Hornissenstich: Medizinische Maßnahmen, Symptome und Behandlung

Stiche von Bienen, Wespen und Hornissen sind nicht nur ärgerlich und schmerzhaft, sondern können auch zu Schwellungen führen und den Aufenthalt im Freien verderben. Besonders gefährlich sind sie für Allergiker, bei denen ein Stich schwere systemische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen kann.

Gefahren durch Insektenstiche

Mit Beginn der warmen Jahreszeit und der Picknick-Saison tauchen auch Bienen, Wespen und Hornissen wieder auf. Viele Menschen fürchten sich vor ihren Stichen, doch für Allergiker kann das Gift der Tiere tatsächlich lebensgefährlich sein. Etwa 600.000 Menschen in Deutschland leiden an einer Insektengiftallergie. Bei ihnen kann ein Stich zu schweren systemischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock führen. In Deutschland sterben jährlich etwa 10 bis 20 Menschen infolge eines Insektenstichs.

Auslöser einer Insektengiftallergie sind hierzulande ausschließlich Hymenopteren (Hautflügler), vor allem Honigbienen, Hummeln und verschiedene Wespenarten, zu denen auch die Hornisse gehört. Fast alle sozialen Hymenopteren, die in Staaten zusammenleben, besitzen einen Stachel, der sich im Laufe der Evolution aus der Eilegeröhre (Ovopositor) entwickelt hat. Männliche Tiere besitzen keinen Stachel.

Der Stechapparat besteht aus einer Stachelrinne und zwei Stechborsten, die in dieser Rinne hin- und hergleiten können. Jede Stechborste ist mit mehreren Widerhaken versehen, die beim Stich den Stachel in der Haut verankern. Das Gift wird in zwei schlauchförmigen Giftdrüsen gebildet, die sich vereinigen und in einer Giftblase münden. Beim Stechvorgang wird dieses mit Hilfe einer eigenen Stechapparat-Muskulatur in die Wunde gepumpt.

Wespen können den Stachel in der Regel aus der Haut der Opfer wieder herausziehen und erneut stechen, während Bienen ihren Stachel auf Grund der Widerhaken verlieren und an dieser Verletzung sterben. Die Muskulatur des abgerissenen Stechapparats treibt die Borste tiefer in die Haut und pumpt weiteres Gift in die Wunde.

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Das Gift der Hymenopteren besteht aus verschiedenen Stoffgruppen, darunter biogene Amine, Polypeptide, Kinine und Enzyme. Biogene Amine wie Histamin, Serotonin, Dopamin, Adrenalin und Acetylcholin haben einen stark schmerzauslösenden Effekt und tragen zur Rötung und zum Jucken der Haut bei. Polypeptide und Kinine wirken blutdrucksenkend und ebenfalls schmerzerzeugend. Die Enzyme Phospholipasen A und B sowie die Hyaluridonsäure führen zur Zellschädigung und erhöhen die Permeabilität, was die Ausbreitung des Gifts beschleunigt. Die Enzyme sind außerdem die wichtigsten Allergene, auf die Insektengiftallergiker reagieren.

Symptome nach einem Stich

Nach einem Stich schwillt typischerweise die Haut um die Einstichstelle stark an, rötet sich und schmerzt heftig. Schwellung und Schmerzen können mehrere Stunden, zum Teil auch bis zu einigen Tagen anhalten.

Während für alle Menschen Stiche von Wespen oder Bienen äußerst schmerzhaft sind, reagieren nur schätzungsweise zwischen 1 und 5 Prozent der Bevölkerung allergisch auf das Gift. Diese Personen sind nach einem ersten Insektenstich sensibilisiert und entwickeln dann nach einem weiteren Stich allergische Reaktionen. Diese können unterschiedlich stark ausfallen. Erste Symptome sind ein Jucken und Kribbeln der Handflächen und Fußsohlen, Hautrötungen, Schwellungen und Quaddeln am ganzen Körper sowie Schwindel und Übelkeit. Außerdem können Krämpfe, Erbrechen, Schweißausbrüche und Herzklopfen hinzukommen. In ernsten Fällen kann es bis zu Atembeschwerden und einem anaphylaktischen Schock kommen.

Allergien können in jedem Lebensalter auftreten. Bereits dem bloßen Verdacht auf eine Übersensibilität sollte beim Allergologen mit Hilfe von Hauttests oder Antikörper-Nachweisen nachgegangen werden.

Erste-Hilfe-Maßnahmen nach einem Insektenstich

Unabhängig davon, ob eine Allergie vorliegt oder nicht, gibt es einige grundlegende Erste-Hilfe-Maßnahmen, die nach einem Insektenstich ergriffen werden sollten:

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  • Ruhe bewahren: Panik kann die Situation verschlimmern.
  • Stachel entfernen: Bei einem Bienenstich sollte der Stachel möglichst rasch entfernt werden, am besten mit einer Pinzette oder durch Wegkratzen mit dem Fingernagel, um zu verhindern, dass weiteres Gift in die Wunde gelangt. Dabei sollte der Stachelapparat nicht zusammengedrückt werden.
  • Einstichstelle desinfizieren: Die Einstichstelle sollte mit einem geeigneten Desinfektionsmittel desinfiziert werden, um einer Infektion vorzubeugen. Alternativ kann die Einstichstelle ca. fünf Minuten lang mit kaltem, klarem Wasser sauber gespült werden.
  • Kühlen: Kühlen der Einstichstelle vermindert die Schwellung und lindert den Schmerz. Ideal ist ein Kühlpad, jedoch immer mit einem Tuch zwischen Haut und Pad, um Erfrierungen zu vermeiden. Auch Umschläge mit Essig oder Alkohol können den gleichen Zweck erfüllen.
  • Juckreiz lindern: Antihistamin-Gele oder -Salben können den Juckreiz lindern. Wichtig ist, nicht zu kratzen, da dies zu Bakterieninfektionen führen kann.
  • Hausmittel anwenden: Verschiedene Hausmittel können ebenfalls zur Linderung der Symptome beitragen, wie z.B. Wickel mit Essigwasser (Verhältnis 1:2), Quarkwickel oder das Auflegen einer halbierten Zwiebel auf die Einstichstelle. Auch Zitronen besitzen desinfizierende Eigenschaften und beruhigen die Haut.
  • Hitze anwenden: Hitze wirkt hervorragend gegen den Schmerz und Juckreiz. Eine moderne Alternative ist der sogenannte 'Bite Away' , auf Deutsch 'Stichheiler' genannt. Das Gerät dient der symptomatischen Behandlung von Juckreiz, Schmerzen und Schwellungen durch Insektenstiche wie beispielsweise Wespen, Bienen, Bremsen und Hornissen und kann dem Entstehen von Symptomen vorbeugen oder das Abklingen der Symptome beschleunigen.

Notfallmaßnahmen bei allergischen Reaktionen

Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion nach einem Insektenstich ist schnelles Handeln gefragt:

  • Notruf wählen: Bei stärkeren Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit, Kreislaufproblemen oder Schwellungen im Mund und Rachen ist es wichtig, sofort den Notruf (112) zu wählen.
  • Notfallset anwenden: Personen, die an einer Insektengiftallergie leiden, müssen im Sommer immer ein Notfallset bei sich tragen. Dieses sollte laut AWMF-Leitlinie ein H1-Rezeptor-blockierendes Antihistaminikum mit raschem Wirkungseintritt, Glucocorticoid (100 mg Prednisolon-Derivat), Adrenalin zum Inhalieren oder Spritzen sowie gegebenenfalls ein Beta-Sympathomimetikum (gegen Bronchospasmus) enthalten. Die Notfallmedikation ist sofort anzuwenden, das Adrenalin beziehungsweise das Beta-Sympathomimetikum erst bei Einsetzen von Atembeschwerden.
  • Schocklage: Bringen Sie den Betroffenen in die Schocklage, indem Sie ihn auf den Boden legen und die Beine hochlagern.
  • Bewusstsein erhalten: Versuchen Sie, den Betroffenen bei Bewusstsein zu halten, indem Sie mit ihm sprechen.
  • Wiederbelebung: Bei einem Versagen des Herz-Kreislaufsystems beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)

Da sich Insektenstiche auch bei geeigneten Vorsichtmaßnahmen nie völlig vermeiden lassen und diese bei Allergikern zum Teil lebensgefährliche Folgen haben können, sollten Betroffene über eine Hyposensibilisierung nachdenken.

Eine spezifische Immuntherapie ist die einzige kausale Behandlung einer Allergie und schützt effektiv. Durch ständig wiederkehrenden Kontakt gewöhnt sich der Organismus an das Allergen, weshalb die überschießende Immunreaktion bei einem Insektenstich ausbleibt. Die Behandlung sollte der Leitlinie zufolge stationär im Krankenhaus begonnen werden. Mehrmals täglich bekommen die Patienten geringe Dosen des entsprechenden Insektengifts subcutan injiziert. In den Monaten Mai bis Juli fliegen vor allem Bienen, von Juli bis September hauptsächlich Wespen.

Im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt sollten die Patienten alle vier Wochen 100 µg des Insektengifts erhalten. Die spezifische Immuntherapie kann nach drei bis fünf Jahren beendet werden, wenn die Betroffenen eine Stichprovokation ohne systemische allergische Reaktion vertragen. Bei etwa 80 Prozent der Behandelten ist dies der Fall.

Durch die Hyposensibilisierung werden das Immunsystem und der Stoffwechsel gefordert. Studien zeigen, dass eine Hyposensibilisierung gegen Insektengift sehr wirksam ist: In den ersten Jahren nach der Behandlung sind etwa 90 % der Betroffenen vor einer anaphylaktischen Reaktion durch einen Insektenstich geschützt.

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Vorbeugung von Insektenstichen

Um Stiche zu vermeiden, sind einige Verhaltensregeln sinnvoll:

  • Ruhe bewahren: Nicht nach Bienen und Wespen schlagen, denn die Tiere stechen vor allem sich schnell bewegende Objekte. Lieber Ruhe bewahren und die Insekten nicht unnötig reizen.
  • Vorsicht im Freien: Nicht barfuß über Wiesen laufen. Bienen stechen nach Geruch: Haarsprays, Parfums, stark riechende Shampoos, aber auch Schweiß fördern das Stechen. Auch Bananen machen Bienen angriffslustig, da die Geruchsstoffe dem Alarmpheromon der Tiere ähneln.
  • Essen und Trinken abdecken: Insektengiftallergiker sollten besonders vorsichtig sein und möglichst nicht im Freien essen. Vor allem Süßigkeiten und Fleisch locken Hymenopteren an. Kontrolliere offene Flaschen und Getränkedosen, bevor du daraus trinkst - manchmal gelangen Wespen oder Bienen in die Flüssigkeit.
  • Kleidung anpassen: Besonders gefährdete Personen sollten auch auf weite Kleider, in denen sich Insekten verfangen können, verzichten. Helle, geschlossene Kleidung tragen: Dunkle Farben und flatternde Stoffe wirken anziehend.
  • Insektenschutzgitter verwenden: Insektenschutzgitter an Fenstern und Türen verhindern das Eindringen in Wohnräume. Mückennetze über dem Bett oder am Kinderwagen bieten nachts Schutz.
  • Repellents verwenden: Repellents (Insektensprays) für Haut und Kleidung vor allem bei Reisen in Risikogebiete verwenden.

Hornissenstiche: Was ist zu beachten?

Viele Menschen haben Angst vor Hornissen, da diese weitaus größer sind als die meisten anderen Insekten. Ob Hornissen wirklich so gefährlich sind, schildern wir Ihnen hier.

Entgegen der weitläufigen Annahme sind Hornissen friedliebende Tiere und für den Menschen weitaus weniger gefährlich als ihre kleineren Artgenossen. Hornissenstiche können zwar starke Schmerzen verursachen, sind aber für die meisten Menschen relativ harmlos.

Ein Hornissenstich ruft zunächst starke Schmerzen hervor. Die gestochene Stelle schwillt stark an, juckt und rötet sich. Das ist zwar sehr unangenehm, aber nicht gefährlich.

Wichtig: Selbst bei starkem Juckreiz sollten Sie sich nicht kratzen, weil es sonst zu Bakterieninfektionen kommen könnte.

Kommt es zu den oben genannten Beschwerden zu folgenden Symptomen hinzu, ist von einer Allergie auszugehen. Merke: Bei einer Allergie oder bei einem Hornissenstich im Mund- und Rachenbereich sollten Sie sofort zum Arzt gehen oder den Notarzt rufen. Eine Schwellung in diesem Bereich kann Atemnot verursachen. Vorbeugend kann das Lutschen von Eiswürfeln und sehr kalte Umschläge am Hals wirken.

Irrtümer über Hornissenstiche:

  • "Sieben Hornissenstiche können ein Pferd, drei Hornissenstiche einen Menschen töten." Dieser Spruch entspricht nicht der Wahrheit.
  • Hornissenstiche sind gefährlicher als Bienen- oder Wespenstiche. Das Gift einer Hornisse ist weniger giftig als das einer Wespe. Es enthält aber einen Neurotransmitter, der den Stich schmerzhafter empfinden lässt. Zudem injiziert die Hornisse das Gift durch ihren längeren Stachel in tiefere und damit empfindlichere Gewebeschichten.

Was tun bei einem Hornissenstich?

  • Desinfizieren: Nach einem Hornissenstich sollten Sie die Einstichstelle am besten sofort mit einem geeigneten Desinfektionsmittel desinfizieren, um einer Infektion vorzubeugen.
  • Kühlen: Bei einem Hornissenstich ist Kühlung das Mittel der Wahl. Zum einen lindert Kälte die Schmerzen. Zum anderen verhindert eine sofortige Kühlung der Einstichstelle ein weiteres Anschwellen des Gewebes.

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