Hirntumor: Veränderungen, Erscheinungsbild und Symptome

Hirntumore sind komplexe Erkrankungen, die eine Vielzahl von Erscheinungsformen und Symptomen aufweisen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Hirntumore, einschließlich ihrer Klassifizierung, Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung.

Einführung

Ein Hirntumor ist eine Geschwulst, die im Gehirn auftritt. Es gibt etwa 150 verschiedene Arten von Hirntumoren, die sich in ihrem zellulären Ursprung, ihrer Wachstumsgeschwindigkeit, ihrer Prognose und ihrem Ansprechen auf Therapien unterscheiden. Die häufigsten primären Tumore des zentralen Nervensystems sind Meningeome, Glioblastome und Hypophysentumore.

Klassifizierung von Hirntumoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt Hirntumoren danach, aus welchem Gewebe sie entstanden sind und ob sie gutartig oder bösartig sind. Je bösartiger der primäre Tumor ist, je schneller er wächst und je mehr er in das Gehirngewebe hineinwächst (infiltriert), desto schlechter ist die Prognose für eine Heilung.

Mediziner teilen Hirntumore zur besseren Einschätzung ihrer Aggressivität in WHO-Grade (Grad 1-4) ein. Ein WHO-Grad 1 Tumor ist meist gutartig und langsam wachsend, wohingegen WHO-Grad 4 einen hochgradig bösartigen Hirntumor beschreibt. Das Glioblastom entspricht dem WHO-Grad 4 - es ist der häufigste bösartige Hirntumor im Erwachsenenalter und wächst besonders schnell und infiltrativ.

Die neue WHO-Einteilung (2021) kombiniert mikroskopisches Aussehen und Gentests für genauere Diagnosen und Therapien.

Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall

Häufige Hirntumortypen

Gliome

Gliome sind die häufigsten Hirntumoren und entstehen aus den Stützzellen des Gehirns, den Gliazellen. Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, je nachdem, aus welchem Zelltyp der Gliazellen sie sich entwickelt haben. Zu den Gliazellen gehören die Astrozyten, Oligodendrozyten und die Ependym-Zellen. Daraus können sich das Astrozytom, das Oligodendrogliom und das Ependymom entwickeln. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.

Glioblastome gehören unter den primären Hirntumoren zu den häufigsten Erkrankungen. Es handelt sich um eine Variante der Gliome. Ihren Ursprung haben diese Neoplasien (Neubildungen) im Stützgewebe des Gehirns. Da es sich bei dem Glioblastom um einen diffus infiltrierenden Tumor mit sehr aggressivem Wachstum handelt, kann häufig keine günstige Prognose gestellt werden. Gleichwohl spielt die frühe Erkennung für die Behandlung eine wichtige Rolle. Hinsichtlich des Auftretens liegt der Häufigkeitsgipfel in der Altersgruppe zwischen 45 und 60 Jahren.

Meningeome

Meningeome entwickeln sich aus Zellen der Hirnhäute und machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus. Betroffen sind überwiegend Menschen im mittleren und höheren Lebensalter, vor allem Frauen. Meningeome wachsen langsam und bleiben daher oft über längere Zeiträume unentdeckt oder werden nur zufällig entdeckt. Krankheitserscheinungen treten vor allem dadurch auf, dass der wachsende Tumor angrenzende Gehirnstrukturen verdrängt und in ihrer Funktion beeinträchtigt oder epileptische Anfälle auslöst. Welche Hirntumor-Symptome im Einzelnen auftreten, hängt wesentlich von der genauen Lage des Meningeoms ab.

Neurinome

Neurinome bilden sich aus den die markscheidenbildenden Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven. Sie entstehen meist in der hinteren Schädelgrube, wo sie Strukturen des Hirnstamms und des Kleinhirns in Mitleidenschaft ziehen können. Am häufigsten ist der achte Gehirnnerv betroffen.

ZNS-Lymphome

Das primäre ZNS-Lymphom ist eine seltene, hochmaligne Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, welche im Gewebe des ZNS auftritt. Häufig betroffen ist dabei das Großhirn. Die Erkrankung selbst ist eher selten und zeigt sich bevorzugt bei immunsuppressiven Patienten. Neben dem Gehirn können bei etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten auch die Augen betroffen sein.

Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige

Hirnmetastasen

Hirnmetastasen sind Absiedlungen bzw. „Tochtergeschwülste“ bösartiger Tumorzellen aus anderen Körperregionen, die sich über die Blutbahn ins Gehirn ausbreiten. Häufige Ursprungsorte für Hirnmetastasen sind Lungenkarzinome, Brustkrebs und Melanome (Schwarzer Hautkrebs).

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von primären Hirntumoren sind weitgehend unbekannt. Risikogruppen können daher nicht zureichend definiert werden. Nur in sehr seltenen Fällen sind Hirntumore auf Erbkrankheiten zurückzuführen (z.B. Neurofibromatose, von Hippel-Lindau, Li-Fraumeni-Syndrom).

Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Hirntumore in Verbindung gebracht werden:

  • Genetische Veranlagung: Eine erbliche Komponente spielt bei wenigen Menschen eine Rolle. Bestimmte genetische Syndrome (z.B. Neurofibromatose, Li-Fraumeni-Syndrom) können die Neigung zu Hirntumoren erhöhen.
  • Strahlung: Längere oder hochdosierte ionisierende Strahlung am Kopf - etwa als Strahlentherapie in der Kindheit oder durch atomare Unfälle - kann das Risiko für Hirntumoren erhöhen.

Symptome von Hirntumoren

Die Symptome von Hirntumoren sind vielfältig und hängen von der Größe, der Lage und der Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige Symptome entwickeln sich schleichend über Wochen und Monate, andere treten plötzlich auf.

Allgemeine Symptome, die durch den Druck des Tumors auf das Gehirn oder das Rückenmark verursacht werden, sind:

Lesen Sie auch: Epilepsie durch Hirntumor

  • Kopfschmerzen: Neu auftretende Kopfschmerzen, die über einige Tage oder Wochen immer heftiger werden und im Liegen zunehmen, sind ein verdächtiges und typisches Anzeichen, das meist zuerst bei Hirntumoren auftritt. Kopfschmerzen wegen eines Hirntumors äußern sich dadurch, dass sie nachts und in den frühen Morgenstunden auftreten. Sie bessern sich tagsüber häufig spontan.
  • Übelkeit und Erbrechen: Viele Menschen entwickeln bei einem Hirntumor Symptome wie Übelkeit und Erbrechen. Auch diese Beschwerden sind meist die Folge des erhöhten Hirndrucks. Oft ist den Betroffenen in den Morgenstunden übel, obwohl sie nichts gegessen haben.
  • Sehstörungen: Ein Hirntumor kann Symptome im Sinne von Sehstörungen auslösen. Meistens fällt ein bestimmtes Areal im Gesichtsfeld aus - Betroffene nehmen es einfach als schwarzen Fleck wahr. Mediziner nennen das Gesichtsfeldausfälle. Sehstörungen zeigen sich mitunter auch dadurch, dass Betroffene Bilder doppelt sehen.
  • Neurologische Ausfälle: Neben Sehstörungen deuten auch andere neurologische Ausfälle auf einen Hirntumor hin. Mögliche Symptome im Sinne neurologischer Ausfälle sind zum Beispiel Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle (etwa an einzelnen Gliedmaßen) oder Sprachstörungen. Ebenso typisch sind Zuckungen beispielsweise der Augenlider und plötzliches Kribbeln. Weiterhin sind Schluckstörungen oder eine veränderte Geschmackswahrnehmung mögliche tumorbedingte Symptome. Betroffene leiden oft unter Schwindel und Schwerhörigkeit oder Ohrenpfeifen (Tinnitus).
  • Epileptische Anfälle: Ein neu auftretender epileptischer Krampfanfall ist vor allem bei Kindern oft eines der allerersten Hirntumor-Symptome, das vorrangig bei primären Hirntumoren auftritt.
  • Hormonelle Störungen: Hirntumor-Symptome treten auch in Form verschiedenster hormoneller Störungen auf. Das ist beispielsweise bei einem Hypophysenadenom der Fall.
  • Beeinträchtigung des Gedächtnisses: Ein bösartiger Prozess im Kopf verursacht teilweise auch kognitive Symptome. Hirntumor-Erkrankte sind beispielsweise in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt und schlechter in der Lage, sich bestimmte Dinge zu merken.
  • Veränderungen der psychischen Gesundheit: Es ist möglich, dass ein Hirntumor die psychische Gesundheit beeinträchtigt. So sind manchmal Depression, Teilnahmslosigkeit (Apathie) und Angst auf die Erkrankung zurückzuführen.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Persönlichkeitsstörungen zählen ebenfalls zu den Symptomen, die möglicherweise auf einen Hirntumor zurückzuführen sind. Meist fällt das den Betroffenen selbst gar nicht auf, wohl aber ihren Mitmenschen. Erkrankte sind zum Beispiel leichter reizbar oder weniger konzentriert und leichter abgelenkt.

Bei Kindern mit Hirntumor kann es zu einem vergrößerten Kopf (Hydrozephalus) kommen. Dieser entsteht durch Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn und zwischen den Hirnhäuten.

Diagnose von Hirntumoren

Bei einem bestehenden Verdacht auf einen Hirntumor ist die Verunsicherung groß. Im zertifizierten Neuroonkologisches Zentrum Mannheim wird eine umfassende Untersuchung der Patienten vorgenommen. Zur Diagnose von Hirntumoren werden bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT), die Kernspintomographie (MRT) oder die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) angewendet. Mithilfe dieser Methoden können beispielsweise Informationen über die Art des Hirntumors, die Gut- oder Bösartigkeit und das Wachstumsverhalten ermittelt werden.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist das bevorzugte bildgebende Verfahren zur Diagnose von Erkrankungen im Gehirn. Sie bietet detaillierte Bilder und kann Tumore, Ödeme und andere Anomalien identifizieren. In Notfällen oder zur Beurteilung von Knochenstrukturen kann auch eine Computertomografie (CT) durchgeführt werden.

Um den Hirntumor genau zu bestimmen und zu klassifizieren und so eine passgenaue Behandlung einzuleiten, ist eine feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig. Zu diesem Zweck entnimmt der Neurochirurg im Rahmen einer offenen Operation am Gehirn oder einer Biopsie mit Spezialkanülen eine Gewebeprobe des Tumors. Da die einzelnen Tumoren ein sehr unterschiedliches Wachstumsverhalten zeigen und die Prognosen für den Heilungsverlauf sehr unterschiedlich sind, ist die genaue Diagnose Klassifikation des entnommenen Gewebes überaus wichtig für das weitere Vorgehen und die Behandlung.

Behandlung von Hirntumoren

Die Art, die Größe sowie die Lage des Tumors im Gehirn geben Aufschluss darüber, wie genau die individuelle Behandlung des Patienten aussehen soll. In Tumorboards besprechen Ärzte der behandelnden Fachkliniken und -abteilungen in interdisziplinären Konferenzen gemeinsam Patientenfälle und Therapieempfehlungen.

Bei der Behandlung von Hirntumoren stehen mehrere Methoden zur Option. Neben einer Operation sind eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie möglich. Bei gutartigen Hirntumoren kann bereits mit einer geringen Strahlendosis eine Beschwerdelinderung oder Beschwerdefreiheit erzielt werden. Die Gamma-Knife-Bestrahlung der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie stellt eine besonders präzise und schonende Behandlungsmöglichkeit besonders für Hirnmetastasen dar. Bei einem Glioblastom ist im Rahmen von Studien zusätzlich zur Bestrahlung von außen (EBRT) eine intraoperative Strahlentherapie (IORT) möglich.

Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Patienten, bestehende Vorerkrankungen und der Karnofsky-Index, ein Maß für die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten. Ein erhöhter Hirndruck, der durch den Tumor verursacht wird, kann behandelt werden, um die Symptome zu lindern. Um epileptische Anfälle zu verhindern, können Medikamente wie Antikonvulsiva (z.B. Levetiracetam, Valproinsäure, Benzodiazepine) verabreicht werden. Vor einer Operation werden bei Hirntumoren oft Medikamente wie Glucocorticoide (z.B. Dexamethason) verabreicht, um Schwellungen im Gehirn zu reduzieren.

Wenn ein Patient Symptome zeigt, wird in der Regel einen chirurgischen Eingriff angestrebt, um so viel vom Tumor wie möglich zu entfernen. Dabei ist es wichtig, das umliegende gesunde Gehirngewebe zu schützen. Je nach Tumor und seiner Lage im Gehirn können verschiedene chirurgische Techniken und Hilfsmittel eingesetzt werden. Die Chemotherapie, bei der Medikamente zur Bekämpfung von Krebszellen eingesetzt werden, kann je nach Tumorart hilfreich sein. Die Strahlentherapie verwendet hochenergetische Strahlen, um Krebszellen abzutöten oder ihr Wachstum zu stoppen. Die Behandlung kann je nach Tumorart und -stadium variieren. Eine mögliche Nebenwirkung der Strahlentherapie ist ein Hirnödem, eine Schwellung im Gehirn, die jedoch mit Medikamenten behandelt werden kann. Andere Nebenwirkungen können Veränderungen im Blutbild, Hörverlust, Katarakt und trockene Augen sein.

Innovative Therapien

Gerade im Bereich der Hirntumore mit ihren oft komplizierten Befunden ist die Erforschung und Entwicklung neuer Therapieansätze ständig im Fluss. In einigen Fällen ist auch eine alleinige "Radiochirurgie" mittels Gamma-Knife oder per Cyber-Knife möglich. Für Tumoren wie die besonders bösartigen und aggressiv wachsenden Glioblastome kann zusätzlich eine Behandlung mit Wechselstromfeldern (TTF) angewandt werden.

Durch intensive Forschungstätigkeit und enge Kooperation mit wissenschaftlichen Partnern erhalten Patienten Zugang zu innovativen Behandlungsmöglichkeiten - darunter zielgerichtete Medikamente, personalisierte Immuntherapien und individuelle Tumorimpfstoffe.

Rehabilitation und Nachsorge

Nach der operativen Entfernung eines Hirntumors ist eine weitere Behandlung und engmaschige Nachsorge erforderlich. Damit soll erreicht werden, dass ein Rezidiv frühzeitig erkannt und eine Behandlung umgehend eingeleitet wird.

Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.

Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen:

  • Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht.
  • Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten.
  • Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.

Prognose

Die Lebenserwartung bei einem Hirntumor hängt stark von der Tumorart, dem WHO-Grad und dem Therapieansprechen ab. Während gutartige Hirntumore häufig vollständig operiert werden können und die Lebenserwartung dann nicht eingeschränkt ist, sind bösartige Tumore wie das Glioblastom (Grad 4) mit einer ernsteren Prognose verbunden. Hier ist oft eine Kombination aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie nötig, um das Wachstum zu bremsen und wertvolle Lebenszeit zu gewinnen.

Demnach kann die Lebenserwartung zwischen wenigen Wochen und einer nahezu unbegrenzten Lebenserwartung liegen.

tags: #hirntumor #veranderung #aussehen