Hopfen bei Epilepsie: Eine umfassende Analyse aktueller Studien

Die Suche nach alternativen und ergänzenden Behandlungsmethoden für Epilepsie hat in den letzten Jahren zugenommen. Pflanzliche Präparate, insbesondere solche mit beruhigenden und krampflösenden Eigenschaften, stehen dabei im Fokus. In diesem Artikel werden wir uns eingehend mit der Rolle von Hopfen (Humulus lupulus L.) in Bezug auf Epilepsie beschäftigen, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen.

Cannabidiol (CBD) und seine Rolle bei Epilepsie

Ein zunehmendes Interesse besteht an Cannabidiol (CBD), einem nicht-psychoaktiven Cannabinoid, das in Hanfgewächsen vorkommt. Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) besitzt CBD keine berauschende Wirkung und wird als Nahrungs­ergänzungsmittel, Lebensmittel oder Aromastoff vertrieben. Experimentelle und klinische Daten deuten darauf hin, dass CBD angstlösend und antipsychotisch wirken kann. Außerdem wurden günstige Effekte bei Suchterkrankungen sowie Epilepsie bei Kindern nachgewiesen.

Zulassung von CBD-haltigen Arzneimitteln

CBD hat eine Zulassung als Arzneimittel für zwei Indikationen erhalten:

  • Epidyolex®: Ein Orphan Drug für Kinder ab 2 Jahren mit Lennox-Gastaut- oder Dravet-Syndrom, zwei schweren Formen der kindlichen Epilepsie. Es wird als Ko-Antikonvulsivum mit Clobazam verordnet. Studien zeigten, dass der Anteil der Responder (Patienten, deren Anfallshäufigkeit um mindestens 50 % abgenommen hatte) nach 14 Wochen in den CBD-Gruppen signifikant höher war als mit Plazebo (55,6 % vs. 36,6 %).
  • Nabiximols (Sativex®): Ein Mischpräparat, das CBD und THC enthält. Es wurde 2011 zur Linderung von Symptomen bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik bei Multipler Sklerose zugelassen, ebenfalls nur als Zusatzbehandlung.

Off-Label-Anwendungen von CBD

Ein systematischer Review untersuchte weitere (Off-label-) Indikationen von CBD, darunter Angststörungen, Psychosen, Cannabis- und Nikotinabhängigkeit, Typ-2-Diabetes, Hyperlipidämien und chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Hinweise auf positive Wirkungen wurden bei Angstzuständen, Schizophrenie und Tabakabhängigkeit gefunden. Die Ergebnisse wurden jedoch aufgrund kleiner Patientenzahlen, selektiver Berichterstattung und unzureichender Randomisierung und Verblindung als störanfällig bewertet.

Nebenwirkungen von CBD

Die wichtigsten Nebenwirkungen von geprüften und rezeptpflichtigen CBD-haltigen Medikamenten sind dosisabhängige Erhöhungen der Transaminasen, Magen-Darm-Störungen (Durchfall und Appetitlosigkeit) und Hautausschlag. Darüber hinaus wurden auch neuropsychiatrische Störungen wie Schläfrigkeit und vermehrte Suizidgedanken beschrieben.

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Hopfen (Humulus lupulus L.)

Hopfen ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil beim Bierbrauen, sondern wird auch traditionell aufgrund seiner beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften geschätzt. Er gehört wie Cannabis zu den Hanfgewächsen (Cannabaceae). Hopfen enthält Bitterstoffe und ätherische Öle, denen eine leicht sedierende Wirkung zugeschrieben wird.

Hopfen in Kombination mit Baldrian

Valerian und valerian hops combinations are often applied against insomnia. Studien haben gezeigt, dass Hopfen in Kombination mit Baldrian die Einschlafzeit verkürzen und Angstgedanken reduzieren kann.

Wirkungsweise von Hopfen

Die genaue Wirkungsweise von Hopfen ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Hopfens an GABA-Rezeptoren im Gehirn binden und so eine beruhigende Wirkung entfalten. GABA ist ein wichtiger Neurotransmitter, der die Erregbarkeit von Nervenzellen reduziert.

Zitronenmelisse: Ein weiterer potenzieller Helfer bei Schlafstörungen

Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist eine weitere Pflanze, die traditionell bei Schlafstörungen und nervösen Unruhezuständen eingesetzt wird. Sie enthält ätherische Öle, Flavonoide und Gerbstoffe, denen beruhigende, entblähende, entspannende, gedächtnisstärkende, konzentrationssteigernde und krampflösende Eigenschaften zugeschrieben werden.

Zitronenmelisse in Kombination mit Baldrian

Eine Studie an Kindern mit Schlaflosigkeit und Ruhelosigkeit zeigte, dass eine Kombination aus Baldrian und Zitronenmelisse die Einschlafprobleme deutlich reduzieren konnte.

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Weitere positive Effekte der Zitronenmelisse

Studien deuten darauf hin, dass Zitronenmelisse auch bei Angststörungen, depressiven Verstimmungen, Konzentrationsstörungen, krampfartigen Harnwegsinfektionen, krampfartigen Menstruationsbeschwerden und Lippenherpes (äußerlich) helfen kann.

Cannabis: Inhaltsstoffe, Anwendung und rechtliche Aspekte

Cannabis sativa zählt, wie auch der Hopfen (Humulus), zu der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Die medizinische Wirksamkeit verdankt der Hanf vor allem seinen über 120 verschiedenen Cannabinoiden. Die wichtigsten und am besten untersuchten hiervon sind Cannabidiol (CBD) und Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC). CBD und THC besitzen beide ein breites Wirkungsspektrum und wirken über das Endocannabinoid-Rezeptorsystem.

Rechtliche Aspekte

Seit dem 01.04.2024 ist durch den Wegfall der Einordnung als Betäubungsmittel (BTM) eine neue Gesetzeslage entstanden. Lediglich Nabilon (reines synthetisches THC) ist nach wie vor BTM-pflichtig. An den Regeln zur Erstattungsfähigkeit von Cannabinoiden hat sich nichts geändert. Frei verkäuflich sind Cannabiszubereitungen, z. B.

Medizinische Anwendung

Medizinischer Cannabis ist in Deutschland seit dem 10. März 2017 zugelassen. Zu diesem Zeitpunkt trat das Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften in Kraft, das den Zugang zu Cannabisblüten und -extrakten für medizinische Zwecke regelte. Vor diesem Datum war der Zugang zu medizinischem Cannabis in Deutschland stark eingeschränkt und wurde nur in Ausnahmefällen genehmigt. Die Legalisierung von medizinischem Cannabis hat den Zugang für Patienten mit bestimmten schweren Erkrankungen erleichtert, die von den therapeutischen Wirkungen von Cannabis profitieren können. So wird es zum Beispiel zur Linderung von Schmerzen eingesetzt. Auch zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, z. B. bei Chemotherapie, oder zur Appetitanregung, z. B. bei HIV- oder AIDS-Patienten. Ein weiterer Einsatzbereich ist die Behandlung von Spastiken bei multipler Sklerose.

Phytopharmaka in der Rheumatologie

Pflanzliche Präparate zur Behandlung von rheumatischen Krankheitsbildern und muskuloskeletalen Symptomen finden unter Patienten und Ärzten große Beachtung. Auch in Zeiten spezifisch wirkender und gut verträglicher Basistherapien ist das wissenschaftliche Interesse an Phytotherapeutika und pflanzlichen Präparaten ungebrochen. Die Verwendung von pflanzlichen Heilmitteln beruht häufig auf empirischen Erfahrungen und Beobachtungen, in Teilen aber auch auf der frühchristlichen Signaturenlehre.

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Pflanzliche Präparate und ihre Anwendung

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) hat im Jahr 2021 eine Kommission für Komplementäre Heilverfahren und Ernährung (KHE) ins Leben gerufen, welche Empfehlungen zur Anwendung komplementärer Heilverfahren bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises erarbeitet. Mitglieder der oben genannten Kommission haben die wissenschaftliche Literatur zu ausgewählten frei verkäuflichen pflanzlichen Präparaten und Phytotherapeutika anhand von PubMed-Recherchen gesichtet und Möglichkeiten für ihre Anwendung in der Rheumatologie geprüft.

Weitere pflanzliche Optionen bei Schlafstörungen

Neben Hopfen, Baldrian und Zitronenmelisse gibt es noch weitere pflanzliche Mittel, die bei Schlafstörungen helfen können:

  • Kamille: Ein Tee aus Kamillenblüten wirkt beruhigend und entspannend.
  • Lavendel: Lavendelöl kann als Aromatherapie oder in Form von Kapseln eingenommen werden.
  • Passionsblume: Passionsblumenkraut hat angstlösende Eigenschaften und kann bei nervösen Unruhezuständen und Einschlafstörungen helfen.

Wichtige Hinweise zur Anwendung pflanzlicher Präparate

  • Qualität: Achten Sie auf hochwertige Präparate von vertrauenswürdigen Herstellern.
  • Dosierung: Halten Sie sich an die empfohlene Dosierung.
  • Wechselwirkungen: Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die Sie einnehmen.
  • Nebenwirkungen: Beachten Sie mögliche Nebenwirkungen und suchen Sie bei Beschwerden einen Arzt auf.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Einige pflanzliche Präparate sind während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht geeignet. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.

Forschungsansätze im Bereich Epilepsie

Die Forschung im Bereich Epilepsie konzentriert sich auf verschiedene Aspekte:

  • Detektion struktureller Läsionen: Optimierung und Kombination verfügbarer Techniken zur Detektion struktureller Läsionen, spezifische Artdiagnose der Läsion und den Nachweis ihrer Epileptogenität (Kooperation mit Neuroradiologie, Nuklearmedizin, MEG, Neurochirurgie).
  • Medikamentöse antikonvulsive Therapie: Systematische Erfassung und Quantifizierung zahlreicher Aspekte der medikamentösen antikonvulsiven Therapie. Dazu gehört z.B. die Evaluation kognitiver Effekte der Therapie oder die Untersuchung der Antiepileptika-induzierten Osteopathie.
  • EEG-Signal-Auswertung: Analyse hochfrequenter EEG-und MEG-Signale insbesondere bei Patienten mit subduralen und Tiefen-Elektroden ein spannendes Feld, um das Entstehen von epileptischen Anfällen besser zu verstehen.
  • Entzündliche Veränderungen: Es mehren sich die Hinweise, dass Epilepsien auch durch entzündliche Veränderungen ausgelöst und unterhalten werden können. Dabei ist das Zusammenspiel zwischen Entzündungszellen und Nervenzellen noch nicht gut verstanden. Falls diese Zusammenhänge bekannt wären, könnte auch u.U. über eine Beeinflussung des Entzündungssystems eine ganz neue Gruppe von Antiepileptika entstehen.
  • Neuropsychologie der Epileptologie: Vielschichtige Facetten der Neuropsychologie der Epileptologie (z.B autobiographische Aspekte des Gedächtnisses, Sprachfunktionen, social cognition, theory of mind). Als besonderes wichtig erachten wir die Kombination klinisch-neuropsychologischer Befunde mit Befunden anderer Modalitäten und Grundlagenerkenntnissen.
  • Versorgungsforschung: Durch die epileptischen Anfälle erleben die Betroffenen häufig auch Stigmatisierung, Arbeitslosigkeit bis hin zur Frühberentung und Schwierigkeiten im privaten wie sozialen Umfeld. Diese Folgen der Epilepsie stehen im Mittelpunkt unserer Versorgungsforschung.

Telemedizinische Anwendungen

Telemedizinische Anwendungen gewinnen auch im Bereich der Neurologie zunehmend an Bedeutung. Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege wurde das Telemedizinische Netzwerk für Epilepsie in Bayern (TelEp) gegründet. Im Rahmen des Projektes wird die Anwendbarkeit telemedizinischer Verfahren in der Diagnostik und Therapie von Epilepsien wissenschaftlich untersucht.

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