Die Frage nach dem Einfluss hochfrequenter Strahlung auf die Entstehung und den Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) ist komplex und Gegenstand fortlaufender Diskussionen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte dieser Thematik, stützt sich dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrungsberichte und die öffentliche Diskussion.
Einführung in die Multiple Sklerose
Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche, demyelinisierende Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Demyelinisierung bedeutet den Abbau der Myelinscheiden, die die Nervenfasern umhüllen und für eine schnelle Signalweiterleitung sorgen. Die MS manifestiert sich vornehmlich in rezidivierend auftretenden Schüben mit fokalen oder multifokalen neurologischen Ausfällen. Die Symptome sind vielfältig und können beispielsweise Optikusneuritis, Blasenatonie, ataktische Gangmuster oder Sprachstörungen (skandierende Sprache) umfassen.
In Deutschland sind schätzungsweise 200.000 Menschen von MS betroffen, wobei Frauen etwa dreimal häufiger erkranken als Männer. Das Hauptmanifestationsalter liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Durch steigende Lebenserwartung und verbesserte diagnostische Möglichkeiten ist mit einem weiteren Ansteigen der Prävalenz zu rechnen.
Die Ursachen der MS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird von einem Zusammenspiel genetischer Prädisposition und Umweltfaktoren ausgegangen. Diskutiert werden unter anderem Virusinfektionen, Vitamin-D-Mangel, Rauchen und Luftverschmutzung.
Elektromagnetische Felder: Eine allgegenwärtige Exposition
Elektromagnetische Felder (EMF) sind physikalische Felder, die durch elektrische Ladungen in Bewegung entstehen. Sie treten sowohl in der Natur als auch in der vom Menschen geschaffenen Umgebung auf. Man unterscheidet zwischen statischen Feldern, niederfrequenten Feldern und hochfrequenten Feldern.
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- Statische Felder: Diese entstehen beispielsweise durch Dauermagnete oder Batterien.
- Niederfrequente Felder: Diese gehen von Elektrogeräten aller Art und von Stromleitungen aus. In Europa haben sie typischerweise die Netzfrequenz von 50 Hz.
- Hochfrequente Felder: Diese werden unter anderem von Mobilfunknetzen (Mobilfunk, WLAN, Bluetooth, Schnurlostelefone), Radio, Fernsehen und Mikrowellenherden genutzt.
Im Zuge der fortschreitenden Technisierung kommen in unserer Wohnumgebung EMF aus einer Vielzahl verschiedener Feldquellen vor. Niederfrequente Magnetfelder und hochfrequente elektromagnetische Felder durchdringen Wände und anderes Material und können somit leicht von außen in die Innenräume gelangen.
Hochfrequente Strahlung und ihre potenziellen Auswirkungen
Die Frage, ob hochfrequente Strahlung gesundheitsschädliche Auswirkungen hat, ist Gegenstand intensiver Forschung und öffentlicher Diskussionen. Dabei geht es vor allem um die potenziellen Auswirkungen auf das Nervensystem und die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen.
Studienlage zu neurodegenerativen Erkrankungen und EMF
Frühere epidemiologische Studien lieferten Hinweise, dass einige neurodegenerative Erkrankungen vermehrt auftreten können bei beruflicher Exposition gegenüber niederfrequenten Magnetfeldern. Dies betrifft ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und Alzheimer-Demenz. Eine Meta-Analyse von 42 Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien aus dem Jahr 2013 deutete auf einen Zusammenhang zwischen der beruflichen Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern und neurodegenerativen Erkrankungen hin. Diese Hinweise wurden in einer Metaanalyse aus dem Jahr 2019 teilweise bestätigt. Es wurde ein um ca. zehn Prozent erhöhtes Risiko ermittelt, an ALS oder Alzheimer-Demenz zu erkranken.
Allerdings sind die Ergebnisse der einzelnen Studien nicht konsistent. In der Gesamtschau zeigte die Mehrheit der Studien für Berufsgruppen, die im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung wesentlich höheren Magnetfeldexposition ausgesetzt sind, in dieselbe Richtung: Es scheint einen schwachen, aber konsistenten Zusammenhang zwischen der Exposition von niederfrequenten Magnetfeldern und dem Erkrankungsrisiko von ALS sowie Alzheimer-Demenz zu geben. Dieser Zusammenhang ist für ALS insgesamt stärker ausgeprägt als für die Alzheimer-Demenz.
Spezifische Betrachtung der Multiplen Sklerose
Bezüglich eines direkten Zusammenhangs zwischen hochfrequenter Strahlung und MS ist die Studienlage weniger eindeutig. Einige Kommentare und Anregungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung deuten auf mögliche Zusammenhänge hin, insbesondere im Hinblick auf die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke (BHS) und die Belastung durch Mobilfunk. So wird die Frage aufgeworfen, ob es einen belegbaren Zusammenhang zwischen der Belastung durch Mobilfunk und dem Auftreten von Multipler Sklerose und ähnlichen Erkrankungen gibt.
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Einige Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Mikrozirkulation bei Elektrosensiblen während GSM- (oder DECT-) Immission von ca. 1 mW/m² eindeutig in der Dynamik verändert wird nach ca. 5 min Exposition. Allerdings zeigen Untersuchungen an in vitro-Modellen keine Korrelation zwischen der HF-Exposition und signifikanten Veränderungen im niederenergetischen Bereich. Es wird vermutet, dass Veränderungen während der biologischen Aktivität (z.B. Transkriptionsphase, Proteinsynthese, u.a.), also nur in-vivo auftreten. Es geht hier um langzeitige Expositionen im niederenergetischen Bereich.
Es gibt auch Berichte über Menschen, die sich als "elektrosensibel" bezeichnen und über Symptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Schmerzen klagen, sobald sie sich in der Nähe von Handys oder WLAN-Netzen aufhalten. Allerdings konnte in Studien bisher kein direkter Zusammenhang zwischen diesen Symptomen und elektromagnetischen Feldern nachgewiesen werden.
Einfluss von Zahnersatz und Schwermetallbelastungen
Einige Kommentare thematisieren die Frage, welche Korrelation zwischen Zahnersatz (Amalgam, Gold etc.) und einer möglichen Belastung besteht. Es wird vermutet, dass physikalische Störungen bei manchen Menschen von den Schwermetallbelastungen im Organismus abhängen. Das liegt zum großen Teil an der Versorgung der Zähne durch Strukturen mit Metalllegierungen und schadstoffbeladenen Verblendmaterialien samt Keramikmassen und an den Hilfsmitteln der Orthopädie. Diese Materialien entsprechen möglicherweise nicht der Verträglichkeit des Organismus, weil sie viel mehr Mineralien enthalten als das Knochengewebe beinhaltet.
Nach langjähriger Forschung wurde ein Material entwickelt, das diese Empfindlichkeitszustände beheben kann, indem durch seine Anwendung den erhöhten KÖRPERSTROM auf die natürliche STROMKOSTANTE von 0,5 µV zurückführt, weil es nicht röntgenopak ist, außergewöhnliche Isolierfähigkeiten hat, von keiner Giga-Frequenz aufgeladen wird und, weil es die traditionellen Metallstrukturen in der Zahnheilkunde ersetzen kann, den Körperzellen keinen Schaden in der unmittelbarer Umgebung zufügen kann.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Aspekte bisher nicht ausreichend wissenschaftlich belegt sind und weiterer Forschung bedürfen.
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Bedeutung des Vorsorgeprinzips
Angesichts der Unsicherheiten bezüglich der potenziellen Auswirkungen hochfrequenter Strahlung auf die Gesundheit, insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie MS-Patienten, wird die Anwendung des Vorsorgeprinzips gefordert. Dies beinhaltet Maßnahmen zur Minimierung der Exposition gegenüber EMF, wie beispielsweise:
- Bevorzugung von Handys und Smartphones mit geringer Feldintensität (niedriger SAR-Wert).
- Nutzung von Babyüberwachungsgeräten mit möglichst schwacher Feldintensität.
- Vermeidung des direkten Körperkontakts mit schnurlosen DECT-Telefonen oder Notebooks und Tablet-PCs mit eingeschalteten WLAN-Modulen.
- Einhaltung eines ausreichenden Abstands zu Hochspannungsleitungen und anderen EMF-Quellen.
- Förderung der Forschung zu den Auswirkungen von EMF auf die Gesundheit.
- Senkung der Grenzwerte für EMF, wie in der Schweiz.
Alternative Therapieansätze bei MS
Neben der schulmedizinischen Therapie, die im Wesentlichen auf Immunsuppression beruht, existieren auch alternative Therapieansätze bei MS. Diese zielen darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und die Symptome zu lindern.
Naturheilkundliche Therapie
Ein naturheilkundliches Therapiekonzept für MS kann individuell nach der aktuellen Krankheitssituation eingesetzt werden. Hierzu zählen z.B. die Gabe homöopathischer bzw. spagyrischer Mittel, Neuraltherapie, Organotherapeutika und Nosoden. Therapieverfahren werden individuell für den Betroffenen zusammengestellt.
Diätetische Modelle
In der Alternativmedizin existieren verschiedene diätetische Modelle zur Behandlung der Multiplen Sklerose, z.B. Agranoff & Goldberg oder das Rohkostmodell nach Evers. Diese Modelle basieren häufig auf empirischen Beobachtungen und zielen darauf ab, Entzündungen im Körper zu reduzieren und die Immunfunktion zu verbessern.
Mikronährstoffe
Die Bedeutung von Mikronährstoffen bei MS wird zunehmend erkannt. So benötigt der Körper Vitamin B12 bei der Remyelenisierung, z.B. nach einem akuten MS-Schub. Auch Vitamin D, Zink, Kalium und Magnesium spielen eine wichtige Rolle für die Nervenfunktion und die Immunregulation.
Osteopathie
Osteopathische Techniken können bei MS-bedingten Beschwerden lindernd wirken. Durch die manuelle Behandlung von Blockaden und Verspannungen können die Funktion von Nerven und Organen verbessert und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.
Ausleitungsverfahren
Intoxikationen können sich vielfältig auf die Symptomatik bzw. den Verlauf einer Multiplen Sklerose auswirken. Zu den wichtigsten Substanzgruppen zählen Metalle (vor allem Quecksilber) und Umweltchemikalien, allen voran Pyrethroide. Die Diagnostik ist bei den Metallen nicht immer einfach. Ausleitungsverfahren können dazu beitragen, den Körper von diesen Belastungen zu befreien.
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