Hopfen, bekannt für seinen charakteristischen bitter-aromatischen Geschmack im Bier und als beruhigender Tee, hat eine lange Geschichte als Heilmittel und Brauzusatz. Ursprünglich in der Antike bei Griechen und Römern sowie in der arabischen Welt bekannt, wurde Hopfen als Brauzusatz im Mittelalter von Mönchen populär gemacht. Hildegard von Bingen bemerkte bereits im 12. Jahrhundert, dass Hopfen die Eingeweide austrocknen und traurig machen könne. Trotz dieser frühen Beobachtungen ist die beruhigende und schlaffördernde Wirkung von Hopfen seit Jahrhunderten bekannt und wird traditionell genutzt.
Traditionelle Verwendung von Hopfen
Schon lange ist die beruhigende, sedative Wirkung von Hopfen bekannt. Hopfenpräparate werden oft in Kombination mit Baldrian als Beruhigungsmittel angeboten, wobei Hopfen ähnlich wie das Schlafhormon Melatonin und Baldrian wie Adenosin wirken.
Hopfen als Schlafmittel
Hopfen ist eine traditionelle Heilpflanze, die bei psychischen Leiden wie Unruhe, Angstzuständen und Schlafstörungen empfohlen wird. Oft wird Hopfen in Kombination mit anderen Heilpflanzen wie Baldrian oder Melisse angewendet. Hopfentee kann bei nervöser Unruhe oder Schlafstörungen helfen. Übergießen Sie dafür ein bis zwei Teelöffel zerkleinerte, getrocknete Hopfenzapfen mit etwa 150 Milliliter kochendem Wasser, lassen Sie alles zehn Minuten abgedeckt ziehen und seihen Sie es dann ab. Es können zwei bis dreimal täglich eine Tasse getrunken werden, besonders eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen. Auch Fertigpräparate mit Hopfen und anderen Heilpflanzen sind erhältlich, wobei die Einnahme gemäß Packungsbeilage oder ärztlicher Empfehlung erfolgen sollte. Hopfen-Vollbäder können ebenfalls bei nervösen Unruhezuständen oder Schlafstörungen helfen.
Weitere traditionelle Anwendungen
In der Volksmedizin wird Hopfen auch bei Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen sowie Blasen- und Nierenleiden eingesetzt. Allerdings ist hier weitere Forschung notwendig, um die Wirksamkeit zu bestätigen.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen
Die wesentlichen Wirkstoffe im Hopfen sind die Bitterstoffe Humulon und Lupulon, die in den Drüsenschuppen der Hopfenzapfen produziert werden und schlaffördernde sowie beruhigende Eigenschaften haben. Weitere wichtige Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Gerbstoffe und geringe Mengen ätherisches Öl. Studien haben zudem antibakterielle, antimykotische, appetitanregende, magensaftanregende, krampflösende und östrogenähnliche Eigenschaften nachgewiesen.
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Östrogene Wirkung
Seit Jahrhunderten ist bekannt, dass Hopfen eine leichte östrogene Wirkung hat. Die dafür verantwortliche Substanz, das 8-Prenylnaringenin, wurde jedoch erst vor wenigen Jahren identifiziert. Diese Verbindung ähnelt dem weiblichen Sexualhormon 17-ß-Östradiol und kann dessen Rezeptor besetzen, wodurch hormonell bedingte Krebsrisiken gemindert werden könnten. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass Hopfen in Situationen mit unerwünschter Östrogenwirkung nicht eingesetzt werden sollte.
Polyphenole und Xanthohumol
Hopfen ist eine sehr polyphenolreiche Pflanze (2 bis 8 %). Polyphenole wirken antioxidativ und können freie Radikale einfangen, was allgemein als gesundheitsfördernd gilt. Ein besonderes Polyphenol ist Xanthohumol, das erstmals 1913 beschrieben wurde und dessen chemische Struktur 1961 bestimmt wurde. Prof. Fred Stevens berichtete 1999 von den antikanzerogenen Eigenschaften dieser Substanz, was zu einem explosionsartigen Anstieg der Forschungsaktivitäten führte. Xanthohumol hat von der FDA im Jahr 2016 das "Health Claim" erhalten, was seine gesundheitsfördernde Wirkung wissenschaftlich belegt.
Xanthohumol wirkt entzündungshemmend gegen Bakterien und Viren sowie in allen drei Stufen der Krebsentstehung. Es ist bewiesen, dass Xanthohumol gegen die Mutation in der DNA, also der Veränderung der Erbinformation, bei Fehlern in der Übertragung der DNA als auch gegen die Tumorbildung wirkt. In den USA wird zur Wirkung beim metabolischen Syndrom geforscht, wobei im Tierversuch der LDL-Spiegel, der Insulinspiegel und auch das Gewicht sanken.
Hopfen und Alzheimer-Prävention
Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass Hopfen eine Rolle bei der Prävention von Alzheimer spielen könnte. Alzheimer entsteht, wenn die Produktion des Beta-Amyloid-Proteins im Gehirn aus der Balance gerät und sich Amyloid-Plaques ansammeln. Nutrazeutika, also Lebensmittel mit medizinischer Wirkung, könnten hier eine Rolle spielen.
Studien zu Hopfen und Alzheimer
Eine Studie von Palmioli et al. untersuchte vier Hopfensorten (Cascade, Saaz, Tettnang und Summit) und identifizierte die wirksamen Hauptkomponenten gegen Amyloid-Beta-Komponenten. Der wirksamste Extrakt stammte aus dem Tettnanger Hopfen, der als Premium-Hopfen mit besonders guter Aromatik gilt. In-vitro-Experimente zeigten, dass Hopfen antioxidative Eigenschaften besitzt und die Ablagerung von Beta-Amyloid-Proteinen verhindern kann. Der Tettnanger Hopfen wies einen hohen Gehalt an Polyphenolen auf und wirkte am stärksten antibiotisch und amyloid-beta-blockierend.
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Forschung am TUM-Campus Straubing
Am TUM-Campus Straubing wird Grundlagenforschung am Hopfen betrieben, insbesondere im Hinblick auf Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz. Corinna Urmann forscht an der Eignung von Spezialextrakten für die Arznei. Im Projekt ExbiNaH wird daran gearbeitet, reine bioaktive Naturstoffe aus Hopfen zu gewinnen und die Akzeptanz beim Verbraucher zu klären. Ziel ist die Anwendung bei Demenz oder Alzheimer, wobei man sich insbesondere mit Flavonoiden beschäftigt.
Xanthohumol C und Stammzellenforschung
Die Forschung konzentriert sich auf das wenig wasserlösliche Xanthohumol. Durch Erhitzen in der Mikrowelle wird ein Ring am Molekül geschlossen, um Xanthohumol C zu erhalten, das in ein Cyclodextrin eingebettet wird, um die Wasserlöslichkeit zu verbessern. Die Hoffnung ist, dass es so die Blut-Hirn-Schranke überwinden und zu den Stammzellen im Gehirn gelangen kann.
Jeder Mensch besitzt adulte Stammzellen, die sich in jede Art von Körperzellen entwickeln können. Im Gehirn könnte ein Stoff wie Xanthohumol C bei Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer helfen, fehlende Nervenzellen neu zu bilden. Im Zelltest war Xanthohumol C die bisher stärkste Substanz, die dies geschafft hat.
Anwendung und Darreichungsformen
Hopfen ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter getrocknete Hopfenzapfen, Trockenextrakte als Pulver, Tee, Tabletten oder Tropfen. Häufig wird Hopfen in Kombination mit anderen Heilpflanzen wie Baldrian, Melisse oder Passionsblume verwendet.
Hopfen-Tee
Ein Hopfen-Tee kann zubereitet werden, indem 1 TL Hopfenzapfen mit 250 ml heißem Wasser übergossen, 10 Minuten ziehen gelassen und abgeseiht wird. Zur Appetitanregung oder Verdauungsförderung kann eine Tasse ca. 30 Minuten vor den Mahlzeiten getrunken werden. Bei Schlafproblemen empfiehlt es sich, etwa 1 Stunde vor dem Schlafengehen eine Tasse Hopfen-Tee zu trinken.
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Hopfen-Kissen
Als Einschlafhilfe sind auch Hopfenkissen geeignet. Dafür werden 300 bis 500 g Hopfenzapfen (je nach Größe des Kissens) in ein Baumwoll- oder Leinenstoff eingenäht. Durch die Körperwärme entströmt ein Duft, der das Einschlafen erleichtern kann.
Alkoholfreies Bier mit Tettnanger Hopfen
Alkoholfreie Biere mit Tettnanger Hopfen können ebenfalls eine Option sein, um die beruhigenden Eigenschaften des Hopfens zu nutzen.
Sicherheitshinweise und Nebenwirkungen
Es sind keine Nebenwirkungen für die Einnahme von Hopfen bekannt. Beim Pflücken von Hopfen können jedoch Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Hautentzündung (Dermatitis) und Gelenkbeschwerden auftreten. Hopfen ist glutenfrei und auch in der Schwangerschaft erlaubt, wobei die Dosierung am besten mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden sollte.