Epilepsie, oft als "Gewitter im Gehirn" bezeichnet, ist eine neurologische Erkrankung, die bei Hunden auftritt. Sie ist durch plötzliche, unkontrollierte Entladungen von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, die zu epileptischen Anfällen führen. Diese Anfälle können verschiedene Ursachen haben, darunter genetische Veranlagung, Stoffwechselstörungen, Infektionen und Hirntumore. In einigen Fällen bleibt die Ursache unbekannt, was als idiopathische Epilepsie bezeichnet wird. Es ist wichtig zu wissen, dass auch Umweltfaktoren wie Hitze eine Rolle bei der Auslösung von Anfällen spielen können.
Was ist Epilepsie beim Hund?
Epilepsie ist eine Funktionsstörung des Großhirns, bei der die Nervenzellen plötzlich unkontrolliert feuern. Neurologen sprechen auch von einem „Gewitter im Gehirn“. Epileptische Anfälle können bei jedem Hund durch hohes Fieber, Stoffwechselstörungen (z. B. Unterzuckerung), Infektionen (z. B. Staupe), Nieren- oder Leberschäden, Vergiftungen, Gehirntumore oder viele andere Faktoren ausgelöst werden. In den Fällen, in denen eine Veränderung innerhalb oder außerhalb des Gehirns die Anfälle verursacht, handelt es sich um eine sekundäre Epilepsie. Daneben gibt es auch die primäre oder idiopathische Epilepsie. Die Ursache für dieses Anfallsleiden ist noch nicht bekannt. Man ist sich aber ziemlich sicher, dass die Krankheit oder die Neigung zu epileptischen Anfällen vererbt wird. Die ersten Symptome einer primären Epilepsie treten meist zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr auf.
Formen von epileptischen Anfällen
Es gibt unterschiedliche Formen von Krampfanfällen. Bei sogenannten fokalen Anfällen handelt es sich um die mildeste Form, bei der nur eine der beiden Hirnhälften betroffen ist. Dazu kann z.B. lediglich das Zucken mit dem Mundwinkel oder Fliegenschnappen zählen. Die schwerste Form stellen generalisierte Anfälle dar. Dabei verliert das Tier i.d.R. das Bewusstsein und fällt häufig unter Krämpfen zu Boden. Auch der unbewusste Verlust von Harn und Kot sowie übermäßiges Speicheln können auftreten.
Ablauf eines epileptischen Anfalls
In der Regel verläuft ein epileptischer Anfall in 3 Phasen:
- Vor dem Anfall (präiktal, „Aura“): Verhaltensänderungen, z.B. Unruhe, Verwirrtheit, Speicheln, besondere Anhänglichkeit
- Während dem Anfall (iktal): Versteifung der Muskulatur, zu Boden fallen, Rudern, paddelnde Bewegungen, Speicheln, Zittern, Lautäußerungen, Verlust von Harn/Kot
- Nach dem Anfall (postiktal): Verhaltensänderungen, z.B. Unruhe, Drangwandern, Blindheit
Ursachen von Epilepsie
Epileptische Anfälle können bei jedem Hund durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
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- Hohes Fieber
- Stoffwechselstörungen (z. B. Unterzuckerung)
- Infektionen (z. B. Staupe)
- Nieren- oder Leberschäden
- Vergiftungen
- Gehirntumore
In diesen Fällen spricht man von sekundärer Epilepsie. Es gibt aber auch die primäre oder idiopathische Epilepsie, bei der die Ursache unbekannt ist. Man geht jedoch davon aus, dass die Neigung zu epileptischen Anfällen vererbt wird. Die ersten Symptome einer primären Epilepsie treten meist im Alter von 1 bis 3 Jahren auf.
Diagnose von Epilepsie
Um die Ursache der Krampfanfälle herauszufinden, wird der Tierarzt eine gründliche Untersuchung durchführen. Dies beinhaltet in der Regel:
- Anamnese: Gespräch mit dem Tierbesitzer über die Anfälle (Häufigkeit, Dauer, Ablauf)
- Allgemeine und neurologische Untersuchung: Überprüfung der Körperfunktionen und des Nervensystems
- Blutuntersuchungen: Großes Blutbild, Organwerte, ggf. Funktionstests
- Bildgebung: CT oder MRT, ggf. auch Ultraschall
- Untersuchung des Hirnwassers: In einigen Fällen
Erst wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen wurden, kann die Diagnose idiopathische Epilepsie gestellt werden.
Die Rolle von Hitze bei Epilepsie
Es gibt Hinweise darauf, dass Hitze bei manchen Hunden epileptische Anfälle auslösen oder verstärken kann. Dies könnte auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein:
- Erhöhte Körpertemperatur: Bei hohen Temperaturen kann die Körpertemperatur des Hundes ansteigen, was das Gehirn zusätzlich belasten kann.
- Dehydration: Hunde können bei Hitze schnell dehydrieren, was zu Elektrolytstörungen führen und die Nervenfunktion beeinträchtigen kann.
- Stress: Hitze kann für Hunde sehr stressig sein, was ebenfalls Anfälle auslösen kann.
Eine acht Jahre alte Foxterrier Hündin Sina aus Darmstadt wird als homöopathische Patientin in der Tierarztpraxis vorstellig, da sie einmal im Monat einen Krampfanfall hat. Die Anfälle treten eher nachmittags, am frühen Abend auf. Bei Hitze sind sie auch häufiger.
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Wie Hunde mit Hitze umgehen
Hunde haben im Vergleich zu Menschen nur wenige Schweißdrüsen, die sich hauptsächlich an den Pfoten befinden. Daher können sie ihre Körpertemperatur nur schlecht durch Schwitzen regulieren. Stattdessen hecheln sie, um Wärme abzugeben. Beim Hecheln verdunstet Feuchtigkeit aus den Atemwegen, was einen kühlenden Effekt hat. Allerdings ist dieser Mechanismus bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit weniger effektiv.
Besonders gefährdet für einen Hitzschlag sind große Rassen mit viel wärmeproduzierender Muskelmasse und brachyzephale Rassen, das heißt, Rassen mit einem durch Züchtung verkürztem Schädel, wie zum Beispiel der Mops. Letztere können über Ihre stark zurückgebildeten Atemwege kaum Wärme abgeben. Besonders häufig kommt ein Hitzschlag bei Hunden vor, wenn ein Vierbeiner bei hohen Temperaturen im Auto zurückgelassen wird: Hier geht es sehr schnell, dass die Innentemperatur des Wagens sich übermäßig aufheizt. Selbst wenn es draußen angenehme 24 °C warm ist, kann die Temperatur im Auto innerhalb von nur 20 Minuten auf 50 °C ansteigen - Umstände, denen kein Lebewesen ausgesetzt sein sollte. Sport ist auch für Hunde anstrengend und kann bei ihnen wie auch bei uns Menschen die Körpertemperatur ansteigen lassen. Dieser Anstieg ist aber in der Regel so gering, dass er normalerweise kein Problem darstellt. Kritisch kann es werden, wenn der Hund die körperliche Aktivität nicht gewöhnt ist, also untrainiert oder übergewichtig. Auch Hunde mit einem verkürzten Schädel sind gefährdeter, da ihre Atemwege durch die Züchtung beeinträchtigt sind. Ist die Luft dazu noch warm und feucht, kann auch hier Überhitzung zu einem großen Problem werden. Auch durch das Rennen langer Strecken, wie beim Joggen oder Fahrradfahren, können Hunde zu stark belastet werden, da die Haut zugunsten der Muskeln weniger durchblutet wird und damit weniger Körperwärme nach außen gegeben werden kann. Folgen sind plötzlich auftretende Schwäche, Taumeln und Kollaps.
Anzeichen einer Überhitzung beim Hund
Es ist wichtig, die Anzeichen einer Überhitzung beim Hund frühzeitig zu erkennen:
- Starkes Hecheln
- Unruhe
- Häufige, nervöse Platzwechsel
- Langgestreckter Hals mit weit heraushängender Zunge
- Speicheln
- Stark durchblutete, gerötete Schleimhäute
- Beschleunigter Herzschlag
- Atemnot
- Muskelzittern
- Erbrechen oder Ausscheiden von Blut
- Epileptische Anfälle
- Unkontrollierte Bewegungen
- Schockzustände bis hin zum Koma und Herztod
Erste Hilfe bei Überhitzung
Wenn Sie Anzeichen einer Überhitzung bei Ihrem Hund feststellen, sollten Sie sofort handeln:
- Bringen Sie den Hund in eine kühle Umgebung.
- Kühlen Sie den Hund mit feuchten Tüchern oder Wasserbädern ab. Verwenden Sie kein eiskaltes Wasser, da dies zu Kreislaufproblemen führen kann.
- Bieten Sie dem Hund lauwarmes Wasser zum Trinken an.
- Massieren Sie den Hund, um die Hautdurchblutung anzuregen.
- Wenn der Hund bewusstlos ist, legen Sie ihn auf die rechte Seite und entfernen Sie Erbrochenes aus dem Maul.
- Suchen Sie umgehend einen Tierarzt auf.
Behandlung von Epilepsie
Ein epileptischer Hund muss in der Regel ein Leben lang mit Anti-Epileptika versorgt werden. Das sind Medikamente, die die unkontrollierte Nervenaktivität unterdrücken. Wirkstoff oder Wirkstoffkombination und die Dosis muss der Tierarzt für jeden Hund individuell herausfinden. Insbesondere auch, weil diese Medikamente gravierende Nebenwirkungen haben können, beobachten Sie daher Ihren Hund besonders zu Beginn der Therapie genau und melden Sie uns jedes auffällige Verhalten. Nach der oft schwierigen Anfangsphase sprechen die meisten Hunde gut auf die Therapie an. Leider kann nicht allen Hunden geholfen werden - trotzdem sollte man jedem Hund eine Chance geben: Denn mit den Medikamenten können die meisten Hunde trotz Epilepsie ein gutes Hundeleben führen.
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Medikamentöse Therapie
Bei einer idiopathischen Epilepsie erfolgt i.d.R. die Therapie mit antikonvulsiven (antiepileptischen) Medikamenten. Nicht jede Epilepsie muss aber behandelt werden. Mit der Therapie sollte begonnen werden, wenn das Tier mehr als 2 Anfälle in 6 Monaten gezeigt hat oder ein Cluster oder Status aufgetreten ist (Notfall!). Wichtig ist: Epilepsie ist NICHT heilbar. Das Tier wird i.d.R. lebenslang behandelt werden müssen. Dennoch ist die Lebenserwartung eines Epileptikers nicht eingeschränkt.
Zur Verfügung stehen in Deutschland lediglich 3 Medikamente:
- Phenobarbital: Ist meistens die erste Wahl. Es wird i.d.R. zweimal täglich verabreicht. Nicht geeignet ist Phenobarbital bei Erkrankungen der Leber. Aus diesem Grund zählt zur Überwachung eines Epileptikers auch die regelmäßige Kontrolle der Organwerte. Phenobarbital braucht 2 Wochen, um seinen Wirkspiegel zu erreichen. Von da an sollte dieser Spiegel regelmäßig im Blut kontrolliert werden, um das Tier optimal einzustellen (so viel wie nötig, so wenig wie möglich).
- Imepitoin (Pexion): Ist ein noch relativ neues Medikament, welches extra für Hunde entwickelt wurde. Es hat nur wenig Nebenwirkungen, ist aber nicht wirksam bei Clusteranfällen. Imepitoin wird nicht im Blut kontrolliert, die Einstellung erfolgt also rein nach Kontrolle der Anfallshäufigkeit.
- Kaliumbromid: Ist das 3. zugelassene Medikament. Auch wenn es zur Einzeltherapie zugelassen ist, wird es meistens als Zusatz (Add-on) genutzt, wenn ein Medikament alleine nicht wirksam genug war. Kaliumbromid braucht ca. 3 Monate um einen stabilen Spiegel zu erreichen. Dieser sollte - wie auch bei Phenobarbital - regelmäßig kontrolliert werden. Bei Tieren, die mit Kaliumbromid behandelt werden, ist es wichtig auf einen gleichbleibenden Salzgehalt im Futter zu achten, da Schwankungen bei der täglichen Salzaufnahme Anfälle auslösen können.
Sollten die genannten Medikamente nicht ausreichend wirksam sein oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden können, darf der Tierarzt Medikamente aus der Humanmedizin umwidmen. Dabei handelt es sich meistens um Levetirazetam. Dieses Medikament hat sehr wenige Nebenwirkungen, ist dafür aber alle 8 Stunden zu verabreichen und zudem recht kostenintensiv. Im Gegensatz zu allen anderen vorgestellten Medikamenten verursacht Levetirazetam keine Abhängigkeit. Es ist deshalb sehr gut geeignet, um durch eine kurzzeitige Zugabe von Levetirazetam Clusteranfälle zu unterbrechen. Außerdem ist es bei strukturellen Epilepsien sehr gut wirksam.
Egal welche Medikamente eingesetzt werden - wichtig ist die gute Überwachung des Epileptikers. Dafür ist Ihr Tierarzt auf Ihre Mitarbeit angewiesen. Dokumentieren Sie Anfälle in Ihrem Anfallstagebuch, geben Sie Medikamente immer genau nach Plan und kommen sie regelmäßig zu den vereinbarten Kontrollen. So können wir unser Ziel erreichen und eine maximale Lebensqualität für Ihren Epileptiker und Sie als Besitzer schaffen.
Homöopathie als Komplementärmedizin
Epilepsie gehört zu den chronischen Erkrankungen, bei denen als erstes eine genaue klinische Untersuchung und Befunderhebung sinnvoll ist. Anhand der Ergebnisse wird sowohl die schulmedizinische als auch die homöopathische Therapie ausgerichtet. In einigen Fällen müssen die Patienten auf krampfverhindernde Mittel gesetzt werden. In jedem Fall kann die Homöopathie als Komplementärmedizin eingesetzt werden.
Ernährung bei Epilepsie
Die Ernährung beeinflusst viele Prozesse im zentralen Nervensystem. Ein stabiler Blutzuckerspiegel, eine ausgeglichene Versorgung mit Mikronährstoffen und eine Auswahl von Fetten können das Nervensystem entlasten und Anfälle positiv beeinflussen. Eine Ernährung mit hohem Anteil an Zucker, synthetischen Zusätzen oder Konservierungsstoffen kann entzündungsfördernd wirken und das Risiko für neurologische Reizungen erhöhen.
Das Allerwichtigste bei der Ernährung eines an Epilepsie erkrankten Hundes ist, dass er eine einfach zu verdauende, qualitativ hochwertige Ernährung erhält. Man sollte vor allem eine Ernährung mit mittelkettigen Fettsäuren ausprobieren, die nachgewiesenermaßen eine Verbesserung in der Kognition und in der Epilepsiekontrolle hervorrufen kann. Nicht bei jedem Tier, aber bei vielen. Generell sollte wenig oder gar nichts vom Tisch gefüttert werden, um den Salzkonsum gering zu halten.
Bachblüten für Hunde mit Epilepsie
Bachblüten können bei Epilepsie eine wertvolle und gleichzeitig natürliche Hilfe bieten. Bachblüten haben eine beruhigende Wirkung, so dass sich Ihr Hund gut erholen kann und langfristig entspannter ist.
Tipps für den Umgang mit Epilepsie bei Hunden
- Führen Sie ein Anfallstagebuch: Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Dauer und Begleitumstände jedes Anfalls. Dies hilft dem Tierarzt, die Behandlung optimal anzupassen.
- Sorgen Sie für eine sichere Umgebung: Entfernen Sie Gegenstände, an denen sich der Hund während eines Anfalls verletzen könnte.
- Bleiben Sie ruhig: Während eines Anfalls ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und dem Hund beizustehen.
- Vermeiden Sie Stress: Schaffen Sie eine stressarme Umgebung mit einem geregelten Tagesablauf.
- Achten Sie auf die Ernährung: Füttern Sie eine hochwertige, ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie plötzliche Futterwechsel.
- Schützen Sie den Hund vor Hitze: Vermeiden Sie Spaziergänge bei hohen Temperaturen und sorgen Sie für ausreichend Kühlung und Flüssigkeit.
- Seien Sie aufmerksam: Beobachten Sie Ihren Hund genau und suchen Sie bei Veränderungen im Verhalten oder bei vermehrten Anfällen den Tierarzt auf.
Leben mit Epilepsie
Das Leben mit einem Hund, der an Epilepsie leidet, kann eine Herausforderung sein. Es erfordert Geduld, Ausdauer und finanzielle Mittel. Aber mit der richtigen Behandlung und Unterstützung kann Ihr Hund ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen.
Es wirkt sich positiv aus, wenn die Hunde in einer vertrauten Umgebung sind, ein stets ähnlicher Tagesrhythmus und geregelte Schlafenszeiten eingehalten werden, also wenn sie wenig Stressfaktoren ausgesetzt sind. Wir wissen z.B., dass Hunde mit Epilepsie nicht so gut schlafen. Auch die ganz alltäglichen Dinge des Lebens, wie gute Ernährung, Bewegung, gute Hydration sollten in optimaler Weise berücksichtigt werden, das kann auf jeden Fall helfen.