Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, ist eine weit verbreitete Erkrankung, bei der der Druck in den Arterien dauerhaft zu hoch ist. Er wird oft als "leiser Killer" bezeichnet, da er lange Zeit unbemerkt bleiben kann, aber schwerwiegende Folgen für verschiedene Organe haben kann, insbesondere für das Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken und Vorteile im Zusammenhang mit Bluthochdruck und seine Auswirkungen auf das Gehirn.
Die Verbindung zwischen Blutdruck und Gehirn
Der Blutdruck spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbindung von Herz und Gehirn. Er wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter Ernährung, Lebensstil und genetische Veranlagung. Studien haben gezeigt, dass Bluthochdruck das Gehirn schädigen und das Risiko für Schlaganfall und Demenz erhöhen kann.
Wie Bluthochdruck das Gehirn beeinflusst
Wenn der Druck in den Arterien dauerhaft erhöht ist, leiden die Gefäße und damit auch alle Organe, die sie versorgen, einschließlich des Gehirns. Dies kann zu verschiedenen Problemen führen:
- Schlaganfall: Bluthochdruck ist einer der Hauptrisikofaktoren für Schlaganfälle, sowohl durch Blutungen im Gehirn als auch durch ischämische Schlaganfälle aufgrund von arteriosklerotisch geschädigten Gefäßen.
- Arteriell bedingte Demenz: Bluthochdruck kann auch zu arteriell bedingter Demenz führen, der zweithäufigsten Ursache für massiven geistigen Abbau im Alter nach Alzheimer.
- Veränderungen in Hirnregionen: Eine britisch-polnische Studie hat gezeigt, dass Bluthochdruck Veränderungen in neun Hirnregionen verursachen kann, die für Lernen, Planen, exekutive Funktionen und Entscheidungen wichtig sind. Diese Veränderungen können sich auf kognitive Funktionen wie Gedächtnisverlust, Denkvermögen und Demenz auswirken.
- Schäden an Nervenverbindungen: Eine US-Studie hat gezeigt, dass Bluthochdruck, der im frühen Erwachsenenalter beginnt und über Jahre unbehandelt bleibt, erhebliche Schäden an den Nervenverbindungen des Gehirns nach sich ziehen kann.
Genetische Faktoren und Bluthochdruck
Die Forschung hat gezeigt, dass bestimmte genetische Varianten für die vier Merkmale des Blutdrucks verantwortlich sind: systolischer Blutdruck (Druck beim Zusammenziehen des Herzmuskels), diastolischer Blutdruck (Druck beim Erschlaffen des Herzmuskels), Pulsdruck (Differenz aus systolischem und diastolischem Blutdruck) und Bluthochdruck (über 140/90 mmHg). Eine Studie ergab einen deutlichen Zusammenhang zwischen zu hohem diastolischen Blutdruck und Neurotizismus. Personen mit Neurotizismus können empfindlich auf Kritik reagieren, sind oft selbstkritisch und entwickeln leicht Angst, Wut, Sorge, Feindseligkeit, Selbstbewusstsein und Depressionen. Daraus können langfristig Angststörungen entstehen, und der erlebte psychische Stress kann wiederum zu erhöhtem Blutdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.
Die Rolle der Blutdrucksenkung
Eine intensive Blutdrucksenkung, die bei älteren Hypertonikern Blutdruckwerte von jungen gesunden Menschen anstrebt, kann bereits nach wenigen Jahren das Gehirn verändern. Eine Analyse der SPRINT MIND-Studie ergab, dass Schäden an der weißen Hirnsubstanz vermindert werden. Die SPRINT-Studie ("Systolic Blood Pressure Intervention Trial") zeigte, dass eine intensive Blutdrucksenkung nicht zu einem Anstieg der Demenzerkrankungen führte. Das Erkrankungsrisiko war im Gegenteil tendenziell vermindert. Bei der Demenzvorstufe MCI ("mild cognitive impairment") war der Zusammenhang sogar signifikant.
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Bluthochdruck im jungen Erwachsenenalter
Eine US-Studie hat gezeigt, dass Bluthochdruck, der im frühen Erwachsenenalter beginnt und über Jahre unbehandelt bleibt, erhebliche Schäden an den Nervenverbindungen des Gehirns nach sich ziehen kann. Patienten, deren Blutdruckwerte über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg erhöht waren, schnitten bei den kognitiven Fähigkeiten schlechter ab und zeigten bei der Ganganalyse eine langsamere Gehgeschwindigkeit, kleinere Schrittlänge und höhere Gangvariabilität.
Warnzeichen und Prävention
Es ist wichtig, Warnzeichen für Bluthochdruck ernst zu nehmen, insbesondere bei jungen Menschen. Zu diesen Warnzeichen zählen Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Schwindel. Bei stark erhöhtem Blutdruck können Symptome wie Atemnot unter körperlicher Belastung, plötzliche Schmerzen im Oberkörper oder starkes Herzklopfen auftreten. Um Folgeerkrankungen wie Herzschwäche, koronare Herzerkrankungen, Schlaganfälle oder Niereninsuffizienzen möglichst zu vermeiden, sollten Betroffene bei ersten Warnzeichen für Bluthochdruck die Ursachen frühzeitig mit einem Arzt abklären.
Lebensstiländerungen zur Blutdrucksenkung
- Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit maximal sechs Gramm Salz am Tag kann helfen, den Blutdruck zu senken.
- Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion den Blutdruck senken (pro Kilogramm Körpergewicht um 1-2 mmHg).
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Nikotin und Alkohol wirken sich positiv auf den Blutdruck aus.
- Stressreduktion: Stress sollte reduziert werden, da er den Blutdruck erhöhen kann.
Medikamentöse Therapie
Bei der überwiegenden Zahl von Patienten ist eine medikamentöse Therapie nötig. Hier kommen idealerweise Kombinationspräparate zur Anwendung. Zur Beurteilung der Qualität einer Blutdruckeinstellung empfiehlt sich das Führen eines Blutdrucktagebuchs mit Dokumentation der selbst gemessenen Werte.
Psychische Gesundheit und Bluthochdruck
Studien haben gezeigt, dass ein höherer systolischer Blutdruck mit weniger depressiven Symptomen, größerem Wohlbefinden und geringerer emotionsbezogener Gehirnaktivität verbunden sein kann. Auf der anderen Seite geht eine Hypertoniediagnose mit einer schlechteren psychischen Gesundheit einher. Diese Verknüpfung zeigt sich oft schon Jahre bevor die Hypertonie diagnostiziert wird.
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