Viele Menschen kennen das Gefühl, sich trotz ausreichend Schlaf nicht ausgeruht zu fühlen oder unter Konzentrationsschwierigkeiten zu leiden. Diese Zustände können verschiedene Ursachen haben, von Stress und Schlafmangel bis hin zu hormonellen Veränderungen und Erkrankungen. In diesem Artikel werden die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Brain Fog und Schlafstörungen beleuchtet, um Betroffenen zu helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern.
Einführung
In der heutigen schnelllebigen Welt ist es keine Seltenheit, dass Menschen unter Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und allgemeiner Erschöpfung leiden. Diese Symptome können auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein, darunter Schlafmangel, Stress, hormonelle Veränderungen oder sogar zugrunde liegende Erkrankungen. Um diesen Zustand zu verbessern, ist es wichtig, die Ursachen zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.
Was ist Brain Fog?
Brain Fog, auch Gehirnnebel genannt, ist ein Zustand, der durch verschiedene Symptome gekennzeichnet ist, darunter:
- Verwirrtheit
- Vergesslichkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Müdigkeit
- Antriebslosigkeit
- Wortfindungsstörungen
- Langsames Denken
- Orientierungsprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Kopfschmerzen
Brain Fog ist keine medizinische Diagnose, sondern ein Oberbegriff für eine Reihe von Symptomen, die durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden können. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, ihre Arbeit und ihren Alltag zu bewältigen.
Ursachen von Brain Fog
Die Ursachen von Brain Fog sind vielfältig und können sowohl harmlos als auch ernsthaft sein. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
Lesen Sie auch: Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle bei Katzen
1. Schlafmangel
Schlafmangel kann die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen und zu Brain Fog führen. Carolyn Fredericks, Neurologin an der Yale Universität, erklärt, dass Schlafentzug dazu führen kann, dass Teile des Gehirns während des Wachzustandes in schlafähnliche Rhythmen übergehen. Menschen schlafen in der Regel zwischen sieben und acht Stunden. Wenige kommen mit sechs Stunden pro Nacht aus. Einige benötigen sogar neun bis zehn Stunden, um ausgeruht zu sein.
2. Hormonelle Veränderungen
Drastische hormonelle Veränderungen können ebenfalls Brain Fog hervorrufen. Frauen, bei denen der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, leiden häufiger unter diesem Symptom. Auch andere Veränderungen des Hormonspiegels, beispielsweise während einer Schwangerschaft, können Brain Fog verursachen.
3. Stress und Angstzustände
Stress und Angstzustände können die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen und zu Brain Fog führen. Thomas C. erklärt, dass Menschen, die unter Stress und Angstzuständen leiden, oft darüber klagen, dass ihr Gehirn vernebelt ist. Eine Studie aus dem Jahr 2019 bestätigte diese Annahme. Stress gilt als einer der Hauptgründe für das Auftreten eines Burn-outs. Wer nachts noch an die Arbeit denkt und gedanklich keinen Feierabend machen kann, den plagen meist schlaflose Nächte.
4. Medikamente
Bestimmte neurologische Medikamente können Brain Fog verursachen. Auch andere Medikamente können aufgrund ihrer Wirkmechanismen Hirnnebel verursachen, auch wenn sie sich nicht direkt auf das Gehirn auswirken. Zum Beispiel werden gegen Bluthochdruck manchmal Diuretika eingesetzt, die den Natrium- und Kaliumspiegel senken. Diese Elektrolytveränderungen verringern das Denkvermögen dieser Patientinnen und Patienten.
5. Infektionen und Entzündungen
Wenn der Körper gegen eine Infektion ankämpft, kann eine Entzündungsreaktion für den Brain Fog verantwortlich sein. Fredericks erklärt, dass in dem Fall sogenannte Entzündungszytokine dem Gehirn eine „Krankheitsreaktion“ signalisieren, die dazu zwingt, ein paar Gänge herunterzuschalten, sich auszuruhen und zu erholen. In einigen Fällen kann der Hirnnebel jedoch auch nach der Bekämpfung einer Infektion fortbestehen.
Lesen Sie auch: Umgang mit Demenz im Arzttermin
6. Autoimmunerkrankungen
Gängige Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) und Lupus können die Gehirnfunktionalität beeinträchtigen. Derzeit wird noch erforscht, warum genau die Immunreaktionen zu Brain Fog führen. Hirnuntersuchungen von Lupus-Patienten haben etwa Abweichungen in der Verarbeitungseffizienz des Gehirns aufgezeigt, was zu Veränderungen im Denken und im Gedächtnis führen kann.
7. Neurodegenerative Erkrankungen
Brain Fog kann ein frühes Anzeichen für neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson sein. Hammond erklärt, dass diese Patientinnen und Patienten oft darüber klagen, dass sie geistig nicht mehr so fit wie früher sind und dass ihre kognitiven Fähigkeiten nachlassen.
8. Ernährung
Eine unausgewogene oder gänzlich falsche Ernährung ist eine der Hauptursachen für den Brain Fog. Wenn man beispielsweise leere Kohlenhydrate oder Zucker isst, wird der Insulinspiegel in die Höhe gepusht. Kurz darauf sinkt er jedoch wieder in den Keller, weshalb es im Gehirn zu einem schnellen Leistungsabfall kommen kann. Aber auch zu wenig hochwertige Fette im Essen können die mentale Leistung schwächen.
9. Flüssigkeitsmangel
Wassermangel verursacht die typischen Konzentrationsprobleme und kann schon bei einer geringen Unterversorgung große Folgen haben. Denn das Gesamtvolumen des Gehirns besteht zu 75 Prozent aus Wasser. Dieses Level sollte immer gehalten werden, um optimale Gehirnleistung zu bringen.
10. Nährstoffmangel
Selbst bei der gesündesten Ernährung kann ein Nährstoffmangel auftreten, der dieses vernebelte Gefühl im Hirn hervorruft. Ein Mangel an Vitamin B12, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Rosenwurz oder Magnesium kann die Gehirnleistung beeinträchtigen.
Lesen Sie auch: Gehirn-Zusammenarbeit
11. Bewegungsmangel
Wenn das Gehirn bei zu wenig körperlicher Bewegung nicht ausreichend durchblutet wird, kann es schnell zu Brain Fog kommen. Schon ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft kann helfen, die Gehirnzellen besser mit Sauerstoff zu versorgen und wieder auf Zack zu bringen.
12. Umweltgifte
Der Körper kann mit einer Vielzahl an Umweltgiften in Kontakt kommen, die Brain Fog verursachen können. Toxine wie Formaldehyd oder Polychlorierte Biphenyle können zum Beispiel in Möbeln, Teppichen und Polstern stecken.
Schlafstörungen und Burn-out
Schlafstörungen sind ein häufiges Symptom von Burn-out. Dr. Christian Lechner, Chefarzt der Neurologie und Neurogeriatrie sowie des Schlafmedizinischen Zentrums im Helios Amper-Klinikum Dachau, ordnet ein, warum zu wenig Schlaf förderlich für das Burn-out-Syndrom ist und was dagegen hilft. Das Burn-out-Syndrom ist eine nicht eindeutig fassbare Störung, die oft mit dem Arbeitsleben verbunden ist. Es äußert sich durch körperliche Beschwerden und seelische Erschöpfung. Zu den ersten Symptomen eines Burn-outs zählen Schlafstörungen (Insomnie), Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und Verlust der Lebensfreude.
Ursachen von Schlafstörungen
Die Gründe für Probleme beim Einschlafen, Durchschlafstörungen und folglich nicht ausreichend Schlaf sind vielseitig. Sorgen, Stress und Kummer - auch um den Job - zählen zu den häufigsten Ursachen. Eine zunehmende Arbeitsmenge, die geringe Fähigkeit, sich von beruflichen Anforderungen in der Freizeit zu distanzieren, eine ständige Erreichbarkeit, aber auch fehlendes Abschalten erhöhen das Risiko eines Burn-outs.
Auswirkungen von Schlafmangel
Ein typisches Phänomen von Schlafmangel ist der vermehrte Appetit auf zuckerhaltige Lebensmittel, aber auch erhöhter Blutdruck. Eine verminderte Schlaftiefe und gestörte Schlafrhythmen bringen den Hormonhaushalt durcheinander. Während der Mensch schläft, regeneriert sich vor allem das Gehirn. In der ersten Nachthälfte produziert der Körper Hormone, die wichtig für Wachstum, Wundheilung und Zellregeneration sind. Die Tiefschlafphase dient vor allem der Entmüdung. „Ein verkürzter Nachtschlaf betrifft vor allem die REM-Schlafphase.
Medizinisch relevante Schlafstörung
„Von einer medizinisch relevanten Schlafstörung sprechen wir in der Schlafmedizin, wenn jemand über einen Zeitraum von drei Monaten mehr als drei Tage pro Woche unter Ein- und Durchschlafstörungen leidet“, sagt Dr. Christian Lechner. Durch Müdigkeit und fehlenden Antrieb sinkt die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sowie die Arbeitsgeschwindigkeit. Menschen mit hohen Ansprüchen an die eigene Leistung im Arbeitsleben werden dadurch extrem beansprucht und verunsichert. Zunehmende Zweifel an der Leistungsfähigkeit und das Unvermögen, die aktuelle Situation zu verändern, können ein Burn-out stark begünstigen.
Behandlung von Brain Fog und Schlafstörungen
Die Behandlung von Brain Fog und Schlafstörungen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige allgemeine Maßnahmen, die helfen können, sind:
- Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, eine entspannende Schlafumgebung und der Verzicht auf Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen können die Schlafqualität verbessern.
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Gehirnfunktion unterstützen.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichend Wasser trinken ist wichtig für die Gehirnfunktion und kann helfen, Brain Fog zu reduzieren.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und die Konzentrationsfähigkeit steigern.
- Nährstoffergänzung: Bei einem nachgewiesenen Nährstoffmangel können Nahrungsergänzungsmittel helfen, die fehlenden Nährstoffe zu ergänzen.
- Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente zur Behandlung von Schlafstörungen oder anderen Erkrankungen, die Brain Fog verursachen, erforderlich sein.
Behandlung von Insomnie durch Burn-out
Um eine Insomnie durch Burn-out zu behandeln, ist eine Analyse und Symptomsuche in der Arbeitswelt erforderlich. Dies geschieht zum Teil durch die zuständigen Arbeitsmediziner:innen. „Zwar können Medikamente Schlafstörungen lindern, von klassischen Schlafmitteln rate ich jedoch ab, da diese abhängig machen können“, sagt Dr. Lechner. Medikamente gegen Schlafstörungen sollten von Spezialist:innen verordnet werden. „Wichtig für Betroffene ist, dass sie das Privatleben und die Arbeitswelt trennen.
Professionelle Hilfe
Wenn die Beschwerden anhalten oder sich verschlimmern, sollte ein Arzt oder Spezialist aufgesucht werden. Dieser kann die Ursache der Beschwerden abklären und eine geeignete Behandlung empfehlen. Die Privatklinik Jägerwinkel am Tegernsee bietet sogenannte Brain Checks an, die auch der Gesundheitsvorsorge dienen können. Zum Untersuchungsprogramm zählen u.a. ein Gefäßcheck mit Duplexsonographie, eine Hirnfunktionsprüfung einschließlich apparativer Messverfahren und umfassende neurologische Untersuchungen einschließlich kognitiver Funktionsprüfung und Labordiagnostik.