Einführung
Dr. Eckart von Hirschhausen, bekannt für seine humorvolle und zugleich wissenschaftlich fundierte Herangehensweise an Gesundheitsthemen, beleuchtet in seinen Dokumentationen und Forschungen die komplexen Zusammenhänge zwischen Bildung, Lebensstil und unserer körperlichen sowie geistigen Gesundheit. Dabei geht er über reine Faktenvermittlung hinaus und konfrontiert uns mit den oft unbequemen Wahrheiten, die unser Verhalten und unsere Gesellschaft prägen. Dieser Artikel fasst Hirschhausens Erkenntnisse zusammen und zeigt, wie wir durch Bildung und bewusste Entscheidungen ein längeres und gesünderes Leben führen können.
Bildung als Gesundheitsfaktor
Der Zusammenhang zwischen sozialem Status und Lebenserwartung
Hirschhausen betont, dass der soziale Status einen erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung hat. "Mehrere Studien haben ergeben, dass Frauen und Männer bis zu zehn Jahre kürzer leben, wenn sie einen niedrigen Sozialstatus haben", so Hirschhausen. Dies verdeutlicht, dass Bildung nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Grundlage für ein stabiles und gesundes Leben schafft.
Bildung beginnt im Mutterleib
Für Hirschhausen beginnt Bildung bereits im Mutterleib. "Wenn ein Kind bereits vor der Geburt mit Alkohol in Kontakt kommt, leidet es ein Leben lang", erklärt er. Dieses Zitat unterstreicht die Bedeutung einer gesunden Schwangerschaft und die langfristigen Auswirkungen von schädlichen Einflüssen auf die Entwicklung des Kindes. Er begegnet Menschen wie Marco B., der an "FASD" leidet - der "Fetalen Alkoholspektrum-Störung", weil seine Mutter während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert hatte.
Bildung als Schutz vor Demenz
Hirschhausen räumt mit dem Klischee auf, dass man gegen Hirnabbau nichts tun kann. "Es gibt so ein Klischee - gegen Hirnabbau kann man eh nix machen. Das ist Quatsch." Er betont, dass eine gute Ausbildung und kontinuierliches Training des Gehirns, insbesondere in der Kindheit und im mittleren Alter, entscheidend sind, um das Gehirn lange frisch zu halten. "Je mehr wir unser Hirn trainiert und ausgebildet haben, desto länger hält es frisch", so Hirschhausen. Eine geringe Bildung stellt demnach ein hohes Risiko für Demenz dar.
Die Macht des Lebensstils
Rauchen: Ein immenser Risikofaktor
Hirschhausen scheut sich nicht vor Selbstversuchen, um die Auswirkungen von schädlichem Verhalten zu demonstrieren. Unter ärztlicher Aufsicht zieht er an seiner ersten Zigarette und erlebt die unmittelbaren negativen Auswirkungen auf seinen Körper. Er schwitzt, hustet und muss sich hinsetzen, bevor er den "Scheiß" wieder loswird. Dieses drastische Erlebnis verdeutlicht, wie schädlich Rauchen ist und wie wichtig es ist, damit aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen. Hirschhausen betont, dass bei Jugendlichen Rauchen schon ziemlich "out" ist, was er als Erfolg der Aufklärung wertet.
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Alkohol: Mehr als nur ein gesellschaftliches Problem
In seiner WDR-Dokumentation "Hirschhausen und die Macht des Alkohols" beleuchtet er die weitreichenden Folgen von Alkoholkonsum. Er stellt fest, dass Alkohol in Deutschland oft zum Alltag gehört und wir im Schnitt 12,2 Liter Reinalkohol pro Person über 15 Jahren im Jahr trinken. Hirschhausen warnt: "Nichts zu trinken ist das aller Gesündeste. Jeder Schluck ist potenziell krebserregend." Er vergleicht das Krebsrisiko durch Alkohol sogar mit Asbest und Rauchen und betont, dass eine Flasche Wein für eine Frau in Bezug auf ihr Brustkrebsrisiko die Wirkung von zehn Zigaretten hat.
Ernährung und Stress: Faktoren für ein kürzeres Leben
Neben Rauchen und Alkohol spielen auch eine ungesunde Ernährung und ein streng getakteter Alltag eine Rolle bei der Lebenserwartung. "Stress raubt uns kostbare Lebenszeit", erklärt Hirschhausen. Er plädiert für einen bewussteren Umgang mit Stress und eine ausgewogene Ernährung, um die Gesundheit zu fördern.
Bewegung und Sport: Jungbrunnen für Körper und Geist
Sport hingegen wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Senioren, die sich regelmäßig bewegen und Sportarten ausüben, die viel Koordination erfordern, können mit einem längeren Leben rechnen. "Gerade Sportarten, die viel Koordination abverlangen, sind besonders günstig, um Nervenzellen sprießen zu lassen und um Demenz und Alzheimer zu verhindern", so Hirschhausen. Er schickt sogar eine Gruppe Senioren in ein Schlammparcours-Rennen, um die Freude an Bewegung zu demonstrieren.
Intervallfasten: Ein einfacher Weg zu mehr Gesundheit
Hirschhausen hat selbst durch Intervallfasten zehn Kilo abgenommen und fühlt sich dadurch "erleichtert". Er beschreibt das Prinzip des Intervallfastens, bei dem man 16 Stunden nichts isst und in einem Zeitraum von acht Stunden essen kann, was man möchte. "Ab 10 darf ich das Frühstück nachholen und, zack, hat dein Körper 16 Stunden Verschnaufpause gehabt, die er braucht, um Fett abzubauen, keinen Zucker und kein Insulin im Blut herumkreisen zu lassen, und das ist nachweislich das beste Anti-Aging!", erklärt er.
Umwelt und soziale Faktoren
Die Bedeutung einer gesunden Umwelt
Hirschhausen ist nicht nur Arzt, sondern auch passionierter Umweltschützer. Er betont, dass wir nur auf einem gesunden Planeten ein gesundes Leben führen können. "Gesundheit beginnt nicht mit einer OP oder einer Tablette. Sie beginnt mit der Luft, die wir atmen, dem Wasser, das wir trinken, den Pflanzen, die wir essen, mit erträglichen Temperaturen und einem friedlichen Miteinander", so Hirschhausen.
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Soziale Isolation als Risikofaktor
Auch soziale Isolation beschleunigt Demenz. Hirschhausen betont die Bedeutung sozialer Kontakte und eines aktiven Lebens, um die geistige Gesundheit zu erhalten. "Auch Einsamkeit beschleunigt Demenz", so der Mediziner.
"One Health": Die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam begreifen
Mit seiner Stiftung "Gesunde Erde - Gesunde Menschen" setzt sich Hirschhausen für einen ganzheitlichen Ansatz ein, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam betrachtet. "Es geht erst allen besser, wenn es allen besser geht", erklärt er. Er möchte dazu beitragen, dass die notwendige Transformation von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft neuen Schwung bekommt.
Was wir selbst beeinflussen können
Die Hirschhausen-Formel für ein längeres Leben
Hirschhausen bringt es auf den Punkt: "Der beste Trick, sein Leben zu verlängern, klingt einfacher, als es ist: indem man alles weglässt, was es verkürzt!" Er nennt fünf einfache Dinge des Alltags, die uns besser schützen als jede Tablette oder Creme: nicht rauchen, bewegen, Gemüse essen, erwachsen werden und Kind bleiben.
Selbstwirksamkeit als Schlüssel zur mentalen Stärke
In Bezug auf die Klimakrise und ihre Auswirkungen auf die psychische Gesundheit betont Hirschhausen die Bedeutung von Selbstwirksamkeit. "Aktiv werden ist das beste Mittel gegen die Hilflosigkeit", erklärt er. Jeder kann an seiner Stelle und mit seinen Mitteln etwas tun, um die Welt zu verbessern.
Die Bedeutung politischer Rahmenbedingungen
Hirschhausen betont, dass wir die Welt nicht mit Bambuszahnbürste und Bahnfahren alleine retten werden. "Noch wichtiger: Geld fair anlegen, Gebäude energetisch bauen und sanieren und sich in die Politik einmischen", so Hirschhausen. Er appelliert an die Bürger, sich aktiv an politischen Entscheidungen zu beteiligen und ihre Stimme für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen.
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Künstliche Intelligenz und die Medizin der Zukunft
Chancen und Grenzen der KI in der Medizin
Hirschhausen hat auf seiner Reise zur Dokumentation "Medizin von morgen" direkte Berührungspunkte mit Künstlicher Intelligenz erlebt. Er sieht großes Potenzial in der KI, insbesondere bei seltenen Erkrankungen, Hautveränderungen, Routine-Röntgenbildern und der Früherkennung von Krankheiten. "Die KI heute schon sehr gut, sogar präziser als ein Mensch", so Hirschhausen.
Die Bedeutung der Humanmedizin
Trotz der Vorteile der KI betont Hirschhausen die Bedeutung der Humanmedizin. "Computer haben kein Mitgefühl, keine Sensibilität im Umgang mit schwierigen Diagnosen und Lebensentscheidungen und keinen Humor", erklärt er. Er plädiert für engagierte Menschen in der Medizin, in der Pflege und in allen sozialen Berufen, die den Patienten mit Empathie und Menschlichkeit begegnen.
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