Einführung
Das Glioblastom, ein aggressiver Hirntumor, stellt eine große Herausforderung in der Onkologie dar. Trotz moderner Therapieansätze wie Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie bleibt die Prognose für Patienten mit Glioblastom ungünstig. Die Forschung konzentriert sich daher auf die Entwicklung neuer und effektiverer Behandlungsstrategien. Ein vielversprechender Ansatz ist die Hypophysentherapie, die in Kombination mit anderen innovativen Methoden in klinischen Studien untersucht wird. Dieser Artikel bietet einen Überblick über aktuelle Studien und Therapieansätze im Bereich Glioblastom, wobei ein besonderer Fokus auf die Hypophysentherapie und verwandte Forschungsgebiete gelegt wird.
Glioblastom: Eine Herausforderung in der Neuroonkologie
Glioblastome sind hirneigene Tumore, die sich aus den Gliazellen, dem Stützgewebe des Gehirns, entwickeln. Sie werden von der WHO als Grad 4 eingestuft und gelten als schwer therapierbar. Trotz der Anwendung modernster Therapiemethoden haben Patienten mit einem Glioblastom eine ungünstige Prognose. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) von Erwachsenen liegt bei Standardtherapie aus chirurgischer Reduktion der Tumormasse, Bestrahlung und Chemotherapie bei 6-7,5 Monaten nach Diagnose, das mediane Gesamtüberleben bei 15-17 Monaten.
Schwierigkeiten bei der Behandlung
Eine vollständige operative Entfernung des Tumors ist oft schwierig, besonders wenn er in schwer erreichbaren oder wichtigen Hirnregionen liegt. Die aggressive Strahlen-Chemotherapie, die nach der Operation folgt, ist belastend für das gesunde Gehirn und kann zu kognitiven Beeinträchtigungen führen. Glioblastome haben zudem eine hohe Tendenz, nach der Erstbehandlung erneut aufzutreten (Rezidiv).
Klinische Studien als Hoffnungsträger
Um bestehende Diagnose- und Therapiemöglichkeiten weiter zu verbessern, werden an neuroonkologischen Zentren wie dem UKS (Universitätsklinikum des Saarlandes) und dem NOZ (Neuroonkologisches Zentrum) Freiburg klinische Studien durchgeführt. Diese Studien erproben innovative Medikamente, moderne Operationsmethoden und neue Therapiekonzepte.
Übersicht aktueller Studien
Die folgenden Studien werden aktuell durchgeführt (Stand Mai 2024):
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- IMPROVE-CODEL-Studie: Eine klinische Phase-III-Forschungsstudie zur Verbesserung der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit neu diagnostizierten Oligodendrogliomen (Gehirntumor-Art) mit Grad II oder III, die den Verlust der Allele 1p/19q aufweisen.
- TIGER PRO-Active Study: Diese Studie untersucht die Anwendung von Tumor Treating Fields (TTFields, nicht-medikamentöse Krebstherapie) in der klinischen Routine bei Glioblastomen. Dabei werden die tägliche Aktivität, Schlafqualität und neurokognitive Funktion der Patienten gemonitort.
- PerSurge-Trial bei GBM-Rezidiv: Die Studie untersucht die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit fortschreitendem Glioblastom mit Perampanel vor, während und nach der operativen Entfernung eines wiederaufgetretenen Glioblastoms (Rezidiv).
- Genetischer Progressions-Score (GPS) bei Meningeomen: Eine klinische Studie der Phase III.
- MMH-Studie (Mobil mit Hirntumor) - Sportstudie beim Glioblastom: Diese Studie untersucht die Auswirkungen von Sport und Bewegung auf Müdigkeit und Mobilität bei Glioblastom-Patienten.
- Identifikation genetischer Marker für ein Therapieansprechen auf Tumor-Therapie-Felder bei Glioblastoma multiforme: Hier wird ein Vergleich mit einem Therapieansprechen auf Tumor-Therapie-Felder in der Zellkultur und in der klinischen Anwendung von TTFields gezogen.
- Etablierung eines Serum-Markers für neurologische Strahleneffekte unter modernen Behandlungstechniken: Ziel ist es, einen verlässlichen Biomarker zu etablieren, der es Ärzten ermöglicht, frühzeitig neurologische Nebenwirkungen zu erkennen.
- Integration der navigierten transkraniellen Magnetstimulation (nTMS) und Traktographie in die Strahlentherapieplanung von motor-eloquenten Hirntumoren und Metastasen: Traktographie ist eine Art MRT, die es ermöglicht, die Bahnen (Trakte) von Nervenfasern im Gehirn zu visualisieren, insbesondere jene, die für die Bewegungssteuerung wichtig sind.
- Prospective Evaluation of Radiomics and Artificial Intelligence in Radiotherapy ImagEs (PRAIRIE)
- GLIOFOCUS-Studie: Untersucht, ob der Wirkstoff Niraparib bei Erwachsenen mit neu diagnostiziertem Glioblastom und ungünstigem MGMT-Promotorstatus besser wirkt als die Standardchemotherapie Temozolomid.
- Studie zum Onkomagnetischen Helm: Testet die Sicherheit und Wirksamkeit des Geräts bei Patienten mit neu diagnostiziertem MGMT-unmethyliertem Glioblastom.
- Studie zur erhöhten Strahlentherapie-Dosis: Untersucht eine erhöhte Strahlentherapie-Dosis in Kombination mit zweimaligem Bevacizumab.
- GBM AGILE: Eine internationale, adaptive Plattformstudie, die mehrere neue Behandlungen gleichzeitig testet.
- Studie zur TTFields-Therapie im Alltag: Untersucht, wie sich die TTFields-Therapie im Alltag von Patienten auswirkt, insbesondere auf Gedächtnis, Schlaf und tägliche Aktivität.
- Online Yogatherapie: Eine online Yogatherapie für Patienten mit Hirntumoren und ihre Angehörigen.
- Studie zur CAR-NK-Zell-Immuntherapie: Testet eine innovative Immuntherapie mit CAR-NK-Zellen bei Patienten mit rezidivierendem HER2-positivem Glioblastom.
- Studie zur Wirkung von Perampanel: Untersucht die Wirkung von Perampanel vor und nach einer Rezidiv-Operation.
- Studie zur Kombination aus Vorasidenib und Temozolomid: Untersucht die Kombination aus Vorasidenib und Temozolomid bei IDH-mutierten Astrozytomen Grad 4.
- Studie zur Chemotherapie gefolgt von Teilhirnbestrahlung: Patienten mit neu diagnostiziertem Gliom Grad 2/3 und Co-Deletion 1p/19q erhalten eine Chemotherapie gefolgt von Teilhirnbestrahlung.
- Studie zum H3K27M-spezifischen Peptidimpfstoff: Untersucht ein H3K27M-spezifischer Peptidimpfstoff in Kombination mit Atezolizumab und Standard-Strahlentherapie bei seltenen Gliomen.
- Studie zu ONC201: Eine randomisierte Phase-III-Studie bei neu diagnostiziertem H3-K27M-mutiertem diffusem Gliom nach Strahlentherapie.
- Studie zu Nivolumab: Eine Phase-1-Studie bei Meningeosis neoplastica. Das Medikament Nivolumab wird direkt in das Hirnwasser verabreicht.
Beispiele für spezifische Studien
- NOA-16: In dieser klinischen Prüfung wird untersucht, ob der IDH1-Peptid-Impfstoff bei der Anwendung in Patienten mit IDH1-mutiertem Gliom sicher und verträglich ist.
- Studie zum Protein-C-Kinase-Inhibitor Enzastaurin: Diese Studie untersucht eine neue Radio-Chemotherapie mit Enzastaurin als Primärtherapie bei Patienten mit Glioblastom, welche zuvor mikrochirurgisch operiert wurden.
- Centric-Studie: Eine randomisierte, offene, kontrollierte Phase-III-Studie zur Untersuchung des Integrin-Inhibitors Cilengitide in Kombination mit der Standardtherapie.
- NOA-07-Studie: Eine einarmige Pilotstudie der neuro-onkologischen Arbeitsgemeinschaft (NOA) der Deutschen Krebsgesellschaft für Patienten mit neudiagnostizierten Medulloblastomen im Erwachsenenalter.
- Studie zu Bevacizumab und Irinotecan: Eine NOA-assoziierte prospektive, randomisierte Phase II Multicenterstudie für Patienten mit primären Glioblastomen mit einem nicht-methyliertem MGMT- Promoter.
- Studie zu Temsirolimus mit Temodal: In dieser Phase II Studie für Patienten mit unmethyliertem MGMT-Promotor wird der Effekt von Temsirolimus mit Temodal verglichen.
- Studie zu Lomustin (CCNU)/Temozolomid: Eine multizentrische randomisierte Phase III-Studie für Patienten mit neu diagnostizierten Glioblastomen mit methyliertem MGMT-Promotor.
- Studie zur PET- und MRT-gestützten Re-Bestrahlung: Die prospektive randomisierte multizentrische Studie vergleicht die Wirksamkeit einer PET- und einer MRT-gestützten Re-Bestrahlung bei Patienten mit Rezidiv-Glioblastomen.
Tumor Treating Fields (TTFields)
Die Behandlung mit schwachen elektrischen Wechselfeldern (tumor treating fields [TTF]) ist eine experimentelle physikalische Therapie, die durch die Schädeldecke wirkt. Es wird vermutet, dass sie die Spindelbildung bei der Mitose von Zellen und damit deren Teilung hemmt. Sicherheit und Effektivität werden in multizentrischen, randomisierten Phase-3-Studien untersucht.
Anwendung von TTFields
TTFields werden kontinuierlich durch Klebepflaster, sogenannte Transducer-Arrays, an den Bereich des Gehirns abgegeben, in dem sich der GBM-Tumor befindet. Diese Transducer-Arrays werden auf der Kopfhaut angebracht und mit einem tragbaren Gerät verbunden. TTFields sind für die Behandlung von neu diagnostiziertem und rezidivierendem GBM zugelassen.
Fallbeispiel Torsten Langner
Torsten Langner erhielt nach seiner Operation, Bestrahlung und Chemotherapie die Behandlungsform Optune, die auf TTFields basiert. Er trägt das Gerät diszipliniert täglich bis zu 24 Stunden. In einer klinischen Studie wurde gezeigt, dass Optune das Überleben von Patienten mit einem Glioblastom signifikant verlängern kann.
Hypophysentumoren und ihre Auswirkungen
Hypophysentumoren können in jedem Lebensalter auftreten und sind bei Erwachsenen häufig. Es wird vermutet, dass zehn Prozent der Allgemeinbevölkerung betroffen sind. Allerdings sind viele der Tumoren klinisch nicht auffällig und werden oft nur zufällig entdeckt. Hypophysentumoren sind in den allermeisten Fällen gutartig (Adenome). Allerdings kann es durchaus sein, dass umliegendes Gewebe durch die Raumforderung beeinträchtigt wird, was zu Symptomen wie Sehstörungen führen kann. Eine viel häufigere Folge des Tumors sind jedoch hormonelle Veränderungen.
Hormonelle Veränderungen
Werden zu viele oder zu wenige Hormone gebildet, können sehr unterschiedliche Beschwerden auftreten - beispielsweise Abgeschlagenheit, Frieren, Kreislaufstörungen, niedriger Blutdruck, Muskelschwäche oder eine Fettstoffwechselstörung.
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Diagnostik und Therapie von Hypophysenadenomen
Bislang gab es bei der Diagnostik und Therapie von Hypophysenadenomen kein standardisiertes Vorgehen. Durch die klaren Empfehlungen der Leitlinie wird sichergestellt, dass nicht einfach ‚irgendwelche‘ Hormonuntersuchungen veranlasst werden, sondern die klinischen Befunde, die Begleiterkrankungen und die Einnahme von Medikamenten mitberücksichtigt werden. Die Leitlinie hilft, sowohl eine Unter-, wie auch eine Überdiagnostik zu vermeiden. Gleiches gilt für die Therapie.
Neurokognitive Störungen und Rehabilitation
Nach Abschluss der Therapie eines Glioblastoms kann die Leistungsfähigkeit des Gehirns nachlassen. Es können Denk- und Merkfähigkeitstörungen (Neurokognition) auftreten. Patienten wie Torsten Langner nehmen an klinischen Studien teil, um diese Probleme besser zu untersuchen und künftig besser unterstützen zu können. Ergotherapie und Denkaufgaben können helfen, das Gehirn zu trainieren.
Unterstützung für Patienten und Angehörige
Die Diagnose Glioblastom ist eine große Belastung für Patienten und ihre Angehörigen. Es ist wichtig, von Beginn an die Hilfsangebote der Deutschen Hirntumorhilfe zu nutzen. Diese bietet Informationen über aktuelle Standards der Behandlung und neue Therapieoptionen.
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