Die Erfahrung, am Ende seiner Nerven zu sein, ist keine Seltenheit. Viele Menschen fühlen sich im Alltag überfordert, gestresst und gereizt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Symptome von Überforderung, Depressionen und Gereiztheit und gibt praktische Tipps, wie man wieder zu mehr Lebensfreude und Gelassenheit finden kann.
Ein persönlicher Erfahrungsbericht
Die ersten Anzeichen einer Depression traten bei mir im Alter von 17 oder 18 Jahren auf. Ich war in der Schule immer eine gute bis sehr gute Schülerin. Ab etwa der 10. Klasse habe ich aber gemerkt, dass es mir immer schwerer fiel zu lernen und mich zu konzentrieren. Ich bin leistungsmäßig stark abgesackt, habe mich überfordert gefühlt und konnte mir das überhaupt nicht erklären. In der anschließenden Ausbildung lief dann wieder alles ganz gut und ohne Probleme. Dann trat ich mein Studium an und die Anzeichen kamen wieder. Ich habe die Anforderungen meines Lebens damals nicht mehr auf die Reihe bekommen. Es wurde mir alles zu viel. Auch zu Hause. Manchmal habe ich ohne Grund angefangen zu weinen, richtig heftig zu weinen. Heute würde ich das als viele kleine Nervenzusammenbrüche bezeichnen.
Nach dem Studium musste ich mir eine Arbeitsstelle suchen. Ich saß jedoch monatelang bei mir zu Hause auf dem Sofa und habe Löcher in die Luft gestarrt. Ich habe es nicht geschafft, mich zu bewerben. Mein damaliger Freund hat gearbeitet und ich habe zu Hause gesessen. Ich habe damals nicht gedacht, dass ich krank sein könnte. Ich hatte eher den Eindruck, dass ich nicht richtig funktioniere, nicht so wie die anderen. Ich habe dann wieder irgendwann allein die Kurve gekriegt: Bin aus dem Loch rausgekommen, habe mich beworben, eine Stelle bekommen und war wieder im ganz normalen Leben. Aber auch in den guten Zeiten kam ich mir anders vor als Freunde und Kollegen, hatte vor allem weniger Energie. Und ich bin immer wieder in solche tiefen Löcher gefallen.
Einmal war der Freund einer Bekannten an einer schweren Depression erkrankt und war in Therapie. Ich habe diese Bekannte gefragt, ob ich so etwas auch haben könnte. Sie meinte dann nur: „Nee, du doch nicht. Du musst dich nur mal zusammenreißen.“ Das war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Aber ich habe ihr das geglaubt. Diese Erfahrung hat sich tief in mich eingegraben und hat es mir viele Jahre schwer gemacht, Hilfe zu holen.
Ich bin dann auch körperlich erkrankt. Ich bekam in Lebenskrisen immer eine Augenentzündung. Die Ärzte haben mich auf den Kopf gestellt und keine Ursache gefunden. Diese depressiven Phasen wechselten sich mit guten Phasen ab. Ich bin oft so zwei, drei Jahre gut zurechtgekommen. Und dann gab es Zeiten, wo ich über Monate nicht klarkam. Nach einer Trennung von meinem damaligen Partner bin ich dann tatsächlich zu einem Psychiater gegangen, nachdem ich in Heulkrämpfen zusammengebrochen bin und wie gelähmt war. Mir war klar, dass das kein normaler Trennungsschmerz mehr war. Der Arzt sprach zum ersten Mal von Depressionen und einer Therapie, aber ich bekam Angst, wollte das nicht und bin nicht mehr hingegangen. Ich saß zu Hause wie ein Häufchen Elend. Erinnerungen kamen hoch. Ich wusste, was in meiner Kindheit und Jugend schief gelaufen war und habe einen Deckel draufgehalten. Ich habe damals gedacht, wenn dieser Deckel ein klein wenig angehoben wird, dann läuft es über und überschwemmt mich. Ich wollte das damals nicht und habe beschlossen, alleine damit klarzukommen.
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Einige Jahre später hatte ich bei der Arbeit einen großen Konflikt mit meinem Chef. Er übertrat eine Grenze und in mir zerbrach etwas. Ich bin nach diesem Konflikt immer wieder körperlich krank geworden, hatte zum Beispiel immer wieder Infekte. Ich war richtig von der Rolle. Zu Hause habe ich aber nicht gewusst, was ich machen soll und war nach Urlauben und Krankschreibungen froh, wieder arbeiten gehen zu können. Die Situation auf der Arbeit spitzte sich weiter zu. Ich bin dennoch die ganze Zeit zur Arbeit gegangen und habe ständig gedacht: „Ich muss funktionieren, kann doch die Kollegen nicht im Stich lassen!“ Ich bekam dann noch eine unberechtigte Abmahnung und hatte keine Kraft, mich dagegen zu wehren. In dieser Phase hat mich ein Freund angesprochen, ob ich eventuell Depressionen habe. Da hatte ich das Gefühl, dass er Recht haben könnte. Es fühlte sich „richtig“ an und ich habe mir gesagt, dass jetzt endlich etwas passieren muss und ich mir Hilfe holen muss.
Ich habe dann nach einem Therapeuten gesucht. Bei mir im Ort war das nicht so schwer. Im ersten Gespräch habe ich Rotz und Wasser geheult. Ich war völlig durch den Wind, da Dinge angesprochen wurden, die ich mein ganzes Leben zugedeckelt hatte. Ich habe gedacht, ich rutsche ab und bekomme das nicht bewältigt und hatte das Gefühl, dass es nicht für mich passt. Aber ich habe auch gedacht, eine Therapie muss so sein.
Ich hatte nach den ersten Gesprächen wieder einen Zusammenbruch und habe stundenlang geweint und gezittert, so schlimm, dass ich da nicht mehr rauskam. Mein Freund hat dafür gesorgt, dass ich zum Arzt gehe und ich wurde krankgeschrieben. Dann habe ich wie gelähmt und betäubt zu Hause gesessen. Jede Bewegung kostete unendlich viel Kraft. Ich habe wirklich auf dem Sofa gesessen und mich nicht bewegt. Jede Bewegung war unendlich anstrengend und hat sich angefühlt, als wenn ich durch eine zähe Suppe laufe. Da war mir manchmal der Weg in die Küche, um mir etwas zu trinken zu holen, zu weit. Einkaufen war ein Projekt für den ganzen Tag. Mehr habe ich nicht geschafft. Das ging mehrere Wochen so. Ich habe dann die Therapie bei meiner ersten Therapeutin abgebrochen und aufgrund der Empfehlung eines Freundes Kontakt zu einer anderen Therapeutin gesucht. Im Erstgespräch wusste ich sofort: Sie ist es. Ich hatte gleich Vertrauen zu ihr. Es ging mir aber inzwischen so schlecht, dass meine Hausärztin mich erstmal in eine Klinik eingewiesen hat. Ich war drei Monate in dieser Klinik. Dort habe ich den Deckel aufgemacht und die ganzen Belastungen aus der Kindheit und Jugend rausgelassen. In der Klinik habe ich das erste Mal darüber gesprochen und es zugelassen. Mir wurde das erste Mal überhaupt klar, dass ich traumatisiert bin. Nach der Entlassung begann ich dann die ambulante Therapie.
Ich war später auch noch ein zweites Mal für zwei Monate stationär in einer Klinik. Es fing damals wieder mit den Symptomen an, dass ich mich fehl am Platz gefühlt habe, unkonzentriert und überfordert war. Bei diesem zweiten Aufenthalt habe ich mich weiter intensiv mit meiner Geschichte auseinandergesetzt und bekam langsam wieder Boden unter den Füßen.
Ich war insgesamt sehr lange krankgeschrieben, die akute Krankheitsphase mit der Diagnose schwere Depression dauerte zwei Jahre. Dabei waren auch drei Monate in einer Tagesklinik, weil ich mit einer Therapiestunde pro Woche nicht zurechtkam.
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Über die Tagesklinik wurde mir eine berufliche Rehabilitation vermittelt und nach zwei Jahren Krankschreibung und zwei Jahren medizinisch-beruflicher Rehabilitation konnte ich wieder anfangen, zu arbeiten. Aber Vollzeit arbeiten geht nicht mehr, dazu fehlt mir einfach die Kraft. Ich bin jetzt aus der akuten Depression schon länger heraus und wieder lebensfähig. Ich mache heute eine zweite, analytische Therapie mit einer Traumatherapie und lerne, mit meiner Familiengeschichte zu leben. Ein wichtiges Thema für mich ist, Grenzen zu setzen und auf mich zu achten. Wenn andere auf mich zukommen und nach Hilfe fragen, fällt es mir immer noch sehr schwer, das auch mal abzulehnen. Es ist auch nach wie vor eine Aufgabe für mich, zu akzeptieren, dass ich leistungseingeschränkt bin und viele Pausen brauche. Man vergleicht sich immer mit anderen, aber es ist wichtig, dass man „bei sich bleibt“.
Ich habe auch mal eine verhaltenstherapeutische Psychotherapie ausprobiert. Das war irgendwie nicht das Richtige für mich. Die tiefenpsychologische Therapie fühlte sich für mich und meine Lebensgeschichte besser, passender an. Ich musste mich schon an die Tiefe der Gespräche gewöhnen. Aber ich habe gemerkt, dass dies ein Weg ist, an den für mich wichtigen Lebensthemen und an meiner Lebensgeschichte zu arbeiten. Das ist ein langer Weg. Aber ich kann schon viel besser Grenzen setzen. Ich nehme auch Medikamente. Die Antidepressiva haben mich damals überhaupt erst in die Lage versetzt, eine Therapie machen zu können, gesprächsfähig zu sein. Ich brauche die Medikamente auch heute noch. Wenn ich mal vergesse, die Tabletten zu nehmen, spüre ich das. Ich ziehe mich dann immer mehr zurück und alles wird zu viel. Für mich ist klar: Ich brauche die Medikamente und muss sie regelmäßig nehmen. Ich habe keine schlechten Erfahrungen mit Nebenwirkungen, bis auf den Umstand, dass ich etwas zugenommen habe. Depressionen haben nichts mit Zusammenreißen zu tun. Depressionen können jeden treffen. Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen. Ich erzähle nicht jedem von meiner Erkrankung. Aber wenn es die Situation für mich erforderlich macht, dann stelle ich klar, warum ich etwas nicht machen kann. Das kann sicher auch mal nach hinten losgehen, aber bisher habe ich immer Glück gehabt. Es wurde bisher immer akzeptiert und dann war oft der Umgang miteinander leichter. Bei meiner aktuellen Arbeitsstelle habe ich ein Riesenglück mit meinem Chef und meinen Kollegen. Mir wird großes Verständnis entgegengebracht. Es ist zum Beispiel meist kein Problem, wenn ich kurzfristig ein paar Tage Urlaub brauche, weil ich merke, dass es zu viel wird.
Es gab Zeiten, da habe ich keine Zukunft für mich gesehen. Mein Leben bestand aus den nächsten drei Tagen, weiter zu denken hat mir Angst gemacht. Ich war nie akut suizidal, aber der Gedanke war schon da, oft auch täglich. Wenn die Gedanken, mir das Leben zu nehmen, stärker wurden, habe ich mir Hilfe gesucht. Zum Beispiel bin ich zu meiner Ärztin gegangen oder habe auch mal bei der Seelsorge angerufen. Durch die Behandlung merke ich, wie es mir wieder besser geht und ich wieder Freude an Dingen spüre. Ich bin früher viel geritten. Und ich kümmere mich jetzt wieder um ein junges Pferd. Das macht mir richtig Freude. Und diese Freude hat in meinem Leben sehr lange gefehlt. Ich wusste gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn das Leben schön ist. Ich habe aber auch noch große Angst, dass es wieder so schlimm wird wie damals. Wenn es einem mal so extrem schlecht ging, vergisst man das nicht so leicht und es dauert lange, bis sich wieder Vertrauen in sich selbst aufbaut. Aber durch das in der Therapie Erlernte bin ich zuversichtlich.
Meine Diagnose lautete zuerst: wiederkehrende Depression. Mit der Zeit ist die Depression bei mir chronisch geworden. Aufgrund meiner Lebensgeschichte habe ich zusätzlich zur Depression auch eine posttraumatische Belastungsstörung und eine abhängige Persönlichkeitsstörung.
Ich finde es wichtig, dass sich Menschen trauen, Hilfe zu holen. Das kostet unendlich viel Kraft und Mut. Und Therapie ist auch richtig harte Arbeit. Wenn man zu einem Psychiater oder Psychotherapeuten gehen möchte, dann hat man in der Regel etliche Wochen Wartezeit. Aber man darf da nicht aufgeben. Manchmal rutscht man irgendwo dazwischen. Notfalls kann man auch jemand anderen bitten, einen Termin für sich zu vereinbaren. Und man braucht manchmal etwas Zeit, bis man den Therapeuten findet, bei dem man sich aufgehoben fühlt. Es kann sein, dass man Geduld und einen langen Atem braucht, bis man den findet, der passt.
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Eine Möglichkeit der zusätzlichen Unterstützung ist eine Selbsthilfegruppe. Eine Psychotherapie ist ja irgendwann zu Ende oder in der Zeit, in der man auf einen Therapieplatz oder einen Termin bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten wartet, tut manchen Menschen eine Selbsthilfegruppe gut. Es kann schon ein wenig Überwindung kosten, den ersten Kontakt zu einer solchen Gruppe aufzunehmen. Aber man ist da unter Menschen, die das Problem genau kennen und einen verstehen.
Wie offen man mit seiner Erkrankung umgeht, ist eine ganz individuelle Sache. Das muss jeder für sich entscheiden. Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.
Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.
Ursachen von Überforderung und Gereiztheit
Gereiztheit entsteht selten isoliert. Stress spielt dabei häufig eine zentrale Rolle, doch auch hormonelle Schwankungen und andere Faktoren können unser emotionales Gleichgewicht beeinflussen.
Stress
Bei Anspannung und Belastung schüttet unser Körper vermehrt bestimmte Hormone aus - Adrenalin und Cortisol. Diese Botenstoffe aktivieren uns. Bei Stress springt die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) an - unser körpereigenes Alarmsystem. Dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel erschöpfen unser Stressbewältigungssystem regelrecht. Die HPA-Achse gerät aus dem Takt. Die Folge von anhaltendem Stress? Wir werden hyperreaktiv, aufbrausend und reizbar - eben wie ein überlasteter Rechner, der schon beim Öffnen eines Tabs abstürzt.
Hormonelle Schwankungen
Viele Frauen kennen das Phänomen nur zu gut. In bestimmten Zyklusphasen fühlen sie sich besonders dünnhäutig und missmutig. Tatsächlich beeinflussen Schwankungen der Hormone Östrogen und Progesteron direkt unser Nervensystem und die Produktion kraftvoller Botenstoffe wie Serotonin und GABA, die unsere Stimmung regulieren. In den Tagen vor der Menstruation sinken die Östrogen- und Progesteronspiegel ab - und mit ihnen oft unsere Geduld. Auch Männer erleben hormonell bedingte Reizbarkeit. Zwar anders als Frauen, aber nicht weniger real. Ein sinkender Testosteronspiegel - ob altersbedingt oder durch chronischen Stress - kann mit erhöhter Reizbarkeit, Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen einhergehen.
Erschöpfung und Überlastung
Chronische Erschöpfung und Reizbarkeit gehen Hand in Hand. Wenn Körper und Geist erschöpft sind, fehlt uns die Energie für emotionale Regulation. Normalerweise können wir kleine Ärgernisse abpuffern und gelassen bleiben - wie ein Stoßdämpfer im Auto. Bei Erschöpfung ist der Stoßdämpfer eingerostet. Jedes Schlagloch rüttelt uns ordentlich durch. Alles wird zur Belastung. Auch Hunger, Durst oder zu wenig Bewegung können Verstimmungen entfesseln.
Soziale Isolation
Stress fördert Gereiztheit, Gereiztheit fördert Konflikte - und Konflikte erhöhen wieder den Stress. Gleichzeitig fehlt uns durch den sozialen Rückzug die emotionale Unterstützung, die uns helfen könnte, mit der Belastung besser umzugehen.
Symptome von Überforderung und schwachen Nerven
Wenn unsere Sinne überlastet sind, weil ihnen stets neue, anstrengende Eindrücke vermittelt werden und das Gehirn ständig andere Situationen handhaben muss, ist dies Dauerstress für Körper und Psyche. Wird dieser dann als negativer Stress empfunden und wachsen uns die Herausforderungen über den Kopf, verlieren wir die Nerven: Je nach Persönlichkeit neigen die Betroffenen dazu, schnell zu weinen oder aggressiv zu werden. Sie geraten leicht aus der Fassung und werden von einem andauernden Gefühl der Überforderung begleitet.
Da sie kaum einen klaren Kopf haben, um strukturierte Bewältigungsstrategien anzuwenden, türmen sich die Probleme des Alltags auf und werden als unlösbar empfunden. Mitmenschen beschreiben sie oft als nervös, gereizt und angespannt. Auch Kraftlosigkeit und innere Unruhe sind Zeichen von schwachen Nerven. Die Symptome sind mitunter sogar körperlich zu spüren. Menschen, die psychisch angeschlagen sind und unter starkem Stress leiden, neigen infolge eines geschwächten Immunsystems öfter zu Erkältungen. Die ständige Anspannung begünstigt erhöhten Blutdruck sowie Nacken-, Kopf- und Kieferschmerzen.
Anzeichen für eine Überforderung sind eine zunehmende Gereiztheit und Ungeduld, schwarz-weiß-Denken, Schlaflosigkeit und Gedankenkreisen, so dass Sie innerlich ein Thema durch die eigenen Gedanken ständig aufgezwungen bekommen. Weitere Alarmzeichen sind Müdigkeit und Erschöpfung, die zum sozialen Rückzug und zur Aufgabe vieler Hobbys und Freundschaften führen. Einige reagieren auch mit einer völligen Überdrehtheit und Aggressivität angesichts des gefühlt nicht mehr enden wollenden ´Ausnahmezustands´.
Was tun gegen ständige Gereiztheit und Überforderung?
Du bist selbst genervt von der Reizbarkeit und möchtest etwas dafür tun, um wieder mehr gute Laune und Gelassenheit in dein Leben zu bringen?
Gereiztheit wahrnehmen und anerkennen
Wissen ist Macht. Denn letztendlich kannst du erst etwas gegen deine Gereiztheit unternehmen, wenn du sie wahrnimmst und anerkennst: „Ich fühle mich gerade gereizt.” Oft spüren wir die Reizbarkeit körperlich, bevor sie uns bewusst wird.
Trigger identifizieren
Frage dich: Gibt es bestimmte Situationen, Menschen oder Tageszeiten, zu denen du besonders gereizt bist? Dabei können externe Trigger wie der Feierabendverkehr oder bestimmte Gesprächsthemen eine Rolle spielen, aber auch interne Trigger wie Hunger, Müdigkeit oder Schlafmangel.
Akzeptanz üben
Tatsächlich kann uns Akzeptanz jedoch dabei helfen, Gereiztheit abzubauen. Anstatt dir also das Gefühl der Gereiztheit zu „verbieten” und dich darüber zu ärgern, dass es da ist, kannst du es akzeptieren.
Achtsamkeit praktizieren
Achtsamkeit bedeutet, den gegenwärtigen Moment bewusst und ohne Bewertung wahrzunehmen. Eine aktuelle Meta-Analyse bestätigt, dass Achtsamkeits- und Entspannungsinterventionen besonders effektiv bei der Senkung von Cortisolspiegeln sind - dem Stresshormon, das eng mit Reizbarkeit verbunden ist. Sage dir: „Dieses Gefühl darf da sein.
Selbstmitgefühl entwickeln
Viele Menschen sind gereizt, weil sie gereizt sind - sie verurteilen sich dafür, nicht „funktionieren” zu können. Versuche stattdessen, dir selbst mit der gleichen Freundlichkeit zu begegnen, die du einem guten Freund entgegenbringen würdest. Sage dir: „Ich habe gerade eine schwierige Zeit. Das ist menschlich. Ich darf Unterstützung brauchen.”
Schöne Erlebnisse schaffen
Schöne Erlebnisse können dazu beitragen, unsere Stimmung zu verbessern und auch unser Stresslevel zu senken. Du kannst diese Aktivitäten entweder vorbeugend planen oder spätestens, wenn du bemerkst, dass du genervt und gereizt bist: Dann ist es höchste Eisenbahn, dir ganz im Sinne der Selbstfürsorge etwas Gutes zu tun. Plane diese angenehmen Aktivitäten nicht nur für „wenn ich mal Zeit habe” (also nie), sondern mache sie zu einem festen Bestandteil deiner Woche.
Atemübungen
Diese vom bekannten Arzt Dr. Andrew Weil entwickelte Atemtechnik kann den Parasympathikus anregen - den „Ruhenerv” unseres Körpers. Diese Technik kann körperliche Anspannung abbauen - und mit ihr oft auch die emotionale Gereiztheit.
Weitere Tipps für starke Nerven
- Regelmäßige Bewegung
- Meditation
- Ausreichend Schlaf
- Atemübungen
- Bewusstmachung der eigenen Stärken
- Effiziente Energienutzung
- Ausreichend trinken
- Digitale Auszeiten
- Lachen
- Lauwarmes Wasser über die Handgelenke laufen lassen
Die richtige Nervennahrung
Mit Ihrer Ernährung können Sie Ihr Nervensystem stärker beeinflussen, als Sie vielleicht gedacht haben.
- Haferflocken: Sie enthalten komplexe Kohlenhydrate, die uns langfristig mit Energie versorgen und lange satt machen. Ihr hoher Magnesiumgehalt unterstützt die Funktion der Nerven und wirkt der Freisetzung von Stresshormonen entgegen.
- Nüsse und Kerne: Sie sind der ideale Snack für starke Nerven. Sie sind reich an Vitamin B und Magnesium, welche wichtig für unsere Gehirnfunktion und unser Nervensystem sind. Besonders viel davon befinden sich in Walnüssen, Pistazien und Haselnüssen. Mandeln und Cashews sind ein guter Tryptophan-Lieferant.
- Tees: Tees mit Hopfen, Lavendel, Baldrian, Kamille oder Lindenblüten sind für Ihre beruhigende Wirkung bekannt.
- Dunkle Schokolade: Kakaopulver ist reich an Tryptophan, eine Aminosäure, die unseren Körper dabei unterstützt, das Glückshormon Serotonin zu produzieren, welches stresshemmend wirkt.
- Paprika: Paprika ist besonders reich an Vitamin C. Das leckere Gemüse enthält sogar doppelt so viel Vitamin C, wie eine Zitrone.
- Spinat: Spinat ist reich an Magnesium, sowie an Vitamin B6 und Kalium.
Burnout und Nervenzusammenbruch
Während der klassische Burnout sich häufig durch eindrückliche Symptome mit schneller Entwicklung zeigt, ist ein „stiller Burnout“ die tückische, schleichende Variante. Bis er sich im umgangssprachlichen Nervenzusammenbruch Bahn bricht. Nicht jeder Burnout zeigt sich durch übersteigerten Arbeitsdrang mit perfektionistischen Ansprüchen, der alsbald durch den hohen Einsatz in sozialen Rückzug, massive Verhaltensänderungen und offensichtliche Erschöpfung wie chronische Müdigkeit mündet. Entsprechend verschleppen viele Betroffene ihren Burnout: Sie machen kurze, aber wenig erholsame Verschnaufpausen und danach weiter in ihrem Tagesprogramm. So gleiten sie langsam aber sicher in einen schweren Burnout, der dann nur scheinbar plötzlich und unerwartet mit einem vollständigen „Nervenzusammenbruch“ zu Tage tritt.
Was tun, wenn alles zu viel wird?
Dann sollten Sie unbedingt handeln, denn eine dauerhafte Überforderung kann nicht nur zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Schlafstörungen, sondern auch zu anderen Krankheiten, wie Arterienverkalkung oder Magen-Darm-Erkrankungen führen.
Ein wichtiger Punkt ist, den Alltag neu zu priorisieren: Was ist wirklich wichtig in Ihrem Leben? Was ist wirklich wichtig zu erledigen? Wenn wir gestresst sind, verlieren wir schnell den Überblick, alles wirkt zu viel und zu anstrengend und gleichzeitig wichtig und drängend. Stehen wir zu sehr unter Druck, können wir jedoch oft nicht mehr priorisieren und brauchen dazu externe Hilfe. Dann ist der nächste Schritt, den Kalender auszumisten, unwichtige Termine zu streichen, Zeit für Freunde, Familie, Hobbys, Freizeit sowie für das bloße Nichts-Tun einzuräumen. Bleiben wichtige Dinge unerledigt und ist die Bewältigung des Alltags einfach zu viel, dann suchen Sie nach Hilfe: Bitten Sie Angehörige, Freunde, Nachbarn aktiv um Unterstützung. Sprechen sie darüber, wenn Sie Ihre Prioritäten verändern. Und reduzieren Sie die Flut von schlechten Nachrichten. Um derzeit informiert zu bleiben, reicht es, täglich einmal die Nachrichten zu hören oder zu lesen. Auch für Erwachsene sind die Bilder oft zu viel. In Gesprächen mit der Familie, Freunden und Kollegen dürfen Sie sich von den ewigen Wiederholungsspiralen distanzieren und bewusst andere Gesprächsthemen wählen. Sorgen Sie bewusst für Ausgleich, Ablenkung und leichte, freudige Momente.
Wann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?
Das ist bei anhaltenden Symptomen wie Schlafstörungen, Grübeln, Freudlosigkeit, sozialem Rückzug, Gereiztheit, Müdigkeit, Erschöpfung, Appetitverlust, Ängsten und Sorgen, Konzentrationsproblemen und natürlich körperlichen Symptomen wie Schmerzen, Herz-Kreislauf- und Hörproblemen angezeigt.
Was tun, wenn keine Freude mehr am Leben ist?
Es ist ganz normal, Phasen zu durchleben, in denen das Leben weniger schön erscheint. Besonders in herausfordernden Zeiten wie bei Stress im Job, Streitigkeiten in der Familie oder Problemen in persönlichen Beziehungen kann das Gefühl der Erschöpfung und inneren Leere schnell überhandnehmen. Der Verlust der eigenen Lebensfreude kann viele Ursachen haben, und es gibt nicht die eine Antwort darauf. Stattdessen sind die Gründe oft vielschichtig und miteinander verbunden.
Einfluss von Social Media
Social Media zeigt uns täglich das scheinbar perfekte Leben anderer. Es kann leicht passieren, dass wir uns durch diese ständige Konfrontation mit Idealbildern ungenügend und leer fühlen. Diese Vergleiche setzen uns unter Druck, selbst im Alltag glücklich, produktiv und „perfekt“ zu wirken. So verstärkt Social Media das Gefühl, dass etwas fehlt, und lässt uns oft unzufrieden zurück.
Schritte zur Rückgewinnung der Lebensfreude
- Selbstfürsorge bewusst einbauen: Nimm dir aktiv Zeit für dich selbst. Versuche, Aktivitäten zu finden, die dir früher Freude bereitet haben - auch wenn die Begeisterung zunächst ausbleibt. Sport, Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation sowie eine gesunde Ernährung können kleine, aber wertvolle Schritte zu einer besseren Lebensqualität sein.
- Lebensfreude durch Bewegung gewinnen: Bewegung ist ein guter Weg, um das Wohlbefinden zu steigern und neue Lebensfreude zu entwickeln. Schon regelmäßige Spaziergänge, Tanzen oder leichtes Training können die Stimmung heben und für mehr Energie sorgen.
- Soziale Unterstützung suchen: Sprich mit Freunden, Familie oder anderen vertrauten Menschen. Wenn du dich alleine fühlst, verstärkt dies oft Gefühle der Sinnlosigkeit und kann in eine Abwärtsspirale führen.
- Strukturen und Rituale schaffen: Auch wenn es schwerfallen mag, können ein Tagesplan oder kleine, tägliche Rituale - wie etwa das Aufschreiben positiver Gedanken - helfen, den Alltag bewusst zu gestalten.
- Realistische Erwartungen an sich selbst setzen: Viele von uns haben hohe Ansprüche an sich selbst, und das Streben nach Perfektion kann zu großem Druck führen. Versuche, deine Erwartungen zu reduzieren und dich auf das zu konzentrieren, was du tatsächlich erreichen kannst.