sehr viele Menschen an Lungenkrebs leiden, ist er für etwa die Hälfte aller diagnostizierten Hirnmetastasen verantwortlich. Die zweithäufigste Krebsart, die als Ursache von Hirnmetastasen identifiziert wird, ist mit etwa 20 Prozent Brustkrebs, gefolgt vom Schwarzen Hautkrebs, bösartigen Tumoren im Verdauungstrakt sowie Krebserkrankungen im Harntrakt und an den Genitalien.

Manchmal bestehen Hirnmetastasen auch, ohne dass der Primärtumor auffindbar ist. Dann spricht man von einem Primarius unklarer Herkunft (Cancer of Unknown Primary, CUP-Syndrom).

Ursachen und Vorbeugung von Hirnmetastasen

Von dem Primärtumor im Körper lösen sich einzelne Zellen oder Zellgruppen ab und gelangen über die Blutgefäße oder Lymphbahnen in eine andere Körperregion. Im ungünstigsten Fall setzen sie sich auch im Gehirn fest und wachsen dort - es entstehen Hirnmetastasen. Knochenkrebs und Tumoren im Hals-Nasen-Ohren-Bereich breiten sich meist schnell und direkt (ohne den Umweg über die Blut- und Lymphbahnen) in das Gehirn aus.

Der Ursprung von Hirnmetastasen liegt in anderen Krebserkrankungen im Körper, von denen aus der Tumor beginnt zu streuen. Diesem Prozess lässt sich kaum bis gar nicht vorbeugen. In einigen Fällen, in denen noch keine Hirnmetastasen festzustellen sind, empfehlen Ärzte, vorbeugend den Kopf zu bestrahlen.

Solitäre, singuläre und multiple Hirnmetastasen

Hat der Primärtumor nur ein einziges Mal gestreut, spricht man von einer solitären Metastase. Bestehen zusätzlich weitere Tumorabsiedelungen in anderen Organen, bezeichnen Mediziner die Hirnmetastase als singulär. Bei mehr als der Hälfte der Patienten mit Hirnmetastasen wird nur eine Absiedelung im Gehirn diagnostiziert. Multiple Hirnmetastasen liegen vor, wenn sich an mehreren Stellen im Gehirn Tumorzellen abgesiedelt haben.

Meningeosis carcinomatosa

Haben Krebszellen erst einmal das zentrale Nervensystem (ZNS) erreicht, verteilen sie sich oft im gesamten Nervenwasser (Liquor). Der Liquor umspült das Gehirn, einzelne Kammern im Gehirn und das Rückenmark. Er schützt das Gehirn normalerweise gegen Stöße und Verletzungen. Breiten sich die Krebszellen über die Liquorwege auf die Hirnhäute aus, spricht man von einer Meningeosis carcinomatosa.

Symptome von Hirnmetastasen

Da verschleppte Tumorzellen oft an unterschiedlichen Stellen im Gehirn anwachsen, unterscheiden sich auch die Hirnmetastasen-Symptome. Meist sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder ein epileptischer Anfall die ersten Anzeichen. Prinzipiell sind aber alle Symptome möglich, die auch bei einem primären Hirntumor vorkommen.

Bei einer Meningeosis carcinomatosa verstopfen häufig die Liquorwege. Das verschärft die Gefahr, dass der Hirndruck ansteigt.

Bei etwa jedem zehnten Krebspatienten verursachen laut Aussage der Deutschen Krebsgesellschaft Hirnmetastasen Symptome, bevor der Primärtumor bekannt ist. Bei ihnen liegen also schon bei der Erstdiagnose der Krebserkrankung Absiedlungen im Gehirn vor.

Diagnose von Hirnmetastasen

Die Untersuchung auf Hirnmetastasen erfolgt häufig dann, wenn bereits eine andere Krebserkrankung festgestellt wurde und der Arzt abklären will, ob sich Metastasen im Gehirn gebildet haben. Manchmal klagen Betroffene bereits über Hirntumor-Symptome, ohne dass eine Krebserkrankung diagnostiziert ist. Der Arzt stellt sie dann erst im Zuge der Untersuchungen fest.

Für die Diagnose führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen und klärt die bisherige Krankengeschichte ab. Er prüft, ob es neurologische Fehlfunktionen gibt, und testet auf Reflexe, Veränderungen in den Bewegungen und schaut, ob das Denkvermögen (kognitive Funktionen) beeinträchtigt sind.

Mithilfe der Computertomografie (CT) und der Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich Tumoren im Gehirn meist gut ausfindig machen. Diese Verfahren machen auffällige und veränderte Gewebestrukturen sichtbar.

Für die genauere Beurteilung des Tumors entnimmt der Arzt mitunter Gewebeproben (Biopsie). Im Mikroskop lassen sich Veränderungen der Zellen genau betrachten und so der Schweregrad des Tumors bereits eingrenzen. Zusätzliche Blut- und Hirnwasseruntersuchungen geben Aufschluss über bestimmte Substanzen, die Tumorzellen absondern (Tumormarker).

Außerdem führt der Arzt sogenannte molekularpathologische Untersuchungen durch, über die sich detaillierte Aussagen darüber treffen lassen, was genau im Inneren der Zellen gestört ist. Diese Untersuchungen sind sehr hilfreich, um eine Prognose zu stellen und den Behandlungsplan möglichst optimal darauf auszurichten.

Behandlung von Hirnmetastasen

Hirnmetastasen behandeln Mediziner prinzipiell ähnlich wie primäre Hirntumoren. Bei einem großen Durchmesser von mehreren Zentimetern entfernt der Arzt sie in der Regel operativ. Liegen mehr als drei Hirnmetastasen vor, ist eine zusätzliche Bestrahlungstherapie notwendig.

Bei Betroffenen mit fortgeschrittenem Krankheitsbild und einem reduzierten Gesundheitszustand stellt die Ganzhirnbestrahlung eine wichtige Therapieform dar. Außerdem kommt eine Chemotherapie infrage. Dabei wirken spezielle Medikamente dem Primarius entgegen und hindern ihn am weiteren Wachstum. In einigen Fällen, insbesondere bei früh einsetzender Therapie, ist der Krebs auf diese Weise mitunter besiegbar.

Da Hirnmetastasen aber eher ein Zeichen für das Endstadium der Krebserkrankung sind, sind sie meist nicht mehr vollständig heilbar.

Prognose bei Hirnmetastasen

Meistens entwickeln sich erst in einem späten Krebsstadium Hirnmetastasen. Lebenserwartung und Krankheitsverlauf hängen daher auch von der Grunderkrankung des Betroffenen ab. Ist das ursächliche Krebsleiden gut behandelbar, überleben die Betroffenen meistens länger. Außerdem gilt es als gutes Zeichen, wenn Hirnmetastasen erst lange Zeit nach der Krebsdiagnose auftreten.

Jüngere Erkrankte und solche mit einem relativ guten Gesamtzustand haben meistens eine höhere Lebenserwartung. Bei multiplen Hirnmetastasen ist die Prognose in der Regel schlechter als bei einer einzelnen Tochtergeschwulst.

Insgesamt beträgt die Lebenserwartung bei Patienten mit Hirnmetastasen nur drei bis sechs Monate. Etwa zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten zwölf Monate nach der Diagnose, nur einzelne Patienten leben noch mehrere Jahre mit ihrer Erkrankung. Bei einer Meningeosis carcinomatosa ist die Prognose noch schlechter. Selbst eine Therapie hebt das mittlere Überleben nur von wenigen Wochen auf einige Monate an.

Etwa die Hälfte aller Betroffenen verstirbt an ihrer primären Tumorerkrankung und nicht unbedingt an den Hirnmetastasen.

Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Blutkrebs (Leukämie)

Die Forschung zu den Zusammenhängen zwischen Hirntumoren und Blutkrebs, insbesondere Leukämie, ist komplex und noch nicht vollständig abgeschlossen. Es gibt jedoch einige interessante Erkenntnisse und mögliche Verbindungen, die in Studien untersucht wurden:

Genetische Faktoren und erbliche Syndrome

  • Erbliche Krankheitsbilder: Das Risiko für einen Hirntumor ist erhöht bei bestimmten erblichen Krankheitsbildern, wie z.B. Tumor-Syndromen wie dem Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie bei Neurofibromatose oder Tuberöser Sklerose. Diese Syndrome können auch das Risiko für andere Krebsarten, einschließlich Leukämie, erhöhen.
  • Familiäre Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.

Therapiebedingte Zusammenhänge

  • Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten. Auch die direkte radioaktive Bestrahlung des Nervensystems, wie sie gelegentlich zur Behandlung anderer lebensbedrohender Erkrankungen, z.B. der akuten Leukämie, notwendig ist, geht mit einem leicht erhöhten Risiko für Tumoren des Gehirns und der Hirnhäute einher.
  • Chemotherapie: Einige Chemotherapeutika, die zur Behandlung von Leukämie eingesetzt werden, können das Risiko für die Entwicklung von sekundären Krebserkrankungen, einschließlich Hirntumoren, erhöhen.

Gemeinsame molekulare Mechanismen

  • BCAT1-Enzym: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Enzym BCAT1, das für den Abbau bestimmter Proteine aus der Nahrung zuständig ist, bei der Entstehung bösartiger Tumoren eine Rolle spielen kann. Eine Überproduktion von BCAT1 steigert die Aggressivität von bösartigen Hirntumoren und von Brustkrebs. Bei Akuter Myeloischer Leukämie (AML) senkt BCAT1 den Spiegel eines Schlüsselmoleküls des Energiestoffwechsels, was dazu führt, dass das Erbgut vermehrt mit chemischen Markierungen versehen wird. Eine Blockade des Enzyms mit einem zielgerichteten Wirkstoff könnte die Methylierung des Erbguts normalisieren und damit die Krebsausbreitung und die Therapieresistenz eindämmen.
  • Fehlgesteuerte Methylierung: Bei AML führt die fehlgesteuerte Methylierung des Erbguts, mit ihren drastischen Folgen für die gesamte Zelle, zu einer krebsfördernden Wirkung. Die Erkenntnis, dass BCAT1 als Treiber der krebsfördernden Methylierung in AML-Stammzellen und anderen Krebsstammzellen funktioniert, eröffnet neue therapeutische Optionen.
  • Tumor-assoziierte Blutstammzellen: In allen Proben von bösartigen Hirntumoren wurden Stammzellen und Vorläuferzellen des blutbildenden Systems entdeckt, die in gesunden Gewebeproben nicht nachweisbar waren. Diese Blutstammzellen unterdrücken das Immunsystem und befeuern gleichzeitig das Tumorwachstum.

Virusinfektionen

  • Einfache Virusinfektionen wie Schnupfen oder grippale Infekte könnten zu den Auslösern von Krebs bei Kindern gehören. Sowohl der Blutkrebs als auch die bösartigen Gehirntumoren traten dabei gehäuft zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten auf. Dieses Muster weist nach Ansicht der Forscher eindeutig auf die Beteiligung von Infektionen hin, da diese sich in genau gleicher Weise in der Bevölkerung verteilen.

Symptome, Diagnose und Behandlung von Hirntumoren

Die Symptome eines Hirntumors sind vielfältig und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen (insbesondere morgens)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Epileptische Anfälle
  • Persönlichkeitsveränderungen

Die Diagnose eines Hirntumors erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren wie CT oder MRT. Eine Biopsie des Tumors ist erforderlich, um den genauen Tumortyp und den Grad der Bösartigkeit zu bestimmen.

Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Tumortyp, die Größe, die Lage und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • Chemotherapie
  • Zielgerichtete Therapien
  • Immuntherapie

Reha und Nachsorge bei Hirntumoren

Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.

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