Übelkeit bei Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die oft mit anfallsartigen Kopfschmerzen einhergeht. Diese Kopfschmerzen sind meist von weiteren Symptomen begleitet, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen können. Eines dieser häufigen Begleitsymptome ist Übelkeit. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Übelkeit bei Migräne, die verschiedenen Migräneformen und ihre Symptome, sowie Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten.

Das Zusammenspiel von Übelkeit und Kopfschmerzen

Übelkeit und Kopfschmerzen treten oft gemeinsam auf. Dabei stellt sich oft die Frage, was zuerst da war. In vielen Fällen lässt sich diese Frage nicht präzise beantworten, da Übelkeit und Kopfschmerzen sich gegenseitig bedingen können. Das gemeinsame Auftreten von Übelkeit und Kopfschmerzen kann unterschiedliche Ursachen haben.

Ursachen von Übelkeit bei Migräne

Wo genau die Ursache für die Übelkeit bei Migräne liegt, ist noch nicht abschließend geklärt. Aktuell geht die Wissenschaft davon aus, dass während eines Migräneanfalls vermehrt Serotonin ausgeschüttet wird, welches die Übelkeit im Brechzentrum auslösen kann.

Weitere Auslöser von Übelkeit mit Kopfschmerzen

Neben der Migräne gibt es weitere Faktoren, die Übelkeit und Kopfschmerzen auslösen können:

  • Infektion des Magen-Darm-Trakts: Bei einer Magen-Darm-Erkrankung leiden Betroffene meist besonders unter Übelkeit und Erbrechen. Durch das Erbrechen verliert der Körper Flüssigkeit und Elektrolyte, was zusätzlich zu Kopfschmerzen führen kann.
  • Ernährungsbedingte Faktoren: Auch eine unausgewogene Ernährung kann Übelkeit und Kopfschmerzen begünstigen. Besonders eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr kann Kopfschmerzen hervorrufen. Eine große Rolle spielt zudem der Blutzuckerspiegel: Wenn dieser aus dem Gleichgewicht gerät, können Kopfschmerzen und Übelkeit die Folge sein.
  • Alkoholkonsum: Bei einem „Kater“ nach dem Konsum von Alkohol ist das gemeinsame Auftreten von Kopfschmerzen und Übelkeit eines der häufigsten Symptome. Denn Alkohol reizt die Magenschleimhaut und kann so Übelkeit auslösen. Gleichzeitig entzieht er dem Körper Flüssigkeit und führt daher oft zu Kopfschmerzen.
  • Weitere mögliche Ursachen: Für das gemeinsame Auftreten von Übelkeit und Kopfschmerzen können grippale Infekte oder auch ein Sonnenstich sein. Hormonelle Veränderungen können diese Symptome ebenso begünstigen, beispielsweise bei Kopfschmerzen in der Schwangerschaft.

Migräne: Eine neurologische Erkrankung

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) rund 28 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen. Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns. Die Entwicklung der Symptome ist oft genetisch bedingt, wobei aber zusätzlich endogene und exogene Faktoren, wie z. B. Schwankungen des Östrogenspiegels, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Stress, Auslassen einer Mahlzeit und unzureichende Flüssigkeitszufuhr, den Krankheitsverlauf beeinflussen. Der Kopfschmerz beruht auf einer durch Nervenfasern ausgelösten Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns, der sogenannten neurovaskulären Entzündung.

Lesen Sie auch: Handgelenksganglion: Symptome, Diagnose und Therapie

Migräneformen und ihre Symptome

Man kann zwischen mehreren Migräneformen unterscheiden:

  • Einfache Migräne oder auch Migräne ohne Aura
  • Klassische Migräne oder auch Migräne mit Aura
  • Komplizierte Migräne oder auch Migraine accompagnée

Die zwei häufigsten Formen sind Migräne ohne und Migräne mit Aura. Zudem lassen sich folgende Unterformen unterscheiden:

  • Migräne der Augen (auch okulare Migräne genannt): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
  • Abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
  • Migräne mit Hirnstammaura (früher als basilaris Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
  • Vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.

Symptome der Migräneformen

  • Migräne ohne Aura: Die einfache Migräne zeichnet sich auch durch eine hohe Empfindlichkeit von Licht, Geräuschen und Gerüchen aus. Hinzukommen können Schwindel, das Sehen von Lichtblitzen und eigenartigen Formen.
  • Migräne mit Aura: Bei der klassischen bzw. Migräne mit Aura kommen zu den Kopfschmerzen neurologische Defizite hinzu. Meist als Vorbote von einem Migräneanfall können sogenannte Gesichtsfeldausfälle auftreten. Diese äußern sich in Form von Sehstörungen wie Lichtblitzen und werden in der Neurologie als Aura oder Migräneaura bezeichnet.
  • Komplizierte Migräne: Die komplizierte Migräne oder auch Migraine accompagnée ist gekennzeichnet durch lange neurologische Störungen im Vergleich zur Migräne mit Aura. Die Vorboten können den jeweiligen Migräneanfall auch überdauern. Zu der komplizierten Migräne zählen Unterformen wie die hemiplegische Migräne, die Basilaris-Migräne sowie die ophthalmoplegische Migräne. Die Symptome einer Migraine accompagnée reichen von leichten Lähmungserscheinungen über Gang- und Sehstörungen bis hin zu Sprachverlust oder Sprachstörungen.

Phasen einer Migräneattacke

Grundsätzlich lässt sich ein Migräneanfall in vier Phasen unterteilen:

  1. Prodromalphase: Sie beginnt für einige Stunden bis Tage und ist durch Reizbarkeit, Heißhungerattacken, Müdigkeit und / oder Schlafstörungen gekennzeichnet.
  2. Auraphase: Daran kann sich eine bis zu 60 Minuten andauernde Auraphase anschließen. In dieser tauchen visuelle Störungen oder ein Taubheitsgefühl in Körperteilen auf.
  3. Kopfschmerzphase: Die eigentliche Kopfschmerzphase dauert in der Regel vier bis 72 Stunden und beinhaltet den heftigen, pochenden, meist einseitigen Kopfschmerz. Begleitet werden kann dieser von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Photophobie und Phonophobie, aber auch Schwindel, Schlaflosigkeit oder depressiver Stimmung.
  4. Postdromalphase: Mit der Postdromalphase klingt die Migräne ab. Viele Patienten leiden über 24 bis 48 Stunden unter Konzentrationsstörungen, Müdigkeit oder Verständnisproblemen.

Triggerfaktoren für Migräne

Bei Menschen mit bestehender Veranlagung können folgende Auslöser für Migräne verantwortlich sein:

  • Schlafüberschuss oder Schlafmangel
  • Hunger oder Unterzuckerung
  • Hormonumstellungen wie während des Zyklus oder bei Einnahme der Anti-Baby-Pille
  • Körperlicher oder psychischer Stress
  • Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol
  • Licht, Geräusche oder Gerüche
  • Wetterveränderungen
  • Starke Emotionen
  • Bestimmte Medikamente
  • Räume, in denen geraucht wird

Behandlung von Übelkeit und Kopfschmerzen bei Migräne

Die Behandlung der einzelnen Kopfschmerzattacke erfolgt mit überwiegend ohne Rezept erhältlichen Schmerzmitteln, vorzugsweise kombiniert mit einer Substanz gegen Übelkeit und Erbrechen. Behandelt man einerseits früh bei den ersten Anzeichen, aber zugleich nicht zu häufig mit diesen Substanzen, kann bei der großen Mehrheit der Betroffenen eine gute Symptomkontrolle erreicht werden.

Lesen Sie auch: Suchtmechanismen im Gehirn erklärt

Medikamentöse Behandlung

  • Analgetika (NSAR): Diese können bei leichten und mittelstarken Attacken bereits Abhilfe schaffen.
  • Triptane: Diese kommen bei mittelschwerer und schwerer Migräne zum Einsatz oder wenn NSAR nicht ausreichend wirken.
  • Antiemetika: Diese werden eingesetzt, um die begleitende Übelkeit zu behandeln. Hierfür kommen Antiemetika wie Dimenhydrinat bzw. Diphenhydramin (Vomex®, Vomacur®) infrage.

Es ist wichtig, die Medikamente bei einer Attacke möglichst frühzeitig einzunehmen. Außerdem könne eine Kombination mit Antiemetika die Wirksamkeit positiv beeinflussen. Da Antiemetika die Darmperistaltik anregen, könnten Analgetika und Triptane besser aufgenommen werden und deshalb schneller wirken. Bei Bedarf sollte dann zuerst das Antiemetikum gegen Übelkeit eingenommen werden.

Selbsthilfemaßnahmen bei Migräne

  • Massieren Sie mit zwei Fingern entlang des Schmerzpunktes.
  • Tragen Sie wenige Tropfen Pfefferminzöl auf Ihre Schläfen auf und kreisen Sie dort langsam in eine Richtung.
  • Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer und sorgen Sie für ausreichend Ruhe.
  • Lagern Sie Ihren Kopf etwas höher im Bett und legen Sie ein Kühlakku (nur mäßige Kälte) auf Ihre Stirn.
  • Versuchen Sie ruhig zu atmen.
  • Ein frischer Ingwertee kann auch Abhilfe schaffen.

Wann zum Arzt?

Wenn die Beschwerden regelmäßig auftreten, nicht gut auf Analgetika ansprechen oder die Schmerzattacken immer häufiger auftreten, sollten Betroffene einen Arzt konsultieren. Das gilt auch dann, wenn Schmerzmittel aufgrund von Kopfschmerzen häufiger als acht- bis zehnmal im Monat eingenommen werden und auch, wenn Begleiterscheinungen wie Fieber oder neurologische Ausfallsymptome (z. B. Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, Wesensänderungen) auftreten. Bei extrem starken Kopfschmerzen, die schlagartig innerhalb von Sekunden ihr Maximum erreichen, bei begleitender Nackensteife, hohem Fieber, epileptischen Anfällen oder akuten neurologischen Ausfallsymptomen (z. B.

Prävention von Migräne

Treten Attacken mehr als 3-mal pro Monat auf, wird vorübergehend mit vorbeugend wirksamen Medikamenten behandelt. Diese müssen vom Arzt verordnet und ihre Wirkung muss kontrolliert werden. Die häufigsten Substanzen zur Migräne-Prophylaxe sind Betarezeptorenblocker und eine Reihe von Substanzen, die auch zur Behandlung von Epilepsie oder Depressionen eingesetzt werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen zählen eine gesunde Lebensweise mit:

  • Regelmäßigen sportlichen Aktivitäten wie Joggen, Schwimmen oder Walken, im Idealfall an der frischen Luft.
  • Einer ausgewogenen und vitaminreichen Ernährung
  • Eine tägliche Flüssigkeitsversorgung von mindestens zwei Litern
  • Regelmäßigen Entspannungsübungen oder Entspannungstechniken.

Natürliche Vorbeugung

Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht. Verhaltenstherapeutische Verfahren und Entspannungsübungen können einzeln oder auch ergänzend zur medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.

Lesen Sie auch: Schlaganfall: Was Sie wissen müssen

Umgang mit Migräne

Bereits die Aufklärung über die Erkrankung, ihre hirnorganische Ursache und mögliche Einflussgrößen gehört zur Therapie. Wichtig ist auch die Dokumentation von Kopfschmerzen und Medikation in einem Kopfschmerzkalender. Jeder Betroffene muss lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen.

tags: #wie #entsteht #ubelkeit #bei #migrane