Johanniskraut, wissenschaftlich bekannt als Hypericum perforatum, ist eine vielseitige Heilpflanze mit einer langen Tradition in der Volksmedizin. Insbesondere bei Migräne suchen viele Betroffene nach natürlichen Alternativen oder Ergänzungen zu konventionellen Therapien. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Hypericum bei Migräne, sowohl in der traditionellen Pflanzenheilkunde als auch in der Homöopathie.
Johanniskraut: Eine Pflanze mit Geschichte und vielfältigen Inhaltsstoffen
Johanniskraut ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch und hat sich auch in anderen Teilen der Welt eingebürgert. Die Pflanze bevorzugt Gebüsche, Waldränder, Wiesen und Böschungen als Standort. Bereits Paracelsus erkannte die Sonnensignatur der Blüte, und die Pflanze hat ihren Namen von Johannes dem Täufer, da sie um den Johannistag (24. Juni) blüht.
Die Wirksamkeit von Johanniskraut beruht auf seinen vielfältigen Inhaltsstoffen:
- Hypericine: Diese Stoffe verleihen dem Johanniskrautöl seine rote Farbe und wirken antiviral.
- Hyperforine: Sie sind für die antidepressiven, antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften verantwortlich.
- Flavonoide: Diese sekundären Pflanzenstoffe wirken entzündungshemmend.
- Gerbstoffe: Sie tragen zur schnelleren Wundheilung bei.
Johanniskraut in der Volksmedizin bei Migräne
In der Volksmedizin wird Johanniskraut traditionell bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, darunter auch Migräne. Es wird als Tee bei Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrbeschwerden und zur Stimmungsaufhellung getrunken. Gemischt mit Lavendel oder Orangenblüten kann Johanniskrauttee auch bei Schlafstörungen und Nervosität helfen.
Es gibt auch eine Teerezeptur gegen Migräne, die Johanniskraut enthält. Diese Rezeptur stammt aus der Praxis und sollte kurmäßig für 6 Wochen angewendet werden. Es ist wichtig, vor der Anwendung mit einem Arzt oder Heilpraktiker zu sprechen, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten zu berücksichtigen. Das Rezept sollte auch nur angewendet werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin die Migräne diagnostiziert haben und andere Ursachen für die Kopfschmerzen ausschließen konnten.
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Die Teemischung besteht aus:
- 15 g Jasminblüten
- 40 g Johanniskraut
- 40 g Mutterkraut
- 40 g Schafgarbe
- 45 g Haferkraut
- 55 g Weidenrinde
Zubereitung und Dosierung: 3-mal täglich 1 Esslöffel der Mischung mit 250 ml siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen und trinken.
Es ist wichtig zu beachten, dass Johanniskraut die Wirkung verschiedener Medikamente beeinflussen kann. Insbesondere die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln und hormonellen Verhütungsmitteln kann beeinträchtigt werden.
Johanniskraut in der Homöopathie: Hypericum perforatum
In der Homöopathie wird Hypericum perforatum vor allem bei Schmerzen, insbesondere Nervenschmerzen, eingesetzt. Auslöser dafür sind meist Verletzungen, Wunden oder Schreck. Hypericum gilt als das "Arnica der Nerven" und kann bei allen Folgen von Nervenverletzungen hilfreich sein.
Leitsymptome von Hypericum:
- Schmerzen aufgrund von Nervenverletzungen, v.a. an Fingern, Zehen, Nägeln
- Verletzungen durch Nägel, Nadeln, Splitter, Dornen
- Quetschungen der Finger
- Alle Wunden, die besonders stark schmerzen
- Besonders berührungsempfindliche Wunden
- Starke Schmerzen nach Operationen, auch Zahnoperationen
- Zahnschmerzen, auch nach Zahnextraktionen
- Extreme Schmerzhaftigkeit und Empfindlichkeit auf Berührung
- Kribbeln, Taubheit, Brennen
- Verletzungen der Nerven
- Gehirnerschütterung (Commotio cerebri)
- Sturz auf das Steißbein
- Tierbisse in Finger, Zehen…
Hypericum wird in verschiedenen Potenzen angewendet. Für die Selbstbehandlung empfiehlt sich Hypericum D6 (dreimal täglich fünf Globuli). Höhere Potenzen sollten nur auf Empfehlung eines erfahrenen Therapeuten angewendet werden.
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Typische Anwendungsgebiete von Hypericum in der Homöopathie:
- Wunden (Schnitt-, Biss- und Stichwunden)
- Quetschungen
- Prellungen (besonders bei Prellungen der Wirbelsäule und des Steißbeins)
- Zahnschmerzen
- Insektenstiche, -bisse
- Genitalverletzungen
- Operationen (vorbeugend gegen postoperative Nervenschmerzen)
Modalitäten:
- Die Beschwerden werden besser: durch Stillhalten, durch Rückwärtsneigen des Kopfes
- Die Beschwerden werden schlimmer: bei kaltem, feuchtem Wetter, bei Nebel, vor einem Sturm, durch Berührung und Bewegung
Hypericum C30 Globuli Pflüger®
Hypericum C30 Globuli Pflüger® ist ein registriertes homöopathisches Arzneimittel ohne Angabe einer therapeutischen Indikation. Es enthält den Wirkstoff Hypericum perforatum Dil. C30. Die Globuli werden langsam im Mund zergehen gelassen, und es sollte einige Zeit vor bzw. nach der Einnahme nichts gegessen werden.
Zusammensetzung:
- Wirkstoff: Hypericum perforatum Dil. C30 0,1 g in 10 g Streukügelchen
- Sonstiger Bestandteil: Saccharose
Dosierung:
Soweit nicht anders verordnet, hat sich bei Kindern und Erwachsenen diese Dosierung bewährt: 3 x täglich 5 Globuli D6. Es empfiehlt sich jedoch, für eine Individualdosierung Rücksprache mit einem homöopathisch erfahrenen Therapeuten oder in der Apotheke zu halten.
Weitere Heilpflanzen bei Migräne
Neben Johanniskraut gibt es auch andere Heilpflanzen, die bei Migräne hilfreich sein können:
- Mutterkraut: Es eignet sich zur Prophylaxe der Migräne und kann vor Migräneanfällen schützen.
- Cannabidiol (CBD) aus dem Hanf: Es könnte bei Migräne hilfreich sein, da es den Abbau von Endocannabinoiden hemmt.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Vor der Anwendung von Johanniskraut oder anderen Heilpflanzen bei Migräne sollte immer ein Arzt oder Heilpraktiker konsultiert werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten zu berücksichtigen.
- Johanniskraut kann die Wirkung verschiedener Medikamente beeinflussen, insbesondere die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln und hormonellen Verhütungsmitteln.
- In der Schwangerschaft oder Stillzeit sollte die Anwendung von Johanniskraut nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
- Bei bekannter Salicylat-Unverträglichkeit oder Allergie gegenüber Korbblütlern sollte die Teerezeptur mit Johanniskraut nicht eingenommen werden.
- Johanniskraut kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Daher sollte man während der Anwendung auf ausreichenden Sonnenschutz achten.
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