Der Titel "Ich bin dann mal weg" ist mehr als nur ein salopper Ausruf. Er ist zum Inbegriff einer Auszeit, einer Suche nach sich selbst und einer spirituellen Reise geworden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten dieses Ausdrucks, seine Bedeutung im Kontext von Hape Kerkelings gleichnamigem Buch und dessen Verfilmung, sowie die tieferen Fragen, die er aufwirft.
Ursprung und Bedeutung des Ausdrucks
"Ich bin dann mal weg" ist eine umgangssprachliche Redewendung, die so viel wie "Ich gehe jetzt" oder "Ich verabschiede mich" bedeutet. Sie impliziert oft eine spontane Entscheidung, dem Alltag zu entfliehen und etwas Neues zu beginnen. Im Kontext von Hape Kerkelings Buch und Film wird diese Redewendung jedoch mit einer tieferen Bedeutung aufgeladen. Es geht nicht nur um eine vorübergehende Flucht, sondern um eine bewusste Entscheidung, sich auf eine Reise zu begeben, um sich selbst und den Sinn des Lebens zu finden.
Hape Kerkelings Reise auf dem Jakobsweg
Hape Kerkeling, ein bekannter deutscher Entertainer, erlitt im Jahr 2001 einen Hörsturz, eine Gallenblasen-Operation und möglicherweise einen Burn-Out. Dieser gesundheitliche Einschnitt veranlasste ihn, sein Leben zu überdenken und nach neuen Perspektiven zu suchen. Inspiriert von seiner gläubigen Großmutter beschloss er, den Jakobsweg zu pilgern, einen jahrhundertealten Pilgerweg, der von Frankreich nach Spanien führt.
Das Buch: Ein persönlicher Reisebericht
Im Jahr 2006 veröffentlichte Hape Kerkeling seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg in dem Buch "Ich bin dann mal weg". Das Buch wurde zu einem Bestseller und verkaufte sich millionenfach. Es ist ein persönlicher Reisebericht, der humorvoll und selbstironisch die Herausforderungen und Freuden des Pilgerns beschreibt. Kerkeling schildert seine körperlichen Anstrengungen, die Begegnungen mit anderen Pilgern und die spirituellen Erfahrungen, die er auf dem Weg macht.
Das Buch ist wie ein Tagebuch mit Orts- und Datumsangaben aufgebaut, illustriert mit schwarz-weißen Schnappschüssen von Hape Kerkeling. Die Darstellung ist humorvoll und unterhaltsam, persönlich.
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Die Verfilmung: Eine Suche nach Sinn und Besinnlichkeit
Im Jahr 2015 wurde das Buch "Ich bin dann mal weg" verfilmt. Der Film erzählt die Geschichte von Hape Kerkelings Pilgerreise und seiner Suche nach Sinn und Besinnlichkeit. Devid Striesow spielt Hape Kerkeling, Martina Gedeck verkörpert die zurückhaltende Stella und Karoline Schuch die forsche Journalistin Lena.
Der Film beginnt mit Hape Kerkelings Zusammenbruch bei einem seiner vielen Fernseh- und Bühnenauftritte. Sein Arzt rät ihm, sich einige Monate zu schonen. Unerfüllt von der verordneten häuslichen Ruhe, eröffnet Kerkeling seiner überraschten Agentin Dörte, dass er auf Anraten seiner gläubigen Großmutter auf dem Jakobsweg pilgern will.
In Saint-Jean-Pied-de-Port lernt er die zurückhaltende Stella und die britische Journalistin Lena kennen. Der Film zeigt die körperlichen und emotionalen Herausforderungen des Pilgerns, aber auch die Freundschaften, die auf dem Weg entstehen.
Kritiker bemängelten allerdings, dass die Inszenierung keine Bilder für das findet, was Hape Kerkeling leicht, anekdotenhaft wie selbstironisch, aber doch ernsthaft als spirituelle Sinnsuche, der nach Gott beschreibt. Was sich also bei dieser äußeren Reise im Inneren abspielt, dafür hat dieser Film nichts zu bieten. Wie auch? Es sei denn, man fände eine andere Ästhetik als die hier, die des konventionellen Er-zählens. Doch in "Ich bin dann mal weg" hier gibt nur den geschwätzigen Off-Text, der uns das erzählt, was wir nicht sehen. Nicht einmal für diese Tortur - denn was sollte es sonst sein, körperlich, am Anfang? - bietet der Film mehr eine Blase am Fuß. Mehr Qual gibt´s nicht.
Die Reise als Spiegel des Lebens
Der Jakobsweg wird in Buch und Film zu einem Spiegel des Lebens. Die Pilgerreise ist eine Metapher für die Suche nach dem Sinn des Lebens, die jeder Mensch auf seine Weise unternimmt. Der Weg ist oft steinig und beschwerlich, aber er bietet auch die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln, Freundschaften zu schließen und sich selbst besser kennenzulernen.
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Begegnungen auf dem Weg
Hape Kerkeling begegnet auf seiner Pilgerreise einer Vielzahl von Menschen, die alle ihre eigenen Geschichten und Motivationen haben. Zu den wichtigsten Begegnungen gehören:
- Stella: Eine zurückhaltende Frau, die ebenfalls auf der Suche nach sich selbst ist.
- Lena: Eine forsche Journalistin, die die Pilgerreise als eine Möglichkeit sieht, eine Geschichte zu schreiben.
- Evi: Eine Schwedin, die bereits Erfahrungen auf dem Jakobsweg gesammelt hat und Hape Kerkeling unterstützt.
- Anne: Eine Engländerin, die sich intensiv mit dem Buddhismus beschäftigt hat.
- Sheelagh: Eine Neuseeländerin, die ebenfalls auf dem Jakobsweg pilgert.
- Jose: Eine Holländerin, die als Krankenschwester arbeitet und sich um Krebspatienten im Endstadium kümmert.
- Ruco Urco: Ein mysteriöser Südamerikaner, der Hape Kerkeling provoziert und ihn zum Nachdenken anregt.
Diese Begegnungen zeigen die Vielfalt der Menschen, die sich auf den Jakobsweg begeben, und die unterschiedlichen Gründe, die sie dazu bewegen.
Innere Einkehr und spirituelle Erfahrungen
Auf seiner Pilgerreise macht Hape Kerkeling auch spirituelle Erfahrungen. Er setzt sich mit seinen Ängsten und Zweifeln auseinander, reflektiert über sein Leben und sucht nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Er beschreibt Momente der inneren Einkehr, in denen er sich mit sich selbst und der Natur verbunden fühlt.
Er fragt sich: Was aber, wenn dann am Ende dieser Reise die Antwort lautet: Nein, tut mir sehr leid. Der existiert nicht. Da gibt es NICHTS. Könnte ich damit umgehen? Mit nichts? Anscheinend weiß ich ja nicht mal so genau, wer ich selbst bin. Meine Frage muss also erst mal ganz bescheiden lauten: Wer bin ich? Ich will wissen, was dieser Weg mit mir macht oder auch nicht. Dann weiß ich es wenigstens.
In einem winzigen Ort zwanzig Kilometer vor Astorga liest Hape Kerkeling an der Mauer einer Grundschule: „Yo y Tú“ (ich und du). Das löst etwas in ihm aus. Das, was ich gestern erleben durfte, kann ich weder erzählen noch aufschreiben. Es bleibt unsagbar. Ich stehe mitten in den Weinbergen und fange aus heiterem Himmel an zu weinen. Erschöpfung? Freude? Alles auf einmal? Weinen in den Weinbergen!? Ja, und dann ist es passiert! „Yo y Tú“ war die Überschrift meiner Wanderung und das klingt für mich auch wie ein Siegel der Verschwiegenheit. In der Tat, was dort passiert ist, betrifft nur mich und ihn.
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Gastfreundschaft und Pilgerpastoral
Das Buch und der Film thematisieren auch die Bedeutung von Gastfreundschaft und die Notwendigkeit einer neuen Pilgerpastoral. Pilger sind auf ihrem Weg auf die Unterstützung und Gastfreundschaft anderer Menschen angewiesen. Sie finden Unterkunft in Pilgerherbergen und werden von Einheimischen mit Essen und Trinken versorgt.
In diesem Zusammenhang wird auf die Worte Guardinis verwiesen: „Das ist aller Gastfreundschaft tiefer Sinn: dass einer dem anderen Rast gebe auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause.“ Es geht darum, Menschen, die auf dem Weg durchs Leben sind, Rast zu geben: in der Kirche, in diesem Gotteshaus und in der Gemeinde. Sie dürfen und sollen sie aufnehmen, beherbergen, ihnen für eine gewisse Zeit Heimat schenken, ohne sie einsperren zu wollen. Sie dürfen und sollen sie annehmen und aufnehmen, wie sie sind, und nicht, wie wir sie gerne hätten.
Neben der alten, gewohnten und in den letzten Jahrzehnten bewährten Pfarreipastoral braucht es immer stärker auch eine neue, eigentlich aber uralte sogenannte Pilgerpastoral, die die Kirche wiederentdecken muss. Dabei meint Jakobs mit „Pilger“ nicht nur die Menschen, die sich auf den Weg nach Lourdes oder Santiago de Compostela machen, sondern alle Menschen, die sich nicht mehr so leicht wie früher in das Leben einer Pfarrei einbinden lassen, aber die dennoch unterwegs sind im Leben, als suchende Menschen, mit einer Sehnsucht im Herzen nach Heimat und nach Freiheit.
Rechtliche Aspekte: Titelschutz
Der Erfolg des Buches "Ich bin dann mal weg" führte auch zu rechtlichen Auseinandersetzungen um den Titelschutz. Ein Touristikunternehmen hatte mit dem Slogan "Ich bin dann mal weg.de" geworben, woraufhin der Verlag als Rechteinhaber des Buches Klage einreichte.
Das Oberlandesgericht Köln gab der Klage des Verlagshauses statt und urteilte, dass die Verwendung des Werbeslogans "Ich bin dann mal weg.de" die Titelschutzrechte des Bestseller-Buches von HaPe Kerkeling verletzt und somit nicht statthaft ist. Das Gericht begründete sein Urteil damit, dass es sich bei dem Buch von HaPe Kerkeling um ein in der Öffentlichkeit sehr präsentes Buch mit mehr als vier Millionen verkauften Exemplaren handelt und dass der Titel daher schutzfähig ist.