Jeder kennt Situationen, in denen man verbal angegriffen wird und sprachlos ist. Schlagfertigkeit ist die Fähigkeit, schnell, humorvoll und souverän auf solche Angriffe zu reagieren. Dieser Artikel gibt Ihnen Tipps, wie Sie schlagfertiger werden und sich besser gegen verbale Attacken wehren können.
Was ist Schlagfertigkeit?
Schlagfertigkeit ist mehr als nur das schnelle Antworten. Es geht darum, in schwierigen Situationen die Oberhand zu behalten, Respekt zu wahren und das Selbstbewusstsein zu stärken. Schlagfertige Menschen lassen sich nicht einschüchtern und wissen, wie sie sich verbal zur Wehr setzen können, ohne dabei verletzend zu werden.
Schlagfertigkeitstrainerin Nicole Staudinger betont: "Meiner Meinung nach ist Schlagfertigkeit viel mehr als nur lockere Sprüche klopfen."
Die Grundlagen der Schlagfertigkeit
Schnelligkeit ist entscheidend
Oft hat man nur wenige Sekunden, um auf einen Spruch zu reagieren. Nicole Staudinger rät: "Wir haben genau drei Sekunden Zeit, auf einen blöden Spruch zu reagieren. Reagieren wir erst danach, rechnet der andere nicht mehr mit einer Antwort."
Souveränität bewahren
Es ist wichtig, dem Gegenüber zu signalisieren, dass man sich von der Unverschämtheit nicht beeindrucken lässt. Eine gelassene und freundliche Haltung ist dabei essenziell.
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Körpersprache beachten
Die Körpersprache spielt eine große Rolle. Ein sicherer Stand, Blickkontakt und eine aufrechte Haltung unterstreichen die Souveränität. Nach der Antwort sollte man den Blick abwenden, um zu zeigen, dass die Sache für einen erledigt ist.
Humor einsetzen
Ein humorvoller Konter kann die Situation elegant entschärfen. Dabei kann man auch über sich selbst lachen.
Nicht beleidigen
Niemals sollte man jemanden bloßstellen oder beleidigen. Ziel ist es, sympathisch zu bleiben und die Situation zu deeskalieren.
Techniken für schlagfertige Antworten
Blitzantworten
Wenn einem nichts Besseres einfällt, helfen kurze Antworten wie "Ach nee", "Sieh an" oder "So, so". Diese signalisieren Desinteresse und wahren die eigene Souveränität.
Längere Antworten
Manchmal braucht man etwas mehr Zeit. Dann können Sätze wie "Wenn mir der passende Spruch einfällt, komme ich auf dich zurück" oder "Du kennst das, oder? Glashaus? Steine?" hilfreich sein.
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Negative Bemerkungen umdeuten
Eine gute Technik ist es, negative Bemerkungen ins Positive umzudeuten. Wenn die Chefin sagt: "Sie arbeiten aber langsam, Frau Müller", könnte man antworten: "Ich arbeite gründlich."
Gegenfragen stellen
Eine Gegenfrage wie "Was meinen Sie damit?" verschafft Zeit und zwingt den Angreifer, seine Aussage zu präzisieren.
Humorvolle Übertreibung
Wer sich selbst auf die Schippe nehmen kann, kann mit Übertreibungen wie "Ich bin so vergesslich - ich kann mir gar nichts merken" reagieren.
Die "Kann schon sein"-Technik
Auf einen Vorwurf wie "Hast du deine Arbeit schon wieder nicht erledigt?!" kann man antworten: "Kann schon sein." Wichtig ist, die Aussage stetig zu wiederholen und keine weiteren Informationen preiszugeben.
Tipps vom Experten: Jonas Leimann
Kommunikationstrainer Jonas Leimann gibt weitere Tipps für mehr Schlagfertigkeit:
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Vorbereitung ist wichtig
Schreiben Sie sich gute Sprüche auf, die Ihnen im Nachhinein einfallen. So sind Sie für ähnliche Situationen vorbereitet.
Konter des Tages
Legen Sie sich morgens schon einen einfachen Konter wie "Ah, wie interessant" oder "Danke für die Info" zurecht.
Die Gegenfrage
Für Einsteiger empfiehlt Leimann die Gegenfrage à la "Was meinen Sie damit?".
Umgang mit Vielrednern
Nicht nur verbale Angriffe, sondern auch Vielredner können nerven. Hier einige Tipps, um mit ihnen umzugehen:
Unterbrechen
Stellen Sie drei Fragen direkt hintereinander, um den Redefluss zu stoppen.
Zeit schenken
Geben Sie dem Vielredner einmal die Möglichkeit, sein Anliegen in Ruhe vorzustellen. Beim nächsten Gespräch können Sie darauf Bezug nehmen und ihn unterbrechen.
Moderieren
Im Meeting können Sie das Jammern moderieren, indem Sie sagen: "Okay, ich sehe, das Projekt ist schlecht gelaufen."
Ehrlichkeit
Argumentieren Sie ehrlich, wenn ein Mitarbeiter zu sehr ins Detail geht: "Ich schätze es sehr, dass Sie so viele Einzelheiten wissen, aber könnten Sie mir bitte kurz das Wichtigste mitteilen?"
Schlagfertigkeit trainieren
Denkprozesse erlernen
Steigern Sie Ihre Assoziationsfähigkeit, indem Sie aus fünf unabhängigen Schlagwörtern eine Kurzgeschichte bilden.
Sprachgewandtheit verbessern
Erweitern Sie Ihren Wortschatz, indem Sie viel lesen und andere sprechen hören. Analysieren Sie schlagfertige Reaktionen und merken Sie sie sich.
Gesprächsinhalte richtig deuten
Lernen Sie, Kritik an Ihrer Arbeit von persönlichen Angriffen zu unterscheiden und beides kühl abzuwehren.
Richtig auf Provokationen reagieren
Bleiben Sie cool, souverän und argumentieren Sie sachbezogen. Erkennen Sie unlogische Argumentationen und unterschwellige Botschaften.
Die Rolle des Selbstbewusstseins
Schlagfertigkeit hat viel mit Selbstbewusstsein zu tun. Wer sich selbst annimmt und seine Schwächen akzeptiert, kann besser reagieren.
Madeleine Kumbartzki, Kommunikationsmentorin, betont: "Schlagfertige Menschen sind smart, gewiss, und sie sind noch etwas viel Größeres: Sie sind es sich selbst wert, sich zu wehren."
Was tun, wenn man sprachlos ist?
Es ist normal, in manchen Situationen sprachlos zu sein. Wichtig ist, sich nicht zu rechtfertigen oder zu erklären. Atmen Sie tief durch, machen Sie sich groß und sagen Sie sich "Stopp".
Umgang mit Geltungsdrang
Geltungsdrang ist ein übersteigertes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Ignorieren Sie den Betroffenen, sprechen Sie ihn offen an oder entziehen Sie Übertreibungen die Grundlage.